Ganz schön dreist

„Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein
und durch meine Blüte fliesst die Sonne in mich rein.
Ich bin ein Gänseblümchen und mir wird ganz warm,
ich könnt‘ die ganze Welt und dann mich selbst umarm‘.
Ich bin ein Gänseblümchen ohne Aggression,
Wut, Ärger, was bringt das schon?
Ich bin ein Gänseblümchen, auch wenn’s keiner sieht:
Tief in meinem Innern hab ich alle lieb…“

(Gänseblümchen von GANZ SCHÖN FEIST)

Bellis perennis (Foto: Hackentrick)

So, für heute haben wir genug Harmonie verbreitet. Um demnächst ein paar standesgemässe Urlaubstage verbringen zu können, braucht’s noch etwas Kleingeld. Und da man augenscheinlich mit Anstand nicht mehr auf den grünen Zweig kommt, schmeissen wir hiermit alle moralischen und ethischen Bedenken über den Haufen und erschliessen kreative Einnahmequellen. Machen andere ja auch…

…beispielsweise der Mitsubishi-Konzern. Diesen verortet man eigentlich eher im technisch-industriellen Bereich. Neuerdings investiert das Unternehmen allerdings in Meeresprodukte: in grossem Massstab kauft Mitsubishi teilweise illegal gefischten Blauflossenthuna auf, transportiert ihn nach Japan und friert das Fanggut dauerhaft ein.

Blauflossenthunfisch ist äusserst beliebt. Insbesondere für die weltweite Sushi- und Sashimi-Produktion wird sein Fleisch so sehr geschätzt, dass aufgrund der Überfischung der Bestand in den Weltmeeren nur noch höchstens zwanzig Prozent des Niveaus der 1970er Jahre erreicht. Dennoch werden weiterhin weltweit jährlich über 10.000 Tonnen zum Fang freigegeben (illegale Fänge nicht berücksichtigt)! Kurz gesagt: Der Blauflossenthunfisch ist vom Aussterben bedroht.

Das clevere Mitsubishi-Geschäftsmodell: es wird nicht mehr lange dauern, dann herrscht absolutes Fangverbot für den Blauflossenthunfisch, bzw. er wird in den Ozeanen sehr selten und nicht mehr zu fangen sein. Dann sitzen die Jungs von Mitsubishi auf mindestens 60.000 Tonnen [1] tiefgefrorenen, wertvollen, exklusivsten Thunfisch und werden dem ach so geschätzen freien Markt den Preis pro Gramm diktieren!

Eine Möglichkeit der völlig legalen Geldeinnahme in grossem Stil bleibt weiterhin der internationale Waffenhandel. Nachdem vergangene Woche die UN-Konferenz für ein erstes weltweites Waffenhandelsabkommen nach vierwöchigen Verhandlungen kläglich gescheitert ist [2], steht dem unregulierten Export von Schusswaffen auch zukünftig nichts im Wege.

Der milliardenschwere Markt darf sich bei den USA für das Ende der Verhandlungen bedanken. Diese bestanden darauf, dass das Abkommen zur Regulierung des Waffenhandels ausnahmslos von allen UN-Mitgliedsstaaten anerkannt werden sollte. Neben der überwiegenden Mehrheit gab es jedoch einige Delegationen, die gegen den Entwurf waren. Darunter u.a. Syrien, Iran und Nordkorea…

•  •   •

Quellen: [1] Protokoll UN-Artenschutzkonferenz 2010, Naturefund eV.   [2] ZEIT Online am 28.07.2012

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2 Kommentare
  1. Den Thunfischen könnte man jetzt noch das Flossenabschneiden der Haie hinzufügen. Könnte doch für einen anderen Autmobilhersteller interessant sein: Den Haien werden nach dem Fang die Flossen abgeschnitten und die Tiere werden daraufhin wieder ins Meer geworfen. Fisch ohne Flossen? Die Haie krepieren elend.
    Interessierte Industrieunternehmen könnten ihr Image aufpolieren und obendrein noch Kühlkosten sparen. Jedenfalls solange es noch Haie geben wird.
    Perverse Welt…

    • Hast recht, Herr Ärmel – unsere Welt ist mehr als pervers… Jährlich Millionen Tonnen (!) Beifang, der tot ins Meer zurückgekippt wird. Riesige Schleppnetze, die den Meeresboden zerstören. Länder wie Senegal, die ihre Fangrechte an EU-Fangflotten verkaufen, während sich einheimische Fischer wundern, warum es vor ihrer Küste keine Fische mehr gibt.

      Die Verantwortlichen für all das sind Verbrecher (und als solche sollten wir sie behandeln)! Und gedankenlose Konsumenten stützen den ganzen Mist weiterhin… Upps, Mittagspause – ab in die Sushi-Bar ;-)

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