Aber, aber, Frau Ditfurth…

Gestern Abend am Bass gezupft und nebenbei Anne Will (ARD) geschaut. Thema: Der Alte Fritz. Die üblichen Gäste: Richard von Weizäcker, Gregor Gysi, Guido Knopp, der Schauspieler Ulrich Matthes und Jutta Ditfurth.

Die Sendung hat mich nicht sonderlich interessiert, aber eines war mal wieder ‚talkshowtypisch‘ vorhersehbar: Frau Ditfurth in der Rolle der Widersacherin. Manchmal mag ich sie, manchmal nicht. Ich habe die Sendung nicht so richtig konzentriert verfolgt (wegen Bassspiel), aber bei einem Redebeitrag von ihr ist mir ihre irgendwie nervige, grundsätzlich kontrahente Haltung aufgefallen, die ihr anscheinend eigen ist.

„Mich interessiert nicht sein schönes Querflötenspiel oder die Briefwechsel mit Philosophen. Er war ein Kriegstreiber.“ (Kein wortgenaues Zitat)

Meine Meinung: Liebe Frau Ditfurth, man kann zu Friedrich II. sicherlich unterschiedliche Meinungen haben und diesen Menschen als widersprüchliche Figur sehen. Sie sollten jedoch die Dinge im Kontext ihrer Zeit betrachten, sonst müssten Sie auch Thomas Alva Edison den Vorwurf machen, dass er die Glühbirne erfand*, anstatt gleich die Energiesparlampe!

Man kann es auch übertreiben mit der Rolle, die man spielt. Oder wurde Jutta Ditfurth vom Sender ausdrücklich gebeten, in der Talkrunde den Miesepeter abzugeben? Ist es nicht abwegig, die Handlungen einer historischen Figur mit heutigen Massstäben zu messen?

Dennoch habe ich Respekt vor Frau Ditfurth. Sie polarisiert, sie zieht wohlweisslich immer wieder Kritik auf sich, sie klettert in den Ring und macht sich zur Zielscheibe. Chapeau, Jutta – aber ein bisschen mehr Gelassenheit wäre wünschenswert!

* Bevor wütende Nachrichten eintreffen: Ich weiss, dass T.A. Edison die Glühlampe nur verbessert hat. Erfinder gab es bereits vorher, aber der Name Edison bringt mehr ‚Schmackes‘ (Pluraletantum = Nachdruck, grosse Wucht) in die Aussage!  

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4 Kommentare
  1. Schnellinger sagte:

    „Ist es nicht abwegig, die Handlungen einer historischen Figur mit heutigen Massstäben zu messen?“

    Was ist daran abwegig, würdest du zB. den GröFaZ nicht nach deinen heutigen Maßstäben messen, sonder nach denen seiner begeisterten Zeitgenossen?
    Und die Tausenden vom ollen Fritz im Krieg verheizten konnten sich sicher auch nichts dafür kaufen das der Herr Feingeist währenddessen Flöte übte. Von dem wird in meinen Augen ein positiv verklärtes Bild geschaffen, das der Realität seiner Untertanen nicht gerade gerecht wird.
    Ich empfehle den Artikel aus Telepolis. http://www.heise.de/tp/artikel/36/36274/1.html
    „Mit der Einverleibung Schlesiens, einem zentralen Ziel des preußischen Großmachtstrebens, hängen drei Angriffskriege von Friedrich II. zusammen (1740, 1744, 1756), von denen der letzte den Auftakt zum Siebenjährigen Krieg abgab und allein 400.000 preußischen Zivilisten und Soldaten das Leben kostete. Der junge König, der sich eben noch den Lorbeer der Folterächtung aufgesetzt hatte, ließ unzählige treue Untertanen Österreichs kurzerhand am Baum aufhängen. Immer wieder nahm er es in Kauf, hier Zehntausend und dort Zehntausende der eigenen Leute nach seinen Schlachten als Leichen zurückzulassen. Am Ende schickte der vermeintliche Schulreformer auch Kindersoldaten auf die Schlachtfelder des sinnlosen Sterbens.“

    Und als Linksradikaler kann ich der Jutta höchstens vorwerfen das sie sich mit geschichtsrevisionistischen Schmierlappen wie Guido Knopp in eine Sendung setzt ohne einen schönen Aufruhr wie in den Talkshows meiner frühen Jugend zu veranstalten, als man kinskiesk noch sein gegenüber mit dem Inhalt seines Rotweinglas malträtierte oder wie Herr Niggel von den Scherben einfach mal mit der Axt auf den Tisch schlug. Mehr Lametta und Remmidemmi. Oldskool halt. ;-)

    • Ich stimme Dir voll und ganz zu, Herr Schnellinger! Wollte nicht Friedrich II. in Schutz nehmen oder seine (Un)Taten beschönigen. Mein Gedanke zielte dahin, dass sich Jutta Ditfurth durch die Talkshow-Teilnahme missbrauchen lässt und eine Rolle übernimmt, die so vorhersehbar ist. Wie die Verteilung der Bullen beim Verhör: Bad guy, good guy. Das geht mir bei ihr – ähnlich wie bei Alice Schwarzer – manchmal ziemlich auf die Nerven…

    • Danke für den Link, Carmen! Damit fühle ich mich mit meinen Beobachtungen bestätigt :-)

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