Nie mehr 2. Liga

Wir sind wieder da!

Montagabend, Aachener Tivoli – Schiedsrichter Michael Weiner lässt den Schlusspfiff ertönen. Mit einem 3:0 gegen Alemannia Aachen sichert Eintracht Frankfurt bereits am 32. Spieltag vorzeitig den Aufstieg in die Bundesliga und übernimmt die Tabellenführung. Ich spüre Freude und Erleichterung, aber grosse Jubelstimmung will sich nicht bei mir einstellen.

Zu grausam war die Rückrunde der Saison 2010/11, als die Mannschaft blutleer und kampflos dem Abstieg entgegentaumelte. Nach einer eindrucksvollen Hinrunde träumten wir von Europapokalspielen, nun mussten wir zu Saisonende entsetzt realisieren, dass die zukünftigen Gegner Aue, Rostock und Ingolstadt heissen würden. Trainerdarsteller Michael Skibbe liess unmotiviert die Zügel schleifen und die Vereinsführung schaute lange tatenlos zu, geblendet von den Ergebnissen der ersten Saisonhälfte. Der dann noch schnell als vermeintlicher Messias verpflichtete Trainer Christoph Daum konnte auch keine Wunder mehr vollbringen – Tasmania reloaded.

Letzten Sommer dann also bei allen Beteiligten Ernüchterung. Ab sofort abendliche Freitags- und Montagsspiele oder Anstosszeiten, zu denen andere Einkaufen gehen oder am Mittagstisch sitzen. Ebenso schmerzlich die Erkenntnis, in den medialen Sportberichten nur noch in zweiter Reihe behandelt zu werden.

Dass das Jahr in der 2. Liga kein Spaziergang wird, war gewiss. Doch als Düsseldorf, Greuther-Fürth und St. Pauli dermassen hartnäckig um die Aufstiegsplätze mitkonkurrierten und sich keine Blösse zu geben schienen (später stiessen sogar noch 1860 München und Paderborn hinzu), kam eine gewisse Skepsis hervor. Und dann doch – ausgerechnet in Aachen und unter der Leitung von Schiedsrichter Weiner, der mit seinem Elfmeterpfiff und der roten Karte für Pirmin Schwegler beim DFB-Pokalspiel gegen die Alemannia im Dezember 2010 den Beginn des kläglichen Absturzes symbolisierte – der befreiende und entscheidende Sieg! Freude und Erleichterung…

Der Jubel über den Wiederaufstieg hält sich auch deswegen in Grenzen, weil ein Verbleib in Liga 2 den Supergau bedeutet hätte. Der Aufstieg ist nicht nur Reparatur eines sportlichen „Betriebsunfalls“, wie der grauenvolle Abstieg vor nicht allzulanger Zeit von offizieller Seite noch bezeichnet wurde, sondern auch die Abwendung des völligen Niedergangs der Eintracht. Das Debakel vom letzten Jahr hat den Verein nicht nur sportlich um Jahre zurückgeworfen: In der nächsten Saison wird wieder eine 2,3 Mio. Euro teure Rückzahlung an ISPR fällig, zu erwartende Einnahmen werden von der hohen Stadionmiete und Abgaben an den Vermarkter Sportfive aufgefressen. Die Schatulle hat sich gelehrt (auch wegen dem teuren Kader, der dennoch den Abstieg verschuldete). Zudem steigt im Sommer der Hauptsponsor Fraport aus, ein Nachfolger wurde noch nicht verkündet. Da bleibt wohl nicht viel Spielraum, um eine aussichtsreiche Mannschaft zusammenzustellen. Auch das ein Grund, warum heute Aufstiegstrainer Armin Veh mit Sportdirektor Hübner und Vorstandsvorsitzenden Bruchhagen zusammensitzen wird, um über seinen Verbleib in Frankfurt zu sprechen. Viel Perspektiven wird ihm die Eintracht nicht bieten können.

Die Mannschaft muss zwingend die kommende Saison in der Bundesliga bestehen, um längerfristig wieder auf die enteilten Mitkonkurrenten (z.B. Nürnberg, M’gladbach, Hannover) aufzuschliessen. Wird schwer genug. Auf Bruchhagen und Hübner wartet jetzt Arbeit, an der sie sich messen lassen müssen: Kader umbauen und punktuell verstärken, bestenfalls mit der Stadt die Stadionmiete nachverhandeln.

Dennoch: Jetzt feiern wir erst einmal die letzten beiden Saisonspiele, sichern noch diese hässliche Meisterschale der 2. Liga für das Eintracht-Museum und beobachten genüsslich das Auf- und Abstiegsgerangel der anderen Vereine im Profifussball.

„Nie meeeehr 2. Ligaaaa!“

[Anmerkung: Einen wieder einmal lesenwerten Bericht über das Auswärtserlebnis in Aachen – der sich wohltuend vom Randalegeschrei der Presse abhebt – hat Axel Hoffmann in seinem Blog Beves Welt veröffentlicht. Auch so wird Fussball und Fan-Dasein gelebt. Von denen, die immer da sind… (um Axel zu zitieren)] 

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3 Kommentare
  1. „Nie meeeehr 2. Ligaaaa!” .. lassen wir uns überraschen :D.
    LG,Laura

    • Yep… Ich hoffe, die Verantwortlichen nutzen die kommenden Wochen für die richtigen Entscheidungen! Übrigens – ist jetzt doch aktuell: Offizielle Feier am Römer nach dem Auswärtsspiel in Karlsruhe. 40.000 hin und gegen die horrende Stadionmiete demonstrieren :-)

    • Aaahh..ok! Danke für die Info!

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