Kleinstgartenanlage

„Hallo, Herr Nachbar! Was macht der Kohlrabi?“ – „Noch ein, zwei Wochen, dann ist es soweit. Aber Ihre Salatköpfe entwickeln sich auch prächtig!“. Was uns bis dato als Gespräch über den Gartenzaun hinweg bekannt war, bekommt eine neue Dimension: Unterhaltungen von Pflanzkiste zu Pflanzkiste…

Der urbane Mensch nutzt allerlei skurrile Angebote, um seine vermeintliche Individualität zu präsentieren, dem Alltagsstress etwas entgegenzusetzen oder Anschluss zu finden. Therapeutisches Gruppenkuscheln mit wildfremden Leuten, skistockbewehrtes Wandern im Stadtpark, abendliches Massensaufen auf öffentlichen Plätzen oder der hundertköpfige Inliner-Treff sind nur einige Beispiele, wie der heutige Stadtmensch seinem Leben bunte Farbtupfer beifügt. Während einerseits die Soziologen beim modernen Städter das ‚Cocooning‘ beobachten, also das Einigeln und Zurückziehen ins Private, gehen andererseits die Leute hinaus in den öffentlichen Raum und suchen bei diversen Flashmobs und gemeinschaftlichem Sonnenbaden am Main-/Isar-/Rhein-/Neckar-/Elbeufer das Erlebnis in der Gruppe. Ein Widerspruch?

Hafengarten nennt sich das Gelände nahe der Carl-Ulrich-Brücke am Offenbacher Mainufer. Ein Sammelsurium an Pflanzbehältnissen, soweit das Auge reicht. Kräuterbeete, Blumen, Gemüse. Sogar ein Apfelbäumchen! Zwischendrin Campingstühle für die gemütliche Plauderei, die obligatorischen Giesskannen und verschiedenste Fahnen, die die jeweilige landsmannschaftliche Verbundenheit demonstrieren. Urban Gardening in Offenbach. Kleinstparzellen für jeden, der mangels Balkon oder Schrebergarten dennoch gärtnerische Obsessionen pflegen möchte. Und für diejenigen, die einfach nur dabeisein wollen.

Das Projekt Besser leben in Offenbach, initiiert von den Offenbacher Stadtwerken, freut sich über jeden Mitmachenden. Ein Anruf oder eine eMail (Kontaktdaten am Ende des Artikels) genügen – und schon kann man sich als Klein(st)gärtner austoben. Pflanzkisten, Werkzeug und Gartenerde werden vor Ort kostenfrei zur Verfügung gestellt, die Materialausgabe ist täglich nachmittags bis 19 Uhr besetzt. Die Kreativeren benutzen eigene Fundstücke aus dem heimischen Keller als Behältnis: Zinkwannen, alte Koffer, Plastikeimer, umgedrehte Kinderbetten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Fotos: Katja Lenz (Zum Öffnen der Galerie einfach Bilder anklicken)

[Kontakt: Projekt Besser leben in Offenbach, Sabine Süssmann, Tel. 0170 – 450 04 12, sabine.suessmann(at)soh-of.de]

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2 Kommentare
  1. Eine sinnvolle Initiative. Sieht ein bisschen nach dem Tempelhofer Feld aus. Mal sehen, wie die Anlage den kommenden Winter übersteht. Ich drück schon mal die Daumen.

    Schöne Grüße vom Schwarzen Berg

    • Stimmt, die Ähnlichkeit zum Tempelhofer Feld ist zu sehen – ist ja auch das identische Konzept. Aber wenn Du das den Menschen am Schwarzen Berg präsentieren wolltest, würden sie Dir wahrscheinlich einen Vogel zeigen („die spinnen, die Städter!“) :-)
      Wenn der Stadtgarten überhaupt so lang Bestand hat, werde ich mir anschauen, was dort im Winter passiert…

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