Satire und Karikatur im Frankfurter Kunstverein

Mittwochabend, Café des Frankfurter Kunstvereins – Wieder eine Veranstaltung der Reihe DEMONSTRATIONEN. VOM WERDEN NORMATIVER ORDNUNGEN. Die beiden Kuratorinnen der begleitenden Ausstellung, Sabine Witt und Fanti Baum, luden zum Thema „Subversives Potential satirischer Kunst“ und sprachen darüber mit Leo Fischer (verantwortl. Redakteur des Satiremagazins TITANIC), sowie mit Ivana Sajevic und Nils Zapfe (Theatergruppe LOVEFUCKERS).

Karikatur von Kukryniksy (1942)

Der Diskurs behandelte u.a., wie sich Satire im Laufe der Zeit (Französische Revolution bis heute) weiter-entwickelte, welche Stilmittel möglich sind und was die Satire bewirken kann.

Anhand von Szenen aus dem Theaterstück „King of the kings“ der Gruppe LOVEFUCKERS (u.a. aufgeführt vor zwei Wochen in der Pik Dame), erläuterten Sajevic und Zapfe die Konzeption und Entwicklung ihrer Arbeit. Der Hauptprotagonist der Performance – Diktator Muammar al-Gaddafi (überspitzt dargestellt mittels einer grossen Puppe) – offenbart in einer aktionsreichen Show seine absurden Selbstinszenierungen und bizarren Machtdemonstrationen. Diese Figur verdeutlicht dabei stellvertretend für all die ‚Berufskollegen‘ die mehr und mehr zunehmende und ins Lächerliche abgleitende Realitätsferne des Alleinherrschers, aber auch die Anbiederungen und Funktionalismen der Untergebenen und Helfer im Umfeld der Macht.

Ausreichend Beispiele für die Wirkung von Satire lieferte natürlich Leo Fischer, der im grossen Fundus der TITANIC graben konnte. Herrlich, mal wieder an ‚Birne‘ erinnert zu werden.

Für Fischer gilt: Satire darf alles! Etwas vorsichtiger formulierten Sajevic und Zapfe die Grenzen dieser Kunstform: Der Rahmen wird für sie durch Art und Weise, sowie die Kompetenzen des Satirikers gebildet.

Überraschend für mich die Aussage, dass Satire bei den Revolutionen im arabischen Raum eine wichtige Rolle spielt. Hier dienen die anonymen Mittel der Zeichentrick- oder Puppenfilme auf Youtube, Karikaturen auf Häuserwänden und ironischen Liedtexte auch dem Schutz von Leib und Leben der politischen Kritiker.

Die Runde stellte fest: Satire hat in unserer offenen Gesellschaft natürlich nicht Wirkungsgrad und Priorität wie in unterdrückenden Staatssystemen. Doch sie muss auch bei uns weiter gepflegt werden, denn – so Leo Fischer: „Wer weiss, was kommt“.

Mit drei noch ausstehenden Terminen (s.u.) findet das Projekt DEMONSTRATIONEN. VOM WERDEN NORMATIVER ORDNUNGEN sein Ende. Eine für mich äusserst interessante Veranstaltungsreihe mit Denkanstössen, originellen Erlebnissen, Skurillem und einer Begegnung mit dem zukünftigen Bundes-präsidenten (Links: Gang auf’s Amt, Gespräch mit Gauck, Brennende Biester, das Zwei-Mensch-Ding-Orchester). Eine Auseinandersetzung mit Formen des Protestes und den Gründen für Umbrüche.

Grosses Lob an die Veranstalter vom Frankfurter Kulturverein und dem Exzellenzcluster Normative Orders der Goethe-Universität! 

[Die noch ausstehenden Aktionen: Musikperformance LES TRUCS am 21.03., Strassenkunst MARCELLO MALOBERTI am 24.04. und die abschliessende Kuratorenführung am 25.03.] 

Nachtrag: Für die Strassenperformance von Marcello Maloberti „I AM THE HAPPINESS OF THE WORLD“ werden noch Akteure gesucht. Treffpunkt für den vorbereitenden Workshop ist Samstag, 24.03. von 10-16 Uhr im Frankfurter Kunstverein, die Aktion startet ab 16 Uhr in der Innenstadt!

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