Blockupy Frankfurt (Part I)

1. TAG – DER BLOCKUPY RAVE

Dass diese Woche bei den beiden Relegationsspielen in Karlsruhe und Düsseldorf die Polizei nicht Herr der Lage wurde, wundert mich nicht mehr. Anscheinend wurden sämtliche bundesweit verfügbaren Sicherheitskräfte nach Frankfurt zusammengezogen, um die Stadt vor dem vermeintlichen Ansturm der Hunnen zu schützen.

Nach dem gerichtlichen Vorspiel der letzten Tage und den Verboten sämtlicher Aktivitäten (mit Ausnahme der Demonstration am Samstag) am gestrigen Mittwoch dann also der Beginn der Aktion BLOCKUPY FRANKFURT, zu der kapitalismuskritische Gruppen (u.a. Linkspartei und Attac) aufgerufen hatten.

In den frühen Morgenstunden tagte jedoch erst noch schnell der Hessische Verwaltungsgerichtshof, um über die Veranstaltungsverbote zu entscheiden. Im Anschluss bestätigte das Bundesverfassungs-gericht die Verfügungen, so dass der Blockierung der Innenstadt nichts mehr im Wege stand: Die Polizeibeamten durften ihren Teil der Aktionstage verrichten!

Erster Auftrag: Räumung des Occupy-Camp an der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Davontragen und Hinausbegleiten der ca. 340 Protestler war bis 10 Uhr verrichtet und ging  – gemäss Ankündigung der Okkupisten – friedlich vonstatten. Entgegen den Pressemeldungen verliess auch der Aktivist auf dem Euro-Symbol seinen Platz – lediglich sein Zelt verblieb da oben. Ob die Leute am Sonntag wieder in das Camp zurückkehren können, entscheidet sich wohl mit dem Verlauf der kommenden Tage (Fotos und ein Bericht über die Räumung auf stadtkindffm’s Blog).

Zweiter Auftrag der Polizei: Grossräumiges Abriegeln der EZB und der Innenstadt, um Durchgangs-kontrollen und Kanalisierung der Demonstranten (und Passanten) vornehmen zu können. Mein Spaziergang vom Hauptbahnhof Richtung Hauptwache mutet entsprechend komisch an: Die berühmte Ruhe vor dem Sturm – an jeder Ecke Polizeigruppen, ständig Absperrgitter und Handwerker, die mit Pressspanplatten Schaufenster schützen (für mich schon jetzt Gewinner der Blockupy-Tage: Die ortsansässigen Schreinereien, die sich einer plötzlichen Auftragsflut erfreuen durften).

An der Hauptwache versammeln sich ab 18 Uhr langsam immer mehr Menschen – am Ende berichtet die Polizei von ca. 500 Aufrechten, die trotz des Verbotes in irgendeiner Form den geplanten Rave durchführen wollen oder einfach durch Anwesenheit auch die gerichtlichen Entscheidungen kritisieren. Die Leute sitzen in der Sonne, stehen diskutierend in Gruppen zusammen oder schlendern herum.

Fasziniert beobachte ich das Vorgehen der Polizei, die mit Einsatzfahrzeugen peu à peu eine scheinbar undurchdringliche Wagenburg um uns errichten. Logistisch sehr interessant. Dennoch ist es bis Ende des Tages problemlos möglich, den ‚Kessel‘ zu betreten oder zu verlassen, die Einsatzkräfte und Protestler bleiben entspannt. Gegen 19 Uhr beginnen einige auf mitgebrachten Instrumenten Musik zu machen und viele Leute fangen an zu tanzen. Zwei Stunden später löst sich die Sache langsam auf…

Aus dem untersagten Rave wurde also ein friedliches und lockeres Sit-in auf der Hauptwache unter Beobachtung der sehr präsenten Polizei. Morgen geht es weiter. BLOCKUPY FRANKFURT!

[Alle Infos: Blockupy Frankfurt]

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