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In den kommenden vier Wochen werden wieder die Hochglanz-TV-Spots der FIFA mit der Botschaft „say no to racism“ dauerausgestrahlt. Wir ersparen uns jedoch heute eine Kommentierung der Lippenbekenntnisse grosser Sportverbände und blicken lieber auf Projekte, die mit weitaus geringeren Mitteln, dafür jedoch mit Kreativität, Engagement und der richtigen Einstellung tatsächlich etwas bewegen.

So gibt es die Veranstaltungsreihe im Gedächtnis bleiben des Frankfurter Fanprojekt e. V., die 2012 vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet wurde. Neben Podiumsveranstaltungen im Fanhaus Louisa, einer Gedenkstättenfahrt nach Ausschwitz, der Beteiligung an der Aktion ‚Stolpersteine‘ u. v. m. entstand im vergangenen Jahr die Idee, den im Gedächtnis bleiben-Preis auszuschreiben, um noch mehr Menschen zu ermutigen, eigene Ideen umzusetzen. Gesucht werden Projekte und Aktionen, die sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Diskriminierung engagieren.

„Eine Frankfurter Hauswand wird zum Wahrzeichen der Toleranz“, so lautet der Beitrag des im Gedächtnis bleiben-Preisträgers des Jahres 2013, Mathias Weinfurter. Und seine Idee ist grandios! Auf einer Hausfassade sollte ein riesiges Graffiti entstehen, bestehend aus dem Zitat „Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien“ und dem Konterfei des ehemaligen Eintracht-Stürmers Anthony Yeboah. Hintergrund des Zitates ist ein in der BILD-Zeitung im Jahre 1990 veröffentlichter ‚Brief an alle Fans‘ von Yeboah, Anthony Baffoe und Souleyman Sané, in dem die drei farbigen Profifussballer den damals zunehmenden Rassismus in den Stadien thematisierten.

Nachdem die Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte eine Hausfassade im Frankfurter Stadtteil Niederrad zur dauerhaften Nutzung zur Verfügung gestellt hat, konnte es am 5. Juni losgehen. Mathias Weinfurter erstellt nun gemeinsam mit den Leuten vom Frankfurter Fanprojekt e. V. mit viel Farbe und über zweihundert Spraydosen das gigantische ‚Wandbild‘, das am 21. Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wird!

[Fotos vom 07. Juni – ich werde das nächste Woche aktualisieren. Zum Öffnen der Galerie einfach eines der Bilder anklicken. Alle Fotos: © Hackentrick]

Wir waren nochmal vor Ort – das Endergebnis sieht klasse aus! Fotos vom 19. Juni – © Katja Lenz

Bilder von der offiziellen Übergabe an das Frankfurter Stadtbild: Fassadenmalerei

Auch für 2014 ist ein im Gedächtnis bleiben-Preis ausgeschrieben (Einreichung bis 30. September)! Mehr Infos darüber hier oder eMail an info(at)im-gedaechtnis-bleiben.de.

Und in eigener Sache: Herzlichen Dank an das Frankfurter Fanprojekt e. V. für die Genehmigung der Vorveröffentlichung und den exklusiven Einblick in die Projektunterlagen (@Geiselgangsterin: den die BILD nicht von Euch bekommen hat ;-) )!

[Weiterführende Links: www.frankfurter-fanprojekt.de (inkl. Fanhaus Louisa) | www.im-gedaechtnis-bleiben.de (Ausschreibung des Wettbewerbs) | Säulen im Museum (Anthony Yeboah zu Gast im Eintracht-Museum) | weitere Fotos in den Blogs von beve und stadtkind]

Ich wähle die zentrale Telefonnummer eines grossen deutschen Finanzmarktunternehmens an, da ich die Durchwahl meines dortigen Ansprechpartners gerade nicht zur Hand habe und mich zu ihm durchstellen lassen will. Statt einer freundlich-charmanten Telefonstimme begrüsst mich ein Sprachcomputer, der mir die Optionen anbietet, mich wahlweise als „Kunde“, „Interessent“ oder „Berater“ weiterbedienen zu lassen.

Eigentlich entspricht „Berater“ dem Grund meines Anrufes am ehesten, will doch das angerufene Unternehmen auf meine Expertise zurückgreifen – gemeint sind jedoch sicher Finanzberater, die mit der Firma zusammenarbeiten. Da auch „Kunde“ und „Interessent“ meinem Anliegen nicht entsprechen, unterbreche ich vorerst das Telefonat und denke kurz nach.

Neugierig macht er ja schon, der Sprachcomputer. Also entscheide ich mich für ein kleines Experiment und drücke auf Wahlwiederholung. „Kunde“ spreche ich deutlich in das Telefon, nachdem mir wiederum die Optionen angeboten wurden. Die (sehr menschliche) Stimme am anderen Ende der Leitung teilt mir mit, dass sie mich leider nicht verstanden hat und bittet um Wiederholung. Ich versuche, das Wort anders zu betonen: „Kuuunde“. Wiederum werde ich nicht verstanden, der Sprachcomputer will mich in eine Warteschleife weiterleiten und vertröstet mich damit, dass irgendwann ein realer, verständnisvoller Mensch das Gespräch und mein Anliegen entgegennimmt.

So leicht gebe ich nicht auf! Erneut wähle ich die Nummer und höre die bereits bekannte Ansage. Diesmal versuche ich es mit „Kuuundeee“  – was prompt vom digitalen Gegenüber akzeptiert wird! Doch schon lauert die nächste Hürde und ich scheitere am Wörtchen „Konto“ (oder „Konnto“? „Konntoo“?). Bevor ich wieder in der Warteschlange lande, lege ich auf…

Vierzehn Mal habe ich spasseshalber die Rufnummer angewählt und aus Neugier diverse Varianten probiert: Schwyzerdütsch und Hessisch („Ei, isch bin Kunnde!“) haben überraschenderweise funktioniert, Bayrisch und englischer Akzent scheiterten bereits im Ansatz. Generell bin ich nie über die dritte Frage des Sprachcomputers hinausgekommen (wieviele er wohl noch hatte?).

Meine Frage an den Leser: Was sagt das uns über den Zustand unserer Gesellschaft, wenn deren Mehrheit es mittlerweile als völlig normal empfindet, bei einem Unternehmen als Kunde / Käufer / Auftraggeber unwürdig behandelt und zu infantiler Kommunikation genötigt zu werden?

Einfach mal kurz darüber nachdenken…

Das Kloster Eberbach nahe Eltville im hessischen Rheingau zeigt noch bis 27.10. eine ungewöhnliche Ausstellung: die Projektarbeit ‚Die verlorene Bibliothek‘ des Künstlers Hannes Möller!

Klosterbibliotheken waren ein Hort des Wissens. In den Archiven sammelten sich nicht nur religiöse Werke – auch bedeutende Schriften der Antike oder Abhandlungen über zeitgenössische Heilmethoden wurden dort bewahrt. Umso dramatischer, wenn durch Brand oder Plünderung diese Schätze für alle Zeiten verlorengingen.

Die Klosteranlage Eberbach (auch bekannt durch die Dreharbeiten für den Film Im Namen der Rose) wurde 1803 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. Unzählige wertvolle Bücher zerstreuten sich in alle Welt. Hannes Möller ist es auf ungewöhnliche und aufwendige Weise gelungen, zumindest einen Teil der verschwundenen Kostbarkeiten in das Kloster zurückzuholen! Wie er dabei vorgegangen ist und was das Besondere an seinem Projekt ist, präsentiert uns die Fotografin Katja Lenz in ihrem Blogartikel, die mit der Kamera den Künstler bei seiner Arbeit begleitete.

Einfach anklicken: Künstler Hannes Möller und die ‚verlorene Bibliothek‘ (von Katja Lenz)

Hannes Möller (Foto: Katja Lenz)

Hannes Möller (Foto: Katja Lenz)

Bisher waren sie mir im Frankfurter Stadtbild nie aufgefallen: die Luftpumpstationen für Radfahrer. Ein wunderschöner, sonniger und geruhsamer Sonntagnachmittag bot jetzt die Gelegenheit, sich diese Installation einmal genauer anzuschauen.

Die ‚Pumpstation‘ steht unspektakulär am Gehsteigrand – man muss schon genauer hinschauen, um das Stahlrohrgebilde nicht zu übersehen. Ähnlich wie beim Einkaufswagen löst man mittels Pfandmünze (es passen 50 Cent-, 1 oder 2 Euro-Stücke) den Verschluss und entnimmt die mit einer langen Kette gesicherte Handpumpe. Nach verrichteter Tätigkeit wird die Pumpe in die Vorrichtung zurückgeschoben und der Verschluss gibt das Geldstück wieder frei.

Die Luftpumpe funktioniert natürlich nur bei klassischen Fahrradschlauchventilen, was bei uns sogleich zur Debatte führte, ob die Stadt Frankfurt ihre Gelder jetzt flächendeckend für diesen nicht allen Radfahrern dienlichen Service verpulvert, statt beispielsweise das Budget in den Ausbau und die Verbesserung der Radwege zu investieren.

Ein Blick auf die Homepage des Radfahrbüros der Stadt Frankfurt (allgemein interessant: radfahren-ffm.de) klärt auf: die Luftpumpstationen gibt es bisher nur in der Innenstadt an der Hauptwache (TraffiQ-Pavillon), am Merianplatz in Bornheim und in Sachsenhausen (Schweizer Platz). Die Installationen sind eine Stiftung der Stadt zum Wettbewerb des fahrradaktivsten Stadtteils, ein genereller Ausbau ist nicht geplant. Somit brauchen wir uns also (in diesem Fall) keine Sorgen über die städtische Finanzplanung machen!

(Zum Öffnen und Vergrössern der Fotogalerie einfach ein Bild anklicken)

Eigentlich sollte am Dienstagabend (27. August) der Fernseher nur nebenbei über den Verlauf den CL-Spiels PAOK Saloniki gegen FC Schalke 04 informieren – doch dann entpuppte sich das gesamte Abendprogramm des Senders ZDF mal wieder als Anschauungsunterricht für das Versagen der öffentlich-rechtlichen Sender.

20.25 – 23.00 Uhr: FUSSBALL-LIVE-ÜBERTRAGUNG AUS THESSALONIKI (Sportshow): Seit einem Jahr überträgt das ZDF die Spiele der UEFA Champions League und zahlt für die Übertragungsrechte pro Saison ca. 54 Millionen Euro [1], wofür der Sender mit Recht heftig kritisiert wurde. Die CL ist das Highend-Premium-Hochglanzprodukt der UEFA und wird uns verkauft mit Emotionen, Atmosphäre und packenden Flutlichtduellen der europäischen Spitzenmannschaften. Sehenswerter Fussball vom Feinsten also.

Natürlich konnte das ZDF nichts dafür, dass das Spiel der Schalker in Griechenland auf Anordnung des europäischen Fussballverbands vor leeren Rängen ausgetragen werden musste (‚Geisterspiel‘-Strafe für PAOK) und die Übertragung stimmungstechnisch an einen wochentags im Herbst bei Nieselregen ausgerichteten Freundschaftskick in untersten Ligen erinnerte. Doch beim Anblick des aufgrund der fehlenden Stadionbesucher bizarr wirkenden (von der UEFA vorgeschriebenen) Rituals mit Mannschaftsaufstellung und Hymne auf dem Rasen vor dem Anpfiff wurde einem schnell wieder bewusst, was die Champions League tatsächlich ist: eine durchorganisierte Marketingveranstaltung, um tolle TV-Bilder zu produzieren, die sehr viel Umsatz generieren.

Die Teams vor Anpfiff im leeren Stadion

Die Teams vor Anpfiff im leeren Stadion

In der Halbzeitpause: ZDF HEUTE JOURNAL (Nachrichtenshow): Mit der angemessenen Betroffenheit und ernster Stimme verkündet uns Claus Kleber, dass es wohl kein Zurück mehr gibt und Bomben und Marschflugkörper auf Syrien niedergehen werden. Ähnlich wurden uns u. a. schon die Kriege im Irak und Afghanistan angekündigt. Syrien ist übrigens das Land, von dem uns auch das heute journal in etwa so berichtet: „blutige Proteste gegen die Regierung“ (2011), „Assad-Regime zwingt das Land in einen Bürgerkrieg“ (2012), „unterschiedliche Rebellengruppen kämpfen gegen die Regierungseinheiten“ (2013).

Ich erwarte aufgrund der begrenzten Sendezeit der Nachrichtensendung keine detaillierte Berichterstattung, aber kann sich jemand erinnern, wann zur Primetime bei ARD oder ZDF ausführlich, differenziert und genau über Syrien (Ägypten, Libyen, etc.) berichtet wurde? Ich nicht.

23.00 – 24.00 Uhr – NEUES AUS DER ANSTALT (Comedyshow): Ach, meine ‚Anstalt‘ hat auch schon bessere Tage gesehen. Wo bis letztes Jahr der Bildungsbürger eine satirisch-sarkastisch-intelligente Bestätigung der eigenen kritischen Haltung erhielt (worüber man natürlich auch diskutieren kann), sorgen jetzt Blödelbarden wie Ingo Appelt, Monika Gruber oder Christian Springer für pseudopolitische Schenkelklopfer. Am 1. Oktober wird die Sendung in vorliegender Form letztmalig ausgestrahlt, die beiden Anchormen Priol und Barwasser widmen sich anschliessend anderen Projekten. Sollte man auf den Nachfolger gespannt sein?

00.00 – 00.30 Uhr – ILLNER INTENSIV (Unterhaltungsshow): Endlich Mitternacht, endlich die knallharte Auseinandersetzung mit Politikern. Knackige Fragen und konkrete Antworten zur besten Sendezeit! Vor der strengen Maybrit Illner zeigen die Herren Frank-Walter ‚wir-sind-dagegen-stimmen-aber-dafür‘ Steinmeier (SPD), Volker ‚es-wird-keinen-Schuldenschnitt-für-Griechenland-geben‘ Kauder (CDU) und Gregor ‚wir-machen-das-nicht-mit‘ Gysi (Die Linke) klare Kante und Profil zum Thema Eurokrise… (hüstel)

Man muss es mittlerweile als Verhöhnung des TV-Zuschauers betrachten, wenn zu diesem ernsten Thema die o. a. ‚ausgewiesenen Experten‘ ins Studio geladen und befragt werden und die Moderatorin nicht nachhakt, wenn die Parteienvertreter leere Sprechblasen in die Mikrofone aussondern. Einen Herrn Kauder, der die aktuelle deutsche Politik gegenüber den Schuldenstaaten mit den gängigen Klischees und Phrasen verteidigt, darf man in einem solchen Sendeformat durchaus damit konfrontieren, dass das übliche Modell der Austerität noch nie erfolgreich war (wie es uns leider Weltbank und IWF seit Jahrzehnten beweisen). Und man darf gerne einmal anmerken, dass sogar das theoretische Modell der Ökonomen keine absolute Gültigkeit mehr besitzt, weil dem gefeierten Vorreiter Professor Kenneth Rogoff bei seiner mathematischen Studie zu Staatsverschuldung und Wirtschaftswachstum Datenbank- und Formelfehler unterlaufen sind, wie dieser im Frühjahr diesen Jahres kleinlaut zugeben musste [2].

Wenn ARD und ZDF wissen wollen, wie man Politiker zum Schwitzen bringt und in die Mangel nimmt, sollten sie sich einmal das Format HARDtalk der BBC anschauen [3]!

Zusatzinfos:

[1] in den Medienberichten im April 2011 schwanken die Meldungen zwischen 50 bis 56 Millionen Euro

[2] „…Thomas Herndon, ein Doktorand der Universität Massachusetts, hatte sich die Daten von Rogoff und Reinhart noch einmal vorgenommen und kam zu anderen Ergebnissen. Laut seinen Berechnungen brach das Wirtschaftswachstum überhaupt nicht ein, wenn sich Staaten mit mehr als 90 Prozent des BIP verschuldeten. Er konnte zeigen, dass Rogoff und Reinhart einige Daten in ihrer Studie sehr merkwürdig gewichtet und einzelne Länder, die trotz hoher Schulden kräftig gewachsen waren, ausgeklammert hatten. Außerdem deckte Herndon einen peinlichen Fehler auf: Rogoff und Reinhart hatten eine Formel im Tabellenkalkulationsprogramm Excel falsch programmiert und deshalb wichtige Daten in ihren Rechnungen nicht berücksichtigt…“ (aus ‚Die Ökonomen-Seifenoper‘, Zeit Online vom 28. Mai 2013)

[3] Beispiel: HARDtalk-Interview mit Wolfgang Schäuble: „Greece default will not happen“ (Video)

'illner intensiv' mit Steinmeier, Kauder, Gysi (v.l.n.r.)

‚illner intensiv‘ mit Steinmeier, Kauder, Gysi (v.l.n.r.)

„Hallo, Herr Nachbar! Was macht der Kohlrabi?“ – „Noch ein, zwei Wochen, dann ist es soweit. Aber Ihre Salatköpfe entwickeln sich auch prächtig!“. Was uns bis dato als Gespräch über den Gartenzaun hinweg bekannt war, bekommt eine neue Dimension: Unterhaltungen von Pflanzkiste zu Pflanzkiste…

Der urbane Mensch nutzt allerlei skurrile Angebote, um seine vermeintliche Individualität zu präsentieren, dem Alltagsstress etwas entgegenzusetzen oder Anschluss zu finden. Therapeutisches Gruppenkuscheln mit wildfremden Leuten, skistockbewehrtes Wandern im Stadtpark, abendliches Massensaufen auf öffentlichen Plätzen oder der hundertköpfige Inliner-Treff sind nur einige Beispiele, wie der heutige Stadtmensch seinem Leben bunte Farbtupfer beifügt. Während einerseits die Soziologen beim modernen Städter das ‚Cocooning‘ beobachten, also das Einigeln und Zurückziehen ins Private, gehen andererseits die Leute hinaus in den öffentlichen Raum und suchen bei diversen Flashmobs und gemeinschaftlichem Sonnenbaden am Main-/Isar-/Rhein-/Neckar-/Elbeufer das Erlebnis in der Gruppe. Ein Widerspruch?

Hafengarten nennt sich das Gelände nahe der Carl-Ulrich-Brücke am Offenbacher Mainufer. Ein Sammelsurium an Pflanzbehältnissen, soweit das Auge reicht. Kräuterbeete, Blumen, Gemüse. Sogar ein Apfelbäumchen! Zwischendrin Campingstühle für die gemütliche Plauderei, die obligatorischen Giesskannen und verschiedenste Fahnen, die die jeweilige landsmannschaftliche Verbundenheit demonstrieren. Urban Gardening in Offenbach. Kleinstparzellen für jeden, der mangels Balkon oder Schrebergarten dennoch gärtnerische Obsessionen pflegen möchte. Und für diejenigen, die einfach nur dabeisein wollen.

Das Projekt Besser leben in Offenbach, initiiert von den Offenbacher Stadtwerken, freut sich über jeden Mitmachenden. Ein Anruf oder eine eMail (Kontaktdaten am Ende des Artikels) genügen – und schon kann man sich als Klein(st)gärtner austoben. Pflanzkisten, Werkzeug und Gartenerde werden vor Ort kostenfrei zur Verfügung gestellt, die Materialausgabe ist täglich nachmittags bis 19 Uhr besetzt. Die Kreativeren benutzen eigene Fundstücke aus dem heimischen Keller als Behältnis: Zinkwannen, alte Koffer, Plastikeimer, umgedrehte Kinderbetten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Fotos: Katja Lenz (Zum Öffnen der Galerie einfach Bilder anklicken)

[Kontakt: Projekt Besser leben in Offenbach, Sabine Süssmann, Tel. 0170 – 450 04 12, sabine.suessmann(at)soh-of.de]

Egal, ob man nach Hamburg, Frankfurt oder München schaut… in den Grossstädten steigen die Mieten aufgrund der Nachfrage unaufhörlich. Und da dazu noch viel zu viel Kapital im Umlauf ist, heizen diese Mittel auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten den Immobilienmarkt zusätzlich an und beeinflussen die Wohnraumplanung der Kommunen. Das führt dann so weit, dass beispielsweise ein prunkvoller Neubau in der Frankfurter Kaiserstrasse mit 120 qm-Eigentumswohnungen von der Stadt mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 750.000 Euro gefördert wird (siehe dazu: fr-online vom 21.12.2012)! Aber diese Entwicklung dürfte erst am Anfang stehen – die Grossstädte werden in den kommenden Jahren noch attraktiver werden: hier gibt es Arbeitsplätze und Infrastruktur, Geld für teure Objekte ist ausreichend vorhanden.

Da wundert es nicht, dass das Münchener Unternehmen Goldgrund Immobilien offen und unverblümt für sein Luxusobjekt im begehrten Stadtteil Schwabing wirbt: den „finanziellen Highperformer“ erwarten im geplanten L’Arche de Munique 540 qm-Luxuswohnungen. „Vor allem aber bieten wir Ihnen in Zeiten sozialer Kälte ein behagliches und sicheres Refugium: Doorman-Service, Double-Carport, Airport-Shuttle-Service und eigenes U-Bahn-Entrée – damit Sie Ihre ganz eigene Münchner Freiheit genießen können“, wird auf der Homepage versprochen. Unter der Überschrift „Privilegien geniessen“ folgt dann die Ausstattung des Wohntraumes: „Unsere repräsentativen und luxuriösen Town-Wohnungen für höchste Ansprüche bieten extrem großzügige Raumaufteilung, gewagte Zimmerfluchten und kompromisslose Klarheit. Klassisch-moderner Look, zertifiziertes Tropenholzparkett, ein japanischer Dachgarten, integrierte Premium-Head-Offices, monatlich wechselnde Ausstellungen in den Ambient-Räumen und eine insgesamt offensive Optik runden Ihr Wohnerlebnis ab. Außerdem wird das umliegende Viertel durch die visuelle Rückkopplung mit dem beeindruckenden Ensemble stark aufgewertet. Durch separate Eingänge ist für die eigentlichen Bewohner und unser diskretes Facility & Subsistence Management ein Maximum an Privatheit und Sicherheit gewährleistet“. Der Preis für Exklusivität im Herzen der Stadt: schlappe 15 Millionen Euro!

Ausschnitt der Goldgrund-Webseite

Ausschnitt der Goldgrund-Webseite

Um den Durchschnittsbürger in der Nachbarschaft nicht zu verärgern und aufkommenden Sozialneid zu unterbinden, betont Goldgrund das eigene Verantwortungsbewusstsein: „Gentle fication – unser Konzept der sanften Aufwertung! Jedes unserer edlen Objekte generiert neue Arbeitsplätze in den Bereichen Subsistence Management, Security und Domestic Responsibility. So ist Goldgrund über die Jahre zu einem der zuverlässigsten Provider in Münchens extrem dynamischer Dienstleistungsbranche geworden. Außerdem bieten wir all unseren Mitarbeitern pfiffig geschnittene Appartements in den unteren Lagen des Arche de Munich: Intelligente Raumausnutzung, verdichtete Architektur, erschwingliche Mieten und die unmittelbare Nähe zum Arbeitgeber garantieren für beide Seiten optimalen Workflow. Durch dieses Konzept einer nachhaltigen Immobilienbewirtschaftung schonen wir die Ressource Bevölkerung und ermöglichen es ihr im gewohnten Umfeld zu verbleiben. Schließlich wollen wir, dass München für alle leuchtet!“

Ressource Bevölkerung, Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Bereichen Sicherheit und Hausverwaltung… die zynische, doch elegant verpackte Botschaft wurde von der Zielgruppe prompt verstanden, die Maklerbranche war elektrisiert, konkrete Anfragen von Investoren und potenten Kunden aus dem In- und Ausland liessen nicht auf sich warten. Doch Kaufverträge werden wohl nicht abgeschlossen werden können, denn…

…hinter Goldgrund Immobilien und der Homepage steckt die Kabaretttruppe der Münchener Lach- & Schiessgesellschaft, die mit dem fiktiven Wohnobjekt und den entsprechenden Begrifflichkeiten die Perversion des Luxusbauwahns verdeutlicht! Da bleibt einem das Lachen fast im Halse stecken…

Weiterführende Links: Homepage der fiktiven Firma Goldgrund | Bericht im Deutschlandfunk über die Satire vom 26.03.2012

Vor einem Jahr wagte ich den Blick in die Glaskugel und machte Voraussagen für 2012 (Blogartikel „Wetten, dass…?“). Da ich dem 21.12. noch nicht so recht traue, prüfen wir lieber heute schon, inwieweit meine Prognosen eingetroffen sind!

Eichhörnchen Hans-Dietrich (Foto: Katja Lenz)*

Eichhörnchen Hans-Dietrich (Foto: Katja Lenz)*

Ich schrieb am 22. Dezember 2011:

WETTEN, DASS…

…es in 2012 wieder mindestens eine verheerende Naturkatastrophe geben wird, die weltweite Hilfe erfordert?

Zugegeben, diese Vorhersage war nicht schwer, denn jedes Jahr erleben wir grössere Naturereignisse. Dieses Mal u. a. die Erdbeben in Italien und auf den Philippinen, sowie Hurricane Sandy, der nicht nur an der US-Ostküste, sondern insbesondere auf einigen Karibikinseln schwere Schäden anrichtete.

…ich im kommenden Jahr entgegen meinen Beteuerungen doch wieder einen 4.000er besteige?

Schade, daraus wurde leider nichts. Geplant war die Besteigung des Aletschhorns, musste jedoch wegen Witterungsunwägbarkeiten abgesagt werden.

…der Euro das Jahr 2012 überlebt (das Frankfurter Occupy-Camp an der EZB allerdings nicht, da es wegen ständig steigenden Zulaufs in den Grüneburgpark umziehen muss)?

Trotz böser Schrammen ist der Euro immer noch gültiges Zahlungsmittel. Das Frankfurter Zeltlager der Occupy-Bewegung wurde am 06. August auf Anordnung des Ordnungsdezernates durch Polizeikräfte endgültig geräumt, allerdings ohne eine Alternative aushandeln zu können. Seitdem ist seitens der Protestler nicht mehr viel zu hören.

…für die Gottschalk-Nachfolge bei Wetten, dass…? ein gemischtes Duo präsentiert wird?

Naja, diese RTL-Nudel aus Berlin-Marzahn zählt wohl nicht als gleichberechtigter Teil eines Moderatorenduos (ist die überhaupt noch dabei?). Mein Tipp ging eher in Richtung Lanz & Hunziker. Damit lag ich wohl daneben… auch egal.

…es in 2012 weder einen Krieg im Iran, noch in Nordkorea geben wird, dafür allerdings die Gewalt in Afghanistan eskaliert?

Im Iran und in Nordkorea blieb es friedlich. Im Falle Afghanistans verweise ich freundlich auf meinen Artikel „Afghanistan – unknown future“. Wer sich regelmässig über dieses Land informieren möchte, dem empfehle ich die Seite Pajhwok Afghan News – auf der englischsprachigen Nachrichtenseite gibt es täglich News über Sport, Kultur, Gesellschaft, Politik und… Krieg.

…die deutsche Fussballnationalmannschaft im Sommer nicht Europameister wird (und den Krakeelern das “T’schlaaand” sehr früh im Hals stecken bleibt)?

Da ich das 0:1 durch den Italiener Balotelli im Halbfinale als „sehr früh“ interpretiere (fiel ja auch schon in der 20. Minute), deute ich meine Prognose in ihrer Gesamtheit als völlig korrekt :-)  Die EM war – bis auf kleine Anmerkungen – dennoch unterhaltsam. Übrigens: der Suchbegriff „Ronaldo Frisur“ ist einer der häufigsten, die ich in meiner Blogstatistik finde…

…die Weihnachtsansprache 2012 vielleicht von Joachim Gauck gehalten wird, jedoch auf keinen Fall von Christian Wulff?

Na, wenn das mal keine klare Vorhersage war!

…mindestens eine der Pseudo-Polit-Talkshows der ARD abgesetzt wird (ich tippe auf Anne Will)?

Leider, leider… das ist nicht eingetroffen – die Unterhaltungsshows von Plasberg bis Maischberger belästigen uns weiterhin. Wohltuende und empfehlenswerte Alternative: die Phoenix-Runde oder Unter den Linden auf dem Sender… na? PHOENIX!

…Barack Obama die Präsidentschaftswahlen 2012 in den USA gewinnt?

War das vor einem Jahr einfach oder schwer zu prognostizieren? Bei mir überwog einfach die Angst vor Republikanern, die von der Tea Party-Bewegung getrieben werden.

…die Eintracht im nächsten Mai als klarer Tabellenführer in die Bundesliga aufsteigt, obwohl derzeit alles von den Fortunen und Greuther Fürth schwärmt?

Ok, mit der Zweitligameisterschaft hat es nicht hingehauen (jedoch mit dem Aufstieg), aber dafür schwärmt jetzt alles von der Eintracht. Weiter so!

…es im März in der einen oder anderen deutschen Grossstadt nochmals schneit, dafür aber der Sommer viel zu heiss und trocken wird?

Zwar gab es im Februar eine richtige Kältewelle, doch von März-Schnee in München, Köln oder Hamburg ist mir nichts bekannt. Und die Vorhersage für den Sommer… *räusper*

…ich auch im kommenden Jahr keine einzige Folge Dschungelcamp oder DSDS anschauen werde?

Bingo! Glücklicherweise habe ich nicht auch The Voice Of Germany aufgeführt, die ersten zwei, drei Sendungen musste ich aus persönlichen Gründen anschalten.

…es in einigen europäischen Ländern zu erheblichen sozialen Unruhen kommen wird?

Wenn man das Geschehen über einen längeren Zeitraum beobachtet hat, konnte man nur zur Schlussfolgerung kommen, dass es in den südlichen Ländern Europas zu massiven Protesten kommt. Wer meint, man könne die Vorgänge noch nicht als soziale Unruhen bezeichnen, dem sei beispielsweise Uhupardos Blog zum Schlaumachen empfohlen!

…zumindest auch der nächste Klangwechsel des John Cage-Projektes in Halberstadt am 05. Juli 2012 tatsächlich stattfindet?

Ob die Aufführung der Komposition ORGAN² / ASLSP tatsächlich wie geplant bis in das Jahr 2640 andauern wird, weiss natürlich niemand. Aber vergangenen Juli durfte ich Augenzeuge des Klangwechsels sein. Eine beeindruckende Sache!

…sich der kommende Frankfurter OB Boris Rhein zum Entsetzen seiner Bürger mit der Eingemeindung Offenbachs auseinandersetzen muss, da weder Hanau noch Darmstadt bereit sind, sich des Elends anzunehmen?

Da weder Boris Rhein zum Oberbürgermeister Frankfurts gewählt wurde, noch eine Eingemeindung Offenbachs anstand (obwohl… soooo schlecht ist die östlich gelegene Gemeinde ja auch nicht), war meine Vorhersage völlig daneben. Aber den Kelch B. Rhein sehe ich gerne vorüberziehen.

…im nächsten Jahr Silvio Berlusconi, Sepp Blatter und der syrische Präsident Baschar al-Assad jeweils vor Gericht stehen werden

Signore Bunga-Bunga hat es bereits erwischt und ein weiterer Prozess steht für ihn noch an (dennoch drängt es ihn in Italiens höchstes Staatsamt zurück). Der Blatter Sepp muss sich derweil einer hausinternen Kommission für Good Governance stellen und mit al-Assad will auch keiner von uns tauschen. Aber seien wir genau – in 2012 erwischte die Gerichtsbarkeit nur Berlusconi. Die beiden anderen folgen in 2013. Versprochen!

…die Welt dann doch nicht am 21. Dezember 2012 untergehen wird?

Tja, das werden wir dann sehen…

Fazit: Kein schlechter Blick in die Glaskugel! Für den grossen Lottogewinn reicht die Trefferquote noch nicht, aber als Wahrsager in der Jahrmarktsbude würde ich bestimmt eine gute Figur abgeben.

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* Das Eichhörnchen Hans-Dietrich kommt täglich bei Frau Lenz vorbei, um sich Nüsse abzuholen und für die Kamera zu posieren. Der kleine Kerl hat mittlerweile Prominentenstatus erlangt – und sogar eine eigene Facebookseite!

 

Die Erde ist rund. Oder?

Schon die alten Griechen haben durch die Beobachtung der sichelförmigen Verdunklung des Mondes klug gefolgert, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Newton lieferte die physikalischen Gesetze dafür und die grossen naturwissenschaftlichen Gesellschaften entsandten im 18. und 19. Jahrhundert Forscher zur genaueren Vermessung unseres Planeten in die letzten Winkel der Welt.

Als dann die Astro- und Kosmonauten in den 1960er Jahren durch die winzigen Luken ihrer Raumkapseln den Erdball im Weltraum schweben sahen, war der letzte Beweis erbracht: unsere Erde ist tatsächlich rund!

Tatsächlich?

In 2011 konnten die Forscher der ESA (European Space Agency) endlich die enorme Flut an Messdaten auswerten, die sie durch den zweijährigen Flug ihres Satelliten GOCE zur Vermessung der Erdmasse erhielten. Und siehe da: die Erde ist eine unförmige Kartoffel!

Satellit GOCE im Modell (Quelle: ESA)

GOCE wurde im Jahr 2009 in die Erdumlaufbahn geschossen und vermisst seitdem das Gravitationsfeld des Globus. Die Messdaten und Instrumente sind so abartig präzise, als ob man die Geschwindigkeitsveränderung eines Öltankers bestimmen könnte, die durch die ‚Erschütterung‘ einer auftreffenden Schneeflocke hervorgerufen wird.

Nach Auswertung der Daten liegt also seit 2011 eine Karte vor, die die Masseverteilung der Erde detailliert darstellt. Wie unförmig sich darauf unser blauer Planet präsentiert, lässt sich auf der faszinierenden, animierten Seite der ESA bestaunen: die GOCE-Erdgravitationskarte!

Ein Vorschlag aus Polen für die Hardliner der aktuellen Sicherheitsdebatte, wie man marodierendes und brandschatzendes Barbarenvolk (aka „sog. Fussballfans“) unter Kontrolle bekommt: Warum so viel Mühe mit dem Strategiepapier Sicheres Stadionerlebnis, wenn es doch das Tribünenmodell Polska Anti-Randalski gibt!

Die Gästetribüne

Da kommt Stimmung auf

Kein Witz – diese vollumgitterte Tribüne existiert tatsächlich! Mangels leerer Kassen spart sich der kleine polnische Verein MKS Orzel Przweworsk teure Ordner und hat sich stattdessen für diese aberwitzige Lösung entschieden. Die Gästefans werden bei Ankunft hineingeleitet, dann wird der Käfig dichtgemacht. Rainer Wendt (Scharfmacher und Vorsitzender DPolG) hätte seine wahre Freude daran!

Hat mal jemand die eMail-Adresse der EU-Menschenrechtskommission?

[Anmerkung: Dieses Fundstück entstammt der TV-Dokumentation „Verrückt nach Fussball – Groundhopping“, die am 22. Oktober 2012 auf ZDFinfo ausgestrahlt wurde. Empfehlenswert ist der 45-minütige Teil 2 der Doku, der die Entstehung der Ultra-Szene erläutert und die aktuelle Fan-Situation in Italien zeigt: „Verrückt nach Fussball – Teil 2“]