Archiv

Schlagwort-Archive: Finanzmarkt

Ich wähle die zentrale Telefonnummer eines grossen deutschen Finanzmarktunternehmens an, da ich die Durchwahl meines dortigen Ansprechpartners gerade nicht zur Hand habe und mich zu ihm durchstellen lassen will. Statt einer freundlich-charmanten Telefonstimme begrüsst mich ein Sprachcomputer, der mir die Optionen anbietet, mich wahlweise als „Kunde“, „Interessent“ oder „Berater“ weiterbedienen zu lassen.

Eigentlich entspricht „Berater“ dem Grund meines Anrufes am ehesten, will doch das angerufene Unternehmen auf meine Expertise zurückgreifen – gemeint sind jedoch sicher Finanzberater, die mit der Firma zusammenarbeiten. Da auch „Kunde“ und „Interessent“ meinem Anliegen nicht entsprechen, unterbreche ich vorerst das Telefonat und denke kurz nach.

Neugierig macht er ja schon, der Sprachcomputer. Also entscheide ich mich für ein kleines Experiment und drücke auf Wahlwiederholung. „Kunde“ spreche ich deutlich in das Telefon, nachdem mir wiederum die Optionen angeboten wurden. Die (sehr menschliche) Stimme am anderen Ende der Leitung teilt mir mit, dass sie mich leider nicht verstanden hat und bittet um Wiederholung. Ich versuche, das Wort anders zu betonen: „Kuuunde“. Wiederum werde ich nicht verstanden, der Sprachcomputer will mich in eine Warteschleife weiterleiten und vertröstet mich damit, dass irgendwann ein realer, verständnisvoller Mensch das Gespräch und mein Anliegen entgegennimmt.

So leicht gebe ich nicht auf! Erneut wähle ich die Nummer und höre die bereits bekannte Ansage. Diesmal versuche ich es mit „Kuuundeee“  – was prompt vom digitalen Gegenüber akzeptiert wird! Doch schon lauert die nächste Hürde und ich scheitere am Wörtchen „Konto“ (oder „Konnto“? „Konntoo“?). Bevor ich wieder in der Warteschlange lande, lege ich auf…

Vierzehn Mal habe ich spasseshalber die Rufnummer angewählt und aus Neugier diverse Varianten probiert: Schwyzerdütsch und Hessisch („Ei, isch bin Kunnde!“) haben überraschenderweise funktioniert, Bayrisch und englischer Akzent scheiterten bereits im Ansatz. Generell bin ich nie über die dritte Frage des Sprachcomputers hinausgekommen (wieviele er wohl noch hatte?).

Meine Frage an den Leser: Was sagt das uns über den Zustand unserer Gesellschaft, wenn deren Mehrheit es mittlerweile als völlig normal empfindet, bei einem Unternehmen als Kunde / Käufer / Auftraggeber unwürdig behandelt und zu infantiler Kommunikation genötigt zu werden?

Einfach mal kurz darüber nachdenken…

„Bis heute hat keine unabhängige Stelle, kein unabhängiges Gericht, die zur Verfügung stehenden angeblichen oder tatsächlichen Beweise überprüft und nachprüfbar in einem rechtsstaatlichen Anforderungen genügenden Verfahren festgestellt, wer für die Anschläge von 9/11 verantwortlich war.“ (Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht)

Vor zwölf Jahren: der 11. September 2001 („9/11“) und die dramatischen Ereignisse an diesem Tag waren für unsere Gesellschaften weltweit eine Zäsur, die bis heute in das Leben des einzelnen Menschen eingreift und uns deshalb weiterhin beschäftigen sollte.

Der nach 9/11 ausgerufene War on Terror hat in den USA Sicherheitsstrukturen und -gesetzgebungen geschaffen, die dortigen Bürgerrechtlern und Kongressabgeordneten Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Die Konsequenzen des Kriegs gegen den Terrorismus sind auch für uns deutlich spürbar. Aktuell diskutieren wir in Deutschland beispielsweise entsetzt über das tatsächliche Ausmass der Datensammelwut der NSA. Dass der US-Auslandsgeheimdienst auch bei uns u. a. Wirtschaftsspionage betreibt, war hinlänglich bekannt (Stichwort Echelon). Dass die NSA mittlerweile private und gewerbliche Rechnernetzwerke infiltriert und manipuliert, dass sie IT-Unternehmen zur Kooperation ‚drängt‘ und dass die deutsche Regierung dazu nichts zu sagen hat (ausser “Supergrundrecht auf Sicherheit“ und “Neuland“), während deutsche Geheimdienste der NSA beim Datenaustausch und Auswerten noch behilflich sind, ist eine ganz andere Qualität und erschreckende Erkenntnis. Laut Edward Snowden wird Deutschland von der NSA als Spionageziel geführt wegen den Themen Aussenpolitik, ökonomischer Stabilität, Gefahren für die Finanzwirtschaft, Waffenexporte, neue Technologien, hochentwickelte konventionelle Waffen und internationaler Handel [1]! Das Budget der US-Geheimdienste hat sich seit 9/11 mehr als verdoppelt: in 2013 stehen den Behörden 52,6 Mrd. US-Dollar zur Verfügung [2], der Anteil der NSA beträgt dabei 10,8 Mrd. US-Dollar (53% Steigerung zu 2004!)…

Keiner der deutschen Innenminister seit 2001 (Otto Schily, Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière und Hans-Peter Friedrich) hat darauf verzichtet, geplante Eingriffe des Staates in die Grundrechte der Bürger (z.B. Staatstrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung öffentlicher Räume) mit der Bedrohung durch (islamistischen) Terror zu begründen. Dass das NSU-Trio zehn Jahre lang unbehelligt mordend durch Deutschland ziehen konnte, muss trotz intensiver Überwachung (V-Männer, konkrete Spuren) dann wohl doch nur dem stümperhaften Versagen der Ermittlungsbehörden zugerechnet werden. Kann man als Bürger also vollstes Vertrauen in die gepredigten ’notwendigen Sicherheitsmassnahmen‘ und die ausführenden Organe haben oder sollten wir gerade deswegen weiterhin wachsam sein, wenn unter dem Deckmantel der Sicherheit einschneidende Schritte geplant werden?

Seit Dezember 2001 beteiligt sich die deutsche Bundeswehr im Rahmen der Operationen OEF (Operation Enduring Freedom) und ISAF (International Security Assistance Force) an der Seite der USA und anderer Verbündeter an dem Krieg in Afghanistan. Was viele Menschen vergessen haben oder gar nicht wissen: beide Mandate basieren auf Artikel 5 (Bündnisfall) des Nordatlantikvertrags der NATO, nachdem 9/11 im NATO-Rat als Angriff auf die USA gewertet wurde. Seitdem erleben wir den Einsatz des weltweit grössten Militärbündnis mit offenem Ausgang für die Zeit nach dem Abzug der Truppen (mein Blogartikel Unknown Future zeigt Bilder und schildert die Situation in der umkämpften ostafghanischen Grenzprovinz Kunar vom Mai 2012)!

"Justice will be done" (George W. Bush, Rede an die Nation vom 20. Sep. 2001)

„Justice will be done“ (George W. Bush, Rede an die Nation vom 20. Sep. 2001)

Der unumstritten völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA gegen den Irak wurde zwar bereits vor 9/11 geplant, jedoch erst mit Begründung auf die Terroranschläge („Saddam Hussein unterstützt al-Qaida“, „Achse des Bösen“, „Massenvernichtungswaffen“) im März 2003 begonnen. Mittlerweile sollte der Weltöffentlichkeit bekannt sein, dass die Bush-Administration die aufgeführten ‚Beweise‘ erfunden hat, um aus geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen im Irak einzumarschieren (das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit). Den irakischen Zivilisten nutzt das jedoch wenig: im Land herrschen immer noch Verbrechen, Korruption, Chaos und Tod. Offizielle Opferzahlen variieren – doch die auf WikiLeaks veröffentlichten Dokumente des US-Verteidigungsministeriums listen allein für den Zeitraum 2004 bis 2009 über 100.000 Tote auf [3]!

Vergessen wir im Zusammenhang mit dem War on Terror ebenso nicht: die Bilder aus dem Gefängnis Abu-Ghuraib… die illegale Verschleppung ausländischer Staatsangehöriger von fremden Boden in die Folterzellen freundlich gesinnter Drittländer (beispielsweise ein europäischer Fall: siehe Fussnote [4]!)… das Gefangenenlager Guantanamo, wo seit Jahren Menschen ohne offizielle Anklage und eine faire Gerichtsverhandlung eingesperrt werden… die Stigmatisierung der Muslime… der wiederum völkerrechtswidrige Drohnenkrieg Obamas (u. a. auf pakistanischem Staatsgebiet)… usw., usf…

9/11 UND DIE HISTORIE

Weil die Ereignisse dieses Tages und die Berufung darauf weltweit so weitreichende Konsequenzen haben (die oben beschriebenen Einschnitte in die Rechtsstaatlichkeit in vielen Ländern, Verstösse gegen Menschenrechte und Völkerrecht), sollte es wichtig sein, was darüber in den Geschichtsbüchern stehen wird. Aus diesem Grund hat die US-Regierung Ende 2002 eine Kommission beauftragt, die Vorfälle des 11. September zu analysieren und Empfehlungen für die Zukunft abzugeben.

Die Gründung der Kommission geschah nicht ganz freiwillig und erst auf Drängen von Angehörigen der Opfer von 9/11 und des Kongresses. Lapidar gesagt: die Regierung Bush hatte keine Zeit für Aufklärung, weil man zuerst die mutmasslichen Täter bestrafen wollte…

Vorsitzender der Kommission sollte übrigens Henry Kissinger werden – nach einem Aufschrei der US-amerikanischen Medien und Beobachter verzichtete man dann doch darauf (alle Mitglieder der Kommission wurden übrigens von Präsident George W. Bush eingesetzt). Im Juli 2004 veröffentlichte die Untersuchungskommission dann teilweise das Ergebnis: den sog. 9/11 Commission Report [5]!

In der Zusammenfassung: Osama Bin Laden, Kopf des Terroristennetzwerkes al-Qaida, entsandte aus seiner afghanischen Höhle Tora Bora neunzehn Islamisten, die am 11. September 2001 mit Teppichmessern bewaffnet vier US-amerikanische Passagierflugzeuge entführten. Zwei davon rasten in die Türme des WTC, die durch die entstandenen Schäden zusammenfielen, eines donnerte in das Pentagon und Flug United 93 wurde durch die Gegenwehr der Passagiere über Pennsylvania zum Absturz gebracht. Die Dienstvorschriften bei den entsprechenden Überwachungs- und Kontrollbehörden wurden eingehalten, aufgrund von Kommunikationsproblemen zwischen zivilen Lotsen und Militär konnte jedoch nicht rechtzeitig auf die Entführungen reagiert werden. Kritisiert wird die Zusammenarbeit der Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden, die im Vorfeld der Katastrophe mögliche Hinweise übersehen, nicht weitergeleitet oder falsch interpretiert haben.

Dieser Untersuchungsbericht gilt seitdem als Sprachmuster für die öffentliche Meinung (und – nicht vergessen – ist die einzige offizielle Begründung für all die Folgen des 11. September!). Auch die westeuropäischen Medien folgen seltsam einhellig dieser Darstellung, obwohl sie viele Gründe kennen, den 9/11 Commission Report zu kritisieren und damit die offizielle Erklärung in Frage zu stellen. Interessant dazu die Äusserung des SPIEGEL-TV-Autors Dr. Florian Huber bei einer Podiumsdiskussion, beim SPIEGEL habe man erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung [6]! Warum hält dann der SPIEGEL dennoch an der offiziellen Lesart fest?

Nochmals: es geht um Geschichtsschreibung und auch die Begründung (resp. die Folgen) des NATO-Bündnisfalls!

9/11 UND DIE KRITIK

Allgemein wird Kritik am 9/11 Commission Report belächelt und abfällig in die Ecke der abstruseren Verschwörungstheorien abgeschoben, wo über thermonukleare Sprengstoffe unter den Zwillingstürmen spekuliert wird. Der Begriff „9/11“ dürfte im iNet nicht weniger Suchergebnisse erzielen als beispielsweise „Paris Hilton“. Menschen, die von Baustatik, Flugzeugtechnik und Sprengstoffen so wenig Ahnung haben wie ich, versuchen amtliche Untersuchungen zu widerlegen oder kopieren gegenseitig Theorien, was damals so alles passiert sein könnte. Das soll nicht unsere Sache sein! Widmen wir uns dem Faktischen…

Was wir in Deutschland nicht so sehr wahrnehmen (weil hierzulande darüber kaum berichtet wird): in den USA wird seit Jahren in der Öffentlichkeit ernsthaft über den Untersuchungsbericht debattiert. Ob Kongressabgeordnete, Wissenschaftler, Architektenvereinigungen oder die Gruppen der Angehörigen – sie stellen ernstzunehmende Fragen, die der 9/11 Commission Report nicht oder nur unzureichend beantwortet. Bob Kerrey, selbst ein Mitglied der Kommission, meint: „Es gibt vielerlei Gründe anzunehmen, dass es eine Alternative zu den Darstellungen unserer Version geben könnte. Wir hatten keinen Zugang…“. Und der stellvertretende Leiter der Kommission, Lee Hamilton, äusserte sich, dass er „nicht auch nur eine Minute daran glaubt, dass wir alles richtig verstanden haben“ [7].

Im Oberhaus des japanischen Parlaments wurde eine neue, unabhängige Untersuchung des 11. September gefordert, die die „von unabhängigen Forschern dokumentierten und bislang von Regierungen wie Massenmedien ignorierten Beweise berücksichtigt“, damit „die Politik, die auf der Interpretation durch die Regierung Bush-Cheney basiert, geändert werden kann“ (Yukihisa Fujita, bis 2009 Vorsitzender des Sangiin-Ausschusses für Aussenpolitik und Verteidigung).

Auch in den Parlamenten in England oder Kanada wurden die Untersuchungsergebnisse erhitzt diskutiert. Und im Deutschen Bundestag? Fehlanzeige.

ZWEI, DREI OFFENE FRAGEN ZU 9/11

1 – Insiderhandel

„Some unusual trading did in fact occur… The volume of put options surged in the parent companies of United Airlines on September 6 and American Airlines on September 10… Yet further Investigation revealed that the trading had no connection with 9/11. A single US based institional Investor with no conceivable ties to al Qaeda purchased 95 percent of the UAL puts on September 6…“ (9/11 Commission Report, Auszug aus Kapitel 5)

So und ähnlich („nicht mehr zu rekonstruieren“, „Datenträger sind vernichtet“, „keine Verbindung zu al-Qaida“) lautet die Stellungnahme der Kommission zu den ungewöhnlichen Handelsvolumen von Aktienoptionen der beiden betroffenen Fluglinien und von im WTC ansässigen Finanzunternehmen in den Tagen vor dem 11. September. Allein 2.500 Put-Optionen auf United Airlines (kurz erklärt: eine Wette auf fallende Aktienkurse) wurden am 6. September über die Deutsche Bank-Tochter Alex Brown für einen Einzelinvestoren gekauft. Wer da weshalb ein so glückliches Händchen hatte (vom moralischen Aspekt angesichts der 3.000 Todesopfer ganz abgesehen) wurde als ’nicht relevant‘ betrachtet (der Kontoinhaber hiess ja nicht Osama Bin Laden). Der damalige Chef der Deutschen Bundesbank – Ernst Welteke – äusserte sich Ende September 2001 bei einem Finanzministertreffen in Belgien: „Es gibt immer klarere Hinweise, dass es auf den internationalen Finanzmärkten Aktivitäten gegeben hat, die mit dem notwendigen Insider-Wissen ausgeführt worden sein müssen“.

Die Chicago Board Options Exchange, die Börsenaufsicht SEC und das FBI kündigten zwar im Oktober 2001 eine Untersuchung an („Wir werden alles tun, um diese Leute zu finden und vor Gericht zu bringen“ [8]), doch dem lauten Trommeln folgte in den darauffolgenden Jahren nahezu… nichts.

Eine Frage: Wäre es nicht eine Untersuchung wert, wer möglicherweise wissentlich einen Haufen Geld mit 9/11 verdient hat? Und falls es doch nur ein Zufall für die Glücksritter war, kann man sie zumindest bitten, aus ethischen Gründen einen Teil des Gewinns in einen Fond für die Opfer der Katastrophe zu spenden…

2 – Gebäude WTC 7

Was viele Menschen nicht wissen: am 11. September 2001 stürzte in New York ein drittes Gebäude ein. Am Vormittag wurde gemeldet, dass Trümmerteile der Zwillingstürme im benachbarten WTC 7 zwei Stockwerke in Brand gesetzt hätten und das Gebäude evakuiert werde. Nach vier Stunden – das Feuer hatte mittlerweile auf weitere Etagen übergegriffen – wurden die Löscharbeiten eingestellt. Um 17:20 Uhr stürzte das Gebäude – wie auch die von den Fliegern getroffenen Zwillingstürme – in wenigen Sekunden ungebremst im freien Fall in sich zusammen.

WTC 7 mit einer Höhe von 174 Metern wäre in der Frankfurter Skyline das achthöchste Gebäude (und damit höher als die Doppeltürme ‚Soll‘ und ‚Haben‘ der Deutschen Bank). Nie zuvor und nie danach ist weltweit ein durch Stahlkonstruktion errichtetes Hochhaus durch einen Brand eingestürzt (Hochhausbrände sind im iNet sehr ausführlich dokumentiert). Der 9/11 Commission Report sagt dazu… nichts! Auf keiner Seite des umfangreichen Berichts wird WTC 7 erwähnt. Erst 2008 legt die Regierungsbehörde NIST (National Institute of Standards and Technology) eine Studie vor, die erläutert, dass man anhand komplexer Computersimulationen ein neues Phänomen entdeckt habe: den durch Feuer herbeigeführten progressive collapse (ein ‚fortschreitender Zusammenbruch‘).

Diese für die Bauwirtschaft wichtige Neuentdeckung sorgte natürlich sofort bei Ingenieuren, Architekten, Versicherungen und anderen branchennahen Experten für Aufmerksamkeit und entsprechende Anfragen wurden bei der NIST eingereicht! Direktor Patrick Gallagher verweigerte jedoch per Beschluss die Herausgabe der Daten aufgrund der „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“.

Eine Frage: Warum bleibt im 9/11 Commission Report der unerklärliche Einsturz des WTC 7 unerwähnt und warum werden die anscheinend vorhandenen Erkenntnisse der NIST nicht für die Vermeidung von Risiken bei zukünftigen Grossbauprojekten herausgegeben?

3 – Beweise

Im 9/11 Commission Report wird auf eine Anzahl an Beweisen verwiesen, die bei näherer Betrachtung seltsam erscheinen. Lasst uns einen kurzen Blick darauf werfen:

Beispiel a) Der Reisepass einer der Entführer der WTC-Attentäter wird nahezu unversehrt auf den zusammengestürzten Trümmern der Zwillingstürme gefunden. (Beim Einschlag in das Gebäude muss das Dokument sich irgendwie aus den Taschen des Attentäters durch den Feuerball in den Himmel begeben und auf den Zusammensturz des Gebäudes gewartet haben, um anschliessend auf die Ruinen hinabzusegeln und entdeckt zu werden – oder?)

Beispiel b) Die ‚Skeptiker‘ bezweifeln, dass im Pentagon ein Passagierflugzeug eingeschlagen sei. Der 9/11 Commission Report verweist u. a. auf die Aufnahmen einer Parkplatzkamera, die jedoch nur grobkörnige Aufnahmen zeigt und durch die Aufteilung in Frames (Einzelbilder pro Sekunde) kein Grossflugzeug deutlich erkennen lässt. Das FBI erklärt, dass 84 (!) weitere Videotapes von diversen Kameras vorliegen würden, diese jedoch nicht freigegeben werden könnten, da sie ‚Gegenstand der Ermittlungen‘ seien [9]. (Na, dann…)

Beispiel c) Osama Bin Ladens Bekennervideos und der wichtigste Zeuge… Bis 7. Oktober 2001 erklärte Bin Laden in drei Interviews mit der pakistanischen Zeitung Ummat, mit dem Journalisten Hamid Mir und gegenüber der AFP: „Ich habe mit den Anschlägen nichts zu tun“ (für alle, die jetzt sagen: „Jaaaa, islamische Journalisten…“ – im Irak starben seit Kriegsbeginn bis 2011 etwa 160 einheimische Journalisten für die Information für uns. Die Zahlen für Syrien sind noch nicht eindeutig belegt, dürften aber erschreckend hoch sein). Dann lieferte die US-Armee auf einmal ein Video (datiert auf November 2001), in dem Bin Laden mit einem Besucher über den Anschlag spricht und Mohammed Atta als Anführer der Attentäter benennt. Alles klar – Osama Bin Laden war es! (Ein Problem: Linkshänder Bin Laden schreibt im Video mit rechts, zitiert ungenau Koran-Zitate, sieht den vorherigen Auftritten nicht besonders ähnlich und hat ziemlich zugenommen. Die Sendung Monitor der ARD vom 22.12.2001 hat diese und andere Punkte aufgegriffen. Ebenso störend: Osama Bin Laden ist zum Verbrechen des Jahrhunderts leider nicht mehr nicht vernehmungsfähig – der Möglichkeit der Festnahme hat man die Exekution an Ort und Stelle vorgezogen. Wirft natürlich auch wieder Fragen auf. Ihr Amis macht es einem aber auch wirklich leicht…)

Beispiel d) Khalid Scheich Mohammed, der mutmassliche Planer und Finanzier der Anschläge, legte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ein. Die Umstände seiner Verhaftung sind nicht so ganz geklärt, aber irgendwann war er dann in Guantanamo und beichtete alles. Dazu sollte man bedenken: nach Ansicht von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld galt der Scheich nur als ‚feindlicher Kämpfer‘ und unterlag daher nicht den Genfer Konventionen (sprich: es dürfte das eine oder andere Waterboarding gegeben haben).

Der 9/11 Commission Report beruht in vielen Passagen zum Ablauf und der Organisation auf Aussagen des Scheichs. Nur: niemand der Kommission durfte jemals Khalid Scheich Mohammed oder seine Befrager persönlich interviewen (und schon gar nicht Medienvertreter oder sonstige Aussenstehenden). Die beiden Kommissionsvorsitzenden Kean und Hamilton räumten ein, dass die Bitte, den Inhaftierten wenigstens sehen zu dürfen, durch Rumsfeld und CIA-Chef Tenet kategorisch zurückgewiesen wurde!

Eine Frage: Wieso soll die Weltöffentlichkeit einem Untersuchungsbericht Glauben schenken, der auf einer Fülle solch wackeliger ‚Beweise‘ beruht?

EPILOG

Liebe Leser, mir ist es wichtig, dass 9/11 nicht so in den Geschichtsbüchern verschwindet, wie es uns heute erzählt wird. Beispielsweise muss das deutsche Engagement in Afghanistan juristisch und moralisch geklärt werden – ich sehe das auch als Hilfestellung für zukünftige Fragen des Engagements (aktuell Syrien). Es sollte sich jeder darüber Gedanken machen, welche Aufgaben die NATO hat. Man sollte darüber nachdenken, ob es grosse Staaten gibt, die statt Freiheit und Demokratie lieber Absatzmärkte und Rohstoffquellen sichern – und ob man bereit ist, das mit den entsprechenden Konsequenzen mitzutragen…

Vielleicht habe ich mit den wenigen Beispielen, auf die ich mich als Alltagsblogger beschränken muss, auch Euch Denkanstösse geliefert. Verzeiht mir bitte meine Knappheit in vielen Punkten und auch den Sarkasmus, der das eine oder andere Mal durchkommt. Ersteres ist der Fülle an Material geschuldet, mit der ich mich in den vergangenen Jahren auseinandergesetzt habe und die einem einerseits den Atem raubt, andererseits zeitaufwendige Recherchen aufdrängt, weil das eine oder andere doch recht hanebüchen klingt. Also gilt es zu hinterfragen und abzuklopfen. Zudem betreibe ich nur ein ganz normales Blog und kein Buchprojekt. Wer mehr Hinweise / Verweise / Quellen wünscht, mag mich gerne per Kommentarfunktion danach fragen – ich liefere gerne nach!

Zweites (der Sarkasmus) ist der Tatsache geschuldet, dass sich bei der Recherche Dinge offenbaren, die auf dem ersten Blick einem vermeintlich aufgeklärten, gebildeten Bürger des 21. Jahrhunderts unfassbar erscheinen, auf dem zweiten Blick jedoch den Menschen in seiner Normalität zeigen. Es gab und gibt auf diesem Planeten jederzeit Leute, die – im Auftrag oder selbständig – für uns absurdeste Ideen haben…

Zum Abschluss: Wer noch nicht genug hat, sollte sich peu à peu die nachfolgend aufgelisteten Videos – die hervorragend zum Thema passen – anschauen:

• Abschiedsrede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower (‚Military-Industrial Complex‘, 1961) – auf Youtube mit und ohne Untertitel zu finden

• Die Rede des Abgeordneten Ron Paul: „What, if…?“ im US-Kongress (3’45“ / mit Untertiteln /  absolut hörenswert!)

• ARTE-Doku „Why we are fighting?“ (deutsch)

9/11 – Was steckt wirklich dahinter? (italienische Produktion, ausgestrahlt auf ORF2)

• • •

In Gedenken an die weltweiten Opfer und Hinterbliebenen des 11. September und in der Hoffnung, dass sich das wundervolle Land USA wieder auf seine wahren Werte besinnt.

•   •   •

Quellenhinweise:

[1] Spiegel Online vom 10. August 2013: NSA führt Deutschland als Spionageziel

[2] Washington Post vom 29. August 2013: The Black Budget

[3] Iraq War Logs: Interaktive Karte auf Spiegel Online

[4] 2003 wurde der Mailänder Imam Abu Omar auf offener Strasse durch Leute des CIA in ein ägyptisches Gefängnis verschleppt und gefoltert (die Freilassung erfolgte erst 2007). Im Herbst 2012 verurteilte ein italienisches Gericht insgesamt 26 CIA-Mitarbeiter für diese Tat – Auslieferungsanträge an die USA wurden jedoch nie gestellt. Im Februar 2013 wurde dann u. a. der Leiter des italienischen Geheimdienst SISMI, Nicolo Pollari, zu zehn Jahren Haft wegen Amtshilfe im genannten Fall verurteilt. „Die Regierung Berlusconi wusste genau, was vorgefallen ist“, erklärte der Geheimdienstchef vor dem Richter (siehe u. a. NEUE ZÜRCHER ZEITUNG vom 12. Februar 2013: Haft für Ex-Geheimdienstchef).

[5] Der 9/11 Commission Report zum Download: http://www.9-11commission.gov/report/911Report.pdf

[6] Beim hochrangig besetzten Juristen-Kongress ‚Quo Vadis NATO?‘ im April 2013 in Bremen äusserte sich der SPIEGEL-TV-Autor Dr. Florian Huber zum Commission Report wie folgt: „2009, als ich meine Recherchen aufgenommen habe, galt der Report zumindest in der Spiegel-Gruppe als diskreditiert. Man hielt ihn für ein eher peinliches Dokument der Bush-Regierung. (…) Es sind im Report Fehler und Auslassungen unterlaufen, weswegen er meines Erachtens nicht das Prädikat ‚Abschlussbericht‘, sondern eher ein ‚mangelhaft‘ verdient“.

[7] aus Shenon: The Commission

[8] Zitat Harvey Pitt, damaliger Chef der SEC

[9] Über die Probleme der abgelehnten Bescheide für die Veröffentlichung der ‚Pentagon-Videos‘: http://911research.wtc7.net/pentagon/evidence/footage.html

Egal, ob man nach Hamburg, Frankfurt oder München schaut… in den Grossstädten steigen die Mieten aufgrund der Nachfrage unaufhörlich. Und da dazu noch viel zu viel Kapital im Umlauf ist, heizen diese Mittel auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten den Immobilienmarkt zusätzlich an und beeinflussen die Wohnraumplanung der Kommunen. Das führt dann so weit, dass beispielsweise ein prunkvoller Neubau in der Frankfurter Kaiserstrasse mit 120 qm-Eigentumswohnungen von der Stadt mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 750.000 Euro gefördert wird (siehe dazu: fr-online vom 21.12.2012)! Aber diese Entwicklung dürfte erst am Anfang stehen – die Grossstädte werden in den kommenden Jahren noch attraktiver werden: hier gibt es Arbeitsplätze und Infrastruktur, Geld für teure Objekte ist ausreichend vorhanden.

Da wundert es nicht, dass das Münchener Unternehmen Goldgrund Immobilien offen und unverblümt für sein Luxusobjekt im begehrten Stadtteil Schwabing wirbt: den „finanziellen Highperformer“ erwarten im geplanten L’Arche de Munique 540 qm-Luxuswohnungen. „Vor allem aber bieten wir Ihnen in Zeiten sozialer Kälte ein behagliches und sicheres Refugium: Doorman-Service, Double-Carport, Airport-Shuttle-Service und eigenes U-Bahn-Entrée – damit Sie Ihre ganz eigene Münchner Freiheit genießen können“, wird auf der Homepage versprochen. Unter der Überschrift „Privilegien geniessen“ folgt dann die Ausstattung des Wohntraumes: „Unsere repräsentativen und luxuriösen Town-Wohnungen für höchste Ansprüche bieten extrem großzügige Raumaufteilung, gewagte Zimmerfluchten und kompromisslose Klarheit. Klassisch-moderner Look, zertifiziertes Tropenholzparkett, ein japanischer Dachgarten, integrierte Premium-Head-Offices, monatlich wechselnde Ausstellungen in den Ambient-Räumen und eine insgesamt offensive Optik runden Ihr Wohnerlebnis ab. Außerdem wird das umliegende Viertel durch die visuelle Rückkopplung mit dem beeindruckenden Ensemble stark aufgewertet. Durch separate Eingänge ist für die eigentlichen Bewohner und unser diskretes Facility & Subsistence Management ein Maximum an Privatheit und Sicherheit gewährleistet“. Der Preis für Exklusivität im Herzen der Stadt: schlappe 15 Millionen Euro!

Ausschnitt der Goldgrund-Webseite

Ausschnitt der Goldgrund-Webseite

Um den Durchschnittsbürger in der Nachbarschaft nicht zu verärgern und aufkommenden Sozialneid zu unterbinden, betont Goldgrund das eigene Verantwortungsbewusstsein: „Gentle fication – unser Konzept der sanften Aufwertung! Jedes unserer edlen Objekte generiert neue Arbeitsplätze in den Bereichen Subsistence Management, Security und Domestic Responsibility. So ist Goldgrund über die Jahre zu einem der zuverlässigsten Provider in Münchens extrem dynamischer Dienstleistungsbranche geworden. Außerdem bieten wir all unseren Mitarbeitern pfiffig geschnittene Appartements in den unteren Lagen des Arche de Munich: Intelligente Raumausnutzung, verdichtete Architektur, erschwingliche Mieten und die unmittelbare Nähe zum Arbeitgeber garantieren für beide Seiten optimalen Workflow. Durch dieses Konzept einer nachhaltigen Immobilienbewirtschaftung schonen wir die Ressource Bevölkerung und ermöglichen es ihr im gewohnten Umfeld zu verbleiben. Schließlich wollen wir, dass München für alle leuchtet!“

Ressource Bevölkerung, Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Bereichen Sicherheit und Hausverwaltung… die zynische, doch elegant verpackte Botschaft wurde von der Zielgruppe prompt verstanden, die Maklerbranche war elektrisiert, konkrete Anfragen von Investoren und potenten Kunden aus dem In- und Ausland liessen nicht auf sich warten. Doch Kaufverträge werden wohl nicht abgeschlossen werden können, denn…

…hinter Goldgrund Immobilien und der Homepage steckt die Kabaretttruppe der Münchener Lach- & Schiessgesellschaft, die mit dem fiktiven Wohnobjekt und den entsprechenden Begrifflichkeiten die Perversion des Luxusbauwahns verdeutlicht! Da bleibt einem das Lachen fast im Halse stecken…

Weiterführende Links: Homepage der fiktiven Firma Goldgrund | Bericht im Deutschlandfunk über die Satire vom 26.03.2012

Vor einem halben Jahr wurde das Frankfurter OCCUPY-Camp an der EZB polizeilich geräumt. Seitdem ist es ruhig geworden um die Initiative, obwohl die Anlässe zur Gründung der Protestbewegung – das Ohnmachtsgefühl der Bürger, übermächtige Finanzmärkte, eine Politik ohne Lösungen und die demokratiegefährdende Staatsverschuldung – weiterhin hochaktuell sind. Mit der Frage „Was hat’s gebracht – Occupy als Anfang einer neuen Bürgerbewegung?“ schloss daher am Montagabend die Bürger-Universität ihre Wintersemester-Reihe über Demokratie und Finanzmärkte und beleuchtete die bisherigen Erfahrungen sowie die Zukunft der Occupy-Proteste.

Oberbürgermeister Peter Feldmann ermunterte in seiner Eröffnung die Bürger zum Mitwirken und Einmischen – gerade am Finanzplatz Frankfurt sei eine Gegenöffentlichkeit wichtig. Der Wirtschaftshistoriker Prof. Werner Plumpe erinnerte an den nach wie vor dringlichen Handlungsbedarf, denn die Politik wirke lediglich noch an der „Aufrechterhaltung des Verschuldungskomplexes“ mit und gebe Gestaltungsmöglichkeiten auf. Die Transformation vom Rechts- zum Massnahmenstaat sei schon weit vorangeschritten. Ebenso warf er die interessante Frage in den Raum, ob die politischen Vertreter nicht ihre Legitimation verloren hätten, wenn sie durch äussere Zwänge nicht mehr die Interessen ihrer Bürger vertreten könnten.

Hajo Köhn, Initiator der Organisation Occupy Money, die an der Entwicklung von Alternativen für eine faire Geldordnung arbeitet und Aufklärung betreiben möchte, schilderte seine Arbeit an Schulen und in Bürgerforen. Für ihn ist es wichtig, dass ein Austausch stattfindet zwischen denen, die aktiv am Finanzmarkt teilnehmen, und denen, die ihn kritisieren. Nur so könnten aus der von OCCUPY formulierten Kritik Lehren gezogen werden!

Der Philosophieprofessor Axel Honneth richtete seinen Denkanstoss dann direkt an die OCCUPY-Vertreter. Die Bewegung wolle und müsse den „schlafenden Souverän“ (das Volk) wecken, um Diskussionsprozesse und Handeln anzustossen. Sieht sich OCCUPY dabei als Avantgarde einer Bewegung oder als Sammelbecken? Honneth fragt konkret, ob sich die Bewegung über Mittel und Strategien geeinigt hätte, um ihre Mission erfolgreich fortzusetzen. Welche Möglichkeiten würde man sehen, um auf das Finanzsystem und die Politik einzuwirken?

All diese Impulse hätten eine sehr spannende Debatte anstossen können. Doch diese scheiterte an den Hauptakteuren des Abends: weder der auf dem Podium anwesende OCCUPY-Aktivist Jan Umsonst, noch seine Mitstreiter im Publikum waren willens, auf diese Fragen einzugehen, sondern ergingen sich in endlosen Monologen über Kapitalismus, Hunger, Ungerechtigkeit, Umweltverschmutzung, Verarmung und all die anderen Themen, die zwar gerne auf’s Tableau gehören, an diesem Abend aber nicht Inhalt der Diskussion waren.

Man muss leider feststellen: trotz der zahllosen Assambleas und Arbeitsgruppen seit Oktober 2011 hat OCCUPY:FRANKFURT keine Entwürfe und Ideen zu bieten (da sind viele andere Organisationen deutlich weiter) – die AktivistInnen genügen sich weiterhin in der Formulierung von Kritik, wollen oder können jedoch keine Lösungen aufzeigen. Die Bewegung bekam Medienpräsenz, hatte eine Zeit lang die Sympathien der Bevölkerung und motivierte im Maximum 6.000 Menschen zum Strassenprotest (die grösseren Frankfurter Demonstrationen in 2012 wurden von anderen Bündnissen organisiert). Und sonst? OCCUPY:FRANKFURT ist das Camp ohne Camp. Die Frage „was hat’s gebracht?“ ist berechtigt. Nach meinem Eindruck, der sich gestern Abend bestätigte, sind aus dieser Richtung keine relevanten Signale mehr zu erwarten…

[Informationen: alle Blogartikel rund um das Thema Occupy in Hackentricks Schlagwortarchiv. Das nächste offene Treffen von OCCUPY MONEY findet am 04. Februar um 19 Uhr im Frankfurter Restaurant ‚Michas Essen & Trinken‘ statt. Interessenten sind herzlich Willkommen!]

Zum Öffnen der Galerie einfach eines der Bilder anklicken!

Montag im Hörsaal V der Goethe-Universität in Frankfurt – die Bürger-Uni lädt im Rahmen der Diskussionsreihe ‚Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte‘ zum Gedankenaustausch ein. Das Thema an diesem Abend ist hochaktuell: Wissenschaft als Krisenhelfer – muss Forschung der Politik und Öffentlichkeit mehr Orientierung geben?

Die von FAZ-Redakteur Sascha Zoske moderierte Veranstaltung beschäftigt sich mit der Rolle der (Wirtschafts-)Wissenschaften angesichts der Finanzkrise und deren Auswirkung auf Politik, Staat und Gesellschaft.

Karlheinz Weimar beim Vortrag

Karlheinz Weimar beim Vortrag

Die Diskussion wird eröffnet mit einem Vortrag des ehemaligen hessischen Finanzministers Karlheinz Weimar. Er beschreibt, weshalb die Politik auf wissenschaftliche Expertise angewiesen ist: „Politiker sind keine Alleskönner“ und benötigen fachmännischen Rat, der gleichzeitig die Entscheidungen der Politik zusätzlich legimitiert. Weimar verdeutlicht jedoch auch die Schwierigkeiten – so gibt es für jedes Thema unterschiedliche wissenschaftliche Positionen. Wem also hört man zu? Wem folgt man? Zudem sind Entscheidungen nie „nur richtig“ oder „nur falsch“, es gibt in der komplexen Welt keine klaren, einfachen Lösungen und man sollte auch immer einen Blick auf unangenehme Nebenwirkungen haben. Er verweist auch auf die Risiken der Auftragsforschung: herrschende Meinungen werden dadurch gestärkt und Manipulation wird ermöglicht.

An dieser Stelle sei mir – bei aller Richtigkeit der Darstellungen durch Karlheinz Weimar – mit einem Schmunzeln der Hinweis gestattet, dass unter ebendiesem damaligen Finanzminister Weimar (wissenschaftliche) Gefälligkeitsgutachten erstellt wurden, mit denen vier Frankfurter Steuerfahnder als „paranoid querulatorisch“ und „anpassungsgestört“ beurteilt und in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurden. Die rechtschaffenen Beamten hatten gegen Besitzer verdeckter Auslandskonten ermittelt und sind dabei wohl einigen Herrschaften in unserem schönen Hessenland zu sehr auf die Füsse getreten (siehe „Psychiater stoppte Steuerfahnder mit dubiosen Gutachten“, spiegel.de vom 17.11.2009)! Erst Jahre später wurden die Gutachten durch unabhängige Stellen kassiert und der verantwortliche Psychiater wegen fehlerhafter Erstattung von Sachverständigengutachten verurteilt.

Die Seite der Wissenschaft wird an diesem Abend durch die Professoren Andreas Hackethal (Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften) und Tilman Allert (Soziologe) vertreten. Während Erstgenannter erläutert, dass zuvorderst Forschung und Lehre die Aufgaben der Wissenschaft seien, Politikberatung keine Priorität habe und diese auch nicht angestrebt werden sollte, betrachtet Allert augenzwinkernd die unterschiedlichen Motivationen von Politik und Forschung („Krisenforschung ist nachträgliche Forschung“).

Die weiteren Ausführungen der beiden Professoren lassen Zweifel aufkommen, ob uns „Universitätsbetriebe“ Antworten auf dringliche Fragen bieten können. Der Soziologe blickt entspannt aus seinem Elfenbeinturm auf Objekte seiner Neugier („Die Akteure der Finanzmärkte sollte man nicht dämonisieren. Das sind sehr interessante Abenteurer unserer Zeit!“), der Fachbereichsleiter für Wirtschaftswissenschaften sichert die Mittel und das Ansehen seines Lehrbetriebes in einem marktwirtschaftlich orientierten Bildungssystem.

Professor Hackethal mag noch so häufig betonen, dass Forschung und Lehre frei und unabhängig sei („Wir sind Beamten, uns kann niemand kündigen!“)… man muss sich einfach nur vergegenwärtigen, dass in den deutschen Universitäten fast ausnahmslos nur eine einzige Lehrmeinung vertreten (und akzeptiert) wird – die vermeintliche Heilslehre vom neoklassischen Wirtschaftsmodell, das seit den 70er Jahren wieder fröhlich das Denken der Ökonomen eingenommen hat. Jahr für Jahr entlassen die Unis entsprechend ‚geschulte‘ Absolventen in die Unternehmen, Anwaltskanzleien, Werbe- und PR-Agenturen, Beraterbüros, die Medien und auch in die Politik. Eigenes Denken, Hinterfragen, das Verlassen von Schemata lehrt der Universitätsbetrieb schon länger nicht mehr – ein Kollateralschaden im Zuge von Standardisierung und Verkürzung der Lehre…

Die Veranstaltungen der Bürger-Universität, die vom Exzellenzcluster Normative Orders unterstützt werden, stehen allen Interessierten offen. Die Themenreihe ‚Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte‘ endet mit der Diskussionsrunde „Occupy – was hat’s gebracht?“ am 28. Januar 2013 (Beginn 19.30 Uhr, Hörsaal V, Hörsaalgebäude der Goethe-Uni, Mertonstrasse 17-21). Alle Wintersemester-Termine der Bürger-Uni im Überblick: buerger.uni-frankfurt.de!

Zerschlagung der Grossbanken. Trennbankensystem. Regulierung der Finanzmärkte. Was bis dato eher als Forderungen vermeintlich linker Spinner belächelt oder Richtung Occupy-Bewegung abgeschoben wurde, beginnt nun auch als ernsthafter Gedanke im politischen und ökonomischen Lager zu reifen.

Im Sommer meldete sich schon SPD-Chef Sigmar Gabriel mit seinem Thesenpapier aus dem Vaterschaftsurlaub und auch Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wird nicht müde, eine Reform des Bankensystems zu fordern: Riskantes Kapitalmarktgeschäft soll deutlich getrennt werden von den Einlagen der Sparer, Verluste der Finanzhäuser dürften nicht durch Steuergelder ausgeglichen werden, Banken sollten sich wieder mehr auf das Kerngeschäft – Finanzierung der Volkswirtschaft – konzentrieren und der globalen Zockerei sollten Zügel angelegt werden. Dass bei vielen grossen Geldinstituten das Kreditgeschäft nur noch zehn bis zwanzig Prozent der Bilanzsumme ausmacht, während der gewaltige Rest durch Hochfrequenzhandel, Spekulation auf Rohstoffe und Lebensmittel, undurchschaubare Derivate und Casino-Wetten getragen wird, stösst nun vermehrt auch unverdächtigen Stimmen aus der deutschen Wirtschaft sauer auf.

Ernst Prost, Unternehmer (Liqui Moly) meint: „Banken haben ihren volkswirtschaftlichen Auftrag in den Mülleimer getreten!“

Bernd Scheifele von Heidelberger Zement äusserte sich dieser Tage wie folgt: „Das normale Bankgeschäft und das Investmentbanking sollten nicht gemeinsam betrieben werden.“

Nikolaus von Bomhard (Münchner Rückversicherung): „Ich bin ein Anhänger des Trennbankenprinzips. Ich würde immer alles so klein machen, dass es nicht mehr ‚too big to fail‘ ist.“

Franz Fehrenbach vom Autozulieferer Bosch sagt: „Wenn ich den Finanzsektor zu regulieren hätte, dann würde ich die Universalbanken abschaffen!“

Und Dierk Hirschel (Chef-Ökonom von ver.di) nimmt ebenfalls Stellung: „Wir müssen Finanzprodukte, die keinen volkswirtschaftlichen Nutzen haben, verbieten.“

Langsam kommt tatsächlich Bewegung in die Sache, denn nun hat auch die EU-Expertengruppe unter der Leitung des finnischen Notenbankchefs Erkki Liikanen, die seit Monaten über Vorschläge zur Reform der Finanzmärkte brütet, ihre Ideen vorgestellt und stösst damit in’s selbe Horn. Bleibt abzuwarten, wie die Bankenvertreter und Brüsseler Lobbyisten darauf reagieren werden, sollte es ihnen tatsächlich an den Kragen gehen…

[Nachtrag – Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen zum Thema: „Kurzfristige Gewinnmaximierung ökonomisch unsinnig“ (auf zeit.de vom 08. November 2012)]

Am Freitag, 31. August 2012, verbreitet die Nachrichtenagentur Reuters eine Meldung, die daraufhin auch im deutschsprachigen Raum aufgenommen wird (z.B. Angst vor Mega-Crash und Exodus bei Morgan Stanley). Mehrere Dutzend Top-Berater bei Morgan Stanley (grösster Vermögensverwalter der USA) sollen laut Meldung erwägen, das Bankhaus zu verlassen. Als Grund wird die Verärgerung über mangelhafte IT-Infrastruktur, zeitliche Verzögerungen und fehlerhafte Ausführungen bei Transaktionen genannt. Die Agenturen bewerten die Erklärungen angesichts der unüblichen ‚Massenflucht‘ jedoch als zu dünn und greifen die Gerüchte auf, nach denen ein gewaltiger Skandal droht: Bei Morgan Stanley sollen in grossem Umfang Kundengelder veruntreut worden sein, zudem ist von Buchhaltungstricks und erheblichen Verlusten beim Handel mit Credit Default Swaps die Rede. Eine Implosion Morgan Stanleys könne auch die Deutsche Bank und die französische Credit Agricole gefährden – die weltweiten Ausmasse des Kollaps wären dann schlimmer als der Zusammenbruch von Lehman Brother in 2008!

Der Finanzanalyst Jim Willie* berichtet in seinem aktuellen Newsletter Firestorms & Currency Twisters über seine Kenntnisse der Vorgänge. Nachfolgend für alle Interessierten eine Zusammenfassung und Interpretation von Willies Darstellung…

[* Jim Willie – PhD und Lehrberechtigter für Statistik – ist seit über zwanzig Jahren Analyst für das Finanzwesen, arbeitet als unabhängiger Wirtschaftsjournalist, betreibt eine eigene Webseite (goldenjackass.com) und ist u.a. regelmässig als Autor für die Goldseiten tätig.]

Morgan-Stanley-Building, NYC (Foto: Americasroof, Lizenz: CC-BY-SA-3.0)

MORGAN STANLEY IMPLODIERT

Jim Willie kündigt den bevorstehenden Zusammenbruch der US-amerikanischen Bank Morgan Stanley an und sieht dabei eine Wiederholung des Finanzmarktcrashs in 2008. Dabei betont er im aktuellen Fall die grosse kriminelle Energie: Willie verweist auf die Möglichkeit von Kontodiebstahl, Vernichtung von Dokumenten, Plünderung von fremdfinanzierten Positionen und die Verschleierung von Derivatenverlusten (Bilanzfälschung).

Ein kurzer Rückblick: In 2008 brachen die beiden Unternehmen Bear Stearns und Lehman Brothers zusammen. Ersteres bekam ernsthafte Liquiditätsprobleme, da aufgelegte Hedgefonds der Firma Insolvenz anmelden mussten, und Lehman Brothers scheiterte bekanntermassen ebenfalls infolge der Subprime-Krise am erhitzten Immobilienmarkt an Verlusten in Milliardenhöhe.

Willie erinnert daran, dass solche Zusammenbrüche nicht ungenutzt bleiben: Lehman Brothers wurde fallengelassen, Bear Stearns jedoch – und damit auch die Privatkundenkonten der Investmentbank – konnte von JPMorgan Chase zum Ramschpreis von zehn US-Dollar pro Aktie übernommen werden. Die Federal Reserve unterstützte die Übernahme mit einer 29 Mrd.-Dollar-Garantie für etwaige Verlustrisiken! (Persönliche Anmerkung von mir: meines Erachtens ist das so, als ob ich ein ziemlich marodes, jedoch von sehr solventen Mietern bewohntes Altbauwohnhaus in bester Lage für obligatorische EUR 1.000,- erwerbe, und die Deutsche Bundesbank bezahlt die kompletten Sanierungs- und Renovierungsmassnahmen ohne weitere Forderungen.)

Seitdem durfte also JPMorgan Chase mit dem Geld der ‚übernommenen‘ Kunden arbeiten, u. a. über die Finanzunternehmen MF Global (spekulierte u.a. in europäische Staatsanleihen, hat im November 2011 Insolvenz angemeldet und rund 700 Mio. USD Kundengelder veruntreut) und dem Derivatenhändler PFGBest. Dieser musste im Sommer 2012 Insolvenz anmelden – wegen Hinterziehung von Geldern in grossem Stil wurde durch die Finanzaufsicht CFTC eine Anklage erhoben. Über 200 Mio. Dollar sind „einfach verschwunden“, Firmenchef Russell R. Wasendorf sen. unternahm einen Selbstmordversuch.

Lassen wir das kurz sacken und holen Luft, bevor es weitergeht. Bei solchen Zahlen wird mir immer schwindlig…

Jim Willie soll Ende August 2012 erfahren haben, dass sich Fondsmanager und hochrangige Mitarbeiter von Morgan Stanley auf den Zusammenbruch des Unternehmens vorbereiten. Altgediente Mitarbeiter würden ihre Aktienanteile veräussern, andere seien bereits dabei, sich nach neuen Jobs umzusehen. Willie erzählt, dass vergangene Woche die Stimmen lauter wurden, wonach technische Probleme der bankinternen IT-Systeme der Auslöser für die Unruhen seien.

Nach der Fusion mit Dean Witter (1997) und dem Joint-Venture der Brokersparte mit der Citygroup zu Morgan Stanley Smith Barnley (2009) ist Morgan Stanley zum grössten Vermögensverwalter der USA angewachsen und zählt zu den 29 Grossbanken, die vom internationalen Finanzstabilitätsrat als „systematisch bedeutsames Finanzinstitut“ eingestuft wurden. Sprich: Too big to fail.

Willie führt zwei mögliche ‚Probleme‘ auf:

1. Morgan Stanley betreut über 300.000 Privatkundenkonten und betreibt mit diesen Geldern vermögender Kunden hochkomplizierte, hochkomplexe Aktien-, Derivate- und Termingeschäfte. Die Frage stellt sich: Wäre es denkbar, dass ein grosser Teil dieser Konten aufgrund Softwareproblemen nicht mehr darstellbar ist und man diese katastrophal Panne bisher verschleiert hat? Die Causa PFGBest (s. o.) lässt diesen Gedanken zumindest nicht völlig absurd aussehen.

2. Analysten haben im Frühjahr 2011 mit Sorge beobachtet, dass Morgan Stanley mit ca. 8 Billionen (!) USD auf sinkende Zinssätze für US-Anleihen spekuliert hat. Sobald jedoch die USA ihre Staatsdefizite in Billionenhöhe refinanzieren muss, wird diese SWAP-Blase platzen! Auch in diesem Fall wären natürlich die Privatkundenkonten der Morgan Stanley betroffen.

Der Kollaps (‚Lehman 2.0‘) wäre zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr kontrollierbar und würde – da scheinen sich die Fachleute sicher zu sein – das weltweite Finanzsystem in den Abgrund reissen. Die Staaten haben nicht mehr die Reserven, die noch 2008/09 zur Verfügung standen, um ihre Banken zu retten.

Allerdings: noch ist nicht aller Tage Abend! Auch in Jim Willies Artikel fallen Randbemerkungen, die mich – wie bei der spannenden Geschichte Chinesisches Gold und eine Klage – skeptisch stimmen. Ein Blick in diverse Finanzmarkt-Foren zeigt, dass die Reuters-Meldung zwar diskutiert wird. Doch am Aktienkurs für Morgan Stanley ist bis heute keine auffällige Bewegung festzustellen…

(to be continued)