Unheimliche Begegnung der dritten Art

Kunstbeflissener Abend mit Frau Lenz (BURNING BEASTS auf der Domplatte, Bericht folgt). Anschliessend nach Offenbach zum Absacker reflektierenden Gespräch in die Weinstube. Später auf dem Heimweg schlendere ich gedankenverloren die Berliner Strasse entlang Richtung Kaiserleikreisel – an der Station Ledermuseum ist mir die S-Bahn Richtung Heimat vor der Nase weggefahren, so dass ich mich entschlossen habe, die zehn Minuten Fussweg zur nächsten Station für die Frischluft-aufnahme zu nutzen und gleichzeitig dem Tabakgenuss zu frönen (ja, das geht!).

Kurz vor der Haltestelle Kaiserlei nehme ich ein aufdringliches Gröhlen wahr, wie es nur aus alkoholisierten, jugendlichen Kehlen zu entnehmen ist. „Oha, besoffene Kickers-Fans“, schiesst es mir in den Kopf. „Jetzt muss ich als Frankfurter und Eintracht-Fan Farbe bekennen“

Mit dem Gedanken „bellende Hunde beissen nicht“ gehe ich weiter auf die Verursacher des Radaus zu, denn ich will mich nicht dem Recht des Stärkeren auf den Strassen beugen (und ausserdem wartet die S-Bahn nach Frankfurt)! Fünfzig Meter vor mir erkenne ich langsam schemenhaft die Konturen der anscheinend potenziell gewaltbereiten Schläger: Es sind drei an der Zahl. Und da sie auch mich wahrzunehmen scheinen, nutzen sie auf einmal im Näherkommen die volle Gehsteigbreite, so dass ein Vorbeihuschen meinerseits unmöglich erscheint. Die Konfrontation ist unausweichlich!

Zigarettenstümmelwegschnippend registriere ich, wie sich meine rechte Faust in der Jackentasche um den Schlüsselbund schliesst, so dass der grosse Haustürschlüssel zwischen Zeige- und Mittelfinger herausragt: „Ok, OFC-Kackers – ich bin gewappnet!“

Dann geht alles ganz schnell: „Ey, Alder“ ist die obligatorische Anmache, als die drei meinen Weg versperren. „Ääääh, hallo Jungs“, meine rhetorisch äusserst gelungene Antwort (glücklicherweise trage ich heute nicht meine obligatorische Irish-Guy-Kappe, sonst würde der Angstschweiss bereits in Strömen fliessen). Die drei haben mich sofort umstellt, so dass mir keine Möglichkeit zur schnellen Flucht bleibt.

„Ich bin Jimi Hendrix“, sagt plötzlich einer der Gewaltverbrecher. „Und ich heisse Bob. Bob Marley“, fügt sein Nachbar hinzu. „Mein Name ist Jon Bon Jovi. Und wie heisst Du?“, vervollständigt der letzte des gefährlichen Trios die Ansprache. „Ich bin Jazzy“, antworte ich, erfreut über die überraschende Wende. Und sofort beginnen die drei spontan im Chor zu singen: „Jessie paint your pictures – about how it’s gonna be“, und bemühen dabei ihre umgehängten Luftgitarren…

Ich falle auf die Knie, nenne sie „die irgendwie geilsten Offenbacher, denen ich jemals begegnet bin“ und bitte darum, ein Foto machen zu dürfen.

„Jazzy, Du bist echt cool“, rufen sie, wir fallen uns in die Arme, beglückwünschen uns gegenseitig ob der soeben geschlossenen, immertreuen und -währenden Freundschaft und begeben uns dann wieder auf unsere individuellen Wege: Die drei Musikanten in Richtung Wo-geht-noch-was-ab und ich zur S-Bahn.

Und die Moral von der Geschicht‘: Misstraue Offebächern nicht gleich nicht!

Jimi, Bob und Bon Jovi (v.l.n.r.) kurz vorm Kaiserlei

(PS: Beim Schreiben dieses Artikels frage ich mich gerade, ob man für unverständige Leser erklären sollte, dass wir uns mitten in der Karnevalssaison befinden… Aber ich denke mir jetzt. Och nö.)

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2 Kommentare
  1. Frankfurt und Offenbach versöhnt sich und die Frau Lenz ist begeistert !!!

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