Unpolitisches Wochenende

Samstag, Innenstadt: Um 12.20 Uhr treffen wir am Rathenauplatz ein – OCCUPY FRANKFURT hat wieder zum Protest aufgerufen. Thema heute: Die Stadt gehört allen!

Netter Aufruf, dem wir uns gerne anschliessen. Doch mein Ansinnen ist es weiterhin, erstmal auf die Fehler im Finanz-, Wirtschafts- und politischen System aufmerksam zu machen, bevor die Bewegung beginnt, sich um misshandelte Hunde auf Sizilien zu kümmern (an alle Kommentatoren, die gerade Fingerjucken bekommen: Das ist eine ironische, also überzogene und nicht ernstgemeinte Bemerkung!). Dennoch – wir sind da und wollen ‚mitmarschieren‘.

Ein Banner erweckt allerdings unsere Aufmerksamkeit. Es geht um die angedrohte Beugehaft für Christa Eckes (ehemalige RAF-Terroristin). Es dauert keine Minute, um einig zu sein: Nein, wir wollen uns von diesem speziellen Thema nicht einnehmen lassen. Nein, wir wollen nicht an einer Demo teilnehmen, bei der wir mit Inhalten konfrontiert werden, zu denen wir in diesem Moment keine Meinung haben und auf die wir nicht vorbereitet waren!

(Kurzes Intro: Mir sind die Vorgänge um Christa Eckes nicht vollkommen egal, aber sie haben m. E. im Rahmen der Occupy-Bewegung nichts zu suchen!)

Der Entschluss war schnell gefasst: Kino statt Scheiss-Wetter-Demo! So kamen wir am späten Mittag in den wirklich empfehlenswerten Genuss des Roman Polanski-Films Der Gott des Gemetzels! Fünf Leutchen im High-End-Kinosaal!

Sonntag: Aufruf zum Advents-Flashmob der Gruppe Flashfurt Mobbers. Beim Trillerpfeiffen-signal gegen 17.30 Uhr auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt ‚Stille Nacht‘ intonieren und dabei Wunderkerzen schwenken!

Auftrag ausgeführt! Pünktlich um 17 Uhr fanden wir uns zur Vorbesprechung in einem Häufchen von ungefähr 30 (?) Leuten vor MyZeil ein. Einer der Organisatoren äusserte Bedenken, dass ‚Stille Nacht‘ ein Lied ausschliesslich für den Weihnachtsabend sei – da wir jedoch beim spontanen Alternativ-vorschlag ‚Oh, Du fröhliche‘ Bedenken hinsichtlich der Textsicherheit äusserten, blieb es bei Plan A.

„Stille Nacht“ beim Advents-Flashmob

Weihnachtszeit. Fest der Besinnung. Fest der Freude. Fest des Friedens… Jaja, soviel Hektik, Aggression und Stress ist sonst selten zu beobachten. Egal – eine halbe Stunde später standen wir zu fünft gewappnet mit Textblatt und Wunderkerzen mitten auf dem Weihnachtsmarkt und warteten auf das Trillerpfeiffenzeichen. Neben uns stand zufällig eine zweite Gruppe, die wegen dem Flashmob gekommen war. Die Kirchturmuhr schlug 17.30 Uhr, Trillerpfeiffensignale waren nicht zu hören. Als wir aber meinten, aus einer anderen Ecke des Weihnachtsmarktes Gesang zu vernehmen, legten wir einfach los: „Stiiiiiii-hille Naaaaacht“.

Über die Sangeskünste der Beteiligten wage ich an dieser Stelle nicht zu urteilen – wir waren mutig, konsequent und laut. Schön war’s! Und die Feuerzangenbowle hat auch geschmeckt.

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