Werbung macht Geschichte

Eine alte Werberweisheit sagt: „Sex sells!“ Und vor allem: „Kinder und Tiere gehen immer.“ Das dachte sich wohl auch der Geschäftsführer eines Frankfurter Bestattungsunternehmens, als er sich Gedanken über eine Neugestaltung seines Schaufensters machte.

Wir wissen nicht, wer letztendlich das unten abgebildete Poster verbrochen hat, aber irgendjemand kam auf die Idee, eine kleine Julia vor die Kamera zu zaubern, die auf diesem Plakat ihren Vater fragt: „Was macht denn jetzt die Oma da unter der Erde?“

Werbetechnisch ein perfider Schachzug! Wir denken an die Gewissenbisse, die jeden anständigen Familienvater überkommen, wenn er mit dieser Frage konfrontiert wird. Soll er die Wahrheit sagen, nämlich dass die Oma mausetot unter der Grasnarbe verscharrt wurde und die Würmer an ihr nagen? Und dass vielleicht, aber auch nur wenn sie brav war, ihre Seele im Himmel schwebt und dem Harfenspiel des Engel Aloisius lauscht („Lullja sog‘ i“), woran aber sowieso niemand glaubt?

Nein, natürlich nicht! Das Töchterlein würde weinen, die Frau Gemahlin wäre entsetzt. Und so hilft die unter allen Marketingaspekten voll durchkonzipierte Gestaltung des Schaufensters dem überforderten Mann flugs weiter: Neben dem im dekorativen Plexiglasrahmen eingefassten Poster werden zwei wunderschöne Urnenmodelle (Outerspace und Allgäuglück) präsentiert, die der kleinen Julia suggerieren: Hier drin ist Oma vor den Würmern geschützt und träumt von einer schöneren Welt!

Diese simple, aber absolut wirksame Marketingstrategie ist ein Highlight der Werbegeschichte. Hervorzuheben ist die auf Emotionen aufgebaute Struktur: Tote Oma – süsses Kind – grosses Problem – Lösung durch Produkt! „Nutzen Sie im Todesfall unsere Kompetenz und Dienstleistung, und Sie erleben glückliche Kinder und zufriedene Ehefrauen!“

Wir finden: Das hat sich den Goldenen Nagel des ADC (Art Directors Club) noch in diesem Jahr verdient! Wir werden diese Schaufenster-Promotion sofort beim ADC-Wettbewerb einreichen (Einsendeschluss 31.01.) in den Kategorien Räumliche Inszenierung und Ganzheitliche Kommunikation – der Sieg ist gewiss!

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4 Kommentare
  1. Es wird bestimmt viele verschiedene Meinungen zu dieser Marketing-Aktion geben. In der Summe ist mir aber fast alles recht, was dazu dienen kann, das Thema Tod ins Leben (das sich nur aus dem Tod alimentiert) zu integrieren. Insofern „Bravo“!

    • @uhupardo: Dieser Artikel ist nicht ganz ernst gemeint ;-) Tatsächlich stehen das Plakat und die beiden Urnen (im Plastikdesign) im Schaufenster des besagten Bestattungsinstituts, die Verknüpfung dieser Dinge mit einer durchdachten Marketingkonzeption stammt allerdings von mir. Oder wir haben es dann doch tatsächlich mit Realsatire zu tun…

  2. So oder so. Wenn es so im Schaufenster steht, ist es irgendwie Marketing oder nicht? :-) Keine dumme Idee jedenfalls.

    • So gesehen stimme ich Dir zu. Auch wenn ich mir da etwas zusammengedacht habe – eine (wenn auch zufällige) Werbeintention steckt ja schon in der Sache… Insofern: Aus Spass wird Ernst! :-)

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