9/11… und mein Senf dazu

Angesichts der vielen Beiträge zu den Vorkommnissen des 11. September 2001 widme auch ich mich diesem Thema. Zu einschneidend waren die damaligen Ereignisse, zu folgenreich die Beschlüsse und Konsequenzen aus diesem Tag. Fassungslos verfolgte ich vor zehn Jahren die Geschehnisse mit Kollegen und Mitarbeitern am TV-Bildschirm – die eigentliche Tragweite des 11.09. wurde mir allerdings erst später bewusst. Und dann kam doch alles anders, als gedacht…

Ziemlich rasch formte sich für mich in den damaligen Tagen ein Gedanke, den ich auch in die vielen Diskussionen im Freundeskreis über 9/11 einbrachte, weil ich ihn als logisch empfand: Die Anschläge waren nicht nur als terroristischer Akt zu betrachten (so grausam sie auch waren), sondern auch als deutliches Zeichen, dass sich das Verhalten der westlichen Industrie-nationen gegenüber dem Rest der Welt (insbesondere zu den Drittweltstaaten und islamisch geprägten Ländern) gehörig würde ändern müssen. Weniger Arroganz, weniger Ignoranz. Ein Zusammenrücken der Weltgemeinschaft. Aber Pustekuchen… Den Kampf gegen den Terrorismus betrachtete ich wie viele andere von Anfang an als schlechtestes Mittel, auf 9/11 zu reagieren, vor allem auch das deutsche Engagement am Hindukusch („uneingeschränkte Solidarität“ [1]) und Bushs Irakkrieg.

In den vergangenen zehn Jahren wurden viele Chancen verspielt. Und es hat sich einiges geändert. Die Vormachtsrolle des Westens wird in Frage gestellt von einem weltpolitisch immer selbst-bewussteren China mit den Schwellenländern im Schlepptau. Die USA haben durch Irak, Afghanistan, Abu-Ghuraib, Finanz- und Wirtschaftskrise Ansehen und Autorität verloren. In islamischen Staaten gehen die Menschen selbst auf die Straße und demonstrieren – natürlich begleitet von unserem Applaus – gegen die bestehenden Herrschaftsverhältnisse (die durch westliche Staaten mindestens geduldet, wenn nicht gar gestützt wurden). Europa streitet um’s Geld, statt um Werte. Israel und die Palästinenser ziehen den Graben immer tiefer und bauen die Mauer immer höher. Und in den allabendlichen Talkshows werden weder Fragen gestellt, noch Antworten gegeben.

Meine damalige Hoffnung, dass sich durch 9/11 weltweit etwas im Denken und Handeln ändern würde, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Entwicklung der Geschichte insbesondere in den USA ist erschreckend. Die Bush-Administration zeigte mit ihrer Aufführung des Stücks Kampf gegen den Terror ihr wahres Gesicht. Wir dürfen gespannt sein, ob (u.a.) ein Donald Rumsfeld noch in diesem Leben von einem ordentlichen Gericht angeklagt wird [2]. Zu gönnen wäre es ihm, denn als gläubiger Christ sollte er wissen, dass ihn nach seinem Ableben aufgrund seiner Taten eine nicht ganz so milde Behandlung erwartet…

Apropos Schmierenkomödie: Es ist schwierig, Kritik über die Untersuchungsberichte und Vorfälle rund um die Anschläge vom 11. September zu äussern, ohne nicht in die Ecke der suspekten ‚Verschwörungstheoretiker‘ abgeschoben zu werden. Natürlich wurden in den vergangenen zehn Jahren allerlei obskure Meinungen zu dem Thema insbesondere im iNet verbreitet. Andererseits gab und gibt es kompetente Menschen, die naheliegende Fragen stellen, deren Antworten ausgeblieben sind oder andere Rückschlüsse zulassen. Es darf als erwiesen gelten, dass der offizielle Commission Report, den die US-Regierung zu 9/11 in Auftrag gab, erhebliche Ungereimtheiten, Vertuschungen und Widersprüche [3] aufweist. Dennoch hielten und halten die großen Medien, auch bei uns in Deutschland, an dem gehirnwäscheartigen Credo fest: „Osama war es!“ [4]. So auch dieser Tage wieder in den unzähligen Dokumentationen auf allen Kanälen zu sehen.

Eine Frage, die sich mir zwangsläufig stellt: Wer ist dafür verantwortlich, dass Sender mit Aufklärungsauftrag nicht (investigativ) die Wahrheit berichten? Wer hat dafür gesorgt, dass unbequeme Journalisten ihren Arbeitsplatz oder Honoraraufträge verlieren? Wer hat es auf welche Weise geschafft, dass wir nicht protestierend die Frage stellen: „Warum eigentlich müssen deutsche Soldaten (und afghanische Zivilisten) am Hindukusch sterben?“

Denn – und das ist keine Verschwörungstheorie – ohne 9/11 und die (bis heute nicht erwiesene!) Schuldzuweisung an Osama Bin Laden in seiner afghanischen Höhle hätte es kein unsägliches Betroffenheitsfernsehen à la J.B. Kerner & K.T. zu Guttenberg in Masar-i-Scharif gegeben! Und alleine dafür wäre ich über eine schonungslose und ehrliche Aufklärung des 11. September und seiner Folgen sehr dankbar…

Quellen:

[1] Zitat Bundeskanzler Gerhard Schröder nach den Anschlägen vom 11. September 2001

[2] „Am 14. November 2006 reichte Wolfgang Kaleck, in Vertretung von 44 Organisationen und Einzelpersonen, (…) gegen Rumsfeld eine Strafanzeige wegen Kriegsverbrechen ein, welche am 27. April 2007 abermals von der Bundesanwaltschaft abgelehnt wurde.“ (Quelle: Wikipedia)

[3] siehe u.a. M. Bröckers + Christian Walther: „11.9.“, Westend Verlag

[4] Bis zu seinem Tod wurde Osama Bin Laden auf der FBI-Liste der weltweit meistgesuchten Verbrecher wegen verschiedener Straftaten, aber nie wegen 9/11 gesucht, da die „Ermittlungen des FBI keine konkreten Indizien für Bin Ladens Beteiligung an 9/11 ergeben hätten“ (Rex Tomb, Leiter der FBI-Presseabteilung, am 06.06.2006).

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2 Kommentare
  1. Es gibt in der Tat viele, fast zu viele offene Fragen, die unbeantwortet geblieben sind. Mehr darüber im Taschenbuch „Die CIA und der 11. September 2001“ von Andreas von Bülow, erschienen im Verlag Piper. Ja, was geschah am 11. September 2001 in New York wirklich?

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