Kunst in Zahlen

Nein, ich bin kein Neider. Und ich bin auch kein kleinbürgerlicher Spiesser, der kein Verständnis oder Interesse für Kunst und Künstler aufbringt. Im Gegenteil – ich achte das sehr! Aber die Wirrungen auf dem Kunstmarkt sind mir unverständlich…

‚Rhein II‘ von Andreas Gursky (Preis: 4,3 Millionen Dollar)

08. November 2011. Das Auktionshaus Christie’s erzielt in New York für eine Fotografie die neue Rekordsumme in Höhe von 4.338.500 Dollar! Ein Bild von A. Gursky mit dem Titel Rhein II [1].

Ich musste mich durch Frau Lenz (die weltbeste Fotografin) erst einmal aufklären lassen: Andreas Gursky ist ein in Leipzig geborenener Fotograf und einer der Topstars unter den Fotokünstlern. Seine Arbeiten sind international anerkannt und  geprägt von Landschafts- und Architekturbildern, die häufig durch Montage und Bildbearbeitung verfeinert werden. So weit, so gut.

Es mag sein, dass das oben gezeigte Foto eine besondere Eloquenz zeigt oder durch die strikte Linienführung hervorsticht. Vielleicht ist auch das flaggenähnliche Anordnen der Farblandschaften das herausragende Element des Bildes… Aber 4,34 Millionen  Dollar???

Es sei Herrn Gursky gegönnt, das Geld einzustreichen, ich würde es ebenso halten. Jedoch: Die aberwitzigen Summen, die auf dem Kunstmarkt erzielt werden, stehen meines Erachtens in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Wert des Werkes und zeigen eines wieder überaus deutlich: Es ist (in einigen Händen) zu viel Geld vorhanden! Die Relationen gehen dabei flöten. Den Käufer des Fotos würde ich gerne einmal kennenlernen. Mich interessiert sein Weltbild. Seine Philosophie. Die Art und Weise, wie er zu seinem Reichtum gekommen ist. Und warum er das Foto ersteigert hat. Wo er es aufhängen wird.

Geld verdirbt den Charakter. Zuviel Geld hebt die Welt aus den Angeln.

Um dem Gursky-Schnappschuss etwas entgegenzusetzen, mal ausnahmsweise Werbung für gute Fotografie: Hier der kurze Einblick in die aktuellen Arbeiten zweier Foto-Profis, die wirklich Geldwertes zu bieten haben…

Katja Lenz – Zigarren-Workshop (die Fotos wurden mal eben so unter unmöglichsten Bedingungen ‚aus der Hüfte‘ geschossen. @Katja: Sorry für den Gebrauch des Wortes ‚geschossen‘ – ich weiss, Du magst es nicht)

Marco Becher – Immer unterwegs… (tolle und beeindruckende Fotoreportagen aus aller Welt)

Quellen: [1] Christie’s

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3 Kommentare
  1. Der millionenschwere Wert hat ja nix mit dem Foto zu tun – Herr Gursky ist die Ware, um die es dabei geht. Er wird gehandelt, seine Fotos sind lediglich der Beweis für seine Existenz. Gelänge es dir oder mir, seine Nichtexistenz zu beweisen, könntest du dir eines der quadratmetergrossen Papierstücke die seine Signatur tragen für einige hundert Eurotaler in den Flur hängen. Vorausgesetzt, der ist gross genug dafür.
    Wäre ich an Gurskys Stelle – ich würds genauso machen ;-)

    • Ich würde es natürlich auch so machen, Herr Ärmel :-) Dennoch sind die Summen, die heute auf dem Kunstmarkt erzielt werden, aberwitzig…

    • Aberwitzig – in der Tat. Auch hier wird, wie an der Börse spekuliert auf Deubel komm raus. Da gibts erhellende Beispiele wie Künstler aufgebaut werden: in der bildenen Kunst, Musik, Literatur etc…
      Spekulation kommt von speculare (lat.). In der Schule habe ich noch gelernt: speculare = schauen, beobachten, Ausschau halten.
      Auf der Seite von istrading wird diese Übersetzung geliefert: „…Spekulation wird vom lateinischen speculatio/speculare abgeleitet und bedeutet soviel wie „das Ausspähen/nach Vorteilen Ausschau halten“….“ (wie würden die wohl Spekulatius übersetzen?

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