Archiv

Schlagwort-Archive: Bergsteigen

Nach dem sensationellen Erfolg des Erstlingswerkes „Der Untergang der Titanic“ jetzt – pünktlich zur Buchmesse – mein zweiter grosser Comic: die Erstüberschreitung des Nanga Parbat im Jahr 1970 und das damalige Drama der Messner-Brüder Reinhold und Günther am Schicksalsberg der Deutschen!

(zum Vergrössern einfach anklicken)

Advertisements

Das war heute gar kein so schlechter Tag…

Sprung durch den Hundschopf (Foto: Reuters)

Das Lauberhorn-Rennen war heute wirklich ein richtiges Highlight! Bei Kaiserwetter gewann der Schweizer Beat Feuz das Klassikerrennen. Wer sich auf Skiern zu bewegen versteht, weiss diese Leistung einzuschätzen. Und wer die Bergwelt um Jungfrau, Mönch und Eiger kennt, liebt die Kulisse dieses Abfahrtsrennens auf einer durch die Natur vorgegebenen Piste. Mir glühen jetzt noch die Oberschenkel vom Mitmachen…

Angefixt von den Schneemeldungen der letzten Tage und den Bildern von heute wird der Autor dieser Zeilen kurzfristig und spontan ebenfalls die Ski pack’n  und sich Richtung Tuxer Tal aufmachen. Also bitte nicht wundern, wenn hier ein paar Tage Sendepause herrscht (und falls hier der Neffe von Liselotte Pulver mitliest: Weisst Du noch, wie uns eine junge Dame in Leukerbad oder Grindelwald den Stürig Nünz’g – den ‚Tomba-Schwung‘ – beigebracht hat? Damit glänze ich heute noch…).

Zweite schöne Nachricht: 10.000 Magdeburger stellen sich ca. 1.000 Rechten entgegen, die den Jahrestag der Weltkriegs-Bombadierung ihrer Stadt für Agitation nutzen wollen. Ein gutes Zeichen für den Widerstand gegen dieses menschenverachtende Pack. Daumen hoch!

Die Meldungen über das Ünglück des Kreuzfahrtschiffes, die Abstufung einiger europäischer Staaten durch Standards & Poors und das Selbstmordattentat im Irak verbuchen wir heute unter ‚Alltägliches‘ und denken uns einfach nichts dabei.

Zwischendrin simst Frau Lenz, dass ihr Fotojob auch ganz ok verläuft. Ist ja immer schwierig mit den Auftraggebern und den lokalen Gegebenheiten. Ich freu mich über die Nachricht, radel derweilen durch die halbwegs kühle Winterluft an der Nidda entlang und denke darüber nach, welcher Viertausender dieses Jahr ein lohnendes Ziel sein könnte. Habe da zwei, drei spannende Gipfel im Visier, über die ich hier noch berichten werde.

Und zum Schluss: Die Diskussion im Aktuellen Sportstudio (ZDF) über Fangewalt und Probleme im deutschen Fussball war angenehm ausgewogen und besonders in den Filmbeiträgen erstaunlich differenziert. Einzig den Wortbeitrag des Vertreters der Polizeigewerkschaft hätte ich mir anders gewünscht – aber heute bin ich gütig. Und es gilt immer: Acht Cola – acht Bier. Aber nochmals: Ich war überrascht über die Objektivität der Berichterstattung im Rahmen der Sendung (wobei ich Herrn Heidel vom Karnevalsverein aus Mainz aus persönlichen Gründen jetzt nicht hervorheben werde). Hatte Schlimmeres erwartet…

Viertausendvierhundertachtundsiebzig Meter über dem Meeresspiegel. Ich habe es geschafft – ich stand auf dem berühmten Matterhorn bei Zermatt  im Schweizer Kanton Wallis. Nicht das Dach der Welt, aber für mich der Berg der Berge (siehe Beiträge ‚Gipfelstürmer I + II‚)!

Hinaufgetrieben hat mich der sehnlichste Wunsch, nach vielen Jahren alpiner Kletter- und Wanderei endlich einen 4.000er zu besteigen. Die notwendigen Voraussetzungen waren mir bekannt, zwei Jahre lang hat mich das Thema schon beschäftigt. Dann, nach der endgültigen Buchung von Hotelzimmer, Bergführer und Zugfahrt stand dem Vorhaben nichts mehr im Wege. Am 24. September ging es los…

Sonntag, 25.09.: Am Morgen nach der Ankunft per Bahn und einer angenehmen Übernachtung verschlinge ich förmlich das Frühstück – mich zieht es nach draussen auf die Gassen Zermatts. Um eine Hausecke herum, eine zweite… und plötzlich taucht er vor mir auf: Mein Ziel, der Berg, thront majestätisch in der Morgensonne. Ein Bild, wie man es von unzähligen Postkarten kennt. Kein Gipfel eingereiht neben vielen anderen, sondern der alleinstehende, riesige, monolythische ‚Toblerone‘-Block mit seiner berühmten Pyramidenform. Mein Herz klopft – vor Aufregung und vor Freude…

Am Vormittag treffe ich Beni, meinen Bergführer, im Alpin Center. Kurze Besprechung, Ausrüstungs-check. Beni wird die Schwarzseebahn nehmen und mich am Abend im Berghaus Matterhorn erwarten. Ich ziehe es vor, den Weg von Zermatt über den Schwarzsee hoch zur Hütte (3.260 m) komplett zu Fuß zu gehen – ich mag den ‚ehrlichen‘ Aufstieg und die damit verbundene Entschleunigung. Ausserdem bekomme ich dadurch nochmal ein kleines Aufwärmtraining.

Gegen halb eins am Mittag breche ich auf. Ständig den Blick Richtung Matterhorn, das sich nur langsam nähert, aber immer bedrohlicher vor mir auftürmt (so scheint es mir) und an dem sich mehr und mehr die Wolken festkrallen. Leichte, nachmittägliche Schneeschauer wurden durch den Wetterdienst angekündigt. Und tatsächlich fängt es ab Schwarzsee erst an zu tröpfeln, dann zu schneeg’rieseln. Kurz nach 17 Uhr erreiche ich über den Klettersteig die Hörnli-Hütte / Berghaus Matterhorn, meine Laune ist am Boden. Hört es in der Nacht wirklich auf zu schneien? Wartetage mit Bergführer sind im Budget nicht drin…

Am Abend gibt es die obligatorischen Spaghetti und die Gespräche mit den anderen Bergsteigern, die morgen den Gipfelsturm wagen wollen. Kurz vor zehn rauche ich draussen die letzte Zigarette und versuche, etwas vom Berg zu erspähen, der sich direkt vor mir aufbaut. Der leichte Schneefall hat aufgehört, aber es ist zu dunkel, wolkenverhangen und saukalt. Nur schemenhaft nehme ich das Ungetüm vor mir war. Anschliessend krieche ich in den Schlafsack – ich habe Sorge, vor lauter Aufregung den kurzen, aber notwendigen Schlaf nicht zu bekommen, aber die Weissbier helfen dann doch beim Einschlummern (ein allseits beliebtes Mittel auf den Berghütten).

Montag, 26.09., 3.45 Uhr: Ich bin froh, dass ich nach Gesprächen und dem Studium vieler Alpinistenforen trotz der Witterungsunwägbarkeiten den späten Termin gewählt habe. Während der Hochsaison gestaltet sich der Aufbruch zum Gipfel anscheinend zu einem wahren Ellenbogenkampf, Gedränge und Gehetze – bis zu 150 Seilschaften versuchen dann täglich, als erstes den Einstieg zu erreichen (von denen dann tatsächlich nur ca. 30 den Gipfel schaffen, die anderen scheitern aus zeitlichen Gründen). So sind wir in dieser Nacht nur elf oder zwölf Teams à zwei Kletterer und können ruhig die letzten Vorbereitungen treffen. Als ich vor die Berghütte trete, geht mein Herz schneller. Hauchdünn liegt Neuschnee auf den Felsen, es ist kalt, aber der Himmel ist sternenklar. Beni und ich seilen uns an, lassen die Helmlampen erstrahlen und machen die ersten Schritte auf den Hang zu.

Unsere Route ist der Klassiker der Matterhornbesteigung: Wir gehen den Hörnligrat (der Weg der Erstbesteigung und die einfachste Variante). Man kann auch von der italienischen Seite herauf-kommen, man kann die anderen Grate wählen oder direkt durch die Wände klettern. Vor letzterem mache ich einen großen Bogen und habe ich einfach nur tiefsten Respekt – mir fehlt das Naturell und das notwendige Können.

Schon zu Beginn des Einstieges zeigt sich, dass das Matterhorn tatsächlich den Beschreibungen entspricht: Während man bei der Betrachtung aus der Entfernung oder von Abbildungen meinen könnte, der Berg sei ein äusserst massiver, komprimierter Felsblock, stelle ich jetzt fest, dass es sich um einen gigantischen Geröllhaufen handelt, den anscheinend nur das ewige Eis zusammenhält. Hoffen wir, dass die Erderwärmung nicht allzu schnell voranschreitet – denn eines Tages wird dann die Schweiz um ein Wahrzeichen ärmer werden…

Die Route führt Beni, der voransteigt und sichert, und mich zuerst durch zwei, drei Felsgänge, danach beginnt die richtige Plackerei durch Eis und Fels. Schnell ist mir warmgeworden und in meinem Kopf formt sich immer mehr der Gedanke, wie ich die nächsten Stunden diese Schinderei fröhlich durch-stehen soll. Was treibe ich hier? Warum dieser Quatsch? Die Antwort erspare ich mir an dieser Stelle – sie ist einen eigenen Beitrag wert. Alle Kletterer, hochalpinen Bergwanderer und Kraxler aller Art wissen, was ich meine.

Für den Sonnenaufgang habe ich keinen Blick übrig. Beni drückt auf’s Tempo und wir steigen höher und höher. Als die Solvayhütte – ein kleiner Schutzraum auf einer Felsnische – in’s Blickfeld gerät, weiss ich, dass wir es bald geschafft haben. An der Hütte atmen wir durch, genehmigen uns einen Tee und Müsliriegel. Zum ersten Mal an diesem Morgen löse ich meinen Blick vom nächsten Griff und Tritt und lasse ihn durch die eindrucksvolle Landschaft schweifen. Berge – ich liebe Euch!

Das nächste Stück ist nochmal Schwerstarbeit. Am Fixseil ziehen wir uns mehr nach oben, als dass wir steigen. Mein Atem geht schnell, die dünne Luft macht sich jetzt bemerkbar. Die Oberarme schmerzen. Mangelndes Training.

Montag, 26.09., 8.40 Uhr: Die letzten Schritte oben sind überraschend einfach und unspektakulär. Und plötzlich: Wow, wir stehen auf dem Gipfel! Rechts und links von mir fallen die Wände steil nach unten ab, der Rundumblick hat fast schon etwas von der Perspektive aus einem Flugzeug. So winzig klein ist die Welt drumherum… und doch auch so gewaltig. Ich lasse mich erschöpft, kurzatmig und zitternd in den Schnee sinken, einfach erstmal sitzen und diesen stillen Moment des persönlichen Triumphes geniessen.

Gipfelglück… Es ist schwierig zu beschreiben. Erleichterung, Erschöpfung, innere Leere und gleichzeitig tosende Gedanken. Das Gefühl, etwas Besonderes vollbracht zu haben. Und die persönliche Genugtuung, dass der Wunschtraum erfüllt wurde. Es ist kein Orgasmus, es ist ein leises Jubilieren auf einer innerlichen Welle, die sich wahnsinnig gut anfühlt.

Nach zwanzig Minuten wieder Aufbruch. Der Rückweg führt uns durch die gleiche Route, stellenweise seilen wir uns jedoch ab, um den nachkommenden Seilschaften den Aufstieg nicht zu blockieren und Steinschlag zu vermeiden. An der Hörnlihütte gibt es den anerkennenden Klaps auf die Schulter, einen Schnaps und die erste längere Unterhaltung mit Beni an diesem Tag. Gemeinsam steigen wir dann ab bis nach Zermatt, wo wir kurz nach 17.30 Uhr erschöpft ankommen… Vierzehn Stunden auf den Beinen – ich spüre die Strapazen dieses Tages am ganzen Körper.

In zehn Tagen ist es soweit: Wenn das Wetter mitspielt und Beni (der Bergführer) keine sonstigen Einwände hat, werden wir am 25. September von Zermatt zum Berghaus Matterhorn (3.260 m) aufbrechen, das uns als Ausgangsstation für den Aufstieg über den Hörnligrat auf das Matterhorn dient. Nach kurzem Schlaf starten wir dann in der Nacht gegen halb vier, nehmen die Nordost-Route der Erstbesteigung durch Fels und Eis und stehen – so es die Götter zulassen – spätestens um 9 Uhr vormittags auf dem Berg der Berge.

Ich werde in Foren gefragt, warum es ausgerechnet das Matterhorn sein soll, das ja nicht das einfachste der 4.000er ist. Meine Antwort: Diese Felspyramide ist für mich der mystischste, der schönste, der totalste Berg in den Alpen. Die steilen Wände streng nach Norden, Osten, Süden, Westen ausgerichtet, der Blick hinauf auf dem Weg zur Hörnlihütte, die solitäre Lage umrundet von anderen 4.000ern und sicher auch die Nähe zum berühmten Zermatt geben diesem brutalen Geröll-haufen die besondere Note. Meine Wahl des ersten Viertausenders fiel daher nicht schwer – dieser Klotz im Wallis soll es sein!

In meinem letzten Posting zum Thema  habe ich über meine Trainingsabsichten berichtet, um mich für den Gipfelsturm fit zu halten. Dazu gehörten ein langes Wochenende in den Lechtaler Alpen mit Bergklettern und -steigen, sowie das Vorhaben, den Aufzug zum Büro nicht mehr zu nehmen und täglich die Treppen zu erklimmen (woran ich mich ausnahmslos gehalten habe). Der weitere Plan, mich permanent auf dem Mountainbike für den anstrengenden Tag am Matterhorn vorzubereiten, ging aus zeitlichen und organisatorischen Gründen nicht ganz auf. Aber ich fühle mich gut in Form (bis auf das Knie, erwähnte ich es bereits?). Das mag für den einen oder anderen naiv klingen, aber ich kenne meine Konstitution und Kondition, und ich bin ein zäher Bursche. Also – Zermatt, ich komme!

Matterhorn (4.477 m)

Heute kam sie per eMail: Die ultimative Bestätigung aus Zermatt… Damit ist die Planungsphase abgeschlossen und das große Ziel rückt in greifbare Nähe – mein 4.000er! Beni, der für sieben Tage mein Bergführer sein wird, bittet nochmals um bestmögliche Vorbereitung (meine lustiggemeinte telefonische Mitteilung, ich sei Kettenraucher und hätte seit 20 Jahren keinen Sport mehr betrieben, hat nachträglich wohl doch Skepsis hervorgerufen *lach*).

Mein Programm für die kommenden Wochen sieht also wie folgt aus: Auf dem Weg in das Büro wird der Fahrstuhl links liegen gelassen und täglich die Treppen erklommen (leichte Herausforderung). Straffe Mountainbike-Ausritte (mittelschwere Herausforderung). Täglich eine Zigarette weniger (sehr schwere Herausforderung). Ansonsten weiter wie bisher – hat ja nie geschadet und mich alle bisherigen Berge hochgeführt. Meine einzige Sorge – das Knie darf mich nicht im Stich lassen.

Beni weist zudem nochmals daraufhin, dass unser Vorhaben ein übles Geduldsspiel werden kann. Neben den unkalkulierbaren Witterungsbedingungen wird er den Zeitpunkt der Besteigung auch davon abhängig machen, wieviel Seilschaften unsere Route gehen werden. Allerdings: Sollte es mit dem „Berg der Berge“ nichts werden, haben wir ausreichend leichtere und ungefährlichere Alternativen in der Nähe. Ein 4.000er ist also so gut wie sicher.

(to be continued)