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Das Kloster Eberbach nahe Eltville im hessischen Rheingau zeigt noch bis 27.10. eine ungewöhnliche Ausstellung: die Projektarbeit ‚Die verlorene Bibliothek‘ des Künstlers Hannes Möller!

Klosterbibliotheken waren ein Hort des Wissens. In den Archiven sammelten sich nicht nur religiöse Werke – auch bedeutende Schriften der Antike oder Abhandlungen über zeitgenössische Heilmethoden wurden dort bewahrt. Umso dramatischer, wenn durch Brand oder Plünderung diese Schätze für alle Zeiten verlorengingen.

Die Klosteranlage Eberbach (auch bekannt durch die Dreharbeiten für den Film Im Namen der Rose) wurde 1803 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. Unzählige wertvolle Bücher zerstreuten sich in alle Welt. Hannes Möller ist es auf ungewöhnliche und aufwendige Weise gelungen, zumindest einen Teil der verschwundenen Kostbarkeiten in das Kloster zurückzuholen! Wie er dabei vorgegangen ist und was das Besondere an seinem Projekt ist, präsentiert uns die Fotografin Katja Lenz in ihrem Blogartikel, die mit der Kamera den Künstler bei seiner Arbeit begleitete.

Einfach anklicken: Künstler Hannes Möller und die ‚verlorene Bibliothek‘ (von Katja Lenz)

Hannes Möller (Foto: Katja Lenz)

Hannes Möller (Foto: Katja Lenz)

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Um Verleumdungsklagen zu vermeiden, äussere ich mich nicht näher über Carsten Maschmeyer (AWD-Gründer, Vorstand der MaschmeyerRürup AG (sic!)). Aber der Hinweis auf diese Buchpromotion darf sein (vom 22. November 2012):

(Quelle: gmx.de)

Maschmeyer, Carsten: SELFMADE. erfolg reich leben

Demnächst können wir dann wohl mit folgenden Werken rechnen…

Berlusconi, Silvio: SELFMADE II. erfolg reich lieben.

Lanz, Markus: SELFMADE III. erfolg reich labern.

zu Guttenberg, Karl-Theodor: SELFMADE IV. erfolg reich kopieren.

Wulff, Christian: SELFMADE V. erfolg reich blamieren.

Wendler, Der: SELFMADE VI. erfolg reich machen.

Hilton, Paris: SELFMADE VII. erfolg reich sein.

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[Wahre Worte zur Spiegel-Bestsellerliste: „Der Spiegel und die Bücher“ auf ngo-online.de]

Morgen jährt sich der Tag der Katastrophe zum hunderstenmal – in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 ereignete sich der Untergang der RMS TITANIC in den eisigen Fluten des Nordatlantik. Der Passagierdampfer hatte mit über 2.200 Personen an Bord vier Tage zuvor den Hafen Southampton für die Jungfernfahrt nach New York verlassen. Dann passiert das Unglück: Durch eine seitliche Kollision mit einem Eisberg wird die Aussenhaut am Bug so stark beschädigt, dass die Massen des eindringenden Meerwassers das Vorderschiff nach unten ziehen und durch die gewaltigen Kräfte das Schiff etwa zweieinhalb Stunden nach dem Zusammenstoss auseinanderbricht und versinkt. Über 1.500 Opfer fordert die Katastrophe unter den Passagieren und Besatzungsmitgliedern.

RMS Titanic verlässt Southampton am 10. April 1912 (Foto: F. Stuart)

Der Untergang der TITANIC war – gemessen an den Opferzahlen – nicht die grösste Schiffskatastrophe. Die Unfälle der Fähre DONA PAZ (4.386 Tote im Jahr 1987) oder der LE JOOLA (über 1.800 Tote im Jahr 2002) und die Versenkungen der WILHELM GUSTLOFF (über 9.000 Tote im Jahr 1945) oder der GOYA (bis zu 7.000 Tote im Jahr 1945) forderten deutlich mehr Todesopfer. Und dennoch strahlt das Schiffsunglück südöstlich von Neufundland durch viele Umstände bis heute eine dunkle Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann.

Die TITANIC war seinerzeit das grösste Schiff der Welt mit einer prunkvollen und luxuriösen Ausstattung, wie man sie nie zuvor gesehen hatte. Während der Unglücksfahrt waren neben den Passagieren der Zweiten und Dritten Klasse prominente Vertreter der europäischen und amerikanischen Gesellschaft an Bord: Millionäre, Künstler, Adelige. Um die Ereignisse auf dem Schiff ranken zahlreiche Erzählungen und Mythen – populär sind die Berichte über die bis zum bitteren Ende spielende Bordkapelle oder das heldenhafte Ausharren der Männer in den Maschinenräumen, die dafür sorgten, dass bis zum endgültigen Untergang die Stromversorgung intakt blieb (und die somit u.a. die Rettungsmassnahmen unterstützten). Edle Gentlemen sollen in stoischer Ruhe whiskytrinkend und plaudernd den Untergang abgewartet haben – sämtliche Hilfsangebote ablehnend (mit Stücken des Eisberges im Glas). Und das Verhalten Kapitän Smiths? Die zu geringe Anzahl an Rettungsbooten? Die Geschwindigkeitsjagd nach dem Blauen Band?

Bedingt durch die Untersuchungsergebnisse nach der Katastrophe wurden zahlreiche Änderungen der internationalen Sicherheitsbestimmungen auf See veranlasst, so dass man den Untergang der TITANIC tatsächlich als Zäsur in der neuzeitlichen Schifffahrt bezeichnen kann. Kein Wunder also, dass sich bei soviel Stoff Filmindustrie und Literatur dem Thema angenommen haben und die Katastrophe auch medial immer wieder in Erinnerung gerufen wird.

Natürlich werden auch herrliche Theorien rund um die TITANIC verbreitet. Ein besonders schönes Schmankerl: Das Schiff musste untergehen, weil sich an Bord die wichtigsten Opponenten gegen die geplante Federal Reserve befanden (die ja tatsächlich 1913 gegründet wurde und heftige Kritik hervorrief)! Wer sich in diese Materie tiefer einlesen möchte, den verweise ich beispielsweise auf die englischsprachige Webseite von Jim Strutzin.

Der ‚visionäre‘ Roman von 1898

Eine erstaunliche Sache ist jedoch tatsächlich wahr und belegbar: Im Jahr 1898 – also bereits 14 Jahre vor der Fahrt der TITANIC – erschien ein Roman namens „Futility“ des amerikanischen Schriftstellers Morgan Robertson. In der Liebesgeschichte beschreibt er den Zusammenstoss des riesigen Kreuzfahrtdampfers TITAN (!) mit einem Eisberg und den opferreichen Untergang des Schiffes im Nordatlantik (die beiden Protagonisten des Romans retten sich dabei übrigens auf das Eis und ernähren sich bis zu ihrer Bergung von einem erlegten Eisbär – das wäre Kate Winslet, Leonardo DiCaprio und den Kinogängern sicher auch lieber gewesen).

Man könnte dem Autor Robertson selbstverständlich übernatürliche Fähigkeiten zuschreiben, da er ziemlich viele Parallelen zum tatsächlichen Unglück ‚vorhergesagt‘ hat. Und doch sind die Ähnlichkeiten wohl nur ein Zufall: Einige technische Angaben und auch der Titel des Buches mit dem Zusatz „or the Wreck of the Titan“ (siehe Abb.) wurden bei einer neueren Auflage 1912 aktuallisiert, folgenreiche Zusammenstösse mit Eisbergen waren in der damaligen Schifffahrt keine Seltenheit und sogar der Name des Romandampfers – TITAN – lässt sich erklären… bereits im Juli 1880 sank ein Dampfschiff TITANIA nach einer Eisbergkollision im Nordatlantik (Quelle: The Times of London vom 10.07.1880, Seite 12)!

So. Und jetzt lade ich ganz im Sinne des Tages eine Schöne auf das Mainausflugsschiff Wappen von Frankfurt ein, um ganz vorne auf dem Bug stehend bis zur Offenbacher Schleuse im Duett „My heart will go on…“ zu schmettern.

VERWEISE:

– alles über die Titanic und den Untergang => http://de.wikipedia.org/wiki/Titanic

– „Futility“ online lesen => http://archive.org/details/wrecktitanorfut00robegoog

Mittlerweile ist er in vielen Frankfurter Stadtteilen zu sehen: Der Offene Bücherschrank, eine rund um die Uhr geöffnete, kostenfreie Bibliothek im Minimalformat für alle Bürger.

Im Rahmen des Bundesprojekts ‚Vernetzte Spiel- und Begegnungsräume‘ entstand die Idee: In einer wettergeschützten Säule werden Bücher für Jung und Alt deponiert. Man sucht sich einfach eines aus und nimmt es mit, schmökert und bringt das Buch oder ein eigenes wieder zurück zur Säule. Rund um die Uhr. Ohne Ausweis oder Mitgliedsgebühren. Ehrenamtliche ‚Paten‘ kümmern sich um die Einrichtungen und schauen regelmässig nach dem Rechten.

24 Stunden geöffnet!

Im November 2009 wurde der erste Bücherschrank am Merianplatz installiert, seitdem folgten weitere, zum Beispiel in Niederrad, am Dornbusch, in Seckbach, Bockenheim und Höchst.

Da es mich interessierte, habe ich eine ‚Patin‘ angesprochen, die gerade am Gries-heimer Bücherschrank zu tun hatte. Die Rotation, also der Umlauf der Bücher, soll (insbesondere bei Kinder- und Jugendliteratur) überraschend hoch sein und der Vandalismus scheint sich glücklicherweise in Grenzen zu halten. Passanten, die neugierig die Bücherschränke begutachten, hätten jedoch anscheinend Skrupel, sich daraus zu bedienen – trotz gut lesbarer, an der Aussenseite der Säule angebrachter ‚Bedienungsanleitungen‘.

Auf den Regalböden hinter der Glastür zeigt sich: Krimis und viel Herz-Schmerz, vereinzelte Bestseller (Säulen der Erde) und Sachbücher. Antiquarische Schätze wird man hier natürlich vergeblich suchen.

Optisch sind die massiven Stahl-Glas-Konstruktionen sicher keine Perlen – da soll es in anderen Städten Schöneres geben (z.B. alte englische Telefonzellen oder echte Holzschränke). Dennoch: Der Offene Bücherschrank ist eine schöne Idee und zukünftig werde ich auf dem Weg zum Café immer an der Säule in meiner Nachbarschaft vorbeischauen.

Angélique – ein Solitär der Weltliteratur!

Unglaublich: Fotografin missbraucht Frankfurter Fotomodell für Imagebroschüre der Stadt Offenbach!

Unter Vortäuschung falscher Tatsachen („Komm, lass uns einen Ausflug machen“) wurde der Autor dieser Zeilen, der auf internationaler Bühne als bekanntes Fotomodell arbeitet und gebürtiger Frankfurter ist, in das unbedeutende Städtchen östlich der wunderschönen Mainmetropole gelockt. Auf einem Aussichtsturm, der eher ein ‚Türmchen‘ (24 Meter) ist und nie und nimmer vergleichbar mit unserem Goetheturm (43 Meter) oder gar dem Ginnheimer Spargel (338 Meter), abgelenkt vom Panorama und vom guten Wetter, wurde er fotografiert. Darauf angesprochen, antwortete die Frau mit der Kamera abwinkend: „Och, nur zur Erinnerung“.

Der Beweis: Auszug aus der Broschüre (Foto: Katja Lenz)

Dass ein halbes Jahr später dieses Foto in einer Imagebroschüre der Stadt Offenbach erscheint, ist eine unfassbare Geschichte! Der Autor diese Zeilen wird sich rechtliche Schritte vorbehalten und auf Wiedergutmachung pochen. Zudem spiegelt die Publikation durch die hervorragenden Bilder der Fotografin Ansichten einer Stadt vor, die der Wirklichkeit gar nicht entsprechen können, da es sich bei Offenbach lediglich um eine unattraktive Häuseransammlung im Osten Frankfurts handelt.

Nachtrag: Um nicht den Zorn der GöttInnen auf mich zu ziehen, nachfolgend eine Richtigstellung…

Frau Lenz bei der Arbeit

Im Sommer 2011 konnte ich die schon häufiger erwähnte Fotografin Katja Lenz begleiten und ihr bei Arbeiten für die Broschüre INSIDE OFFENBACH assistieren, die am gestrigen Donnerstag durch die Stadt offiziell vorgestellt wurde. Durch meine Teilnahme bekam ich einen Einblick in die Widrigkeiten und Anforderungen, mit denen ein Fotograf bei einem solchen Projekt konfrontiert wird. Aussen- und Innenaufnahmen, Detailbilder, Personen in Aktion, dazu der Zeitdruck, Sonderwünsche des Auftraggebers und unplanbare Einflüsse wie zum Beispiel das Wetter fordern viel Geschick, technisches und fachliches Können, Intuition, Flexibilität, Einsatz und das richtige Auge. Ein störender Luftballonverkäufer in der Fussgängerzone, ein toller Blick vom Schneckenberg (ehemalige Mülldeponie) über Offenbach und Frankfurt, fotografische Experimente während der Blauen Stunde, selber für die Kamera Modell stehen oder sitzen oder Marktgemüse in’s Bild halten… es waren lustige und schöne Erlebnisse. Zudem habe ich (man traut sich kaum es auszusprechen) tatsächlich liebenswerte Seiten der Nachbarstadt Frankfurts kennengelernt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Broschüre mit den Bildern von Katja Lenz ist wirklich sehenswert geworden!

Neben ihrer Homepage veröffentlicht Katja Lenz ab sofort in ihrem neuen Blog (katjalenz.wordpress.com), an dessen Entstehung der Autor dieser Zeilen nicht ganz unbeteiligt ist, aktuelle Projekte, Einsichten und Arbeiten. Wer sich für Fotografie interessiert, sollte also immer mal reinschauen!

Das BuchIch lese… nein, ich quäle mich derzeit mit dem Roman 2666 [1] des chilenischen Schriftstellers Roberto Bolano. Das Buch ist in fünf Abschnitte gegliedert, die einen kleinen, gemeinsamen Bezugspunkt haben: Die mexikanische Stadt Santa Teresa an der Grenze zur USA.

Während ich das erste Kapitel noch freudig genossen habe (es handelt u. a. von Germanisten, unter denen sich eine etwas seltsame Dreiecksbeziehung Mann- Mann-Frau bildet), empfand ich die darauffolgenden Kapitel als immer härtere Kost. Insbesondere der vierte Abschnitt hat mich dann sehr erschüttert: Der Autor schildert, umrahmt von Nebenhandlungen, polizeiberichtsmässig die Morde an Frauen in Santa Teresa im Zeitraum 1993 bis 1997.

Zitate aus dem Roman 2666: „Januar 1993, die erste Tote hiess Esperanza Gomez Saldana und war 13 Jahre alt. Vermutlich war sie nicht die erste […]. Fünf Tage später wurde Luisa Celina Vazquez erwürgt. Sie war 16 Jahre alt und im fünften Monat schwanger […]. Im März verliess die Moderatorin von Radio El Heraldo del Norte abends die Sendestudios. Als sie den Autoschlüssel aus der Tasche zog und aufschliessen wollte, huschte ein Schatten über den Gehweg und schoss dreimal auf sie […]. Einen Monat später wurde auf einer Müllhalde zwischen der Siedlung Las Flores und dem Industriepark General Sepulveda eine Tote gefunden […]. Die erste Tote des Monats Mai konnte nie identifiziert werden […]. Und so weiter und so fort, kleingeschrieben über fast 400 Buchseiten lang…

Man muss kein Wikipedia bemühen, um zu merken, dass sich Roberto Bolano in seinem Plot an den realen Frauenmorden in Ciudad Juarez [2] orientiert, der expandierenden mexikanischen Grenzstadt mit der schwindelerregenden Kriminalitätsquote. Erschreckend: Seit 1993 wurden dort u. a. mehr als 370 weibliche Leichen gefunden und mindestens 500 Frauen werden vermisst. Von einer Aufklärung der Fälle kann nicht die Rede sein. Nationale und internationale Experten (u. a. Amnesty International) sprechen von Inkompetenz und Korruption bei den Polizeibehörden der Stadt, von Verstrickung und Vertuschung.

Roberto Bolano nutzt in seinem Roman die Technik der Nebenhandlungen, um das frauenfeindliche Klima zu beschreiben, das in ’seiner‘ Stadt Santa Teresa die hohe Mordquote bedingt. Dieses menschenverachtende, chauvinistische Weltbild scheint auch in Ciudad Juarez die (männliche) Gesellschaft zu beherrschen. Und das im Jahr 2011?

Manchmal wünscht man sich UN-Eingreiftruppen an den wahren Schauplätzen dieser Welt…

Quellen:

[1] Roman 2666 von Roberto Bolano   

[2] Cuidad Juarez