Occupy Frankfurt

Protest vor den Bankentürmen

Die einen sprechen von über 5.000 Teilnehmern, andere schreiben von ca. 8.000 und in manchen Medien wird sogar von über 10.000 Demonstranten berichtet. Der gestrige Aufmarsch der Occupy Frankfurt-Bewegung war so oder so ein voller Erfolg!

Entgegen der ursprünglichen Bekanntmachung startete der Protest am Goetheplatz statt an der Hauptwache – das Ordnungsamt hatte wohl eine kurzfristige Änderung durchgegeben. Am Denkmalsockel des Herrn Geheimrats wurde ein kurzes Schauspiel anlehnend an die griechische Tragödie gegeben, von der ich allerdings nicht viel mitbekam. Ich schaute mich erst um und begrüßte ein paar Bekannte, die ich unter den Anwesenden antraf. Nach einiger Zeit setzte sich die Menge dann langsam Richtung EZB in Bewegung.

Ich war erfreut über die Zusammensetzung der Teilnehmer. Vom Rentner bis zum Schüler waren sämtliche Generationen vertreten. Neben den typischen Demo-Gesichtern waren erstaunlich viele Menschen zu sehen, die man nicht auf einer Protestkundgebung erwarten würde. Mittendrin: Dieter Moor, der markante Moderator von TTT (das sonntägliche Kulturmagazin der ARD), mit dem ich in paar Worte wechselte.

Sehr positiv, dass politische Parteien und Organisationen sich auf Wunsch der Veranstalter nicht offensiv zeigen durften. Mir fiel lediglich ein Grüppchen einer Partei namens DDP (oder DPP?) auf, die Anwesenheit der Linken machte sich für mich nur durch die einstudierten Sprechchöre bemerkbar. Für die Gewerkschaften, die ansonsten immer gerne Kundgebungen vereinnahmen, war die zweiwöchige Vorlaufzeit wohl zu schnell – mir sind keine DGB-Plakate aufgefallen.

Im Mittelpunkt – der Euro

Ebenfalls wohltuend zurückhaltend war die Vertretung der Staatsmacht. Ich beobachtete entspannte Polizisten und Einsatzleiter (was sich anscheinend aktuell ändert, wenn ich den neuesten Meldungen glauben kann*).

Am Willy-Brandt-Platz vor der EZB begann dann der eigentliche Teil der Aktion. Grussbotschaften, Ansprachen, Kabarettistisches. Alles friedlich und stimmungsvoll. Kein Idealismus, sondern pragmatische und klare Forderungen. Gut nachvollziehbar und für fast jeden der Anwesenden akzeptabel.

Am späten Nachmittag löste sich die Menge langsam auf. Die Stunde der eigentlichen Okkupanten – der Camper mit ihren Zelten – nahte. Es sollen über 200 Leute die Nacht vor der EZB verbracht haben. Ich werde am Nachmittag nochmal vorbei-schauen; auch, um die aktuellen Meldungen über Polizeieinsätze zu prüfen.

Der Anfang ist also gemacht. Die Frage wird sein, ob es der Bewegung, ob es uns gelingen wird, mit den Hauptthemen Ungerechtigkeit und Demokratie weiter Menschen zu interessieren, zu mobilisieren. Dann könnte eine überaus machtvolle Kraft entstehen, die tatsächlich in der Lage sein wird, Änderungen herbeizuführen. Wir machen weiter!

Es waren viele originell verkleidete Teilnehmer zu sehen. Natürlich die obligatorische Guy Fawkes-Maske, natürlich viel Bezugnahme auf die Finanzwelt. Aufgefallen ist mir auch dieses T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich brauch keinen Sex – die Regierung fickt mich täglich!“

* Aktuell: Die Meldungen über Polizeieinsätze waren fehlerhaft. In Frankfurt an der EZB bleibt es weiterhin ruhig und friedlich – in Berlin ist die Situation wohl eskaliert…

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