Kunst zwischen Bäumen

Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Königreich, in dem ein grosser, dunkler Wald lag. Und weil die Leute sich erzählten, dass dieser Wald verwunschen sei und Menschen, die ihn beträten, für immer verschwinden würden, mieden Reisende und Händler ängstlich das Königreich, was den König sehr traurig stimmte. Also beschloss der Herrscher etwas dagegen zu unternehmen und liess im ganzen Land verkünden, dass derjenige, der das Geheimnis des Waldes offenbaren würde, bis zum Rest seiner Tage mit Ruhm und Reichtum belohnt werden würde.

Davon hörte auch ein holdes Geschwisterpaar – und weil die beiden gerade nichts anderes zu tun hatten und keine Furcht kannten, begaben sie sich in den Wald und durchstreiften das Gehölz. Sie spähten in die Baumwipfel, horchten auf das Wispern der Blätter und äugten zwischen den Stämmen hindurch.

So waren die beiden schon einige Zeit unterwegs, da blieb die Schwester plötzlich stehen und zupfte ihren Begleiter am Ärmel: „Brüderchen, hörst Du das auch?“. Dieser spitzte die Ohren und vernahm eine leise Musik, die von einer Lichtung direkt vor ihnen kam. Langsam näherten die beiden sich der Stelle und sahen ein tanzendes Paar zwischen den Bäumen. Doch während sie noch schauten, brach die Musik plötzlich ab und die Frau und der Mann waren wie vom Erdboden verschluckt.

So zog das Geschwisterpaar weiter, bis sie auf einmal hoch oben zwischen den Ästen ein Baumhaus sahen. Doch die Hütte hatte gar keinen Boden und keinem Menschen konnte es gelingen, zum Baumhaus heraufzuklettern. „Seltsam, Schwesterlein, sehr seltsam“, sprach daraufhin der junge Mann.

Sie gingen immer tiefer in den Wald hinein und je weiter sie liefen, umso mehr verliess sie die Hoffnung, jemals wieder einen Weg hinauszufinden. Und als sie schon der Verzweiflung nahe waren, da entdeckten sie eine lange Reihe bunter Blumen und folgten dieser. Und die Blumen führten sie auf einen Pfad und am Ende des Weges stand ein kleines Zelt mit einem Schild „Infostand Waldkunstpfad“. Und voller Freude über das bestandene Abenteuer genoss das Geschwisterpaar den feilgebotenen Kaffee und wohlschmeckenden Kuchen und bestieg daraufhin die nächste Kutsche in die Stadt. Und wenn sie nicht gestorben sind, so werden sie alle zwei Jahre wieder den Wald betreten, um über kleine und grosse Entdeckungen zu staunen!

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Der 6. Internationale Waldkunstpfad an der Darmstädter Ludwigshöhe ist noch bis 30. September 2012 zu besichtigen. Internationale Künstler beschäftigen sich durch Installationen und Aktionen mit dem Thema ‚Realität und Romantik‘ und verweisen auf die Bedeutung des Waldes als Naherholungsgebiet, Wirtschaftsfaktor und mythenbehaftetes Symbol. Empfohlener Startpunkt: Waldparkplatz an der Klappacher Strasse neben dem Polizeipräsidium.

[Zum Öffnen der Galerie einfach eines der Bilder anklicken! Fotos: Katja Lenz]

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7 Kommentare
    • Schau es Dir vor Ort an, wenn sich die Möglichkeit bietet. Lohnt sich wirklich!

  1. Tolle Fotos und eine schöne Einleitung dazu. Das ist bestimmt eine ganz besondere Atmosphäre vor Ort. Ich werde leider erst wieder in Frankfurt einfliegen, wenn das Spektakel vorbei ist.

    • Dann notiere Dir schon mal den Sommer 2014 – da erfolgt das nächste Waldkunst-Event ;-) PS: Ein Teil der Installationen bleibt dauerhaft, so dass sich ein Spaziergang dort jederzeit lohnt…

    • Vielen Dank für die Hinweise.
      Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

  2. Ein kleiner Hauch von Documenta, bei der man sich in diesem Jahr ja auch in der Karlsaue auf die Suche nach Kunst macht. Nur das, was eine Nummer hat, ist ein – hihi – „offizielles“ Kunstwerk und trotzdem bewegt man sich auf dem ganzen Gelände wie in einem zusammenhängenden Deutungsraum und entdeckt (nicht immer ernst) überall Korrespondenzen und Bedeutungen. Deswegen gefallen mir bei deinen Fotos die „Zufallsfunde“ am besten – Tanz und Baumliebe. Zauberhaft.

    Waldkunst- oder Waldskulpturenpfade gibt es übrigens auch andernorts und immer häufiger, unterschiedlich ambitioniert, manchmal eher Handwerk als Kunst. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir dieser Trend – als Trend – gefällt. Die Ludwigshöhe werde ich mir aber wohl auch mal ansehen – danke für den Tipp.

    • Das hast Du treffend ausgedrückt. Mir ist es auch gleich aufgefallen, dass es neben der katalogisierten und beauftragten Kunst genügend anderes zu entdecken gibt. Alles ist Kunst (sagte mal ein berühmter Mensch)! Man muss nur die Augen öffnen ;-)

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