Glück = qm²

Egal, ob man nach Hamburg, Frankfurt oder München schaut… in den Grossstädten steigen die Mieten aufgrund der Nachfrage unaufhörlich. Und da dazu noch viel zu viel Kapital im Umlauf ist, heizen diese Mittel auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten den Immobilienmarkt zusätzlich an und beeinflussen die Wohnraumplanung der Kommunen. Das führt dann so weit, dass beispielsweise ein prunkvoller Neubau in der Frankfurter Kaiserstrasse mit 120 qm-Eigentumswohnungen von der Stadt mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 750.000 Euro gefördert wird (siehe dazu: fr-online vom 21.12.2012)! Aber diese Entwicklung dürfte erst am Anfang stehen – die Grossstädte werden in den kommenden Jahren noch attraktiver werden: hier gibt es Arbeitsplätze und Infrastruktur, Geld für teure Objekte ist ausreichend vorhanden.

Da wundert es nicht, dass das Münchener Unternehmen Goldgrund Immobilien offen und unverblümt für sein Luxusobjekt im begehrten Stadtteil Schwabing wirbt: den „finanziellen Highperformer“ erwarten im geplanten L’Arche de Munique 540 qm-Luxuswohnungen. „Vor allem aber bieten wir Ihnen in Zeiten sozialer Kälte ein behagliches und sicheres Refugium: Doorman-Service, Double-Carport, Airport-Shuttle-Service und eigenes U-Bahn-Entrée – damit Sie Ihre ganz eigene Münchner Freiheit genießen können“, wird auf der Homepage versprochen. Unter der Überschrift „Privilegien geniessen“ folgt dann die Ausstattung des Wohntraumes: „Unsere repräsentativen und luxuriösen Town-Wohnungen für höchste Ansprüche bieten extrem großzügige Raumaufteilung, gewagte Zimmerfluchten und kompromisslose Klarheit. Klassisch-moderner Look, zertifiziertes Tropenholzparkett, ein japanischer Dachgarten, integrierte Premium-Head-Offices, monatlich wechselnde Ausstellungen in den Ambient-Räumen und eine insgesamt offensive Optik runden Ihr Wohnerlebnis ab. Außerdem wird das umliegende Viertel durch die visuelle Rückkopplung mit dem beeindruckenden Ensemble stark aufgewertet. Durch separate Eingänge ist für die eigentlichen Bewohner und unser diskretes Facility & Subsistence Management ein Maximum an Privatheit und Sicherheit gewährleistet“. Der Preis für Exklusivität im Herzen der Stadt: schlappe 15 Millionen Euro!

Ausschnitt der Goldgrund-Webseite

Ausschnitt der Goldgrund-Webseite

Um den Durchschnittsbürger in der Nachbarschaft nicht zu verärgern und aufkommenden Sozialneid zu unterbinden, betont Goldgrund das eigene Verantwortungsbewusstsein: „Gentle fication – unser Konzept der sanften Aufwertung! Jedes unserer edlen Objekte generiert neue Arbeitsplätze in den Bereichen Subsistence Management, Security und Domestic Responsibility. So ist Goldgrund über die Jahre zu einem der zuverlässigsten Provider in Münchens extrem dynamischer Dienstleistungsbranche geworden. Außerdem bieten wir all unseren Mitarbeitern pfiffig geschnittene Appartements in den unteren Lagen des Arche de Munich: Intelligente Raumausnutzung, verdichtete Architektur, erschwingliche Mieten und die unmittelbare Nähe zum Arbeitgeber garantieren für beide Seiten optimalen Workflow. Durch dieses Konzept einer nachhaltigen Immobilienbewirtschaftung schonen wir die Ressource Bevölkerung und ermöglichen es ihr im gewohnten Umfeld zu verbleiben. Schließlich wollen wir, dass München für alle leuchtet!“

Ressource Bevölkerung, Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Bereichen Sicherheit und Hausverwaltung… die zynische, doch elegant verpackte Botschaft wurde von der Zielgruppe prompt verstanden, die Maklerbranche war elektrisiert, konkrete Anfragen von Investoren und potenten Kunden aus dem In- und Ausland liessen nicht auf sich warten. Doch Kaufverträge werden wohl nicht abgeschlossen werden können, denn…

…hinter Goldgrund Immobilien und der Homepage steckt die Kabaretttruppe der Münchener Lach- & Schiessgesellschaft, die mit dem fiktiven Wohnobjekt und den entsprechenden Begrifflichkeiten die Perversion des Luxusbauwahns verdeutlicht! Da bleibt einem das Lachen fast im Halse stecken…

Weiterführende Links: Homepage der fiktiven Firma Goldgrund | Bericht im Deutschlandfunk über die Satire vom 26.03.2012

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4 Kommentare
  1. Richtig schlimm beginnts ja dann zu werden, wenn Satire und Realität sich sehr nahe kommen. Der eigene U-Bahnzugang erinnert irgendwie an das „Treibhaus“ von Robert Koeppen.

    Schöne Grüsse & Ostern vom regengrauen Schwarzen Berg

    • Ja, die Nähe von Realität und Satire ist das Erschreckende an dieser Sache! Wieso erinnert Dich der U-Bahnzugang an Wolfgang Koeppens „Treibhaus“? Interessiert mich!

      Österliche Grüsse aus dem sonnigen, aber saukalten Frankfurt

    • Die Assoziation zum „Treibhaus“ ist eigentlich ganz einfach. An der Station Triangel hielt der Zug ausserplanmässig und eigens um einen Abgeordneten den Einstieg zu ermöglichen.

  2. Anthony S. sagte:

    Ich wäre echt darauf hineingefallen, wenn man nicht erklärt hätte, dass es eine Satire war. ;-) Ich bin im nachhinein bei soetwas aber immer kritisch, da eben oft nicht erklärt wird, wo der Missstand für die Mittelschicht liegt. Man kann die Großstädte untereinander auch schlecht vergleichen.

    Vermeintlich attraktiv:
    Berlin, weil drumherum 100km gar nichts ist.
    Frankfurt, weil erschlossen für altersvorsorgende Investitionen.
    München, erheblich aufgrund alter Chefarztgehälter auf Winterkorn-Niveau.

    Dass die Preise generell, also nicht nur im Luxussegment, in den Städten nach oben gehen und nicht jedem sein Lohn mitwächst, liegt beim Staat. Eingriffe in den Arbeitsmarkt, diverse Umverteilungsmechanismen, und allgemein höhere Abgaben, tun ihr bestes, die Reallöhne zu reduzieren. Globale Unternehmen, wo logischerweise nicht jeder arbeiten kann, stechen über die ausgeuferte Sozialstaaterei der letzten zwei Jahrzehnte regionale Betriebe und ihre Arbeitnehmer aus. Wie immer öfter hilft hier ein Blick in die USA, die über den regionalen (~10€++), nicht bundesweiten(~5€) Mindestlohn regionale Arbeitsplätze en masse kaputt gemacht haben, um das Lohnniveau zu drücken. Durch die damit bedingten Folgen wurden die Großunternehmen, wo der Staat mitkontrolliert, stärker und stärker und die Einkommensteigerungen dieser Unternehmen waren hoch. Regionale Betriebe gehen praktisch sofort pleite, wenn die Steuern wieder für eine „Wohltat“ erhöht werden. Diese Auswirkungen schlugen sich voll auf die Wohnsituation der Mittelschicht. Das Problem sind in Deutschland nicht die steuer- und staatsbereinigten Preissteigerungen, sondern die Verluste der Bevölkerung an den Staat von ihrem Lohn. Dadurch werden die Preise der übrigen, normalen Immobilien über die nächsten Jahrzehnte heruntergedrückt, während diese „Paradegrundstücke“ und die auch mit guter Bausubstanz verbauten Immobilien konstant bleiben und Neubauten sich auf den „Luxusmarkt“ spezialisieren müssen, da sie sonst keine Gewinne machen.

    Ob die Leute mit diesen Immobilien ihr Glück finden, weiß ich nicht. Jedenfalls droht meines Eindrucks großes Unheil, wenn der Staat noch stärker in den Wohnungsbaumarkt eingreift. Dann fällt Deutschland komplett auf DDR-Niveau zurück.

    Einen schönen Ostersonntag,
    (heute muss ein Auswärtsdreier her!)

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