Seichte Brise statt Orkan

Teilnahme auch am dritten Protestmarsch der Occupy Frankfurt-Bewegung. Diesmal waren laut Medienberichterstattung 2.500 Teilnehmer dabei, die Veranstalter sprechen von knapp 5.000 Menschen. Wieder blieb es friedlich und fröhlich.

Das Camp wächst täglich

In einem früheren Beitrag wurde bereits kritisch betrachtet, welchen Weg die Protestbewegung nehmen wird. Nach den gestrigen Erlebnissen verschärft sich der Eindruck, dass Occupy Frankfurt dringend kompetente Für- und Vorsprecher benötigt, um durch bessere Aussendarstellung und Kommunikation tatsächlich die 99 Prozent der Menschen, die repräsentiert werden sollen, anzusprechen.

Es ist mir zu wenig differenziert und generell zu oberflächlich, wenn allgemeine Kapitalismus-kritik geäussert, ‚Weg mit den Banken‘ und die ‚Zerschlagung der Finanzmärkte‘ gefordert wird. ‚Mehr Demokratie‘, ‚mehr Gerechtigkeit‘ darf man artikulieren – dann jedoch sollten die Protestierenden realitätsnahe Alternativen und Visionen anbieten können. Man kann nicht die Welt grundlegend verändern wollen und dabei erwarten, dass die Mehrheit uneingeschränkt folgt. Wenn man die 99 Prozent mitnehmen, bewegen möchte, muss man sich auf klar verständliche und allgemein akzeptierte Grundformeln konzentrieren. Wenn die Occupy-Bewegung  weiterhin nur seichtes Wischi-Waschi anbietet, wird sie keine Reibung erzeugen – der Protest wird dort, wo er ankommen soll, wie ein laues Lüftchen vorbeischweben. Wenn ich gehört werden will, muss ich ernstgenommen werden.

Erste für mich vertretbare und wünschenswerte Aussagen sind: Trennung von Investment- und Kreditbankwirtschaft, mehr Transparenz in den Finanzmärkten, Regulierung von Spekulation auf Grundnahrungsmittel, (weltweite) Einführung der Finanztransaktionssteuer, härtere Kontrolle und Sanktionierung bei Korruption und Lobbyismus, eine ernsthafte Reform der Bildungspolitik. Über diese Themen lässt es sich streiten, Lösungsansätze finden, Konfrontationen erzeugen.

Es fällt mir schwer, mich uneingeschränkt den Äusserungen und Forderungen anzuschliessen, die vom Begleitwagen des Demonstrationszuges oder via Facebook schallen. Man wünscht sich einen Ponyhof… woher der Hafer kommt, bleibt ungeklärt.

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