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Über Sinn oder Unsinn der FIFA KLUB-WM, die derzeit in Marokko ausgetragen wird, kann man sicher diskutieren. Der mächtige Fussballweltverband folgt mit diesem Wettbewerb seiner globalen Mission (der Kampf ums runde Leder findet nicht nur in Europa statt) und erschliesst sich weitere Vermarktungsmöglichkeiten. So weit, so gut. 

Allerdings hat sich die ARD über die Sportrechteagentur SportA die (wohl nicht billigen) Übertragungsrechte gesichert und überträgt die beiden Partien des FC Bayern München mitsamt Expertengeschwätz. Da komme ich ins Grübeln…

Warum fühlt sich eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt berufen, Gebührengelder für diese – sportlich gesehen – eher minderwertige Veranstaltung auszugeben? Mannschaften wie Al Ahly Kairo, Auckland City oder der Halbfinalgegner des FCB, Guangzhou Evergrande aus China, haben sich m. E. bisher nicht als internationale Top-Klubs aufgedrängt (in der Anmoderation der Übertragung am Dienstagabend wurde sogar die Floskel von „den besten Mannschaften der Welt“ bemüht). Dass die FIFA eine Reklameveranstaltung zur Geldvermehrung durchführt, ist eine Sache. Dass die ARD dies mitfinanziert, ist eine andere!

„Für die ARD ist es ein schöner Erfolg, dass wir live im Ersten den FC Bayern München bei der FIFA Klub-WM begleiten können“, so die Verlautbarung des ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky (und lässt die Katze damit aus dem Sack!). Also doch – Hofberichterstattung für den bayerischen Vorzeigeklub. Muss das sein?

Die FIFA lässt sich diese Showveranstaltung (der wir immerhin das Freistossmauer-abstandsmarkierungsspray und die endlos animierte Aufarbeitung der Torlinienkameraüberwachung verdanken) zum Jahresende vergolden durch Sponsoren und Vermarktungsrechte und wird wiederum dem deutschen Rekordmeister nach dem Finalspiel für die erfolgreiche Teilnahme ein nicht unerhebliches Sümmchen zahlen* – u. a. indirekt finanziert durch die Gebührengelder der ARD.

Darf man also behaupten, dass die ARD damit GEZ-Gelder in ein sowieso schon millionenschweres Sportunternehmen aus München steckt? Darf man dann vielleicht sogar – aufgrund des ausschliesslichen Geldflusses an die Isar – von Wettbewerbsverzerrung für die Bundesliga sprechen? Und schliesslich: Wie sehen Wirtschaftsjuristen diesen Fall?

* Ich habe leider nirgendwo Angaben über die Höhe der Vermarktungsrechte und die Preisgelder für die teilnehmenden Mannschaften gefunden. Weiss jemand mehr?

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Sport fasziniert uns. Er bietet spannende Wettbewerbe, packende Duelle, grosse Dramen und die besonderen Momente, die uns ewig in Erinnerung bleiben. Er zeigt respektable Höchstleistungen und weckt Emotionen. Und weil das so ist, ist Sport ’nebenbei‘ auch ein Riesengeschäft. Sponsoring, der enorme globale Wettmarkt, hohe Preisgelder, Zuschauer- und TV-Einnahmen, Lizenzen, nationale Sportförderung… auf allen Kontinenten fliessen grosse Summen in viele Hände – das weckt Begehrlichkeiten, führt zu Revierverhalten bei den Begünstigten und verleitet zum Betrugsversuch.

Wer sich neben dem sportlichen Spektakel auch für die Schattenseiten interessiert, sollte KICKER und SPORTBILD beiseitelegen, die Dauerwerbesendung DOPPELPASS ignorieren und auch auf die Unterhaltungsshow DAS AKTUELLE SPORTSTUDIO verzichten. Richtig spannend wird es nämlich erst auf Webseiten wie beispielsweise dem mit dem Grimme Online Award ausgezeichneten Blog von Jens Weinreich (jensweinreich.de). Der Sportjournalist berichtet auf seinen Seiten über Sportpolitisches, aktuell widmet er sich beispielsweise kritisch den Vorgängen bei der FIFA und dem deutschen Sportförderungssystem des Bundesinnenministeriums und DOSB. Dass Weinreich in der ‚grossen Familie des Sports‘ nicht überall herzlich aufgenommen wird, ist da nicht weiter verwunderlich.

Neuerdings präsentiert Weinreich in unregelmässigen Abständen die Interviewserie „Sitzen Sie bequem…?“. Vor einigen Tagen sprach er mit Mark Pieth über die FIFA. Pieth ist Professor für Strafrecht, arbeitete u. a. für die Vereinten Nationen im globalen Anti-Korruptionskampf, leitet eine Arbeitsgruppe der OECD, berät das Schweizer Justizministerium bei Gesetzentwürfen gegen organisierte Kriminalität und Geldwäsche und wurde Ende 2011 als Leiter der FIFA-Kommission für Good Governance bestellt, nachdem sich der Weltfussballverband auch aufgrund des öffentlichen Drucks zum Handeln veranlasst sah. Dort soll Mark Pieth Verbesserungsvorschläge ausarbeiten. Wenn Pieth im Gespräch mit Jens Weinreich auch nicht allzu deutlich wird: an seinen Aussagen lässt sich ermessen, wie reformbedürftig die FIFA und ihre Strukturen sind (O-Ton zum FIFA-Exekutivkomitee: „Kritik […] perlt vollkommen an denen ab.“)!

Webblog jensweinreich.de

Die zweite Hälfte des Podcasts lässt uns teilnehmen am Interview mit einer weiteren interessanten Persönlichkeit: Jens Weinreich unterhält sich mit dem weitgereisten Journalisten James M. Dorsey, der viele Jahre für die Nachrichtenagentur UPI oder Qualitätsmedien wie Wall Street Journal und der New York Times gearbeitet hat. Sein persönlicher Themenschwerpunkt ist der Fussball im Mittleren Osten und Asien, den er mit seinem Blog The Turbulent World Of Middle East Soccer ausleuchtet. Im Gespräch erzählt er über seine schwierige Arbeit als investigativer Journalist, die Vergabe der WM 2022 nach Katar, den zwielichtigen Geschäftsmann Mohamed bin Hammam (derzeit gesperrter FIFA-Funktionär und Präsident der asiatischen Fussball-Konföderation [AFC]) und eine juristische Auseinandersetzung, der er sich momentan stellen muss…

Der sehr empfehlenswerte Podcast ist hier zu hören: #3 Sitzen Sie bequem, Mark Pieth und James M. Dorsey?

[Weiterführende Links zu diesem Artikel: Homepage von Mark Pieth | Wikipediaeintrag über James M. Dorsey | der Fussball-Blog The Turbulent World Of Middle East Soccer

Normalerweise sind die Fussball-Sommerpausen – insbesondere für den Eintracht-Fan – eine eher zähe Angelegenheit (bisherige Ausnahme 2011 aufgrund der Kürze und dem schnellen Handlungsbedarf). Wochenlang dürfen die Anhänger über Ab- und Neuzugänge spekulieren, bis dann kurz vor Ende der Transferfrist der Verein die Namen neuer Spieler präsentiert. Ansonsten: unspektakuläre Meldungen aus den Trainingslagern und von wenig aussagekräftigen Testspielen.

Dieses Jahr ist es deutlich kurzweiliger. Schon frühzeitig hat die Mannschaft durch neue Spieler ein interessantes Profil erhalten, lediglich über die notwendigen Verstärkungen in der Defensive darf noch gerätselt werden. Zwischendurch bekamen wir dann Fussball-EM auf die Mattscheiben geschickt, so dass das Warten auf die Bundesliga erträglicher wurde.

Nächster Höhepunkt die Diskussion über die Suche nach dem neuen Hauptsponsor, in die sich zuletzt sogar die Frankfurter Politik und Boris Rhein (der den Frankfurtern augenscheinlich die Wahlniederlage noch immer nicht verzeiht) einmischten. Eine Biermarke als Trikotwerbung? „Um Gottes Willen, denkt an unsere Kinder!“

Dass KROMBACHER (so wird er wohl ab Donnerstag heissen, der neue Hauptsponsor) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Präsenter der ARD-Sportschau und von Live-Übertragungen willkommen ist, vergessen die politisch-populistischen Schreihälse leider. Und dass BITBURGER (um noch eine andere Brauerei zu nennen) als Hauptsponsor der ach so sauberen und braven Jungs von Bundes-Jogi fungiert, ist den Damen und Herren im Römer und in Wiesbaden anscheinend ebenfalls entgangen. Ausserdem: Unternehmen, die bereit sind, über 5 Millionen Euro in eine Fussballmannschaft zu stecken, wachsen nicht gerade auf den Bäumen. Auch nicht in Frankfurt, der beinahe grünsten Stadt Europas. Zumal der Römer unserer Eintracht durch die horrende Stadionmiete das Wirtschaften nicht einfacher macht…

Ebenfalls interessant wird die Entscheidung beim DFB am kommenden Freitag, nachdem die Eintracht gegen den verhängten Teilausschluss der Fans für das erste Saisonheimspiel (siehe auch „DFB verhängt harte Strafen“) Einspruch eingelegt hat. Wobei das Ergebnis wohl nicht überraschend ausfallen wird…

[NACHTRAG VOM 21. Juli 2012: Nach achtstündiger Verhandlung am 20.07. wurde der Einspruch vom Sportgericht des DFB nicht anerkannt. Trotz des Zugeständnis seitens der Verhandlungsführer, dass Eintracht Frankfurt keine Fehler gemacht habe und sogar vorbildlich in Sachen Sicherheitsmassnahmen und Kommunikation mit den eigenen Fans sei, bestätigte der Ausschuss unter der Leitung von Hans E. Lorenz die Begrenzung auf 20.000 Zuschauer beim ersten Saisonspiel gegen Bayer Leverkusen und verhängte zudem eine Geldstrafe in Höhe von EUR 50.000,- für den Verein. Da die Vertreter der Eintracht in der Sitzung augenscheinlich einen angebotenen Vergleich abgelehnt haben und sich nach der Verhandlung verärgert zur Strafe äusserten, ist damit zu rechnen, dass der Verein in die Berufung vor das DFB-Bundesgerichts gehen wird.]

Bis dann die neuen Defensivspieler präsentiert werden (auch das wird wohl bald geschehen, Trainer Veh pocht darauf!), wenden wir uns der Erquickung halber zwei anderen Themen zu:

BLATTER UND DIE ETHIKREGELN

Schade, dass der Blatter Sepp mit seiner Kampfansage schon wieder zurückgerudert ist. Es wäre sehr interessant zu hören, was er alles als Retourkutsche auf die Korruptionsvorwürfe gegen ihn über die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland zu erzählen hätte – schliesslich war er bei allen Entscheidungen und Vorgängen direkt beteiligt. Dass da einiges nicht ganz sauber verlief und die deutschen Funktionsträger alle Mittel nutzten, wurde schon desöfteren verlautbart, erreichte jedoch nie die grosse Öffentlichkeit. Der FIFA-Präsident hätte da bestimmt mehr Aufmerksamkeit gefunden.

So aber hat der FIFA-Präsident lieber klein beigegeben und sich gestern mit seiner Ethikkommission auf ganz tolle Regeln verständigt, die dann auch ab sofort gelten sollen: Nie mehr Korruption in der FIFA! Totale Transparenz! Absolute Fairness!

Dass dennoch die Schweizer Staatsanwaltschaft im Sauhaufen FIFA mal ordentlich ausmisten und sich dieser Milliardenkonzern endlich internationalen Unternehmensrichtlinien stellen müsste, ist eine ganz persönliche Anmerkung des Autors dieser Zeilen.

FRIEDRICH UND DER VERHALTENSKODEX

Der Bundesinnenminister schoss vorsorglich schon mal einen Warnschuss ab: „Weg mit den Stehplätzen!“. Dann trafen sich gestern die Vertreter aller Profivereine (nur Union Berlin boykottierte die Einladung*), der DFL und des DFB in Berlin zum Sicherheitsgipfel, damit die Vereine den von der Innenministerkonferenz ausgearbeiteten Verhaltenskodex im Kampf gegen Gewalt in deutschen Stadien abnicken durften. Fanvertreter waren nicht eingeladen.

In Kurzform: Der beschlossene ’sog. Verhaltenskodex‘ fordert von den Vereinen zukünftig eine härtere Bestrafung bei Vergehen wie Randale oder Pyrotechnik. Dass die Differenzierung aussen vor gelassen wurde, verwundert nicht. Damit lassen Politik und DFB die Vereine weiterhin im Stich und schieben ihnen eine unlösbare Aufgabe zu. Dass die Vereine diesem widerspruchslos zugestimmt und den vorgelegten Kodex einfach unterzeichnet haben, ist dabei die grösste Enttäuschung.

Die ganze Veranstaltung war reine Symbolik. Und zwischen den Zeilen steckt pure Ahnungs- und Hilflosigkeit im Umgang mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen / Problemen…

Interessant ist übrigens diese Aussage im Kodex: […] „Wir sagen Nein zu Pyrotechnik im Stadion und im Umfeld von Fussballspielen“ […]. Das dürfte dann auch Showeinlagen beim DFB-Pokalfinale oder Länderspielen der Nationalmannschaft betreffen! Oder?

Schnell noch eine Meldung, die ich gerade auf dem Blog von stadtkindffm entdeckte: der Adlerblog wird die Onlinepräsenz niederlegen, da Eintracht Frankfurt aus lizenzrechtlichen Gründen gegen den Blogbetreiber vorgehen wird. Näheres darüber ist hier zu lesen!

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* Laut Vereinssprecher Christian Arbeit bemängelten die Vertreter von 1. FC Union Berlin die viel zu kurzfristige Vorabinformation über die zu beschliessenden Punkte