Das lauteste Instrument der Welt

Der Skytower auf dem Expo-Gelände

Die Orgel, über die ich in meinem Artikel über das John Cage-Projekt in Halberstadt berichtet habe, entspricht nicht gerade dem gängigen Bild eines Instrumentes und wurde speziell für einen einzigen Zweck konstruiert: Sie soll in der Kirchenruine 639 Jahre lang die Klänge der Komposition Organ 2 / ASLSP erzeugen. Heute geht es um eine andere besondere Orgel, die alle Rekorde bricht. Ihr Name: Vox Maris.

Vergangenen Samstag wurde die EXPO 2012 im südkoreanischen Yeosu eröffnet. Das Motto der EXPO lautet „Das lebendige Meer und seine Küste“, in den Länderpavillons werden Themen rund um Umwelt, Zukunft und Erforschung der Ozeane präsentiert.

Zentrale Anlaufstelle auf dem Gelände an der Meeresküste ist der Skytower. Der Doppelturm – ehemals zwei riesige Betonsilos – wurde umgebaut: In einem Gebäudeteil wird Süsswasser gewonnen, der andere beherbergt eine Ausstellung mit Meeresprojektionen und… die Orgel!

Eigentlich ist das Instrument Vox Maris („die Stimme des Meeres“) Teil des Gebäudes. Rund um beide Türme winden sich achtzig Orgelpfeifen aus Edelstahl und Kupfer – die längste misst 72 Meter! Der einmanualige Spieltisch befindet sich auf dem Dach des Gebäudes.

Um die riesigen Orgelpfeiffen zu betreiben, benötigt es den 8.000-fachen Druck einer normalen Kirchenorgel, der durch einen riesigen Kompressor erzeugt wird. Daraus resultiert ein entsprechend gewaltiger Sound: Mit maximal 138 Dezibel werden die Töne über das EXPO-Gelände gejagt! Damit ist Vox Maris nicht nur das grösste, sondern auch das lauteste Instrument der Welt und erhält dieser Tage den verdienten Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde.

Die Orgel wird jeden Tag musikalisch die Öffnung und Schliessung der EXPO verkünden. Auch nach Ausstellungsende wird das Instrument vor Ort verbleiben: Nahende Kreuzfahrtschiffe werden dann mit einem Lied begrüsst, die Orgel ist immerhin fünf Kilometer weit zu hören.

Entwickelt und gebaut wurde die Orgel übrigens in der Rhön: Das Traditionsunternehmen Hey Orgelbau in Ostheim hat den gewaltigen Auftrag umgesetzt. Unternehmenschef Thomas Hey sagte dazu im Deutschlandfunk: „Einmal reicht. Es war eine anstrengende, stressige Zeit, aber auch sehr interessant. So ein Instrument bauen zu dürfen, ist schon ein besonderes Privileg und es hat Spass gemacht. Eine solche Erfahrung möchte ich nicht missen.“

 Mir juckt es gerade gewaltig in den Fingern. Zu gerne würde ich mich an diese Orgel setzen… um Toccata und Fuge in d-Moll von J.S. Bach über den Ozean jagen!

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