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Über Sinn oder Unsinn der FIFA KLUB-WM, die derzeit in Marokko ausgetragen wird, kann man sicher diskutieren. Der mächtige Fussballweltverband folgt mit diesem Wettbewerb seiner globalen Mission (der Kampf ums runde Leder findet nicht nur in Europa statt) und erschliesst sich weitere Vermarktungsmöglichkeiten. So weit, so gut. 

Allerdings hat sich die ARD über die Sportrechteagentur SportA die (wohl nicht billigen) Übertragungsrechte gesichert und überträgt die beiden Partien des FC Bayern München mitsamt Expertengeschwätz. Da komme ich ins Grübeln…

Warum fühlt sich eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt berufen, Gebührengelder für diese – sportlich gesehen – eher minderwertige Veranstaltung auszugeben? Mannschaften wie Al Ahly Kairo, Auckland City oder der Halbfinalgegner des FCB, Guangzhou Evergrande aus China, haben sich m. E. bisher nicht als internationale Top-Klubs aufgedrängt (in der Anmoderation der Übertragung am Dienstagabend wurde sogar die Floskel von „den besten Mannschaften der Welt“ bemüht). Dass die FIFA eine Reklameveranstaltung zur Geldvermehrung durchführt, ist eine Sache. Dass die ARD dies mitfinanziert, ist eine andere!

„Für die ARD ist es ein schöner Erfolg, dass wir live im Ersten den FC Bayern München bei der FIFA Klub-WM begleiten können“, so die Verlautbarung des ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky (und lässt die Katze damit aus dem Sack!). Also doch – Hofberichterstattung für den bayerischen Vorzeigeklub. Muss das sein?

Die FIFA lässt sich diese Showveranstaltung (der wir immerhin das Freistossmauer-abstandsmarkierungsspray und die endlos animierte Aufarbeitung der Torlinienkameraüberwachung verdanken) zum Jahresende vergolden durch Sponsoren und Vermarktungsrechte und wird wiederum dem deutschen Rekordmeister nach dem Finalspiel für die erfolgreiche Teilnahme ein nicht unerhebliches Sümmchen zahlen* – u. a. indirekt finanziert durch die Gebührengelder der ARD.

Darf man also behaupten, dass die ARD damit GEZ-Gelder in ein sowieso schon millionenschweres Sportunternehmen aus München steckt? Darf man dann vielleicht sogar – aufgrund des ausschliesslichen Geldflusses an die Isar – von Wettbewerbsverzerrung für die Bundesliga sprechen? Und schliesslich: Wie sehen Wirtschaftsjuristen diesen Fall?

* Ich habe leider nirgendwo Angaben über die Höhe der Vermarktungsrechte und die Preisgelder für die teilnehmenden Mannschaften gefunden. Weiss jemand mehr?

Ein etwas ungewöhnliches und witziges Projekt präsentiert die ARD derzeit auf ihren Videotextseiten. Noch bis 16. September 2012 läuft auf ARD-Text das INTERNATIONALE TELETEXT-KUNSTFESTIVAL! Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern gestalten unter Einhaltung der Teletext-Standards Bilder und Wortbildcollagen. Die an frühe Computergrafiken und -spiele erinnernden Werke sind ab Teletext-Seite 770 zu finden. Einfach mal reinschauen!

Vorab drei Auszüge der Präsentationen (Bilder zum Vergrössern anklicken):

Amelie (von Rich Oglesby)

Teletext Love (von Frederik Olsson aka BYM)

Gerüchte und Lügen / Pinocchio-Kuckuck-Mashup (von Kari Yli-Annala)

Wer den gestrigen ARD-Polittalk „hart aber fair“ mitverfolgt hat, bekam wieder einmal ein Beispiel für den Verfall von Diskussionskultur und Informationspolitik im deutschen Fernsehen zu sehen. Bereits mit dem anspruchsvollen Thema des Abends (Titel der Sendung: „Besser wegschauen und stillhalten – darf uns Syrien so egal sein?“) verhoben sich die Macher der Sendung und die Liste der eingeladenen Gesprächspartner liess erahnen, dass sich die Redaktion an einem Scriptmodell orientierte, das anscheinend derzeit in Mode ist: Sympathischer, aber nicht ernstzunehmender Kritiker gegen eine Übermacht der Meinungshoheit.

Am Thema verhoben hat sich „hart aber fair“ deshalb, weil die Fragestellung, ob sich die restliche Welt für die aktuelle Situation Syriens interessieren sollte, keinen 75-minütigen Sendeplatz erfordert und innerhalb fünf Minuten hätte beantwortet werden können. Die Frage nach dem „weshalb?“ wäre da schon weitaus zeitraubender gewesen.

Der ursprünglichen Fragestellung widmete sich die Sendung jedoch nur in der ersten Fragerunde. Dann lief sie darauf hinaus, wie die Vorgänge in Syrien bewertet werden sollten, resp. was dort überhaupt geschieht. An diesem Punkt hätte „hart aber fair“ durchaus interessant und informativ werden können – dies war jedoch gar nicht beabsichtigt: Das Ziel der ‚Show‘ war augenscheinlich, auf unterhaltsame und vorgespielt seriöse Weise den Publizisten Jürgen Todenhöfer vorzuführen.

Todenhöfer, CDU-Mitglied und engagierter Nahost-Experte, tat sich schon in der Vergangenheit durch eine sehr kritische Haltung zur Rolle des Westens in Afghanistan, im Irak und Libyen hervor. Auch im Falle Syriens warnt er vor einer allzu einseitigen Bewertung der Lage. Seit November 2011 bereiste er mehrmals den Mittelmeerstaat und sprach mit Menschen verschiedenster Fraktionen. Aufgrund seiner Eindrücke plädiert Todenhöfer seitdem dafür, dass – um eine Ausweitung des Bürgerkrieges zu verhindern – dringendst internationale Verhandlungen mit Präsident Assad aufgenommen werden sollten. Er bestätigt die von einzelnen Seiten veröffentlichten Beobachtungen, dass nicht alleine Assads Truppen eine friedlich demonstrierende Bevölkerung zusammenschiessen, sondern auf Seiten der Aufständischen unterschiedliche Interessen verfolgt werden und ebenso Gräueltaten auch an der syrischen Zivilbevölkerung begangen werden (wie Human Rights Watch im aktuellen Report bestätigt).

Im Rahmen seiner Reisen bekam er jetzt die Gelegenheit, ein Interview mit dem syrischen Präsidenten zu führen, dass die Medienwelt zum Anlass nahm, Todenhöfer als Naivling und publizistische Marionette in den Händen des syrischen Diktators darzustellen.

Nun hätte man als verantwortungsbewusste Medienanstalt Jürgen Todenhöfers Mahnungen anhören und mit entsprechend kompetenten Gesprächspartnern eine Diskussion über seine Erfahrungen eröffnen können. Doch das plakative, populistische Konzept der Sendung liess dies nicht zu. Stattdessen wurden Studiogäste eingeladen, deren Motivation von vornherein darin bestand, den Kritiker zum Schweigen zu bringen…

Jörg Armbruster (in Kairo lebender ARD-Korrespondent) fungierte als Sprachrohr der öffentlich-rechtlichen Nachrichten- und Meinungsmacher und verteidigte die allgemein verbreitete Linie seines Arbeitgebers. Claudia Roth vom Bündnis 90 / Die Grünen gefiel sich zum wiederholten Mal in einer nervigen, teils ahnungslosen, teils arroganten Rolle (vom Sender vorgesehen: die Krachnudel). Dem in Berlin lebenden Syrer Ferhad Ahma gestatten wir bedingt die einseitige Sichtweise – er muss durch familiäre und freundschaftliche Kontakte das Geschehen in Syrien auch emotional erleben. Allerdings hätte sich das Mitglied des syrischen Exil-Nationalrates eine Frage des Moderators Frank Plasbergs gefallen lassen müssen (die leider ausblieb): Welche Ziele – abgesehen von der Absetzung Assads – verfolgen eigentlich die Aufständischen, die Rebellen, die Demonstranten, die Oppositionellen?

Last but not least war der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor in der Rolle des Elder Stateman eingeladen. Mehr als kurze Äusserungen über russische Interessen in Syrien und die Gefahren für die ganze Nahost-Region hatte er allerdings nicht beizutragen. Dabei hätte er dem TV-Zuschauer sicherlich einiges über die Waffenlieferungen Saudi-Arabiens und Katars an syrische Rebellen erzählen können und darüber, warum sich die westliche Welt so sträubt, den Iran in lösungsorientierte Gespräche einzubeziehen.

Schade. Wieder einmal wurde ein ernstes Thema medial geopfert, um eine Unterhaltungssendung zu produzieren. Eine seriöse Diskussion über Syrien wurde seitens der ARD-Redaktion vermieden – die öffentlichen Meinungsbildner haben einen erneuten Punktesieg eingefahren!

[Anmerkung – ich empfehle jedem Interessierten gerne einen sehr informativen Artikel, der den beabsichtigt begrenzten Fokus unserer Medien auf die Situation in Syrien aufzeigt: „Syrien – die andere Wahrheit“ vom 25. April 2011 (sic!) auf dem Blog HINTER DER FICHTE.]

Die Gruppenspiele der UEFA EURO 2012 (formerly known as „Fussball-Europameisterschaft“ oder kurz „EM“) liegen hinter uns, acht Teams packen die Koffer oder befinden sich bereits auf der Heimreise. Zeit für ein persönliches Zwischenfazit.

Dass die Fussballturniere der FIFA und UEFA nur noch eine Plattform für die Werbeindustrie sind und eine grandiose Einnahmequelle für die genannten Ausrichter darstellen, wird gerne übersehen, solange uns packende und unterhaltsame Spiele geboten werden. Wie weit die UEFA geht, um den Werbekunden und Sponsoren, dem weltweiten Fernsehpublikum und den Gastgeberländern das Bild einer wunderschönen, friedlichen, stimmungsvollen EM zu vermitteln, zeigt der ‚Kunstgriff‘, die vor dem Spiel Deutschland gegen Holland aufgezeichnete Szene mit Trainer Löw und dem Balljungen während der Übertragung der Partie in das Live-Bild einzuspielen. Der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen und staunt über einen augenscheinlich entspannten, sympathischen Bundes-Jogi beim durchaus packenden Spiel gegen die Niederländer.

Nicht gezeigt wurden uns durch die UEFA dagegen die Bilder von Bengalos in den Fanblöcken, der kroatische ‚Flitzer‘, leere Ränge in den Stadien, die nationalistische Provokation beim Marsch der russischen Fans durch Warschau  oder die Politiker Rebecca Harms und Werner Schulz mit ihrem Banner „Fair Play In Games And Politics“, das sie auf der Tribüne entrollten. Passt halt nicht in’s Bild (mehr zum Thema: FAZ-Artikel Die Herren des Weltbilds vom 03.06.2012)!

Wenn schon ARD und ZDF unkritisch die von der UEFA produzierten Fernsehbilder übernehmen, könnte man sich wenigstens über eine interessante Nebenberichterstattung freuen. Was uns da jedoch mit Waldis Club und dem Duo Katrin Müller-Hohenstein / Oliver Kahn an der Heringsdorfer Landungsbrücke auf Usedom zugemutet wird, ist ein Angriff auf die Würde des Menschen. Waldemar Hartmann sollte sich nur noch der Weissbier-Reklame widmen und das bisher Erhellendste von der Ostseeinsel war Olli Kahns erstes Twittern. Kahns Ankündigung, Tiefsinniges der Welt zu vermelden, folgte die Nachricht: „wir werden #europameister!!!“. Geht es noch infantiler?

Verwundert diese flache, als Show-Veranstaltung konzipierte sog. ‚Vorberichterstattung‘, die bereits zwei Stunden vor Anpfiff beginnt? Die Antwort lautet „nein“. Denn dem ZDF stellt sich keine Qualitäts-frage, sondern lediglich die Überlegung, wie sich möglichst einfach die für hochpreisige Werbeblöcke verkaufbare Zeit bis 20 Uhr mit dem quotenträchtigen Thema ‚Fussball-EM‘ füllen lässt. [Anmerkung: Da das ZDF ab kommende Saison die Übertragungsrechte für die Champions-League erworben hat, steht uns wohl auch in diesem Fall eine gehaltvolle ‚Vorberichterstattung‘ ab 19.30 Uhr bevor. Insofern betrachte ich die EM-Show als Testballon, was dem Fernsehzuschauer so alles zuzumuten ist]

Für Verwirrung sorgte das etwas unglückliche Reglement der UEFA, welche Mannschaften sich bei Punktegleichstand in den Gruppen für das Viertelfinale qualifizieren. So mussten zum Beispiel die Fans der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntag mit Notebooks und Taschen-rechnern ausgestattet Richtung ‚Freiluftgucken‘ ziehen, statt mit Tröten und Fahnen für eine ordentliche „Tschlaaaaand“-Stimmung zu sorgen. Und der Gegner der Deutschen, die dänische Mannschaft, hatte anscheinend völlig den Überblick verloren – statt alles auf eine Karte zu setzen (denn parallel führte Portugal gegen Holland und setzte sich damit vor Dänemark), dachten sie wohl weiterhin, ein Unentschieden würde reichen und beschränkten sich auf ein Abwehrbollwerk vor dem eigenen Tor.

Dass die UEFA mit Strafen gegen die Nationalverbände wegen Fehlverhaltens der jeweiligen Fans um sich schmeisst, wie wir es sonst nur vom DFB gewohnt sind, ist etwas peinlich. Skandalös finde ich jedoch, dass der dänische Spieler Nicklas Bendtner für das Präsentieren seiner Unterhose (nebst Werbeaufschrift) beim Torjubel zur Zahlung von EUR 100.000,- (!) verdonnert wird, während der kroatische Fussballverband für den Einsatz von Pyrotechnik, rassistische Symbole und Sprechchöre seiner Fans um rund EUR 20.000,- günstiger davonkommt. Damit zeigen die Herren Platini & Co. einmal mehr, wo die Prioritäten bei der EM liegen!

Doch diese EM hatte auch schon tolle Highlights zu bieten! Das sensationelle Siegtor des Engländers Danny Welbeck zum 3:2 gegen die Schweden (ein „Volley-Hackentrick“ [sic!] in einem entfesselten, begeisternden und von allen taktischen Zwängen befreiten Spiel nach dem 2:1-Führungstreffer der Skandinavier). Der sagenhafte Wolkenbruch in Donezk. Sehr gastfreundliche Menschen in Polen und der Ukraine. Und der ARD-Kommentator Gerd Gottlob mit seinem „woooaaaah“ bei aufregenden Szenen…

Besonders bewegt haben mich aber die Minuten, als die irischen Fans vor Abpfiff der Partie gegen Spanien und bei einem aussichtslosen 0:4-Rückstand das Lied Fields Of Athenry (ein Folksong über eine Hungersnot im 19. Jahrhundert) anstimmten und selbst nach Beendigung der Begegnung mit dem Singen nicht aufhörten. Kommentator Tom Bartels tat das einzig Richtige und schwieg minutenlang, so dass uns an den heimischen Fernsehgeräten ein einzigartiger Moment geschenkt wurde. Grossartig!

Die Spielorte der EM 2012 (Quelle: wikipedia.de)

Wer die bisherigen Partien der EM 2012 verpasst hat – hier die Zusammenfassungen aller Gruppen-spiele im Schnelldurchlauf:

1ter Abend (Gruppe A): Nicht ganz konsequente Polen im Unglück (Polen vs. Griechenland 1:1) und ein begeisterndes russisches Staatsballett (Tschechien – Russland 1:4). Hat Spass gemacht!

2ter Abend (Gruppe B): Die Dänen lassen Oranje verblassen und unsere Jungs erkämpfen sich mit einer Portion Glück die ersten drei Punkte gegen Portugal. Kommentar von Frau Lenz: „Hätte auch in’s Auge gehen können“. Stimmt genau!

3ter Abend (Gruppe C): Das Duell Spanien gegen Italien war packend und endete mit einem überraschenden Unentschieden (1:1), Irland verliert im verregneten Breslau trotz viel Herzblut gegen abgeklärtere Kroaten mit 1:3. Es bleibt weiterhin unterhaltsam!

4ter Abend (Gruppe D): Franzosen fehlen die Ideen gegen viel zu passive Engländer (1:1) und Shevchenko brilliert mit Doppelschlag auf seiner Abschiedsgala in der Heimat (Ukraine – Schweden 2:1)!

5ter Abend (Gruppe A): Den kurzen, offiziellen EM-Trailer kann ich schon jetzt nicht mehr hören. Und es liegen noch 2 1/2 Wochen vor uns. Zurück zum Sporrrrcht: Böhmischer Blitzstart schockt Hellas (zwei Tore nach 6 Minuten Spielzeit): Griechenland – Tschechien 1:2. Das zweite Spiel – Leidenschaft und Herzblut im Warschauer Hexenkessel: Polen – Russland 1:1 mit einem wirklich geilen Tor von Kuba!

6ter Abend (Gruppe B): Fast hätte sich die schwache Chancenauswertung des Super-Gockels Cristiano Ronaldo gerächt. Doch am Ende heisst es dann doch: Dänemark – Portugal 2:3! Und im zweiten Spiel des Tages straft Mario Gomez alle Kritiker ab: Doppelpack zum 2:1-Sieg gegen Niederlande…

7ter Abend (Gruppe C): Die in der ersten Halbzeit offensivstarken Italiener beschränken sich nach der Pause auf das gewohnte Abwehrspiel und werden von beherzten Kroaten dafür bestraft: ITA – CRO 1:1. Zum zweiten Spiel des Abends: Schade, die irischen Fan-Gesänge werde ich vermissen – sympathische Mannschaft, die der spanischen Dominanz jedoch nichts entgegenzusetzen hatte. Spanien – Irland 4:0!

8ter Abend (Gruppe D): Donner, Blitz und sintflutartiger Regen sorgen für eine einstündige Spiel-unterbrechung und trüben die EM-Chancen der Ukraine – spielerisch bessere Franzosen siegen verdient (UKR – FRA 0:2). Im anderen Gruppenspiel herrscht vor der Pause (Mittelfeld-)Krampf, dann besinnen sich beide Teams auf Tugenden (Kampf & Einsatz) und die Tore sorgen für eine deutliche Belebung der Partie: Schweden und England trennen sich nach neunzig Minuten 2:3 (und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen solchen Siegtreffer gesehen habe – Volley-Hackentrick [sic!] durch Danny Welbeck).

9ter Abend (Gruppe A): Erstaunliche Wendung… Polen kommt mit dem Erfolgsdruck nicht zurecht, verliert durch zu wenig Einsatz gegen Tschechien 0:1 und scheidet damit aus. Hellas gelingt der Coup: Griechenland gewinnt überraschend, aber nicht unverdient gegen Russland 1:0 und schickt den eigentlichen Gruppenfavoriten nachhause!

10ter Abend (Gruppe B): Bei lecker Speis und Trank verfolgen wir das Deutschland-Spiel, der Taschenrechner liegt griffbereit. Benders Siegtor zum 2:1 gegen Dänemark erübrigt dann glücklicherweise das Herumrätseln, ob es für’s Viertelfinale reicht. Im anderen Gruppenspiel schlägt Portugal unsere Nachbarn mit 3:2: Die holländische „Elftal“ muss sieglos die Koffer packen. PS: Da das Ritual jetzt bei allen drei Spielen unserer Nationalmannschaft geholfen hat, muss Frau Lenz auch alle weiteren Deutschland-Spiele mit einem Buch in der Hand verfolgen. Dann klappt’s ganz sicher mit der Europameisterschaft!

11ter Abend (Gruppe C): Beinahe hätte Kroatien die Spanier zu Fall gebracht – am Ende aber siegte dann doch der Favorit (CRO – ESP 0:1). Löw hat hoffentlich seine Schlüsse daraus gezogen… Im Miejski-Stadion gewinnen die Italiener gegen harmlose Iren 2:0, bekleckern sich angesichts einer sehr langweiligen zweiten Spielhälfte jedoch nicht gerade mit Ruhm.

12ter Abend (Gruppe D): War der Ball in vollem Umfang hinter der Linie? Nach Auswertung der ersten Bilder: Ja! Trotzdem egal – die Mannschaft der Ukraine hat in sämtlichen Gruppenspielen nicht genügend Qualität aufweisen können, mit einem 0:1 gegen zurückhaltende Engländer scheidet leider auch der zweite Gastgeber der EM aus… Ebenfalls zurückhaltend, wenn nicht sogar erschreckend schwach präsentierte sich die Équipe Tricolore gegen Schweden und zieht dennoch in das Viertel-finale ein – sehenswert: Das Traumtor von Ibrahimovic (FRA – SWE 0:2)!

In der ZDF-Sendung FRONTAL21 vom Dienstagabend, 31. Januar 2011, wurde nun endlich auch einer breiteren Öffentlichkeit berichtet, dass Hedgefonds durch Kreditausfallversicherungen an der Staatspleite Griechenlands viel Geld verdienen werden. Moment… Kreditausfallversicherungen? Haben wir das nicht schon mal gehört, sind das nicht diese Credit Default Swaps (CDS), die 2008 die Finanzkrise verursacht haben?

Ganz genau! Nur geht es diesmal nicht um Immobilienschulden, sondern um die fälligen Kredite eines Staates. Seit 2010 kaufen Hedgefonds von griechischen Banken massiv Kreditausfallversicherungen für die Staatsanleihen – Marktbeobachter sprechen davon, dass sie ihren Einsatz bis um das Zwanzigfache erhöht haben sollen. Durch die starken Aufkäufe ist der Preis der CDS erheblich gestiegen – im Falle einer Staatspleite müssten diese Kreditausfallversicherungen teuer ausbezahlt werden, die Haftung dafür übernimmt der europäische Rettungsschirm.

Während also Europäische Zentralbank und Politiker händeringend nach Lösungen suchen, um die Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen und „das Vertrauen der Märkte wieder zu erlangen“, gibt es mächtige Fraktionen, die daran nicht im Geringsten interessiert sind und durch Spekulation im Katastrophenfall erheblich absahnen. Wundert uns da noch das gleichzeitige Störfeuer durch US-amerikanische Ratingagenturen? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Wieder spielen Credit Default Swaps die Rolle der grossen Geldvernichtung, wieder findet ein Spiel jenseits von Moral und Anstand statt. Was folgt nach Griechenland? Welchen Staat nehmen dann die Hedgefonds als nächstes ins Visier?

Regulierung der Finanzmärkte. Wenn es nicht zum Heulen wäre…

Börse im Ersten (Foto: Katja Lenz)

Passend zum Thema: Foodwatch berichtet, dass die Deutsche Bank nun doch nicht wie angekündigt zum jetzigen Zeitpunkt über den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln entscheiden wird. „Wir stehen erst am Anfang der von mir zugesagten Überprüfung des Geschäfts“, so Herr Ackermann laut foodwatch.de. Die Deutsche Bank habe jedoch beschlossen, in den kommenden Monaten eine umfassende Studie zum Thema zu erarbeiten. Soso. Und da soll man noch ruhig bleiben?

Tägliche Berichte von der Frankfurter Börse liefert uns bekannterweise die ARD. Für eine Dokumentation über die Arbeit von Radio und TV an der Börse war die Fotografin Katja Lenz einen ganzen Tag auf dem Parkett und berichtet aktuell über ihre Arbeit und das Ergebnis auf dem Lenz’schen Fotoblog. Ein interessanter Einblick!

Gestern Abend am Bass gezupft und nebenbei Anne Will (ARD) geschaut. Thema: Der Alte Fritz. Die üblichen Gäste: Richard von Weizäcker, Gregor Gysi, Guido Knopp, der Schauspieler Ulrich Matthes und Jutta Ditfurth.

Die Sendung hat mich nicht sonderlich interessiert, aber eines war mal wieder ‚talkshowtypisch‘ vorhersehbar: Frau Ditfurth in der Rolle der Widersacherin. Manchmal mag ich sie, manchmal nicht. Ich habe die Sendung nicht so richtig konzentriert verfolgt (wegen Bassspiel), aber bei einem Redebeitrag von ihr ist mir ihre irgendwie nervige, grundsätzlich kontrahente Haltung aufgefallen, die ihr anscheinend eigen ist.

„Mich interessiert nicht sein schönes Querflötenspiel oder die Briefwechsel mit Philosophen. Er war ein Kriegstreiber.“ (Kein wortgenaues Zitat)

Meine Meinung: Liebe Frau Ditfurth, man kann zu Friedrich II. sicherlich unterschiedliche Meinungen haben und diesen Menschen als widersprüchliche Figur sehen. Sie sollten jedoch die Dinge im Kontext ihrer Zeit betrachten, sonst müssten Sie auch Thomas Alva Edison den Vorwurf machen, dass er die Glühbirne erfand*, anstatt gleich die Energiesparlampe!

Man kann es auch übertreiben mit der Rolle, die man spielt. Oder wurde Jutta Ditfurth vom Sender ausdrücklich gebeten, in der Talkrunde den Miesepeter abzugeben? Ist es nicht abwegig, die Handlungen einer historischen Figur mit heutigen Massstäben zu messen?

Dennoch habe ich Respekt vor Frau Ditfurth. Sie polarisiert, sie zieht wohlweisslich immer wieder Kritik auf sich, sie klettert in den Ring und macht sich zur Zielscheibe. Chapeau, Jutta – aber ein bisschen mehr Gelassenheit wäre wünschenswert!

* Bevor wütende Nachrichten eintreffen: Ich weiss, dass T.A. Edison die Glühlampe nur verbessert hat. Erfinder gab es bereits vorher, aber der Name Edison bringt mehr ‚Schmackes‘ (Pluraletantum = Nachdruck, grosse Wucht) in die Aussage!