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Die Einladung machte neugierig und versprach einen interessanten Abend:

Stiftung MedienMittwoch

ZEITUNG IN DIGITALEN ZEITEN – DIE ZUKUNFT IST LOKAL

Diskussionsteilnehmer: Ludwig Ederle (Bereichsleiter Digitale Medien bei stimme.net + Heilbronner Stimme), Boris Tomic (Leiter der Stadtredaktion bei Frankfurter Neue Presse), Andreas Törpel (Managing Director bei Media Team OMD) und Dr. Roland Gerschermann (Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und stellv. Vorsitzender vom Verband Hessischer Zeitungsverleger). Moderation durch Wolfgang J. Borgfeld (Leitender Redakteur Deutscher Fachverlag).

Bald ein Bild aus vergangenen Zeiten? (Foto: Katja Lenz)

Bald ein Bild aus vergangenen Zeiten? (Foto: Katja Lenz)

Die Financial Times Deutschland hat vor kurzem ihr Geschäft eingestellt, die Frankfurter Rundschau taumelt seit geraumer Zeit einer ungewissen Zukunft entgegen, die Westfälische Rundschau (WAZ Verlagsgruppe) entlässt 120 Journalisten und arbeitet zukünftig ohne eigene Lokalredaktion. Das Zeitungssterben ist in der Realität angekommen. Kostendruck und sinkende Umsätze treffen neben den Verlagen auch viele freie Mitarbeiter und Zulieferer, den Handel und natürlich das Druckgewerbe. Umso interessanter ist es, wenn sich Vertreter der Printmedien über mögliche Chancen ihrer Branche äussern, wie es das Motto der Veranstaltung verspricht.

Es gibt tatsächlich Erfolgsmeldungen – so beispielsweise das Lokalblatt The Herald in Jasper (Indiana, USA), das mit Bildreportagen und Fotojournalismus die Leser begeistert und unterhält:

Tages- und Wochenendausgabe THE HAROLD (v. l. n. r.)

Auch Ludwig Ederle von der Heilbronner Stimme äussert sich zufrieden über Abo- und Umsatzzahlen. Seine Regionalzeitung lässt Print und Online zusammenspielen – im Web werden Meldungen mit Videos und Bildergalerien aufgewertet, die anderntags im gedruckten Format ausführlicher behandelt werden.

Natürlich stellt sich die Frage, ob die beiden genannten Beispiele repräsentativ sein können. Im ländlichen Raum finden wir aufgrund der vergleichsweise hohen Heimatverbundenheit eine viel ausgeprägtere Bindung der Leser an die regionale Zeitung, als dies in Ballungszentren der Fall ist. Prinzipiell jedoch ist der Ansatz von The Herald und Heilbronner Stimme, den Schwerpunkt auf Bildsprache und optische Anreize zu legen, sicherlich ein denkbares Mittel, das Printprodukt zu entstauben und konkurrenzfähiger zu machen.

Allerdings – während das Beispiel aus Übersee Qualität und Kosten unter einen Hut bringt, geht die Heilbronner Stimme den bequemeren Weg: der Lokalreporter wird mit Fotohandy ausgestattet, um bei den Recherchen auf dem Volksfest auch für Druckausgabe und Internet zu fotografieren und einen Videoclip des Interviews mit dem Schützenkönig zu produzieren. Das mag zuweilen die Authentizität unterstreichen – doch entgegen Ederles Aussage, dass seine Mitarbeiter das Experiment „mit Begeisterung“ aufgenommen haben, ist auch an den möglichen Qualitätsverfall und die sowieso schon vorhandene Arbeitsintensität bei immer weniger Personal in den Redaktionen zu denken…

Schwer vorstellbar, dass voll ausgelastete Allrounder neben dem Editieren von Texten, Bild- und Videomaterial noch Zeit finden, gewissenhaft dem Stadtkämmerer bei seinen finanziellen Jongliertricks auf die Finger zu schauen. „Qualität“ war an diesem Abend übrigens generell ein stark beanspruchtes Wort (auch durch FNP-Mann Boris Tomic). Wie diese jedoch gewährleistet werden kann angesichts sinkender Auflagen und Werbeeinnahmen, blieb man den interessierten Gästen im Plenarsaal der IHK Frankfurt schuldig.

Gegen Ende der Podiumsdiskussion näherte man sich dann auch der allseits bekannten Lösung aller Probleme, dem heiligen Gral der Zeitungsmacher: „Paid content“. Doch wieder einmal blieb der Begriff eine Wolke, die im Saal über den Köpfen schwebte. Wie zukünftig die Bezahlmodelle für digitale Inhalte erfolgreich ausgestaltet werden können, darüber äusserte man sich auf der Bühne dann lieber doch nicht so konkret…

Fazit des Abends: Die Lokalzeitung könnte Zukunft haben. Kommt nur darauf an, wo und wie.

[Veranstaltungshinweis: Quo vadis, Print? von stadtkindffm]

(Zum Öffnen der Galerie einfach Bild anklicken. Fotos: Katja Lenz)

[Anmerkung: Das interessante Beispiel der Zeitung The Herald war nicht Inhalt der Veranstaltung, sondern wurde mir in einer Facebook-Diskussion empfohlen]

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Das Entree (Foto: Katja Lenz)

Keine Sorge – dieser Blog wird auch weiterhin nicht hauptsächlich zum Photografie-Besprechungs-Blog mutieren. Bei der Photografin Katja Lenz mache ich jedoch immer mal wieder gerne eine Ausnahme, weil ihre Arbeiten exemplarisch sind für die Schwierigkeiten und Anforderungen, denen ein Kameramann / eine Kamerafrau begegnen muss. Aus meinem eigenen Berufsalltag sind mir die Differenzen zwischen Erwartungshaltung des Kunden und Umsetzbarkeit bekannt: Wir müssen zufrieden-stellende Ergebnisse liefern unabhängig von den gegebenen Voraussetzungen. Der Kunde ist König.

Der Auftrag: Der Whiskey-Produzent Jack Daniels hat im Rahmen eines Gewinnspiels sechs Damen zum zweitägigen Lady-Training nach Frankfurt eingeladen. Lady-Training? Neben Shopping und Stylingtipps standen u.a. eine Einleitung ins Pokerspiel, perfektes Golf-Putten und Flight-Training am Flugsimulator der Lufthansa auf dem Programm! Feine Ladies…

Die Fotografin sollte das Wochenende im Sinne des Kunden ansprechend dokumentieren, Stil und Style dem Auftraggeber (Exklusivmarke ‚Gentleman Jack‘) gerecht werden. Und – nicht zu vergessen – immer diskret im Hintergrund agierend, um die Abläufe nicht zu stören!

Die Umsetzung: Die Problematik dabei… Zeit für Vorbereitungen (z.B. Beleuchtung oder gestellte Aufnahmen) gab es nicht. Ständig wechselnde Locations. Widrigkeiten wie eine eigentlich viel zu dunkle Bar. Zeitdruck. Natürliche Personen statt Models. Also Photos aus der Hüfte. Aber wer es kann, der kann. Daher der heutige Artikel mit grosser Hochachtung für die Lenz’sche Arbeit!

Wer es sich anschauen möchte, klickt hier!

Irgendwie ist das schon pervers… In unserem Unternehmen gibt es eine Kollegin, die tatsächlich Grund zur Freude hat, wenn wir Mitarbeitern kündigen müssen. Grund:  Unsere Empfangsdame hat dann nämlich früher Feierabend, weil sie die Kündigungen (per Einschreiben) noch zur Postfiliale bringt.

Apropos: Mich nimmt es jedes Mal ziemlich mit, wenn ich einem Mitarbeiter während der Probezeit mitteilen muss, dass wir die Zusammenarbeit beenden müssen, weil der Kunde unzufrieden ist. Häufig sind sie glücklich und hoffnungsvoll in den neuen Job gestartet – die Kündigung ist dann immer ein herber Rückschlag. Eigentlich müsste ich mich emotional völlig davon lösen, kann es jedoch nicht. Zu viel Empathie?

Bin gerade völlig perplex. Was ist das heute für ein seltsamer Tag?

 

FALL 1

06.09., Anruf bei Kunde X: „Hallo, Frau Müller, ich habe die passende Kandidatin für die Stelle als Personalsachbearbeiterin gefunden! Das Bewerberprofil habe ich Ihnen gerade zugeschickt„.

Antwort Frau Müller: „Habe ich schon gesehen. Prima, das passt super! Kann sich die Dame morgen Vormittag um 9.30 Uhr bei uns vorstellen?

Anruf bei Frau Z.: „Frau Z., die Firma X möchte Sie morgen Vormittag persönlich kennenlernen. Können Sie den Termin wahrnehmen?

Antwort Frau Z.: „Juhuuu! Ja, natürlich bin ich morgen pünktlich dort. Herzlichen Dank!

07.09., 9.30 Uhr, Anruf von Frau Z.: „Es tut mir leid, aber ich stehe gerade vor dem Eingang von Firma X und habe so schlimmen Muskelkater in den Beinen, dass ich den Weg ins Büro von Frau Müller zum Vorstellungsgespräch nicht schaffe. Ich fahre jetzt wieder heim„.

Meine Antwort: „………..“

 

 

FALL 2

Anruf von Frau S. aus F.: „Guten Morgen, hier ist Frau S.. Wie geht es Ihnen?

Meine Antwort: „Frau S., Sie leben ja noch! Ich habe Sie in den vergangenen Wochen verzweifelt versucht zu erreichen, weil ich so gute Jobs für Sie hatte. Was war denn los?

Antwort Frau S.: „Es tut mir schrecklich leid, aber ich hatte Ihre Nummer unter einem Firmennamen gespeichert, mit dem ich nichts mehr zu tun haben wollte und habe deshalb nie das Gespräch angenommen oder zurückgerufen. Hatte mich schon gewundert, warum die mich so hartnäckig antelefonieren.

Meine Antwort: „………..“