Four more years

Lag es an Hurricane Sandy, den verbalen Tiefschlägen einiger republikanischer Kandidaten im zeitgleichen Wahlkampf für den Kongress („…eine Schwangerschaft nach Vergewaltigungen ist gottgewollt…“) oder trauten die Wähler dem schwerreichen Mitt Romney doch nicht zu, für alle US-Amerikaner einzustehen? Am Ende fällt der Wahlsieg für Barack Obama deutlicher aus, als es die Prognosen annehmen liessen.

Da die Mehrheitsverhältnisse im Senat und Repräsentantenhaus jedoch ebenfalls bestätigt wurden und den Republikanern dadurch weiterhin eine Blockadepolitik ermöglicht wird, kann auch die zweite Amtszeit des Präsidenten keinen grundsätzlichen Wandel herbeiführen. Entscheidend wird für die nächsten Jahre sein, ob sich das konservative Amerika vom Druck durch die Tea Party-Bewegung befreien kann und in den eigenen Reihen die Vernunft einzieht. Sonst steht zu befürchten, dass der Riss durch die US-amerikanische Gesellschaft immer tiefer wird, während das Land die anstehenden Aufgaben nicht bewältigen kann.

Am Bewältigen einer anderen Aufgabe scheiterte das ZDF in der vergangenen Nacht kläglich. Die Wahlsendung Unterhaltungsshow lieferte sinnfreie Informationen über eine Twittersäule, präsentierte eine an die Figur Alfons (der mit dem Puschelmikrofon) erinnernde Live-Schalte in ein nordamerikanisches Wahllokal als Beweis für die ordnungsgemässe Durchführung der Präsidentschaftswahl und zeigte mit der Aussenreporterin Dunja Hayali am New Yorker Times Square, dass mit limitierten Englischkenntnissen zwar Sendeminuten gefüllt, aber keine Interviews geführt werden können.

Die angekündigten „hochkarätigen Gesprächsrunden“ endeten jeweils bereits während der Vorstellung der Teilnehmer: ein Tusch unterbrach abrupt Moderatorin Bettina Schausten, die dann die neuesten Hochrechnungen* ankündigen durfte. Anschliessend wurde die Sendung dann fortgesetzt mit Live-Musik und den Berichten von Klaus Kleber aus der Washingtoner Kneipenszene. Dann durfte die nächste „hochkarätige Gesprächsrunde“ auf dem Sofa Platz nehmen…

Infotainment at it’s best.

* Hochrechnungen = Umfrageergebnisse an den Ausgängen der Wahllokale

vorläufiges Wahlergebnis (Quelle: EdisonResearch)

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2 Kommentare
  1. Das bedrückende ist, dass sich nichts ändern wird. Weder für die Menschen in den Vereinigten Staaten noch für den Rest der Welt. Ob die Kluft zwischen den gesellschaftlichen Schichten noch sehr viel grösser werden kann? Kaum zu glauben, aber viel ist möglich.

    Schöne Grüsse ( jetzt wieder) vom Schwarzen Berg

    • Natürlich wird die Kluft noch grösser werden – das ist ja beinahe schon eine darwinistische Gesetzmässigkeit und nicht ohne drastische Massnahmen zu verhindern. Ändern wird sich tatsächlich nicht viel; dafür sorgt ja schon die Zusammenstellung von Senat und Repräsentantenhaus.

      Aber heute, Herr Ärmel, erfreuen wir uns einfach daran, dass die US-Bürger sich (und uns) vor dem weitaus grösseren Übel bewahrt haben! ;-)

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