Frankfurts Stolz – der Grabi und der Holz!

Wie erklärt man einer jüngeren Generation das Gefühl, das unsereins befällt, wenn wir die Namen Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein hören. Wie beschreibt man, dass diese beiden Spieler für eine grosse Zeit der Eintracht Frankfurt stehen, an die wir sehnsüchtig zurückdenken…

Als die beiden verdienten Spieler anlässlich des fünften Geburtstags des Eintracht Frankfurt-Museums am Donnerstagabend das Podium betraten, erhoben sich die anwesenden Besucher respektvoll und spendeten langanhaltenden Applaus. Als dieser verklungen war, eröffnete Moderator Axel ‚Beve‘ Hoffmann das Gespräch mit dem sinnbildlichen Ausspruch: „Ich weiss gar nicht, womit wir zuerst anfangen sollen“.

Und damit hat er Recht. Die Karrieren der beiden Fussballer, die Mitte der sechziger Jahre erstmalig das Adler-Trikot überstreiften und dann über fünfzehn Jahre die Geschichte der Eintracht prägten, sind prallgefüllt mit Erlebnissen, für deren Schilderung der Abend im Museum bei weitem nicht gereicht hätte. Alleine die bekanntesten Höhepunkte ihrer sportlichen Laufbahn (zwei DFB-Pokalsiege in den glorreichen siebziger Jahren, Weltmeister 1974 mit der deutschen Nationalmannschaft und der furiose UEFA-Cup-Sieg 1980) können ganze Bücher füllen!

Bernd Hölzenbein, Axel Hoffmann und Jürgen Grabowski (v.l.n.r.)

Und so plauderten der ‚Grabi‘ und der ‚Holz‘ gutgelaunt über ihre Anfänge bei der Eintracht, über ihre Trainer und WM-Teilnahmen, über Mannschaftskollegen und ihren heutigen Alltag, während das Publikum andächtig lauschte und der eine oder andere der Anwesenden einen dicken Klops der Rührung hinunterschlucken musste. Denn Grabowski und Hölzenbein repräsentieren nicht nur eine glanzvolle Ära der Eintracht Frankfurt, als die launische Diva vom Main mit technisch wunderschönem Fussball jeden Gegner der Welt schlagen konnte, um am darauffolgenden Wochenende gegen den Tabellenletzten zu verlieren. Eine Zeit, als Franz Beckenbauer lieber die Punkte per Postkarte nach Frankfurt senden wollte, als mit seinen Kollegen vom FC Bayern München im Waldstadion unterzugehen.

Die beiden Spieler, die auf dem Podium Anekdoten erzählten, waren für viele von uns Vorbilder, als wir selbst begannen, auf den Bolzplätzen und in den Vereinen dem Ball hinterherzujagen. Tolle Fussballer, bescheidene Menschen. Und sie stehen auch für eine Zeit im Fussball, die so nie mehr zurückkehren wird: Trikotwerbung war bei Europapokalspielen nicht zugelassen, Schienbeinschützer waren noch keine Pflicht und die dritten Programme übertrugen live und ohne von Werbeblocks umrahmte Expertenrunden um 17 Uhr die UEFA-Cup-Partien in der osteuropäischen Fremde! Spieler blieben ‚ihr ganzes Leben‘ bei einem Verein (O-Ton Grabowski: „Warum hätten zum Beispiel Overrath oder Flohe Köln verlassen sollen?“), ein Schiedsrichter kassierte eine Sperre wegen Spielerbeleidigung und die Trainingslager wurden im Taunus abgehalten, statt in der arabischen Wüste. Heute ist das anders…

Mit der Veranstaltung „Tradition zum Anfassen – Grabi und Holz“ ist dem Eintracht Frankfurt-Museum erneut ein Höhepunkt gelungen! Und wenn ein wenig von dem Geist hängenbleibt, der diesen Abend durchweht hat, dann gibt es für Ribery & Co. am Samstag wenig zu lachen (10.11., 15.30 Uhr: Bayern München – Eintracht Frankfurt)…

[Wer den Weg zum UEFA-Pokal-Sieg nochmals verfolgen möchte: hier eine 54-minütige Zusammenfassung!]

Advertisements
6 Kommentare
  1. Vielen Dank für den schönen (leider viel zu kurzen) Bericht eines sicherlich beeindruckenden und berührenden Abend. In der Tat waren Grabi und Holz unsere Stars und Vorbilder (neben anderen Eintrachtern), wenn wir nachmittags die Bälle über den Hartplatz bolzten…

    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

    • Danke, Herr Ärmel! Habe länger überlegt, ob ich die eine oder andere Anekdote nacherzähle. Aber so etwas wirkt nur aus dem Munde der Zeitzeugen originell oder spannend. Grüsse zurück aus Frankfurt!

  2. Hab es am Donnerstag leider nicht ins Museum geschafft – deswegen herzlichen Dank an dich für die Eindrücke – schließe mich Herrn Ärmel an – hätte gerne noch mehr gehört und gelesen. Trainingslager im Taunus? Stiiiimmt ja, die Erbismühle. Weiß noch, wie ich dort mal bei einer Firmenveranstaltung war und das Gefühl hatte, ganz nah auf den Spuren der Eintracht zu wandeln.

    Einträchtliche Grüße, K.

    • Die Erbismühle war ja auch später immer noch gut für das ein oder andere kurzfristige Trainingslager in Krisensituationen. Und hat dort nicht auch die schottische Nationalmannschaft im Rahmen der WM ’74 logiert? Heute ist der Glanz vergangener Zeiten wohl etwas abgeblättert vom Sporthotel.
      Grabi sprach allerdings von Oberreifenberg und dass jeder Spieler mit eigenem PKW ‚angereist‘ ist. In welcher Herberge die dort wohl damals untergebracht waren?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: