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Für Reisende, die am Dienstagabend den Frankfurter Hauptbahnhof verliessen, muss es ein seltsames Bild gewesen sein: auf dem Vorplatz eine nach oben blickende Menschenansammlung, treibende Beats und eine weibliche Stimme, die dazu Lyrik deklariert. Kunst im öffentlichen Raum – immer eine spannende Angelegenheit!

Mit etwas Verspätung begann nach Einbruch der Dämmerung die Live-Performance „Motoren der Unschuld“ des Trios CIA TORUN & THE OH OH OHS. Die drei nahmen mit ihrem Set (Drums und Synthesizer) Aufstellung auf der Kuppel des Hauptbahnhofs, direkt vor der Skulptur des Atlas, der die Weltkugel trägt. Mit freien Oberkörpern – was mittlerweile leider zwangsläufig mit den Aktionen von Femen assoziiert wird – boten sie dann eine sehr eindringliche und mitreissende Aufführung. Die Künstlerin Cia Torun las und sang ihre Texte („…wir sind geistig und sexuell überintelligent…“), während die beiden musikalischen Begleiter den Vortrag mit Klangsequenzen und scharfen Drumbeats unterlegten (und Teile des Publikums zum Tanzen animierten).

Kameras projizierten die Darbietung auf eine Riesenleinwand an der derzeit wegen Renovierung verkleideten Frontfassade des Hauptbahnhofs, unter anderem kam dabei eine Flugdrohne zum Einsatz, die seitlich der Kuppel schwebte.

Cia Toruns Lyrik handelt vom Individuum in der Moderne, von Liebe, vom eigenen Platz in der Gesellschaft. Ihre Texte beschreiben Empfindungen angesichts der Entmenschlichung des Lebens. Umso interessanter, dass Kunst und reales Leben konkret an Ort und Stelle aufeinandertrafen: die bereits erwähnten Reisenden und die obligatorischen Bahnhofsvorplatz-Verlorenen mischten sich staunend unter das Publikum, ringsum die Lichter und der hektische Feierabendverkehr der Grossstadt, in der Nase als olfaktorische Begleitung der Performance Alkoholwolken, Zigarettenqualm, Parfumduft und der Geruch fettiger Pommes Frites… Die Aufführung inmitten der tobenden Stadt wirkte wie eine Insel. Ein seltsam intimer Ort der Gedanken, der Besinnung, der Konfrontation.

„Angst statt Liebe. Freizeit statt Freiheit. Du gestaltest Deinen Untergang. How much can you take?“ (Textauszug)

[Die ganze Performance als Videoaufzeichnung ist hier zu sehen: motoren.tv (ab 39’30“)]

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Heute mal ein ganz anderes Thema…

Die vergangenen Abende habe ich damit verbracht, Ton- und Videomaterial zu bearbeiten, das ich Anfang Februar im Rahmen einer Choraufführung aufgezeichnet hatte.

Den Kirchenchor St. Aposteln kannte ich aus meiner Kindheit in der Pfarrgemeinde, der Chorleiter Michael J. Volpert war zudem Musiklehrer an meinem Gymnasium. Ich erinnere mich an Lateinische Messen, Reisen, den Gesang bei Pfarrfesten, regelmässige Auftritte in der Frankfurter Nikolaikirche und vieles mehr (die Melodie „Herr Deine Güüü-te raa-heicht so weit“ habe ich heute noch ständig im Kopf)…

Nun ist Schluss damit, mangels gesangstüchtigem Nachwuchs löst sich der Chor auf. Am 3. Februar gab er sein Abschiedskonzert in der heimischen Kirche am Ziegelhüttenweg in Frankfurt-Sachsenhausen und präsentierte die wirklich schöne Messe in C-Dur (Windhaager Messe) von Anton Bruckner, die dieser im Alter von achtzehn Jahren (!) komponierte.

Trotz 65-jährigen Bestehens gibt es seltsamerweise keine Aufzeichnungen der Auftritte… also liess ich mich nicht zweimal bitten und sagte meine Unterstützung zu.

Beim Aufbau stellte sich heraus, dass es Probleme mit dem Licht geben könnte. Zudem war es auf der Empore, wo Chor und Orchester platziert wurden, viel zu eng für die geplante Kamera-Action. Eine Sache, die ich gar nicht bedachte: natürlich tappte ich völlig im Dunkeln, wann einzelne Teile des Chores – Bässe, Alt- und Sopranstimmen, Tenöre – und die Instrumente (Violinen, Hörner, Kontrabass, Orgel) ihre Einsätze haben würden.

Zuhause beim Zusammenschneiden der Szenen habe ich noch Zwischeneinblendungen, sowie Vor- und Nachspann eingebaut. Am Ende ist ein ganz passables Werk enstanden und alle Teilnehmer können sich demnächst über eine knapp 25-minütige DVD mit allem Drum und Dran erfreuen.

Nachfolgend ein kurzer Ausschnitt zum Reinschnuppern – der Kirchenchor St. Aposteln beim Abschiedskonzert vom 3. Februar 2013 mit dem Benedictus der Bruckner-Messe!

[Vor Ort eingesetztes Equipment: 2x Shure- / 2x Sennheiser-Mikrophone auf Stativen, Audioaufnahmen auf digitaler 16-Spur-Workstation AW-1600 von Yamaha, Videoaufnahmen auf 2x Sony DV-Kameras (eine auf Stativ, eine als flexible Handkamera). Audionachbearbeitung auf Musiksoftware Logic Pro, Videobearbeitung und -produktion auf Magix Video Deluxe.]

Die nachfolgenden Bilder sind Snapshots aus dem Video:

ChorViolinsDirigent

Videobearbeitung

Videobearbeitung

Wenn jemand siebenhundert Kilometer Hin- und Rückfahrt auf sich nimmt, um live vor Ort mitzuerleben, wie drei Orgeltöne in einer alten Kirchenruine verstummen, hat entweder nicht alle Tassen im Schrank oder ist von einer Sache so fasziniert und begeistert, dass er gerne den Aufwand dafür in Kauf nimmt.

Für mich beanspruche ich Letztgenanntes. Am gestrigen Donnerstagabend wurde der zwölfte Klangwechsel beim Halberstädter John-Cage-Projekt vorgenommen. Das Projekt, das im September 2001 startete, ist der Versuch, die Spielanweisung „as slow as possible“ von Cages Orgel-Komposition ORGAN² / ASLSP wortwörtlich umzusetzen – das ursprünglich fünfminütige Musikstück wurde auf eine Aufführungsdauer von 639 Jahren hochgerechnet!

Da man von keinem Musiker verlangen kann, über Jahre hinweg an einer Orgel die jeweiligen in der Partitur aufgeführten Töne zu halten und sich irgendwann von einem Nachfolger ablösen zu lassen, haben die Begründer des Projektes auf eine andere Form der Darbietung zurückgegriffen. In der Kirchenruine in Halberstadt wurde eine einfache Konstruktion aus einem riesigem Blasebalg installiert, der auswechselbare Orgelpfeiffen mit Luft antreibt. So werden zum entsprechenden Zeitpunkt eines Notenwechsels nur die jeweiligen Pfeiffen eingesetzt oder entfernt, das Halten der Töne übernimmt die ‚Orgel‘ selbst.

Schätzungsweise 200 Interessierte versammelten sich um die Orgelkonstruktion in der Burchardikirche, lauschten für fünf Minuten nochmals andächtig dem bis dahin anhaltenden Fünfklang, dann wurden die Pfeiffen für die Töne a‘, c“ und fis“ entfernt. Jetzt sind nur noch die beiden Töne C und Des zu hören, bevor sich am 05. Oktober 2013 drei neue Töne dazugesellen. Der Klang wird dann bis zum Jahr 2020 anhalten, dann erklingen zwei weitere Töne. Das wird bis 2640 so weitergehen – wenn alles klappt! Denn der Förderverein des John-Cage-Projektes stellt sich einer enormen Aufgabe: Zum einen ist er über Generationen auf engagierten Nachwuchs angewiesen, zum anderen stellt sich das Projekt der Konfrontation mit unserer gesellschaftlichen Entwicklung… werden in kommenden Jahrzehnten / Jahrhunderten noch Verständnis, Toleranz und Unterstützung für diese Form der Kunst bestehen?

Apropos Unterstützung: Da der Förderverein auf private Spenden angewiesen ist, bietet er u. a. die Möglichkeit, Pate für eines der 639 Aufführungsjahre zu werden. Ab EUR 1.000,- wird eine Einzelperson oder Gruppe mittels Erinnerungstafel inklusive individuellem Text in der Burchardikirche verewigt. Dazu die humorvolle Anmerkung in der Begrüssungsrede: „Das ist von längerer Dauer als jeder Grabstein heutzutage!“. Und auch symbolträchtiger als jedes Liebesschloss am Eisernen Steg!

[Alles über das John-Cage-Projekt in Halberstadt: aslsp.org]

(Zum Öffnen der Gallerie ein Bild anklicken)

Die weltbekannteste Suchmaschine Google nutze ich äusserst selten (meine Empfehlung: Die sichere Seite ixquick.de), da mir das Gebaren und die monopolistische Stellung des Internet-konzerns nicht gerade sympathisch sind. Am vergangenen Mittwoch jedoch war ich hellauf begeistert: Anlässlich des 78. Geburtstages von Robert Moog präsentierte Google auf seiner Hauptseite als sog. Doodle* einen virtuellen, voll bespielbaren Analog-Synthesizer inklusive nutzbarer 4-Spur-Bandmaschine!

Screenshot vom Moog-Doodle (Quelle: google.com)

Robert Moog gilt als einer der wichtigsten Begründer der Synthesizer-Technologie und entwickelte bereits in den 1960er Jahren elektronische Klangerzeuger, die in Filmmusikkompositionen und auf den Konzeptalben von Rockbands eingesetzt wurden. Den Durchbruch feierte er jedoch 1970, als er mit dem MINI-MOOG den ersten portablen und halbwegs bezahlbaren Modular-Synthesizer auf den Markt brachte, der ab diesem Zeitpunkt die Musikproduktionen hauptsächlich im Rock- und Pop-Bereich massgeblich beeinflusste (man denke an Kraftwerk, Jean Michel Jarre, Pink Floyd, Emerson, Lake & Palmer).

Synthesizer – ob als Analog-, Digitalinstrument oder als virtuelles Plug-In für die Studiosoftware – sind heutzutage aus der populären Musik nicht mehr wegzudenken und haben seit Moogs ersten Schritten eine fulminante technische Entwicklung erlebt.

Hackentricks POLYSIX von 1981

Mit einem Schmunzeln denke ich an meine erste Begegnung mit dieser Instrumentengattung: Nachdem ich nur Klaviere und Orgeln kannte, kaufte ich 1981 aus Neugier einen für meine damaligen Verhältnisse sündhaft teuren POLYSIX von KORG (der immer noch meine Sammlung ziert). Zuhause angekommen, baute ich das Instrument aufgeregt auf und schloss es an. Doch so viel ich auch an den Drehreglern spielte – mehr als ein jämmerliches Wimmern liess sich dem Synthesizer nicht entlocken. Ein verzweifelter Anruf im Musikgeschäft klärte das Problem: Das Modulationsrad (im obigen Doodle-Screenshot der Drehregler links neben der Tastatur) hatte sich verstellt und sorgte so dafür, dass alle Klänge eierten! Dieses Erlebnis war prägend genug, um sich in den Folgejahren intensiv mit Synthesizertechnik auseinanderzusetzen…

Doch zurück zu Robert Moog und Google. Das witzige an dem interaktiven Logo am Mittwoch war, dass man tatsächlich per Computertastatur und Maus den ‚Mini-Moog‘ spielen konnte – und mittels virtuellem 4-Track-Recorder liess sich ein komplexeres Stück kreieren. Da die Google-Doodles jedoch nur 24 Stunden auf der Startseite sind (dann folgt ja ein neues), war es bald aus mit dem Spass.

Doch siehe da: Google bietet ein Archiv, so dass wir auch nachträglich noch mit dem virtuellen Modularsynthesizer herumexperimentieren können. Also ran an die Tasten – probiert auf google.com/doodles einfach aus, welche Klänge Ihr dem kleinen Moog entlockt! 

* „Doodle“ werden die interaktiven Logos genannt, die Google auf seiner Hauptseite jeweils anlässlich spezieller Jahrestage präsentiert 

Der Skytower auf dem Expo-Gelände

Die Orgel, über die ich in meinem Artikel über das John Cage-Projekt in Halberstadt berichtet habe, entspricht nicht gerade dem gängigen Bild eines Instrumentes und wurde speziell für einen einzigen Zweck konstruiert: Sie soll in der Kirchenruine 639 Jahre lang die Klänge der Komposition Organ 2 / ASLSP erzeugen. Heute geht es um eine andere besondere Orgel, die alle Rekorde bricht. Ihr Name: Vox Maris.

Vergangenen Samstag wurde die EXPO 2012 im südkoreanischen Yeosu eröffnet. Das Motto der EXPO lautet „Das lebendige Meer und seine Küste“, in den Länderpavillons werden Themen rund um Umwelt, Zukunft und Erforschung der Ozeane präsentiert.

Zentrale Anlaufstelle auf dem Gelände an der Meeresküste ist der Skytower. Der Doppelturm – ehemals zwei riesige Betonsilos – wurde umgebaut: In einem Gebäudeteil wird Süsswasser gewonnen, der andere beherbergt eine Ausstellung mit Meeresprojektionen und… die Orgel!

Eigentlich ist das Instrument Vox Maris („die Stimme des Meeres“) Teil des Gebäudes. Rund um beide Türme winden sich achtzig Orgelpfeifen aus Edelstahl und Kupfer – die längste misst 72 Meter! Der einmanualige Spieltisch befindet sich auf dem Dach des Gebäudes.

Um die riesigen Orgelpfeiffen zu betreiben, benötigt es den 8.000-fachen Druck einer normalen Kirchenorgel, der durch einen riesigen Kompressor erzeugt wird. Daraus resultiert ein entsprechend gewaltiger Sound: Mit maximal 138 Dezibel werden die Töne über das EXPO-Gelände gejagt! Damit ist Vox Maris nicht nur das grösste, sondern auch das lauteste Instrument der Welt und erhält dieser Tage den verdienten Eintrag in das Guiness-Buch der Rekorde.

Die Orgel wird jeden Tag musikalisch die Öffnung und Schliessung der EXPO verkünden. Auch nach Ausstellungsende wird das Instrument vor Ort verbleiben: Nahende Kreuzfahrtschiffe werden dann mit einem Lied begrüsst, die Orgel ist immerhin fünf Kilometer weit zu hören.

Entwickelt und gebaut wurde die Orgel übrigens in der Rhön: Das Traditionsunternehmen Hey Orgelbau in Ostheim hat den gewaltigen Auftrag umgesetzt. Unternehmenschef Thomas Hey sagte dazu im Deutschlandfunk: „Einmal reicht. Es war eine anstrengende, stressige Zeit, aber auch sehr interessant. So ein Instrument bauen zu dürfen, ist schon ein besonderes Privileg und es hat Spass gemacht. Eine solche Erfahrung möchte ich nicht missen.“

 Mir juckt es gerade gewaltig in den Fingern. Zu gerne würde ich mich an diese Orgel setzen… um Toccata und Fuge in d-Moll von J.S. Bach über den Ozean jagen!

Samstagabend – Grosser Andrang im Hafen 2. Die umtriebige Veranstaltungslocation (u. a. Kino, Live-Musik, Kunst) hat zum ersten Offenbacher JAZZ POETRY SLAM geladen und vor der Abendkasse warten die Fans der Dichtkunst in Scharen auf den Einlass.

Sebastian23 und die Band Chamäleon (Foto: Katja Lenz)

Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit, bei dem das Publikum am Ende einen Sieger kürt. Die vorgetragenen Texte sind selbstgeschrieben, die Auftritte der Teilnehmer auf nur wenige Minuten begrenzt. Die Veranstaltung im Hafen 2 erhält mit einer Brise Jazz eine spezielle Würze hinzu: Die Giessener Band CHAMÄLEON (Saxophon, E-Gitarre, Akkordeon, Bass und Drums) begleitet die Protagonisten des Abends und unterlegt die Kurzgeschichten und Gedichte mit improvisierten Soundtracks.

Mit viel Humor und Elan führt Moderator Lars Ruppel durch das Programm. Im Publikum wird die Jury zusammengestellt, dann sind die Slam-Poeten an der Reihe.

Den Auftakt macht Dalibor, der mit viel Intelligenz eine physikalische These untermauert, die die Lyrik behandelt. „Wenn ein vorgetragener geistreicher Gedanke beim Publikum ein Schweigen hervorruft, dann müsste doch im Umkehrschluss ein vorgetragenes Schweigen beim Publikum einen geistreichen Gedanken auslösen“. Spricht’s – und versucht es zur Belustigung der Anwesenden gleich damit. Stefan Dörsing ist der Jüngste der ‚Kombattanten‘. Sein Gedicht handelt davon, dass Verlierer am Boden liegen bleiben, während Gewinner wieder aufstehen. Der dritte Akteur heisst Bo Wimmer – der Marburger trägt einen Text vor, der die sich immer wieder öffnende Tür seines Arbeitszimmers behandelt.

Mit viel Applaus gelangen Sebastian23, Philipp Herold und Theresa Hahl in die Finalrunde. Letztgenannte beeindruckt mit sehr intensiver Poesie („Mein Herz ist eine kleine Hure“), Philipp spielt gekonnt mit Rhythmus und Dynamik und der Bochumer mit der Nummer im Namen, dessen Vortrag sich an der Comedy anlehnt, ist im besten Sinne eine Rampensau.

Am Ende entscheidet sich das Publikum für ein Duo: Theresa Hahl und Sebastian23 werden beide als Sieger gekürt und mit Sachpreisen Offenbacher Delikatessläden belohnt. Doch der eigentliche Gewinner des Abends ist der HAFEN 2 mit dieser sehr unterhaltsamen und amüsanten Veranstaltung!

Jury-Wertung im Publikum (Foto: Katja Lenz)

„Wir haben eine gute Zeit… wir haben eine gute Zeit… wir haben eine gute Zeit…“ Wo wir eben noch inmitten der Gruppe interessierter Besucher im Hauptschiff der alten Kirche standen und uns neugierig umschauten, erhebt sich plötzlich kanonartiger Sprechgesang und junge Frauen und Männer beginnen, die Anwesenden in Form einer Menschenkette Richtung Altarraum mit-zuziehen.

Les Trucs mit Stehlampe (Foto: Katja Lenz)

Als wir Mittwochabend die Frankfurter Alte Nicolai-kirche am Römerberg betreten, um der musikalischen Performance des ‚Zwei-Mensch-Ding-Orchesters‘ LES TRUCS beizuwohnen, werden wir von einer Installation begrüsst: Ein Hämmerchen, das aus dem Gehäuse einer alten Super-8-Kamera herausragt, senkt sich regelmässig auf die Tasten eines Mini-Keyboards, das wiederum einen alten Modulsynthesizer (Moog?) ansteuert und damit musikalische Impulse auslöst. Zu hören ist ein gleichmässiges „quuuaaack-glugg“

Unter den Umstehenden ist nicht auszumachen, wer Besucher, wer aktiver Künstler ist, bis der bereits beschriebene Chor zu skandieren beginnt und die Szenerie wechselt. Im Altarraum befindet sich die ‚Mainstage‘ und damit das eigentliche Instrumentarium von LES TRUCS – eine Art Labortisch mit Keyboardmanualen, Klangerzeugern, Drumcomputern, wirren Kabeln und der für die Gruppe obligatorischen Stehlampe. Zum Sprechgesang setzen nun die ersten Klänge ein, elektronische Beats begleiten den Reigen, die Musik schwillt an und ebbt wieder ab, um in die nächste Sentenz des Programms überzugehen.

Eine knappe halbe Stunde lang begeistern und überraschen LES TRUCS mit stakkatohaften Drum-Rhythmen, lebendigen, trockenen Synthie-Sequenzen und Chor- oder Sprechgesang. Dann endet die Darbietung wieder in dem „quuuaaack-glugg“ der Installation im Kirchenschiff.

Wirklich schade, dass das letzte Stück des Abends (I am the kid) nur so kurz währte – das Tanzbein begann schon zu zucken!

Impressionen vom Abend (alle Fotos: Katja Lenz):

LES TRUCS – IRGENDWAS MIT SPACE ist ebenfalls Teil der Veranstaltungsreihe DEMONSTRATIONEN. VOM WERDEN NORMATIVER ORDNUNGEN (Frankfurter Kunstverein in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Normative Orders der Goethe-Uni) und nochmals am 21. März zu besichtigen (der Aufführungsort wird im  Veranstaltungskalender bekanntgegeben).

(Mehr über LES TRUCS auf MySpace und der Homepage der Gruppe!)