Low- statt High-Tech

Als ich Anfang Januar den Artikel über die Steampunk-Bewegung schrieb, betrachtete ich hauptsächlich die spielerischen und romantisierenden Aspekte dieser Szene. Dass aber vielleicht doch eine tiefere Botschaft dahintersteckt, wurde mir letztens beim Schmökern in den aktuellen ‚Hausnachrichten‘ von MANUFACTUM („Es gibt sie noch, die guten Dinge“) bewusst.

Von der Kaffeemaschine über das Telefon bis zu unseren Autos – ohne elektronische Steuerungen sind für uns viele Produkte kaum noch vorstellbar. Auch beim Umgang mit Problemen (beispielsweise Klima- oder Energiepolitik) vertrauen wir auf technische Lösungen (früher oder später) und machen uns von ihrem Funktionieren abhängig.

Die Frage, die sich dabei stellt: Ist moderne Technik immer die bessere und auch günstigere Variante und daher allem anderen vorzuziehen?

Mittlerweile wird viel von der tatsächlichen Energiebilanz eines Gerätes gesprochen, damit sind neben dem Energieverbrauch auch der energetische Aufwand im Herstellungs- und Distributions-prozess gemeint. Fachleute berechnen für die Produkte den jeweiligen sogenannten ökologischen Fussabdruck (engl. Product Carbon Footprint) und bringen damit einen neuen Ansatz in die Debatte: Sind wir eigentlich bereit, den wahren Preis für die von uns gekauften Gegenstände zu akzeptieren? So benötigt man zum Beispiel für die Produktion eines Mikrochips unter anderem ca. 32 Liter Wasser, das Brauen und Abfüllen einer kleinen Flasche Bier kostet 75 Liter Wasser (sic!) und die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts kommt sogar auf 2.000 Liter! Die realen Preise an der Supermarktkasse verdeutlichen diesen Ressourcenverbrauch allerdings nicht…

Was Steampunk mit dem Thema zu tun hat? Vielleicht ist die Bewegung nicht nur eine zugegebenermassen etwas verschrobene Spielerei mit der Ästhetik des Dampfmaschinen-Zeitalters, sondern auch der unbewusste Versuch, eine Antwort auf unseren heutigen Energiehunger zu finden: Low- statt High-Tech.

‚Low-Tech‘ kann eine mögliche Alternative sein. Manuell und mechanisch, statt automatisch und elektrisch. Vier Tage Seereise, statt acht Stunden Flugzeit. Weniger umwelt- / rohstoffbelastend und sicherlich wertefördernd. Sind wir bereit, Verzicht zu leisten?

In den MANUFACTUM-Hausnachrichten wird über Kris De Deckers äusserst interessante, englisch-sprachige Internetseite Lowtechmagazine.com berichtet. De Decker greift auf Althergebrachtes, Bewährtes und Vergessenes zurück, untersucht die Energieeffizienz verschiedener Technologien und Systeme und berichtet über stiefmütterlich behandelte Lösungsansätze. Ein die Realitäten verkennender Träumer? Wohl nur für die Menschen, die ihre Komfortzone nicht verlassen wollen und den Einflüsterungen unserer Wohlstandsmaschinerie gedankenlos gehorchen. Kris De Decker greift altes Ingenieurswissen auf und untersucht akribisch Möglichkeiten, wie wir schonend und effizient Dinge ‚besser‘ machen könnten. Wer sich intensiv über propagierte Öko-Mythen, alternative Maschinen und Antriebsmöglichkeiten informieren möchte, ist auf seiner Webseite bestens aufgehoben!

Passend dazu finde ich auch zwei Blogeinträge, die mit Umdenken und Innehalten zu tun haben: Carmen von umamibuecher.wordpress.com präsentiert ein Sachbuch, das die moralischen Fragen der Ökonomie und der Teufelskreise Wachstum und Wohlstand behandelt. Und auf katjalenz.wordpress.com betrachten wir eine meditative Fotostrecke, die im Rahmen eines Aufenthaltes in einem buddhistischen Kloster entstanden ist. Entschleunigen, Ruhen, Abschalten, Energie sammeln…

Triptychon von Katja Lenz

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