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Vor einem Jahr wagte ich den Blick in die Glaskugel und machte Voraussagen für 2012 (Blogartikel „Wetten, dass…?“). Da ich dem 21.12. noch nicht so recht traue, prüfen wir lieber heute schon, inwieweit meine Prognosen eingetroffen sind!

Eichhörnchen Hans-Dietrich (Foto: Katja Lenz)*

Eichhörnchen Hans-Dietrich (Foto: Katja Lenz)*

Ich schrieb am 22. Dezember 2011:

WETTEN, DASS…

…es in 2012 wieder mindestens eine verheerende Naturkatastrophe geben wird, die weltweite Hilfe erfordert?

Zugegeben, diese Vorhersage war nicht schwer, denn jedes Jahr erleben wir grössere Naturereignisse. Dieses Mal u. a. die Erdbeben in Italien und auf den Philippinen, sowie Hurricane Sandy, der nicht nur an der US-Ostküste, sondern insbesondere auf einigen Karibikinseln schwere Schäden anrichtete.

…ich im kommenden Jahr entgegen meinen Beteuerungen doch wieder einen 4.000er besteige?

Schade, daraus wurde leider nichts. Geplant war die Besteigung des Aletschhorns, musste jedoch wegen Witterungsunwägbarkeiten abgesagt werden.

…der Euro das Jahr 2012 überlebt (das Frankfurter Occupy-Camp an der EZB allerdings nicht, da es wegen ständig steigenden Zulaufs in den Grüneburgpark umziehen muss)?

Trotz böser Schrammen ist der Euro immer noch gültiges Zahlungsmittel. Das Frankfurter Zeltlager der Occupy-Bewegung wurde am 06. August auf Anordnung des Ordnungsdezernates durch Polizeikräfte endgültig geräumt, allerdings ohne eine Alternative aushandeln zu können. Seitdem ist seitens der Protestler nicht mehr viel zu hören.

…für die Gottschalk-Nachfolge bei Wetten, dass…? ein gemischtes Duo präsentiert wird?

Naja, diese RTL-Nudel aus Berlin-Marzahn zählt wohl nicht als gleichberechtigter Teil eines Moderatorenduos (ist die überhaupt noch dabei?). Mein Tipp ging eher in Richtung Lanz & Hunziker. Damit lag ich wohl daneben… auch egal.

…es in 2012 weder einen Krieg im Iran, noch in Nordkorea geben wird, dafür allerdings die Gewalt in Afghanistan eskaliert?

Im Iran und in Nordkorea blieb es friedlich. Im Falle Afghanistans verweise ich freundlich auf meinen Artikel „Afghanistan – unknown future“. Wer sich regelmässig über dieses Land informieren möchte, dem empfehle ich die Seite Pajhwok Afghan News – auf der englischsprachigen Nachrichtenseite gibt es täglich News über Sport, Kultur, Gesellschaft, Politik und… Krieg.

…die deutsche Fussballnationalmannschaft im Sommer nicht Europameister wird (und den Krakeelern das “T’schlaaand” sehr früh im Hals stecken bleibt)?

Da ich das 0:1 durch den Italiener Balotelli im Halbfinale als „sehr früh“ interpretiere (fiel ja auch schon in der 20. Minute), deute ich meine Prognose in ihrer Gesamtheit als völlig korrekt :-)  Die EM war – bis auf kleine Anmerkungen – dennoch unterhaltsam. Übrigens: der Suchbegriff „Ronaldo Frisur“ ist einer der häufigsten, die ich in meiner Blogstatistik finde…

…die Weihnachtsansprache 2012 vielleicht von Joachim Gauck gehalten wird, jedoch auf keinen Fall von Christian Wulff?

Na, wenn das mal keine klare Vorhersage war!

…mindestens eine der Pseudo-Polit-Talkshows der ARD abgesetzt wird (ich tippe auf Anne Will)?

Leider, leider… das ist nicht eingetroffen – die Unterhaltungsshows von Plasberg bis Maischberger belästigen uns weiterhin. Wohltuende und empfehlenswerte Alternative: die Phoenix-Runde oder Unter den Linden auf dem Sender… na? PHOENIX!

…Barack Obama die Präsidentschaftswahlen 2012 in den USA gewinnt?

War das vor einem Jahr einfach oder schwer zu prognostizieren? Bei mir überwog einfach die Angst vor Republikanern, die von der Tea Party-Bewegung getrieben werden.

…die Eintracht im nächsten Mai als klarer Tabellenführer in die Bundesliga aufsteigt, obwohl derzeit alles von den Fortunen und Greuther Fürth schwärmt?

Ok, mit der Zweitligameisterschaft hat es nicht hingehauen (jedoch mit dem Aufstieg), aber dafür schwärmt jetzt alles von der Eintracht. Weiter so!

…es im März in der einen oder anderen deutschen Grossstadt nochmals schneit, dafür aber der Sommer viel zu heiss und trocken wird?

Zwar gab es im Februar eine richtige Kältewelle, doch von März-Schnee in München, Köln oder Hamburg ist mir nichts bekannt. Und die Vorhersage für den Sommer… *räusper*

…ich auch im kommenden Jahr keine einzige Folge Dschungelcamp oder DSDS anschauen werde?

Bingo! Glücklicherweise habe ich nicht auch The Voice Of Germany aufgeführt, die ersten zwei, drei Sendungen musste ich aus persönlichen Gründen anschalten.

…es in einigen europäischen Ländern zu erheblichen sozialen Unruhen kommen wird?

Wenn man das Geschehen über einen längeren Zeitraum beobachtet hat, konnte man nur zur Schlussfolgerung kommen, dass es in den südlichen Ländern Europas zu massiven Protesten kommt. Wer meint, man könne die Vorgänge noch nicht als soziale Unruhen bezeichnen, dem sei beispielsweise Uhupardos Blog zum Schlaumachen empfohlen!

…zumindest auch der nächste Klangwechsel des John Cage-Projektes in Halberstadt am 05. Juli 2012 tatsächlich stattfindet?

Ob die Aufführung der Komposition ORGAN² / ASLSP tatsächlich wie geplant bis in das Jahr 2640 andauern wird, weiss natürlich niemand. Aber vergangenen Juli durfte ich Augenzeuge des Klangwechsels sein. Eine beeindruckende Sache!

…sich der kommende Frankfurter OB Boris Rhein zum Entsetzen seiner Bürger mit der Eingemeindung Offenbachs auseinandersetzen muss, da weder Hanau noch Darmstadt bereit sind, sich des Elends anzunehmen?

Da weder Boris Rhein zum Oberbürgermeister Frankfurts gewählt wurde, noch eine Eingemeindung Offenbachs anstand (obwohl… soooo schlecht ist die östlich gelegene Gemeinde ja auch nicht), war meine Vorhersage völlig daneben. Aber den Kelch B. Rhein sehe ich gerne vorüberziehen.

…im nächsten Jahr Silvio Berlusconi, Sepp Blatter und der syrische Präsident Baschar al-Assad jeweils vor Gericht stehen werden

Signore Bunga-Bunga hat es bereits erwischt und ein weiterer Prozess steht für ihn noch an (dennoch drängt es ihn in Italiens höchstes Staatsamt zurück). Der Blatter Sepp muss sich derweil einer hausinternen Kommission für Good Governance stellen und mit al-Assad will auch keiner von uns tauschen. Aber seien wir genau – in 2012 erwischte die Gerichtsbarkeit nur Berlusconi. Die beiden anderen folgen in 2013. Versprochen!

…die Welt dann doch nicht am 21. Dezember 2012 untergehen wird?

Tja, das werden wir dann sehen…

Fazit: Kein schlechter Blick in die Glaskugel! Für den grossen Lottogewinn reicht die Trefferquote noch nicht, aber als Wahrsager in der Jahrmarktsbude würde ich bestimmt eine gute Figur abgeben.

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* Das Eichhörnchen Hans-Dietrich kommt täglich bei Frau Lenz vorbei, um sich Nüsse abzuholen und für die Kamera zu posieren. Der kleine Kerl hat mittlerweile Prominentenstatus erlangt – und sogar eine eigene Facebookseite!

 

Die Erde ist rund. Oder?

Schon die alten Griechen haben durch die Beobachtung der sichelförmigen Verdunklung des Mondes klug gefolgert, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Newton lieferte die physikalischen Gesetze dafür und die grossen naturwissenschaftlichen Gesellschaften entsandten im 18. und 19. Jahrhundert Forscher zur genaueren Vermessung unseres Planeten in die letzten Winkel der Welt.

Als dann die Astro- und Kosmonauten in den 1960er Jahren durch die winzigen Luken ihrer Raumkapseln den Erdball im Weltraum schweben sahen, war der letzte Beweis erbracht: unsere Erde ist tatsächlich rund!

Tatsächlich?

In 2011 konnten die Forscher der ESA (European Space Agency) endlich die enorme Flut an Messdaten auswerten, die sie durch den zweijährigen Flug ihres Satelliten GOCE zur Vermessung der Erdmasse erhielten. Und siehe da: die Erde ist eine unförmige Kartoffel!

Satellit GOCE im Modell (Quelle: ESA)

GOCE wurde im Jahr 2009 in die Erdumlaufbahn geschossen und vermisst seitdem das Gravitationsfeld des Globus. Die Messdaten und Instrumente sind so abartig präzise, als ob man die Geschwindigkeitsveränderung eines Öltankers bestimmen könnte, die durch die ‚Erschütterung‘ einer auftreffenden Schneeflocke hervorgerufen wird.

Nach Auswertung der Daten liegt also seit 2011 eine Karte vor, die die Masseverteilung der Erde detailliert darstellt. Wie unförmig sich darauf unser blauer Planet präsentiert, lässt sich auf der faszinierenden, animierten Seite der ESA bestaunen: die GOCE-Erdgravitationskarte!

Ein etwas ungewöhnliches und witziges Projekt präsentiert die ARD derzeit auf ihren Videotextseiten. Noch bis 16. September 2012 läuft auf ARD-Text das INTERNATIONALE TELETEXT-KUNSTFESTIVAL! Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern gestalten unter Einhaltung der Teletext-Standards Bilder und Wortbildcollagen. Die an frühe Computergrafiken und -spiele erinnernden Werke sind ab Teletext-Seite 770 zu finden. Einfach mal reinschauen!

Vorab drei Auszüge der Präsentationen (Bilder zum Vergrössern anklicken):

Amelie (von Rich Oglesby)

Teletext Love (von Frederik Olsson aka BYM)

Gerüchte und Lügen / Pinocchio-Kuckuck-Mashup (von Kari Yli-Annala)

Wenn jemand siebenhundert Kilometer Hin- und Rückfahrt auf sich nimmt, um live vor Ort mitzuerleben, wie drei Orgeltöne in einer alten Kirchenruine verstummen, hat entweder nicht alle Tassen im Schrank oder ist von einer Sache so fasziniert und begeistert, dass er gerne den Aufwand dafür in Kauf nimmt.

Für mich beanspruche ich Letztgenanntes. Am gestrigen Donnerstagabend wurde der zwölfte Klangwechsel beim Halberstädter John-Cage-Projekt vorgenommen. Das Projekt, das im September 2001 startete, ist der Versuch, die Spielanweisung „as slow as possible“ von Cages Orgel-Komposition ORGAN² / ASLSP wortwörtlich umzusetzen – das ursprünglich fünfminütige Musikstück wurde auf eine Aufführungsdauer von 639 Jahren hochgerechnet!

Da man von keinem Musiker verlangen kann, über Jahre hinweg an einer Orgel die jeweiligen in der Partitur aufgeführten Töne zu halten und sich irgendwann von einem Nachfolger ablösen zu lassen, haben die Begründer des Projektes auf eine andere Form der Darbietung zurückgegriffen. In der Kirchenruine in Halberstadt wurde eine einfache Konstruktion aus einem riesigem Blasebalg installiert, der auswechselbare Orgelpfeiffen mit Luft antreibt. So werden zum entsprechenden Zeitpunkt eines Notenwechsels nur die jeweiligen Pfeiffen eingesetzt oder entfernt, das Halten der Töne übernimmt die ‚Orgel‘ selbst.

Schätzungsweise 200 Interessierte versammelten sich um die Orgelkonstruktion in der Burchardikirche, lauschten für fünf Minuten nochmals andächtig dem bis dahin anhaltenden Fünfklang, dann wurden die Pfeiffen für die Töne a‘, c“ und fis“ entfernt. Jetzt sind nur noch die beiden Töne C und Des zu hören, bevor sich am 05. Oktober 2013 drei neue Töne dazugesellen. Der Klang wird dann bis zum Jahr 2020 anhalten, dann erklingen zwei weitere Töne. Das wird bis 2640 so weitergehen – wenn alles klappt! Denn der Förderverein des John-Cage-Projektes stellt sich einer enormen Aufgabe: Zum einen ist er über Generationen auf engagierten Nachwuchs angewiesen, zum anderen stellt sich das Projekt der Konfrontation mit unserer gesellschaftlichen Entwicklung… werden in kommenden Jahrzehnten / Jahrhunderten noch Verständnis, Toleranz und Unterstützung für diese Form der Kunst bestehen?

Apropos Unterstützung: Da der Förderverein auf private Spenden angewiesen ist, bietet er u. a. die Möglichkeit, Pate für eines der 639 Aufführungsjahre zu werden. Ab EUR 1.000,- wird eine Einzelperson oder Gruppe mittels Erinnerungstafel inklusive individuellem Text in der Burchardikirche verewigt. Dazu die humorvolle Anmerkung in der Begrüssungsrede: „Das ist von längerer Dauer als jeder Grabstein heutzutage!“. Und auch symbolträchtiger als jedes Liebesschloss am Eisernen Steg!

[Alles über das John-Cage-Projekt in Halberstadt: aslsp.org]

(Zum Öffnen der Gallerie ein Bild anklicken)

„Wir haben eine gute Zeit… wir haben eine gute Zeit… wir haben eine gute Zeit…“ Wo wir eben noch inmitten der Gruppe interessierter Besucher im Hauptschiff der alten Kirche standen und uns neugierig umschauten, erhebt sich plötzlich kanonartiger Sprechgesang und junge Frauen und Männer beginnen, die Anwesenden in Form einer Menschenkette Richtung Altarraum mit-zuziehen.

Les Trucs mit Stehlampe (Foto: Katja Lenz)

Als wir Mittwochabend die Frankfurter Alte Nicolai-kirche am Römerberg betreten, um der musikalischen Performance des ‚Zwei-Mensch-Ding-Orchesters‘ LES TRUCS beizuwohnen, werden wir von einer Installation begrüsst: Ein Hämmerchen, das aus dem Gehäuse einer alten Super-8-Kamera herausragt, senkt sich regelmässig auf die Tasten eines Mini-Keyboards, das wiederum einen alten Modulsynthesizer (Moog?) ansteuert und damit musikalische Impulse auslöst. Zu hören ist ein gleichmässiges „quuuaaack-glugg“

Unter den Umstehenden ist nicht auszumachen, wer Besucher, wer aktiver Künstler ist, bis der bereits beschriebene Chor zu skandieren beginnt und die Szenerie wechselt. Im Altarraum befindet sich die ‚Mainstage‘ und damit das eigentliche Instrumentarium von LES TRUCS – eine Art Labortisch mit Keyboardmanualen, Klangerzeugern, Drumcomputern, wirren Kabeln und der für die Gruppe obligatorischen Stehlampe. Zum Sprechgesang setzen nun die ersten Klänge ein, elektronische Beats begleiten den Reigen, die Musik schwillt an und ebbt wieder ab, um in die nächste Sentenz des Programms überzugehen.

Eine knappe halbe Stunde lang begeistern und überraschen LES TRUCS mit stakkatohaften Drum-Rhythmen, lebendigen, trockenen Synthie-Sequenzen und Chor- oder Sprechgesang. Dann endet die Darbietung wieder in dem „quuuaaack-glugg“ der Installation im Kirchenschiff.

Wirklich schade, dass das letzte Stück des Abends (I am the kid) nur so kurz währte – das Tanzbein begann schon zu zucken!

Impressionen vom Abend (alle Fotos: Katja Lenz):

LES TRUCS – IRGENDWAS MIT SPACE ist ebenfalls Teil der Veranstaltungsreihe DEMONSTRATIONEN. VOM WERDEN NORMATIVER ORDNUNGEN (Frankfurter Kunstverein in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Normative Orders der Goethe-Uni) und nochmals am 21. März zu besichtigen (der Aufführungsort wird im  Veranstaltungskalender bekanntgegeben).

(Mehr über LES TRUCS auf MySpace und der Homepage der Gruppe!)

In Deutschland soll es laut Marktforschung über 1,8 Millionen Nutzer der Kommunikationsplattform Twitter geben – entsprechend vielfältig ist der Strom der Kurznachrichten, die zu Werbezwecken, aus Mitteilungsbedürfnis oder aus informellen Gründen in den virtuellen Raum losgeschickt werden.

Darstellung der Twitterdaten

Basierend auf der Idee des Berliner Musikers Anselm Venezian Nehls hat jetzt ein Team aus Künstlern und Wissenschaftlern das Gezwittschere als Klang- und optisches Ereignis in Echtzeit erlebbar gemacht. Unterstützt wird das Projekt TWEETSCAPES von Deutschlandradio Kultur. TWEETSCAPES soll „die Entwicklung von Gesprächsthemen und den Rhythmus des Online-Dialogs sinnlich erfahrbar machen“, wie es die Projektbetreiber auf ihrer Webseite beschreiben.

Die Umsetzung: Mittels eines Codes werden durch einen Computer alle eintreffenden Twitterdaten umgerechnet, so dass ein Softwaresynthesizer angesteuert werden kann, der die Daten als Klangereignis hörbar macht. Gleichzeitig werden weitere Details wie Sendekoordinaten oder Schlagwörter für die optische Ausgabe umgerechnet.

Und hier geht es zum Projekt und den deutschen Twitterstrom als akkustisches und optisches Ereignis: http://tweetscapes.de/

Kein Witz! Wie die ZEIT berichtet, wird in zwei Schweizer Justizvollzugsanstalten derzeit ein Pilotversuch durchgeführt, der zu Aggressionsabbau und Entspannung bei den Insassen führen soll.

Think Pink! (Hackentrick, 2011)

Die Massnahme: Eine Gefängniszelle ganz im Prinzessin Lillifee-Stil! Boden, Wände, Decken, selbst Bett und WC-Nische sind komplett im Farbton Cool Down Pink gestrichen. Und es scheint zu funktionieren: „Wenn ein zu Jähzorn neigender Gefangener wieder spinnt, stecke ich ihn einfach in die pinkfarbene Zelle„, berichtet der Gefängnisdirektor. „Da wird er in wenigen Minuten weich wie Wachs.

Zwar ist die wissenschaftliche Basis noch dünn, doch gibt es erste Erkenntnisse. Es wird vermutet, dass die schwächende und beruhigende Wirkung der Farbe Rosa auf hormonellen Effekten beruht, die das Herz langsamer schlagen lassen. Experimentalpsychologen von der Uni Basel wollen sich mit einer umfangreichen Studie der Sache näher annehmen. Auch die deutsche JVA Hagen ist von den positiven Auswirkungen angetan und hat vor kurzem eine Zelle in dem sedierenden Farbton streichen lassen.

Sollte diese Farbe also tatsächlich aus Aggressoren friedfertige Mitbürger machen, hier mein Vorschlag: Wir tauchen sämtliche bundesdeutschen Autobahnen (Raser und Drängler), S-Bahn-Stationen (Schläger und Randalierer) sowie Fussballstadien (wegen den ’sog. Fans‘) in Schweinchenrosa!

(Quelle: Printausgabe der ZEIT, Ausgabe Nr. 48 vom 24. Nov. 2011)