Thema: Sicheres Stadionerlebnis

Eigentlich sollten uns Fussballfans die vergangenen Tage ungetrübte Freude bereiten… war doch da zuerst dieses äusserst unterhaltsame und denkwürdige 4:4 der Nationalmannschaft vom vergangenen Dienstag, dann die belustigende Heimniederlage von Magaths Millionentruppe, die den Wolfsburgern den letzten Tabellenplatz beschert, die Demontage der bis dahin zweitbesten Defensive der Bundesliga unter stummer Beobachtung durch Campino, das rasante Ruhrpottderby in Dortmund und…

…na klar: der mitreissende 3:1-Sieg unserer Eintracht gegen Hannover 96! Mirko Slomka, der Trainer der Niedersachsen, gesteht im Interview, dass den wie entfesselt aufspielenden Adler nichts entgegenzusetzen war, das Aktuelle Sportstudio verfällt in Lobeshymnen und die BILD-Zeitung titelt (nicht besonders einfallsreich): „Fussball 3000“. Zu sehen, wie die Jungs das unglückliche 0:2 in Mönchengladbach weggesteckt haben und weiterhin an der Philosophie festhalten, mit kompromisslosem Offensivfussball auf Sieg zu spielen, macht unheimlich viel Freude und lässt immer mehr darauf hoffen, dass wir eine begeisternde Saison erleben werden!

Und dennoch legt sich seit zwei Wochen ein Schatten über die Fussballszene. Unter dem Titel ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ erarbeitete die vom Ligaverband neugegründete Kommission Sicherheit, der auch Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann angehört, ein für Bundes- und 2. Liga gültiges Strategiepapier, das – sollte es nicht zu massgeblichen Korrekturen kommen – eine Zäsur für den deutschen Profifussball und die vielfältige Fanszene darstellen dürfte.

Auszug aus dem Strategiepapier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ (zum Vergrössern anklicken)

Eine hervorragende Bewertung des Papiers findet der interessierte Leser im Blog BEVES WELT (Artikel „Fussball, Fans und Sicherheit“), der man sich uneingeschränkt anschliessen kann.

[Anmerkung: alle weiteren und aktuelleren Artikel zum Thema hier im Blogarchiv]

Nur eines zum Inhalt – in der Einleitung der Ausarbeitung heisst es wortwörtlich auf Seite 5: […] „Beim Blick auf die Veranstaltungslage in den höchsten deutschen Spielklassen ist festzustellen, dass Infrastruktur und Spielorganisation im Zusammenspiel aller Sicherheitsträger sowie der Zuschauerservice bereits heute auf höchstem Niveau ist und Probleme lokal gelöst werden […]

Und: […] „Ziel ist es, das Stadionerlebnis sowohl in der subjektiven Wahrnehmung als auch in der objektiven Beurteilung weiterhin sicher zu gestalten“ […] (Hervorhebungen durch den Autor des Blogs)

Dem o. g. Eingeständnis, dass bereits heute alles bestens geregelt ist, folgt dann jedoch ein drastischer Forderungskatalog, der Repressalien, Kollektivbestrafungen, eine Gängelung der Fans und fragwürdige Eingriffe in Persönlichkeitsrechte beinhaltet. Kostengünstige Stehplätze, Fahnen, Fanclubs und Auswärtsfahrten werden plötzlich als Privilegien gesehen, die auch bei Einzelverstössen jederzeit zu entziehen sind. Das ist in dieser Form nicht hinzunehmen und betrifft nicht nur den im Fanclub organisierten Kurvensteher, sondern jeden Fussballbegeisterten, der den Stadionbesuch der sterilen Sportsbar mit Sky-TV vorzieht.

Einerseits implizieren die vorgeschlagenen Massnahmen, dass in den Stadien im deutschen Profifussball die gerne zitierten ‚bürgerkriegsähnlichen Zustände‘ herrschen. Andererseits können DFB und Politik bis zum heutigen Tage den vermeintlichen Anstieg von Gewalt im Rahmen von Fussballspielen nur mit subjektiven Eindrücken belegen. Insbesondere diesen Punkt nehmen die Verantwortlichen von Union Berlin zum Anlass, um sich in ihrer Stellungnahme zum Strategiepapier gegen die Vorschläge von DFB / DFL zu stellen (siehe Positionierung des Präsidiums 1. FC Union Berlin eV.).

Die Antwort der ‚Eisernen‘ – der sich offiziell in ähnlicher Form u. a. mittlerweile auch die Vereine Hertha BSC, FC Augsburg, VfL Wolfsburg, Fortuna Düsseldorf und FC St. Pauli angeschlossen haben – verdeutlicht, dass „DFB und DFL offenkundig einer Fehleinschätzung der gegenwärtigen Tendenzen und darauf aufbauend falschen Schlussfolgerungen unterliegen“. Weiter heisst es bei Union Berlin: […] „Als Hauptargument wird derzeit wieder eine vermeintliche Eskalation von Gewalt in den und um die Fußballstadien angeführt, die sich jedoch durch exakte und belastbare Zahlen kaum nachweisen lässt (so fehlt es bis heute an einer nachvollziehbaren Aufschlüsselung der Verletztenstatistik bei Fußballspielen, ebenso wie in der öffentlichen Diskussion ausgeblendet wird, dass selbst bei unbereinigter Statistik beispielsweise das Münchener Oktoberfest im Vergleich zum Bundesligafußball eine „Bürgerkriegszone“ darstellen müsste). Hinzu kommt, dass das vermeintliche subjektive Bedrohungsgefühl zumindest aus der Masse der fast zwanzig Millionen Stadionbesucher gar nicht artikuliert wird, sondern ebenfalls fragwürdig leichtsinnig und unbewiesen ins Feld geführt wird“ […]

Wir fragen uns, wie es zu der Schieflage in der Bewertung der Situation durch DFB und DFL kommt? Vielleicht hilft ein kurzer Blick zurück…

ARD-Poster ‚Helden‘

Sommer 2011: Gegen Ende der Vorsaison kommt es zu einigen Vorfällen (auch in Frankfurt), die von den Medien unverhältnismässig aufgebauscht werden. Die Politik mischt sich ein, so auch Hessens Innenminister Boris Rhein. Erste Forderungen zur Bändigung der „Chaoten und Randalierer“ werden laut. Der DFB verhängt unsinnige Pauschalstrafen gegen Fans und Vereine. Dennoch startet die ARD-Sportschau – augenscheinlich noch berauscht von der Berichterstattung über das Sommerfest der Frauen-WM im eigenen Lande – mit einer peinlichen City-Poster-Kampagne die Vermarktung der kommenden Saison. Werbewirksame und bewusst eingesetzte Verstärker: emotionalisierte Fans und Leuchtmittel (siehe Abb.)!

Im Laufe der Saison 2011/12 wird allerdings jedes in Stadien abgebrannte Bengalo medial genutzt, um eine vermeintliche Eskalation auf den Rängen darzustellen. Platzstürme werden durch TV und Presse plötzlich zu Gewaltexzessen überzeichnet – doch wo genau ist der anscheinend so schlimme Unterschied zwischen den Zuschauern, die unsere Helden 1954 über den Rasen des Berner Wankdorfstadion trugen oder den erst feiernden, dann bestürzten Schalke-Fans bei der Meisterschaft der Herzen 2001, zu den Düsseldorfer Anhängern beim Relegationssieg gegen Hertha BSC 2012? Und wieviele Verletzte gab es beim Aufstiegsjubel der Eintrachtfans vergangene Saison in Aachen? Ach, es gab gar keine?

Im November 2011 bricht der DFB die Gespräche mit der Faninitiative Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren kommentarlos ab (auch wenn ich es ausdrücklich nicht befürworte: dass aus einer Protesthaltung heraus anschliessend in den Stadien noch heftiger gezündelt wird, hat sich der DFB damit wohl selbst zuzuschreiben). Fast gleichzeitig bildet sich die Task Force Sicherheit – auch auf Druck der Politik. Der Sicherheitsgipfel im Juli 2012, in dessen Rahmen die Vereine (Ausnahme Union Berlin) den Verhaltenskodex unterzeichnen, zeigt dann deutlich den eingeschlagenen Weg: die Innenminister der Länder (Bundesinnenminsterkonferenz) und DFB verlangen von den Profiklubs eine klare Haltung und die uneingeschränkte Unterstützung beim, äh… „Kampf gegen den Terror“? Die Vereine scheinen in der Mehrheit diese Richtung mitzugehen.

Wir wollen nichts unter den Teppich kehren. Es gibt auch im Umfeld des Fussballs durchaus erschreckende Auswüchse – zum Beispiel der Überfall auf einen M’gladbacher Fanbus. Doch diese finden in der Mehrheit ausserhalb der Stadien statt und sind nicht dem Fussballfan und den Vereinen pauschal anzulasten. Die vorgeschlagenen Massnahmen des Ligaverbandes greifen jedoch nicht bei Fällen, die generell zu unseren gesellschaftlichen Problemen gehören. Oder verpflichtet der ADAC jeden Autofahrer dazu, Repressalien durch die Verkehrspolizei hinzunehmen, weil es gefährliche Drängler auf Deutschlands Autobahnen gibt? Anderes Beispiel: Würdest Du, lieber Leser, akzeptieren, Dich beim Betreten des Hamburger DOM an einer Einlasskontrolle komplett zu entkleiden und durchsuchen zu lassen, weil es bei dem Volksfest desöfteren Messerstechereien gab?

Leider muss man zusammenfassend feststellen: Die Motivation und die Inhalte des Strategiepapiers Sicheres Stadionerlebnis zeugen von einer Sichtweise fernab der Realität. In Konferenzräumen und Businesslogen hat sich eine Welt entwickelt, die auf dem Schulterschluss von Medien, Politik, Wirtschaft und Funktionärstum basiert. Wer sich in dieser abgeschotteten Welt bewegt, versteht nicht mehr, was in den Kurven und Rängen des Stadions passiert. Der normale Fan wird mit mitleidvoller Geste als anachronistisch betrachtet. Familienväter mit ihren Kindern sollen Kunden werden, keine Schlachtenbummler mit möglichen Missfallensäusserungen. Kuttenträger sind aus dem Blick der ‚Macher‘ nur noch im Liga-Trailer der DFL existenzberechtigt, um für ein buntes Bild zu sorgen. Alles, was nicht in das Weltbild der Verantwortlichen passt, wird früher oder später verschwinden.

Wohin die Entwicklung zur totalen Kommerzialisierung beispielsweise führen kann, liess sich erst wieder vergangenen Dienstag beim Länderspiel in Berlin beobachten. Erste Halbzeit, Spielstand 3:0, die deutsche Nationalmannschaft bietet ein mitreissendes, sensationelles Match. Auf den Rängen aber herrscht phasenweise eine Totenstille, als ob zur Gedenkminute aufgerufen wurde. Ist das das vom DFB angestrebte Stadionerlebnis?

Die Profivereine haben jetzt pflichtgemäss ihre Stellungnahmen zum Thema eingereicht, die im Dezember auf einer gemeinsamen Konferenz besprochen werden. Seitens der Eintracht wurde bei einem Treffen mit Fanvertretungen vergangenen Donnerstag mitgeteilt, dass deren Meinung im Statement Berücksichtigung findet (Nachtrag vom 22.10.2012: Link zur beachtlichen Stellungnahme s. u.!). Dennoch überwiegt die Skepsis, dass sich eine breite Mehrheit an Vereinen findet, die sich schützend vor die Belange und Bedürfnisse der Fans stellt. Die Stellungnahmen dürften in der Gesamtheit eher zustimmend ausfallen

Der Fussball, so wie wir ihn kennen, steht spätestens jetzt vor einem Scheideweg…

•   •   •

Liebe LeserInnen: Ich freue mich gerade bei diesem Thema auf Euer Feedback und Hinweise, falls ich eigenen Fehleinschätzungen oder -informationen unterliege! Weitere Entwicklungen in der Causa Sicheres Stadionerlebnis werde ich natürlich in Folgeartikeln begleiten!

NACHTRAG: hier der Link zur überarbeiteten zweiten Version des Konzepts Sicheres Stadionerlebnis mit Gültigkeit für die Konferenz am 12.12.!

[Weiterführende Links: das Strategiepapier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ des Ligaverbandes im .pdf-Format | Politik macht Druck (faz.net vom 22.10.2012) | „Da reden Personen, die keine Ahnung haben“ (11freunde.de-Interview mit Ex-DFB-Sicherheitschef) | Offizielle Stellungnahme der Eintracht Frankfurt Fussball AG]

25 Kommentare
  1. Fehleinschätzungen? – Keineswegs! Eine tolle Zusammenfassung des derzeitigen Standes – vielen Dank dafür.
    Mir fällt da neben dem „Kunden im Eventstadion“ noch was ganz anderes ein. Nicht nur Funktionäre sondern auch Politiker und deren Finanziers aus der Wirtschaft merken (ahnen?) bei aller Bilndheit gegenüber der alltäglichen Lebenswirklichkeit ganz normaler Menschen, dass es mit ihrer (Selbst-)Herrlichkeit schnell vorbei sein könnte, wenn sich grössere Menschenmassen zusammenfinden, um ihrer Meinung oder ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. In Griechenland oder Spanien zum Beispiel.
    Das erste, was in Gaddhafi in Libyen verbieten liess, waren die Fussballspiele in Stadien.
    Die Vereine sollten nicht vergessen, wer die Stadien, die teuren Spieler, und den ganzen Zauber und natürlich die üppigen Gehälter der Vorstände hauptsächlich finanziert: die Stadionbesucher.
    Vielleicht ist es an der Zeit, über konzertierte Aktionen nachzudenken. Das Internet funktioniert ja noch.

    • @Herr Ärmel: Das Problem ist, dass die weitaus grössere Anzahl an Stadionbesuchern sich weder für sportpolitische Themen interessiert, noch sich hiervon angesprochen oder gar gegängelt fühlt. Für ein Auseinanderdividieren und Kriminalisieren der Fans hat man bereits gesorgt – da wird ein gemeinsames Solidarisieren und Zusammenfinden nicht stattfinden. Ist zumindest mein Eindruck…

  2. Beve sagte:

    danke für die verlinkung und die aufarbeitung. hochinteressant ist auch das bild der sportschau-reklame. aber widersprüchlichkeit hat noch nie sonderlich gestört.

    bin auch auf die stellungnahme seitens der eintracht gespannt.

    viele grüße

    beve

    • Ja… heute so, morgen so. Je nachdem, wie es von Nutzen ist. Gerade die Leitmedien spielen beim Sport eine unrühmliche Rolle (siehe den Fall „ARD + Tour de France“ u.a.)…

    • Ich bin auch positiv überrascht! Jetzt haben wir seitens Union Berlin eine juristisch fundierte und durch die Eintracht eine auf Logik und Fansicht basierende Stellungnahme. Da können sich die anderen Klubs – soweit noch nicht öffentlich vollzogen – gerne anschliessen!
      Mich freut es sehr, dass die Eintracht die Bedenken der Fans in dieser Form berücksichtigt hat und auch nicht mit Kritik gegenüber dem DFB spart!

  3. 1. Ein hervorragender Artikel, ob ich immer mit den Standpunkten einverstanden bin oder nicht!

    2. Ob Kommerzialisierung des Fussballs oder totes Eventstadion oder …. alles sehr verständlich und begreifbar.
    Allerdings dies hoffentlich auch: Ich möchte gerne mit meinem Sohn zusammen angstfrei zum Fussball gehen! Ohne Sorge, von irgendwelchen Schwachmaten mit Feuerwerkskörpern beschossen zu werden; ohne Angst, in eine Prügelei zu geraten auf dem Weg zum oder vom Stadion. Das ist im Moment so nicht gegeben, aber ich will unbedingt, dass es passiert! Und es ist mir völlig egal, wer am Ende welchen Preis dafür zu zahlen hat! Satzende.

    • […] „das ist im Moment so nicht gegeben“ […]
      Uhupardo, ich kenne die spanischen Verhältnisse nicht und kann nur für Deutschland sprechen. Ich besuche seit drei Jahrzehnten regelmässig Heim- und Auswärtsspiele (auch mit Kindern) und kann versichern, dass ich in den letzten zehn Jahren kein einziges Mal in irgendeine Situation gekommen bin, die bedrohlich gewesen wäre. Und selbiges sagen auch die Leute im Freundes- und Bekanntenkreis. Ist Dein Bild von deutschen Fussballstadien durch die Medienberichterstattung geprägt? Falls Du mal in Frankfurt weilst (z.B. Championsleague SGE vs. Real *schmunzel*) – ich lade Dich gerne ein!

  4. Das ist jetzt aber aktive Realitätsverweigerung, um einen Standpunkt nichtaufgeben zu müssen. Das bin ich ausgerechnet von Hackentrick so überhaupt nicht gewohnt!

    In Spanien ist das kein Problem, ich sprach von Deutschland natürlich und brauche keine getürkte Berichterstattung, um ein gutes Bild zu haben, dazu reichen eigene Erfahrungen völlig aus.

    Solche Szenen wie am Wochenende beim BVB gegen Schalke kenne ich zu Dutzenden live. Wie viele Beispiele braucht es denn jetzt? Und sollen die aus Dresden, Erfurt oder Wien kommen?

    Die Tatsache, dass Hackentrick über Jahrzehnte Glück hatte, sagt exakt gar nichts aus. Ohne einen einzigen Medienbericht reicht schon meine eigene Geschichte zur Not aus, um zu wissen, dass hier gezeichnet werden soll, was so ganz sicher nicht stimmt.

    • Es bestreitet ja niemand, dass es zu Vorfällen rund um die Ligaspiele kommt. Aber es geht um die korrekte Bewertung dieser Geschehnisse und das darausfolgende Ableiten der richtigen Massnahmen. Gerade das Beispiel vom Wochenende (BVB – S04) zeigt doch, dass der ganze Massnahmenkatalog des DFB nicht gegriffen hätte: die Auseinandersetzungen zwischen den Gruppierungen fanden vor den Toren des Stadions statt!

      Beispiele kann man viele nennen, Uhupardo, wenn man ein Horrorbild zeichnen möchte. Der ehemalige Sicherheitsbeauftragte des DFB, Helmut Spahn, sagt dazu: „In der Saison 2010/11 gab es 846 Verletzte in Erster und Zweiter Bundesliga (bei über 1,5 Mio. Besuchern!), im Übrigen bei weitem nicht alle verursacht aufgrund gewalttätiger Auseinandersetzungen. Jeder Verletzte ist einer zu viel, aber diese Anzahl weist das Oktoberfest an einem einzigen Tag auf!“

      Demnach müsste man wegen erhöhter Gefahr jedem Volksfest, Musikfestival und jeder Demonstration fernbleiben…

  5. P.S.: Die Einladung zum Champions-Spiel Frankfurt – Madrid (nicht „Real) ist angenommen … falls sich Spaniens Hauptstädter wirklich dafür klassifiziert.

    • Ob Real oder Atlético… im Zweifelsfall sehen wir uns in der Europa League ;-)

  6. Hab zum Thema bereits andernorts diskutiert und geschwätzt, will aber auf jeden Fall einen Dank da lassen für deine sachliche und umfangreiche Darstellung.

    Eine Anmerkung zu den letzten Diskussionsbeiträgen: Auch ich kann Hackentrick hier nur zustimmen, gehe seit vielen Jahren in unterschiedlichen Konstellationen ins Stadion, finde gewiss nicht alles richtig, was im und ums Stadion abgeht, hab mich auch schon unbehaglich gefühlt, war oft stinksauer, ja,alles – aber dass ich ins Stadion gehe und mich grundsätzlich fürchte: Nein. Bei uns in den Block (Nähe Gästeblock) fliegen schon mal Feuerzeuge, auch Bierbecher, das ist gefährlich und kotzdämlich, das lässt sich aber sicher nicht durch Körpervollkontrollen, Container und immer weitergehenden Kontrollwahn in den Griff bekommen. Fußballstadien waren schon immer so was wie ein gesellschaftlicher Schmelztiegel, eine Art Freiraum – unterschiedlichste Menschen, groß, klein, dick, dünn, arm, reich, jung, alt, dumm, schlau, neben- und miteinander. Hier gehts nicht darum, ein Idyll zu zeichnen, aber darum diese Vielfalt zu erhalten – mit all ihren Widersprüchen und Ungereimtheiten und auch mit ihren Extremen – wir müssen Wege finden, wie wir es im Stadion miteinander „aushalten“ und zwar so, dass keiner dem anderen sein „Stadionerlebnis“ wegnimmt. Das müssen „wir“, das müssen aber auch Ultras „lernen“ und gemeinsam verabschieden. Durch noch mehr Restriktionen und einseitig-verabschiedete „Kodexe“ wird ALLEN etwas weggenommen – und das geht weit über das „Stadionerlebnis“ hinaus.

    • Sehr richtig, dass dazu beide Seiten ihren Teil beitragen müssen! Gerade die Eintracht hat jetzt durch ihre Stellungnahme einen grossen Schritt auf die Fans zugemacht. Da sollten manche Gruppierungen und Einzeltäter ihr eigenes Verhalten und ihre Einstellung gegenüber dem Verein mal wieder überdenken…

  7. „Ob Real oder Atlético… im Zweifelsfall sehen wir uns in der Europa League“

    Keine Drohungen, bitte! ;-)

    • Und wo sind die Videos und Artikel von den Krawallen in den Stadien der anderen DFB-Pokal-Partien, zu denen man sich nicht hintrauen konnte? Irgendwie versteht Du mich nicht – es geht um die Relation im Gesamtbild. Da ist es für die Diskussion nicht förderlich, die unsäglichen Einzelbeispiele zu präsentieren…

  8. Passte gerade nicht, das Beispiel?
    Die Frage ist, wie viele „unsägliche Einzelbeispiele“ es gibt. Ich empfehle den Besuch eines beliebigen Spiels ST. Pauli gegen Hansa Rostock zum Beispiel, zu jedem Zeitpunkt, also jedes Spiel, ohne auf punktuelle Ereignisse warten zu müssen. Dann würde gleich klarer, wovon die Rede ist.

    In diesem Thread ist die Interessenlage die Basis aller Bewertungen. Das ist im Finanzsystem nicht anders, wenn jeder Missbrauch als „bedauerlicher Einzelfall“ katalogisiert wird mit dem Hinweis, überall gebe es mal „schwarze Schafe“.

    • Sorry, aber diese Diskussion dreht sich a) im Kreis und wurde b) schon an anderen Stellen zur Genüge geführt. Ich betone noch einmal, dass niemand bestreitet, dass es Vorfälle gibt. In meinem Artikel geht es jedoch genau darum, dass diese Vorfälle als Berechtigung zu einem Strategiepapier des DFB / der DFL herangeführt werden, um Millionen von Stadionbesuchern pauschal zu kriminalisieren, persönlicher Rechte zu berauben und Sippenhaft anzuwenden.

      Du zeichnest hier ein Bild, wie es jedem der Scharfmacher gefallen würde: Als ob jeder Stadionbesuch ein Spiel mit Leib und Leben wäre. Genau das ist es aber eben nicht! Du weisst sehr genau (auch im Rahmen anderer ‚Vorfälle‘), wie verzerrt solche Dinge durch die Medien häufig dargestellt werden. Ich kann da auch aus persönlicher Erfahrung einiges auflisten (z.B. Agenturmeldungen über vermeintliche Wasserwerfereinsätze beim Spiel SGE – 1860 München in der vergangenen Saison, dabei waren gar keine Wasserwerfer vor Ort und es gab auch überhaupt keinen Anlass für einen entsprechenden Einsatz). Aber gut – der Nichtstadionbesucher, der die Sportstätten medienbefeuert als Kriegsschauplätze betrachtet, bekommt halt nur diese Nachrichten ins heimische Wohnzimmer geliefert.

      Für mich ist die Diskussion jetzt an diesem Punkt beendet, da ich nicht bereit bin, über die Taten einer Minderheit von gewaltbereiten Deppen zu diskutieren. Ich geniesse lieber gemeinsam mit den anderen 49.900 Stadionbesuchern ein spannendes Fussballspiel live vor Ort!

  9. Ja, wir können das auch gern beenden. Ich musste allerdings dem, was ich als Verharmlosungsmasche empfinde (was in den Foren mancher Vereine viel, viel schlimmer der Fall ist, um der Wahrheit die Ehre zu geben), etwas entgegen setzen. Scharfmacher braucht es nicht, Weichzeichner allerdings exakt genau so wenig.

    In Spanien habe ich so gut wie nie ein Problem bei Stadionbesuchen (verschiedener Vereine). In Deutschland habe ich es mehr als einmal anders erlebt; und mein Sohn traut sich schon überhaupt nicht mehr ins Stadion, weil er innerhalb von drei Monaten dreimal zwischen irgendwelche Deppenfronten geriet und physisch Schaden erlitt.

    Ich wende mich also gegen die Kriminalisierung aller Fussball-Fans UND gegen die Verharmlosung der Situation. Gracias por el chat. :-)

  10. Ich bitte generell davon abzusehen, Argumentationen zu diesem Thema nur auf die Medienberichterstattung zu stützen. Dass diese die Vorgänge in deutschen Fussballstadien völlig überzogen und falsch darstellen, weiss ich durch eigene Erfahrungen und den Berichten anderer Stadiongänger. Als Beispiel nachfolgende Anmerkung zum in obigen Kommentaren verlinkten SPON-Artikel Hannover vs. Dresden, der ebenfalls mal wieder von fürchterlichsten Ausschreitungen berichtet: http://spuckelch.wordpress.com/2012/11/02/dynamo-dresden-hannover-96/

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