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Um Verleumdungsklagen zu vermeiden, äussere ich mich nicht näher über Carsten Maschmeyer (AWD-Gründer, Vorstand der MaschmeyerRürup AG (sic!)). Aber der Hinweis auf diese Buchpromotion darf sein (vom 22. November 2012):

(Quelle: gmx.de)

Maschmeyer, Carsten: SELFMADE. erfolg reich leben

Demnächst können wir dann wohl mit folgenden Werken rechnen…

Berlusconi, Silvio: SELFMADE II. erfolg reich lieben.

Lanz, Markus: SELFMADE III. erfolg reich labern.

zu Guttenberg, Karl-Theodor: SELFMADE IV. erfolg reich kopieren.

Wulff, Christian: SELFMADE V. erfolg reich blamieren.

Wendler, Der: SELFMADE VI. erfolg reich machen.

Hilton, Paris: SELFMADE VII. erfolg reich sein.

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[Wahre Worte zur Spiegel-Bestsellerliste: „Der Spiegel und die Bücher“ auf ngo-online.de]

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Als ich Anfang Januar den Artikel über die Steampunk-Bewegung schrieb, betrachtete ich hauptsächlich die spielerischen und romantisierenden Aspekte dieser Szene. Dass aber vielleicht doch eine tiefere Botschaft dahintersteckt, wurde mir letztens beim Schmökern in den aktuellen ‚Hausnachrichten‘ von MANUFACTUM („Es gibt sie noch, die guten Dinge“) bewusst.

Von der Kaffeemaschine über das Telefon bis zu unseren Autos – ohne elektronische Steuerungen sind für uns viele Produkte kaum noch vorstellbar. Auch beim Umgang mit Problemen (beispielsweise Klima- oder Energiepolitik) vertrauen wir auf technische Lösungen (früher oder später) und machen uns von ihrem Funktionieren abhängig.

Die Frage, die sich dabei stellt: Ist moderne Technik immer die bessere und auch günstigere Variante und daher allem anderen vorzuziehen?

Mittlerweile wird viel von der tatsächlichen Energiebilanz eines Gerätes gesprochen, damit sind neben dem Energieverbrauch auch der energetische Aufwand im Herstellungs- und Distributions-prozess gemeint. Fachleute berechnen für die Produkte den jeweiligen sogenannten ökologischen Fussabdruck (engl. Product Carbon Footprint) und bringen damit einen neuen Ansatz in die Debatte: Sind wir eigentlich bereit, den wahren Preis für die von uns gekauften Gegenstände zu akzeptieren? So benötigt man zum Beispiel für die Produktion eines Mikrochips unter anderem ca. 32 Liter Wasser, das Brauen und Abfüllen einer kleinen Flasche Bier kostet 75 Liter Wasser (sic!) und die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts kommt sogar auf 2.000 Liter! Die realen Preise an der Supermarktkasse verdeutlichen diesen Ressourcenverbrauch allerdings nicht…

Was Steampunk mit dem Thema zu tun hat? Vielleicht ist die Bewegung nicht nur eine zugegebenermassen etwas verschrobene Spielerei mit der Ästhetik des Dampfmaschinen-Zeitalters, sondern auch der unbewusste Versuch, eine Antwort auf unseren heutigen Energiehunger zu finden: Low- statt High-Tech.

‚Low-Tech‘ kann eine mögliche Alternative sein. Manuell und mechanisch, statt automatisch und elektrisch. Vier Tage Seereise, statt acht Stunden Flugzeit. Weniger umwelt- / rohstoffbelastend und sicherlich wertefördernd. Sind wir bereit, Verzicht zu leisten?

In den MANUFACTUM-Hausnachrichten wird über Kris De Deckers äusserst interessante, englisch-sprachige Internetseite Lowtechmagazine.com berichtet. De Decker greift auf Althergebrachtes, Bewährtes und Vergessenes zurück, untersucht die Energieeffizienz verschiedener Technologien und Systeme und berichtet über stiefmütterlich behandelte Lösungsansätze. Ein die Realitäten verkennender Träumer? Wohl nur für die Menschen, die ihre Komfortzone nicht verlassen wollen und den Einflüsterungen unserer Wohlstandsmaschinerie gedankenlos gehorchen. Kris De Decker greift altes Ingenieurswissen auf und untersucht akribisch Möglichkeiten, wie wir schonend und effizient Dinge ‚besser‘ machen könnten. Wer sich intensiv über propagierte Öko-Mythen, alternative Maschinen und Antriebsmöglichkeiten informieren möchte, ist auf seiner Webseite bestens aufgehoben!

Passend dazu finde ich auch zwei Blogeinträge, die mit Umdenken und Innehalten zu tun haben: Carmen von umamibuecher.wordpress.com präsentiert ein Sachbuch, das die moralischen Fragen der Ökonomie und der Teufelskreise Wachstum und Wohlstand behandelt. Und auf katjalenz.wordpress.com betrachten wir eine meditative Fotostrecke, die im Rahmen eines Aufenthaltes in einem buddhistischen Kloster entstanden ist. Entschleunigen, Ruhen, Abschalten, Energie sammeln…

Triptychon von Katja Lenz

Morgen jährt sich der Tag der Katastrophe zum hunderstenmal – in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 ereignete sich der Untergang der RMS TITANIC in den eisigen Fluten des Nordatlantik. Der Passagierdampfer hatte mit über 2.200 Personen an Bord vier Tage zuvor den Hafen Southampton für die Jungfernfahrt nach New York verlassen. Dann passiert das Unglück: Durch eine seitliche Kollision mit einem Eisberg wird die Aussenhaut am Bug so stark beschädigt, dass die Massen des eindringenden Meerwassers das Vorderschiff nach unten ziehen und durch die gewaltigen Kräfte das Schiff etwa zweieinhalb Stunden nach dem Zusammenstoss auseinanderbricht und versinkt. Über 1.500 Opfer fordert die Katastrophe unter den Passagieren und Besatzungsmitgliedern.

RMS Titanic verlässt Southampton am 10. April 1912 (Foto: F. Stuart)

Der Untergang der TITANIC war – gemessen an den Opferzahlen – nicht die grösste Schiffskatastrophe. Die Unfälle der Fähre DONA PAZ (4.386 Tote im Jahr 1987) oder der LE JOOLA (über 1.800 Tote im Jahr 2002) und die Versenkungen der WILHELM GUSTLOFF (über 9.000 Tote im Jahr 1945) oder der GOYA (bis zu 7.000 Tote im Jahr 1945) forderten deutlich mehr Todesopfer. Und dennoch strahlt das Schiffsunglück südöstlich von Neufundland durch viele Umstände bis heute eine dunkle Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann.

Die TITANIC war seinerzeit das grösste Schiff der Welt mit einer prunkvollen und luxuriösen Ausstattung, wie man sie nie zuvor gesehen hatte. Während der Unglücksfahrt waren neben den Passagieren der Zweiten und Dritten Klasse prominente Vertreter der europäischen und amerikanischen Gesellschaft an Bord: Millionäre, Künstler, Adelige. Um die Ereignisse auf dem Schiff ranken zahlreiche Erzählungen und Mythen – populär sind die Berichte über die bis zum bitteren Ende spielende Bordkapelle oder das heldenhafte Ausharren der Männer in den Maschinenräumen, die dafür sorgten, dass bis zum endgültigen Untergang die Stromversorgung intakt blieb (und die somit u.a. die Rettungsmassnahmen unterstützten). Edle Gentlemen sollen in stoischer Ruhe whiskytrinkend und plaudernd den Untergang abgewartet haben – sämtliche Hilfsangebote ablehnend (mit Stücken des Eisberges im Glas). Und das Verhalten Kapitän Smiths? Die zu geringe Anzahl an Rettungsbooten? Die Geschwindigkeitsjagd nach dem Blauen Band?

Bedingt durch die Untersuchungsergebnisse nach der Katastrophe wurden zahlreiche Änderungen der internationalen Sicherheitsbestimmungen auf See veranlasst, so dass man den Untergang der TITANIC tatsächlich als Zäsur in der neuzeitlichen Schifffahrt bezeichnen kann. Kein Wunder also, dass sich bei soviel Stoff Filmindustrie und Literatur dem Thema angenommen haben und die Katastrophe auch medial immer wieder in Erinnerung gerufen wird.

Natürlich werden auch herrliche Theorien rund um die TITANIC verbreitet. Ein besonders schönes Schmankerl: Das Schiff musste untergehen, weil sich an Bord die wichtigsten Opponenten gegen die geplante Federal Reserve befanden (die ja tatsächlich 1913 gegründet wurde und heftige Kritik hervorrief)! Wer sich in diese Materie tiefer einlesen möchte, den verweise ich beispielsweise auf die englischsprachige Webseite von Jim Strutzin.

Der ‚visionäre‘ Roman von 1898

Eine erstaunliche Sache ist jedoch tatsächlich wahr und belegbar: Im Jahr 1898 – also bereits 14 Jahre vor der Fahrt der TITANIC – erschien ein Roman namens „Futility“ des amerikanischen Schriftstellers Morgan Robertson. In der Liebesgeschichte beschreibt er den Zusammenstoss des riesigen Kreuzfahrtdampfers TITAN (!) mit einem Eisberg und den opferreichen Untergang des Schiffes im Nordatlantik (die beiden Protagonisten des Romans retten sich dabei übrigens auf das Eis und ernähren sich bis zu ihrer Bergung von einem erlegten Eisbär – das wäre Kate Winslet, Leonardo DiCaprio und den Kinogängern sicher auch lieber gewesen).

Man könnte dem Autor Robertson selbstverständlich übernatürliche Fähigkeiten zuschreiben, da er ziemlich viele Parallelen zum tatsächlichen Unglück ‚vorhergesagt‘ hat. Und doch sind die Ähnlichkeiten wohl nur ein Zufall: Einige technische Angaben und auch der Titel des Buches mit dem Zusatz „or the Wreck of the Titan“ (siehe Abb.) wurden bei einer neueren Auflage 1912 aktuallisiert, folgenreiche Zusammenstösse mit Eisbergen waren in der damaligen Schifffahrt keine Seltenheit und sogar der Name des Romandampfers – TITAN – lässt sich erklären… bereits im Juli 1880 sank ein Dampfschiff TITANIA nach einer Eisbergkollision im Nordatlantik (Quelle: The Times of London vom 10.07.1880, Seite 12)!

So. Und jetzt lade ich ganz im Sinne des Tages eine Schöne auf das Mainausflugsschiff Wappen von Frankfurt ein, um ganz vorne auf dem Bug stehend bis zur Offenbacher Schleuse im Duett „My heart will go on…“ zu schmettern.

VERWEISE:

– alles über die Titanic und den Untergang => http://de.wikipedia.org/wiki/Titanic

– „Futility“ online lesen => http://archive.org/details/wrecktitanorfut00robegoog

Der Fotograf Marco Becher hat auf seiner Homepage eine neue Fotodokumentation online gestellt, für die ich wiederum die Recherche und Textarbeiten übernehmen durfte.

Foto: Marco Becher

Bei Slaves In Paradise – Vorname Illegal geht es diesmal um haitianische Flüchtlinge, die auf den Zuckerrohrplantagen in der Domenikanischen Republik ausgebeutet werden. Der erste Gedanke, der mir dabei kam: Unweit der Badestrände und Resorts, wo europäische Urlauber dem All-Inclusive-Tourismus mit dem „Wir-sahen-nichts-vom-Land-aber-die-Woche-war-supergüstig“-Feeling frönen, herrschen Zustände wie in der Kolonialzeit. Und der zweite Gedanke: Eine traurige Ironie des Schicksals… Die Nachfahren der stolzen afrikanischen Zwangsarbeiter, die vor zweihundert Jahren auf Hispaniola die Unabhängigkeit und das Ende der Sklaverei erkämpften, sind jetzt selbst moderne Arbeitssklaven.

Wenn man sich mit der Geschichte Hispaniolas (die Insel mit den Staaten Haiti und Domenikanische Republik) und den Vorgängen seit der Kolonialisierung ‚Westindiens‘  auseinandersetzt, reicht das völlig, um den Glauben an der Menschheit zu verlieren. In diesem Zusammenhang noch ein Buchtipp für alle, die starke Nerven haben: James A. Michener erzählt im Roman Karibik über die Dramen und Schicksale, die sich dort in den vergangenen 800 Jahre abgespielt haben. Erschreckend.

Und hier geht es zu Marco Bechers Dokumentation!

Das BuchIch lese… nein, ich quäle mich derzeit mit dem Roman 2666 [1] des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolano. Das Buch ist in fünf Abschnitte gegliedert, die einen kleinen, gemeinsamen Bezugspunkt haben: Die mexikanische Stadt Santa Teresa an der Grenze zur USA.

Während ich das erste Kapitel noch freudig genossen habe (es handelt u. a. von Germanisten, unter denen sich eine etwas seltsame Dreiecksbeziehung Mann- Mann-Frau bildet), empfand ich die darauffolgenden Kapitel als immer härtere Kost. Insbesondere der vierte Abschnitt hat mich dann sehr erschüttert: Der Autor schildert, umrahmt von Nebenhandlungen, polizeiberichtsmässig die Morde an Frauen in Santa Teresa im Zeitraum 1993 bis 1997.

Zitate aus dem Roman 2666: „Januar 1993, die erste Tote hiess Esperanza Gomez Saldana und war 13 Jahre alt. Vermutlich war sie nicht die erste […]. Fünf Tage später wurde Luisa Celina Vazquez erwürgt. Sie war 16 Jahre alt und im fünften Monat schwanger […]. Im März verliess die Moderatorin von Radio El Heraldo del Norte abends die Sendestudios. Als sie den Autoschlüssel aus der Tasche zog und aufschliessen wollte, huschte ein Schatten über den Gehweg und schoss dreimal auf sie […]. Einen Monat später wurde auf einer Müllhalde zwischen der Siedlung Las Flores und dem Industriepark General Sepulveda eine Tote gefunden […]. Die erste Tote des Monats Mai konnte nie identifiziert werden […]. Und so weiter und so fort, kleingeschrieben über fast 400 Buchseiten lang…

Man muss kein Wikipedia bemühen, um zu merken, dass sich Roberto Bolano in seinem Plot an den realen Frauenmorden in Ciudad Juarez [2] orientiert, der expandierenden mexikanischen Grenzstadt mit der schwindelerregenden Kriminalitätsquote. Erschreckend: Seit 1993 wurden dort u. a. mehr als 370 weibliche Leichen gefunden und mindestens 500 Frauen werden vermisst. Von einer Aufklärung der Fälle kann nicht die Rede sein. Nationale und internationale Experten (u. a. Amnesty International) sprechen von Inkompetenz und Korruption bei den Polizeibehörden der Stadt, von Verstrickung und Vertuschung.

Roberto Bolano nutzt in seinem Roman die Technik der Nebenhandlungen, um das frauenfeindliche Klima zu beschreiben, das in ’seiner‘ Stadt Santa Teresa die hohe Mordquote bedingt. Dieses menschenverachtende, chauvinistische Weltbild scheint auch in Ciudad Juarez die (männliche) Gesellschaft zu beherrschen. Und das im Jahr 2011?

Manchmal wünscht man sich UN-Eingreiftruppen an den wahren Schauplätzen dieser Welt…

Quellen:

[1] Roman 2666 von Roberto Bolano   

[2] Cuidad Juarez