Zu Gast: Oswald Metzger

Das Podium

Am gestrigen Abend fand in den Räumen der Evangelischen Stadtakademie Römer9 die Auftaktveranstaltung einer Diskussionsreihe statt, in deren Rahmen OCCUPY FRANKFURT  Gesprächspartner zur öffentlichen Debatte unter dem Motto Gemeinsam in die Krise einlädt.

Premierengast war Oswald Metzger. Seine politische Laufbahn begann er in der SPD, bevor er 1987 zu den Grünen wechselte. Nach zunehmenden Differenzen trat er dann 2008 der CDU bei, wo er bis heute als Beisitzer im Bundesvorstand der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) fungiert. In seiner Zeit als aktiver Politiker war er u. a. Mitglied im Finanzausschuss des baden-württembergischen Landtages, Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Finanzauschuss im Bundestag, wo er sich den Ruf des Finanzexperten erwarb. Als Kurator der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist sein Credo Freiheit, Wettbewerb und Subsidiarität. Metzger bezeichnet sich selbst als Ordoliberalen, der für freien Wettbewerb, Haftung und Verantwortung der einzelnen Marktteilnehmer und möglichst grosse Zurückhaltung des Staates plädiert. Das kann durchaus als neoliberal bezeichnet werden.

Geladen wurde er mit der Fragestellung „Deflation oder Inflation, Herr Oswald Metzger?“ Schnell wurde klar, dass Publikumsfragen und die Komplexität des Themas die zweistündige Zeitvorgabe sprengen würden, zumal sich Metzger in etwas ausschweifenderen Ausführungen und Antworten gefiel. Häufig betonte er dabei die Notwendigkeit der Balance zwischen Geldmenge und produktiven Werten, sowie das absolute Ziel der staatlichen Konsolidierung. Konkrete Fragen zur Zukunft des Euro und der Euroländer waren natürlich auch von ihm nicht mit hundertprozentiger Sicherheit zu beantworten.

Interessant wurde es, als man auf die finanzpolitische Expertise der Bundestagsabgeordneten und Regierungsmitglieder und deren Entscheidungsverantwortung zu sprechen kam. Metzger begann auszuweichen mit Verweisen auf Fraktionszwänge und gewissenhaftem Studium der Wirtschafts-presse. Den beiden anderen Diskussionsteilnehmern auf dem Podium – zwei Aktivisten der Occupy Frankfurt-Bewegung (der eine ist der Investmentbranche zugehörig) – konnten diese Antworten nicht gefallen. Als Metzger dann noch betonte, dass auch Politiker um ihren Job bangen würden, ergriff ich das Mikrofon: „Insbesondere Mitglied des Bundestages zu sein, ist kein Job, sondern ein Auftrag. Ein Auftrag, der vom Volk erteilt wird„, kritisierte ich Metzgers Kommentar.

Meine Frage, inwieweit die Berliner Politik dem Beispiel Brüssels folgen würde, mit einer unabhängigen Institution insbesondere dem Finanz- und Wirtschaftslobbyismus etwas entgegen-zusetzen, blieb leider unbeantwortet.

Abschliessend sei gesagt, dass die Veranstaltungsreihe durchaus interessante Debatten und Einblicke hervorbringen kann, zumal den Gästen auch die Gedanken der Occupy-Bewegung näher gebracht werden. Wünschenswert wäre aber eine deutlich bessere Beteiligung  – gestern waren leider nur 30 Zuschauer anwesend.

(Ich bitte die miese Bildqualität zu entschuldigen – komme leider derzeit mit Blitzlichtaufnahmen überhaupt nicht zurecht)

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5 Kommentare
  1. Danke für die Eindrücke.

    Für wann ist denn die Fortsetzung dieser Reihe geplant?

    • Die nächsten Termine sind mir leider nicht bekannt. Occupy Frankfurt bietet jedoch einen Info-Service mit Programmankündigungen: Einfach eMail an „veranstaltungen(at)occupyfrankfurt(punkt)de“ mit Betreffzeile „Newsletter“!

  2. Hilmar sagte:

    Vorbildlich, dass hier immer soviel geschrieben wird.

  3. Dominik sagte:

    Hey, ich bin mal so frech und schreibe was im Blog. Sieht schnieke aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt verstehe aber noch nicht alle Funktionen. Dein Blog ist mir da immer eine willkommene Inspiration. Danke!

    • Herzlichen Dank! Bin zwar auch noch kein Profi – aber falls Du Fragen hast, kannst Du Dich gerne an mich wenden… LG Hackentrick

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