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Wie erklärt man einer jüngeren Generation das Gefühl, das unsereins befällt, wenn wir die Namen Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein hören. Wie beschreibt man, dass diese beiden Spieler für eine grosse Zeit der Eintracht Frankfurt stehen, an die wir sehnsüchtig zurückdenken…

Als die beiden verdienten Spieler anlässlich des fünften Geburtstags des Eintracht Frankfurt-Museums am Donnerstagabend das Podium betraten, erhoben sich die anwesenden Besucher respektvoll und spendeten langanhaltenden Applaus. Als dieser verklungen war, eröffnete Moderator Axel ‚Beve‘ Hoffmann das Gespräch mit dem sinnbildlichen Ausspruch: „Ich weiss gar nicht, womit wir zuerst anfangen sollen“.

Und damit hat er Recht. Die Karrieren der beiden Fussballer, die Mitte der sechziger Jahre erstmalig das Adler-Trikot überstreiften und dann über fünfzehn Jahre die Geschichte der Eintracht prägten, sind prallgefüllt mit Erlebnissen, für deren Schilderung der Abend im Museum bei weitem nicht gereicht hätte. Alleine die bekanntesten Höhepunkte ihrer sportlichen Laufbahn (zwei DFB-Pokalsiege in den glorreichen siebziger Jahren, Weltmeister 1974 mit der deutschen Nationalmannschaft und der furiose UEFA-Cup-Sieg 1980) können ganze Bücher füllen!

Bernd Hölzenbein, Axel Hoffmann und Jürgen Grabowski (v.l.n.r.)

Und so plauderten der ‚Grabi‘ und der ‚Holz‘ gutgelaunt über ihre Anfänge bei der Eintracht, über ihre Trainer und WM-Teilnahmen, über Mannschaftskollegen und ihren heutigen Alltag, während das Publikum andächtig lauschte und der eine oder andere der Anwesenden einen dicken Klops der Rührung hinunterschlucken musste. Denn Grabowski und Hölzenbein repräsentieren nicht nur eine glanzvolle Ära der Eintracht Frankfurt, als die launische Diva vom Main mit technisch wunderschönem Fussball jeden Gegner der Welt schlagen konnte, um am darauffolgenden Wochenende gegen den Tabellenletzten zu verlieren. Eine Zeit, als Franz Beckenbauer lieber die Punkte per Postkarte nach Frankfurt senden wollte, als mit seinen Kollegen vom FC Bayern München im Waldstadion unterzugehen.

Die beiden Spieler, die auf dem Podium Anekdoten erzählten, waren für viele von uns Vorbilder, als wir selbst begannen, auf den Bolzplätzen und in den Vereinen dem Ball hinterherzujagen. Tolle Fussballer, bescheidene Menschen. Und sie stehen auch für eine Zeit im Fussball, die so nie mehr zurückkehren wird: Trikotwerbung war bei Europapokalspielen nicht zugelassen, Schienbeinschützer waren noch keine Pflicht und die dritten Programme übertrugen live und ohne von Werbeblocks umrahmte Expertenrunden um 17 Uhr die UEFA-Cup-Partien in der osteuropäischen Fremde! Spieler blieben ‚ihr ganzes Leben‘ bei einem Verein (O-Ton Grabowski: „Warum hätten zum Beispiel Overrath oder Flohe Köln verlassen sollen?“), ein Schiedsrichter kassierte eine Sperre wegen Spielerbeleidigung und die Trainingslager wurden im Taunus abgehalten, statt in der arabischen Wüste. Heute ist das anders…

Mit der Veranstaltung „Tradition zum Anfassen – Grabi und Holz“ ist dem Eintracht Frankfurt-Museum erneut ein Höhepunkt gelungen! Und wenn ein wenig von dem Geist hängenbleibt, der diesen Abend durchweht hat, dann gibt es für Ribery & Co. am Samstag wenig zu lachen (10.11., 15.30 Uhr: Bayern München – Eintracht Frankfurt)…

[Wer den Weg zum UEFA-Pokal-Sieg nochmals verfolgen möchte: hier eine 54-minütige Zusammenfassung!]

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Eigentlich sollten uns Fussballfans die vergangenen Tage ungetrübte Freude bereiten… war doch da zuerst dieses äusserst unterhaltsame und denkwürdige 4:4 der Nationalmannschaft vom vergangenen Dienstag, dann die belustigende Heimniederlage von Magaths Millionentruppe, die den Wolfsburgern den letzten Tabellenplatz beschert, die Demontage der bis dahin zweitbesten Defensive der Bundesliga unter stummer Beobachtung durch Campino, das rasante Ruhrpottderby in Dortmund und…

…na klar: der mitreissende 3:1-Sieg unserer Eintracht gegen Hannover 96! Mirko Slomka, der Trainer der Niedersachsen, gesteht im Interview, dass den wie entfesselt aufspielenden Adler nichts entgegenzusetzen war, das Aktuelle Sportstudio verfällt in Lobeshymnen und die BILD-Zeitung titelt (nicht besonders einfallsreich): „Fussball 3000“. Zu sehen, wie die Jungs das unglückliche 0:2 in Mönchengladbach weggesteckt haben und weiterhin an der Philosophie festhalten, mit kompromisslosem Offensivfussball auf Sieg zu spielen, macht unheimlich viel Freude und lässt immer mehr darauf hoffen, dass wir eine begeisternde Saison erleben werden!

Und dennoch legt sich seit zwei Wochen ein Schatten über die Fussballszene. Unter dem Titel ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ erarbeitete die vom Ligaverband neugegründete Kommission Sicherheit, der auch Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann angehört, ein für Bundes- und 2. Liga gültiges Strategiepapier, das – sollte es nicht zu massgeblichen Korrekturen kommen – eine Zäsur für den deutschen Profifussball und die vielfältige Fanszene darstellen dürfte.

Auszug aus dem Strategiepapier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ (zum Vergrössern anklicken)

Eine hervorragende Bewertung des Papiers findet der interessierte Leser im Blog BEVES WELT (Artikel „Fussball, Fans und Sicherheit“), der man sich uneingeschränkt anschliessen kann.

[Anmerkung: alle weiteren und aktuelleren Artikel zum Thema hier im Blogarchiv]

Nur eines zum Inhalt – in der Einleitung der Ausarbeitung heisst es wortwörtlich auf Seite 5: […] „Beim Blick auf die Veranstaltungslage in den höchsten deutschen Spielklassen ist festzustellen, dass Infrastruktur und Spielorganisation im Zusammenspiel aller Sicherheitsträger sowie der Zuschauerservice bereits heute auf höchstem Niveau ist und Probleme lokal gelöst werden […]

Und: […] „Ziel ist es, das Stadionerlebnis sowohl in der subjektiven Wahrnehmung als auch in der objektiven Beurteilung weiterhin sicher zu gestalten“ […] (Hervorhebungen durch den Autor des Blogs)

Dem o. g. Eingeständnis, dass bereits heute alles bestens geregelt ist, folgt dann jedoch ein drastischer Forderungskatalog, der Repressalien, Kollektivbestrafungen, eine Gängelung der Fans und fragwürdige Eingriffe in Persönlichkeitsrechte beinhaltet. Kostengünstige Stehplätze, Fahnen, Fanclubs und Auswärtsfahrten werden plötzlich als Privilegien gesehen, die auch bei Einzelverstössen jederzeit zu entziehen sind. Das ist in dieser Form nicht hinzunehmen und betrifft nicht nur den im Fanclub organisierten Kurvensteher, sondern jeden Fussballbegeisterten, der den Stadionbesuch der sterilen Sportsbar mit Sky-TV vorzieht.

Einerseits implizieren die vorgeschlagenen Massnahmen, dass in den Stadien im deutschen Profifussball die gerne zitierten ‚bürgerkriegsähnlichen Zustände‘ herrschen. Andererseits können DFB und Politik bis zum heutigen Tage den vermeintlichen Anstieg von Gewalt im Rahmen von Fussballspielen nur mit subjektiven Eindrücken belegen. Insbesondere diesen Punkt nehmen die Verantwortlichen von Union Berlin zum Anlass, um sich in ihrer Stellungnahme zum Strategiepapier gegen die Vorschläge von DFB / DFL zu stellen (siehe Positionierung des Präsidiums 1. FC Union Berlin eV.).

Die Antwort der ‚Eisernen‘ – der sich offiziell in ähnlicher Form u. a. mittlerweile auch die Vereine Hertha BSC, FC Augsburg, VfL Wolfsburg, Fortuna Düsseldorf und FC St. Pauli angeschlossen haben – verdeutlicht, dass „DFB und DFL offenkundig einer Fehleinschätzung der gegenwärtigen Tendenzen und darauf aufbauend falschen Schlussfolgerungen unterliegen“. Weiter heisst es bei Union Berlin: […] „Als Hauptargument wird derzeit wieder eine vermeintliche Eskalation von Gewalt in den und um die Fußballstadien angeführt, die sich jedoch durch exakte und belastbare Zahlen kaum nachweisen lässt (so fehlt es bis heute an einer nachvollziehbaren Aufschlüsselung der Verletztenstatistik bei Fußballspielen, ebenso wie in der öffentlichen Diskussion ausgeblendet wird, dass selbst bei unbereinigter Statistik beispielsweise das Münchener Oktoberfest im Vergleich zum Bundesligafußball eine „Bürgerkriegszone“ darstellen müsste). Hinzu kommt, dass das vermeintliche subjektive Bedrohungsgefühl zumindest aus der Masse der fast zwanzig Millionen Stadionbesucher gar nicht artikuliert wird, sondern ebenfalls fragwürdig leichtsinnig und unbewiesen ins Feld geführt wird“ […]

Wir fragen uns, wie es zu der Schieflage in der Bewertung der Situation durch DFB und DFL kommt? Vielleicht hilft ein kurzer Blick zurück…

ARD-Poster ‚Helden‘

Sommer 2011: Gegen Ende der Vorsaison kommt es zu einigen Vorfällen (auch in Frankfurt), die von den Medien unverhältnismässig aufgebauscht werden. Die Politik mischt sich ein, so auch Hessens Innenminister Boris Rhein. Erste Forderungen zur Bändigung der „Chaoten und Randalierer“ werden laut. Der DFB verhängt unsinnige Pauschalstrafen gegen Fans und Vereine. Dennoch startet die ARD-Sportschau – augenscheinlich noch berauscht von der Berichterstattung über das Sommerfest der Frauen-WM im eigenen Lande – mit einer peinlichen City-Poster-Kampagne die Vermarktung der kommenden Saison. Werbewirksame und bewusst eingesetzte Verstärker: emotionalisierte Fans und Leuchtmittel (siehe Abb.)!

Im Laufe der Saison 2011/12 wird allerdings jedes in Stadien abgebrannte Bengalo medial genutzt, um eine vermeintliche Eskalation auf den Rängen darzustellen. Platzstürme werden durch TV und Presse plötzlich zu Gewaltexzessen überzeichnet – doch wo genau ist der anscheinend so schlimme Unterschied zwischen den Zuschauern, die unsere Helden 1954 über den Rasen des Berner Wankdorfstadion trugen oder den erst feiernden, dann bestürzten Schalke-Fans bei der Meisterschaft der Herzen 2001, zu den Düsseldorfer Anhängern beim Relegationssieg gegen Hertha BSC 2012? Und wieviele Verletzte gab es beim Aufstiegsjubel der Eintrachtfans vergangene Saison in Aachen? Ach, es gab gar keine?

Im November 2011 bricht der DFB die Gespräche mit der Faninitiative Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren kommentarlos ab (auch wenn ich es ausdrücklich nicht befürworte: dass aus einer Protesthaltung heraus anschliessend in den Stadien noch heftiger gezündelt wird, hat sich der DFB damit wohl selbst zuzuschreiben). Fast gleichzeitig bildet sich die Task Force Sicherheit – auch auf Druck der Politik. Der Sicherheitsgipfel im Juli 2012, in dessen Rahmen die Vereine (Ausnahme Union Berlin) den Verhaltenskodex unterzeichnen, zeigt dann deutlich den eingeschlagenen Weg: die Innenminister der Länder (Bundesinnenminsterkonferenz) und DFB verlangen von den Profiklubs eine klare Haltung und die uneingeschränkte Unterstützung beim, äh… „Kampf gegen den Terror“? Die Vereine scheinen in der Mehrheit diese Richtung mitzugehen.

Wir wollen nichts unter den Teppich kehren. Es gibt auch im Umfeld des Fussballs durchaus erschreckende Auswüchse – zum Beispiel der Überfall auf einen M’gladbacher Fanbus. Doch diese finden in der Mehrheit ausserhalb der Stadien statt und sind nicht dem Fussballfan und den Vereinen pauschal anzulasten. Die vorgeschlagenen Massnahmen des Ligaverbandes greifen jedoch nicht bei Fällen, die generell zu unseren gesellschaftlichen Problemen gehören. Oder verpflichtet der ADAC jeden Autofahrer dazu, Repressalien durch die Verkehrspolizei hinzunehmen, weil es gefährliche Drängler auf Deutschlands Autobahnen gibt? Anderes Beispiel: Würdest Du, lieber Leser, akzeptieren, Dich beim Betreten des Hamburger DOM an einer Einlasskontrolle komplett zu entkleiden und durchsuchen zu lassen, weil es bei dem Volksfest desöfteren Messerstechereien gab?

Leider muss man zusammenfassend feststellen: Die Motivation und die Inhalte des Strategiepapiers Sicheres Stadionerlebnis zeugen von einer Sichtweise fernab der Realität. In Konferenzräumen und Businesslogen hat sich eine Welt entwickelt, die auf dem Schulterschluss von Medien, Politik, Wirtschaft und Funktionärstum basiert. Wer sich in dieser abgeschotteten Welt bewegt, versteht nicht mehr, was in den Kurven und Rängen des Stadions passiert. Der normale Fan wird mit mitleidvoller Geste als anachronistisch betrachtet. Familienväter mit ihren Kindern sollen Kunden werden, keine Schlachtenbummler mit möglichen Missfallensäusserungen. Kuttenträger sind aus dem Blick der ‚Macher‘ nur noch im Liga-Trailer der DFL existenzberechtigt, um für ein buntes Bild zu sorgen. Alles, was nicht in das Weltbild der Verantwortlichen passt, wird früher oder später verschwinden.

Wohin die Entwicklung zur totalen Kommerzialisierung beispielsweise führen kann, liess sich erst wieder vergangenen Dienstag beim Länderspiel in Berlin beobachten. Erste Halbzeit, Spielstand 3:0, die deutsche Nationalmannschaft bietet ein mitreissendes, sensationelles Match. Auf den Rängen aber herrscht phasenweise eine Totenstille, als ob zur Gedenkminute aufgerufen wurde. Ist das das vom DFB angestrebte Stadionerlebnis?

Die Profivereine haben jetzt pflichtgemäss ihre Stellungnahmen zum Thema eingereicht, die im Dezember auf einer gemeinsamen Konferenz besprochen werden. Seitens der Eintracht wurde bei einem Treffen mit Fanvertretungen vergangenen Donnerstag mitgeteilt, dass deren Meinung im Statement Berücksichtigung findet (Nachtrag vom 22.10.2012: Link zur beachtlichen Stellungnahme s. u.!). Dennoch überwiegt die Skepsis, dass sich eine breite Mehrheit an Vereinen findet, die sich schützend vor die Belange und Bedürfnisse der Fans stellt. Die Stellungnahmen dürften in der Gesamtheit eher zustimmend ausfallen

Der Fussball, so wie wir ihn kennen, steht spätestens jetzt vor einem Scheideweg…

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Liebe LeserInnen: Ich freue mich gerade bei diesem Thema auf Euer Feedback und Hinweise, falls ich eigenen Fehleinschätzungen oder -informationen unterliege! Weitere Entwicklungen in der Causa Sicheres Stadionerlebnis werde ich natürlich in Folgeartikeln begleiten!

NACHTRAG: hier der Link zur überarbeiteten zweiten Version des Konzepts Sicheres Stadionerlebnis mit Gültigkeit für die Konferenz am 12.12.!

[Weiterführende Links: das Strategiepapier ‚Sicheres Stadionerlebnis‘ des Ligaverbandes im .pdf-Format | Politik macht Druck (faz.net vom 22.10.2012) | „Da reden Personen, die keine Ahnung haben“ (11freunde.de-Interview mit Ex-DFB-Sicherheitschef) | Offizielle Stellungnahme der Eintracht Frankfurt Fussball AG]

DAS EINE HALBFINALE…

Schluss mit Tiki-Taka. Beinahe hätten die Portugiesen den spanischen Ballzirkulationszauber zum Erliegen gebracht. Am Ende gewannen die Mannen von Trainer del Bosque aber dann doch und erreichen das EM-Endspiel – wenn auch nur knapp durch Elfmeterschiessen.

Apropos ‚Tiki-Taka‘ (span. tiqui-taca): Für die einen mittlerweile ein gähnend langweiliges Hin- und Hergeschiebe, ist das Kurzpassspiel der Spanier für andere Ausdruck spielerischer Dominanz und Ballbehauptung. Die Franzosen meinten nach dem Ausscheiden im Viertelfinale, es sei „nervig, ständig nur hinterher laufen zu müssen und wenn Du dann selbst mal am Ball bist, hast Du keine Luft mehr„.

So ermüdend es für den einen oder anderen Zuschauer sein mag: Tiki-Taka ist der Tatsache geschuldet, dass sich die Gegner tief am eigenen Strafraum formieren und massive Defensivarbeit leisten. So bleibt den Spaniern nicht anderes übrig, als in typischer Handballmanier den Ball vor dem gegnerischen Tor zirkulieren zu lassen, bis sich endlich eine Lücke für den gefährlichen Pass auftut oder durch eine Eins-gegen-Eins-Situation eine Torchance erzwungen werden kann. Bisher war Spanien erfolgreich damit.

Ein Mittel gegen das übermächtige spanische Mittelfeld scheinen die Portugiesen gefunden zu haben: Sie machten schon an der Mittellinie den Raum eng, störten früh und versuchten, in Ballnähe Überzahlsituationen herzustellen. Dieser kräftezehrenden Taktik fiel dann allerdings das eigene Offensivspiel zum Opfer: Aufgrund der angeschlagenen Physis wurden Angriffsversuche unsauber gespielt und schlampig abgeschlossen. Aber immerhin – hier scheint ein Mittel gefunden!

Trauern verboten

Über die UEFA und die Kommerzialisierung des Fussballs habe ich mich in den bisherigen Artikeln zur Fussball-Europameisterschaft (pardon, ich meinte die UEFA EURO 2012™) immer wieder kritisch geäussert. Ein weiterer Vorfall ist bezeichnend: Aufgrund des Todes des Spielers Miquel Roque von Betis Sevilla (er verstarb vergangenes Wochenende 23-jährig nach Krebsleiden) beantragten die Spanier laut diversen Medienberichten, im Spiel gegen Portugal Trauerflor tragen zu dürfen sowie eine Schweigeminute beim Anpfiff der Partie (die UEFA bestreitet, dass es eine Anfrage bzgl. der Schweigeminute gab, Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Spanien mit schwarzer Trauerbinde

Die UEFA gab dem Antrag nicht statt. Die Schweigeminute störte wahrscheinlich den engen Zeitplan für das weltweite Broadcasting (Werbeblock, Nationalhymnen, ‚Respect‘-Kampagne) und für das Verbot der schwarzen Armbinde kann es m. E. nur einen trifftigen Grund geben: Eine interne Absprache mit Ausrüster Adidas (der auch die spanischen Trikots stellt und sehr eng mit der UEFA / FIFA zusammenarbeitet), dass kein Zentimeter der drei werbeträchtigen Streifen bedeckt werden würde. Anders kann ich mir das sture Verhalten der UEFA-Funktionäre nicht erklären…

Sei es drum. Die spanische Mannschaft ignorierte den UEFA-Bescheid und lief dennoch – zumindest in der ersten Halbzeit – mit Trauerflor auf. Wir dürfen darauf gespannt sein, ob auch in diesem Fall eine Strafe ausgesprochen wird.

… UND DAS ANDERE HALBFINALE

Eine der beiden Serien musste enden: Entweder Deutschlands Siegesglück bei fünfzehn Pflichtspielen in Folge oder die statistische Wahrheit, dass ‚wir‘ noch nie ein Turnierspiel gegen Italien gewonnen haben.

Bei Anpfiff am Donnerstagabend ein tiefschwarzer Himmel und Regen über Frankfurt, das kann kein gutes Omen sein. Und dementsprechend bestimmen trotz gutem Start der deutschen Elf die Italiener die Höhepunkte der ersten Halbzeit: Doppelschlag von Balotelli, dem erklärten ‚Enfant terrible‘ der TV-Reporter, der sich bei dieser EM bisher so rebellisch zeigte wie weiland Robert Lembke als Was bin ich?-Gastgeber (ok… zugegebenermassen hatte Herr Lembke die Torjubelpose des Italieners beim zweiten Treffer nicht im Programm). Cleverness vor Jugendstil?

Nach der Pause ein Sturmlauf, der eingewechselte Reuss bringt neuen Schwung und Hoffnung. Doch die Zeit verrinnt und mehr und mehr schwindet die Zuversicht, denn der Fussballkenner weiss: In Führung liegende Italiener werden mit jeder ablaufenden Spielminute schwieriger zu bespielen. Und so kommt es auch: Das Runde will nicht in das Eckige, Aktionen funktionieren unter dem Druck und der Hektik nicht mehr richtig. Da hilft auch Özils Elfmetertreffer in der 90. Minute nicht mehr.

Fünf Nachspielminuten, Kopfball Manuel Neuers als Mittelfeldspieler, Abfiff… und dann Kommentator Steffen Simon: „Es ist aus. Deutschland ist raus…“

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Schade. Dennoch: Mein Glückwunsch geht an Italien und Spanien – jetzt wünschen wir uns von den beiden Teams ein tolles Endspiel!

Diskussionen über Löws Mannschaftsaufstellung, einer etwaigen Überheblichkeit aufgrund des deutlichen Sieges über Griechenland, individuelle Fehler einzelner Spieler u. ä. führe ich an dieser Stelle nicht und überlasse dies der Fachpresse. Abschliessende persönliche Analysen und Kommentare folgen in meinem Artikel EM-Splitter V nach dem Endspiel!

[Weiterführende Links: alle EM-Splitter auf einer Seite]

Und wieder mal bestätigt sich eine Fussballweisheit: Die Engländer können kein Elfmeterschiessen (so langsam tun sie mir leid)! Doch ehrlich gesagt: Ein Sieg gegen die weitaus besseren Italiener wäre auch ziemlich unverdient gewesen.

Generell gilt festzuhalten, dass in allen vier Partien des Viertelfinales die jeweils spielerisch bessere und engagiertere Mannschaft als Sieger den Platz verlassen hat. Die Teams aus Tschechien, England, Frankreich und Griechenland haben – wie auch die vorher schon ausgeschiedenen Mannschaften der Gruppenrunde – viel zu biedere Kost angeboten. Ungenaues Passspiel, Ideenlosigkeit gepaart mit fehlendem Tempo oder die Taktik des Abwehrbollwerks, ohne effiziente Konter setzen zu können… das hat glücklicherweise nicht gereicht, um weiterzukommen.

Portugal, Spanien, Deutschland und Italien haben einfach den besseren Fussball gespielt. Somit dürfen wir uns auf zwei sehr interessante Halbfinalspiele freuen (und gegen die Squadra Azzurra haben ‚wir‘ noch eine Rechnung offen – s. WM 2006)!

Nebenbei ein Gedanke (ohne allerdings einen Blick in die Statistiken zu werfen): Kann es sein, dass sich mit diesen vier Mannschaften jene Nationalverbände auf spielerisch hohem Niveau für das Halbfinale qualifiziert haben, die in ihren Top-Ligen den höheren Anteil an Spielern aus der eigenen Jugend haben? Habe jedoch gerade keine Lust, das näher zu recherchieren. Falls jemand zufällig die Antwort kennt: Bitte melden!*

Unser Käpt’n beim Interview

Sonstige Ereignisse aus Polen / Ukraine, die uns in den vergangenen Tagen aufgefallen sind:

Fussball-Pressekonferenzen sind – mit wenigen, dafür unvergesslichen Ausnahmen – stinklangweilig und stets mit den ewig gleichen Mitteilungen garniert. Als Journalist würde ich auf diese Termine verzichten und lieber einen Stadtbummel durch Danzig machen. Die vorhersehbaren Aussagen der PK kann man sich dann gemütlich in einem Strassencafé aus den Fingern saugen.

Andrea Pirlo – der italienische Mittelfeldspieler – ist wohl die coolste Sau des Turnieres: Trotz Rückstandes seiner Mannschaft beim Elfmeterschiessen bleibt er eiskalt und lupft den Ball in bester Panenka’scher Manier über Englands Torwart Hart. Sensationell!

Wir haben ein Maulwurf-Problem. Laut Mannschaftskapitän Philipp Lahm („Ich würde nicht mal meiner Frau die Mannschaftsaufstellung mitteilen“) liegt das Problem jedoch nicht in der Mannschaft, sondern beim Maulwurf selbst, weil ja eine ganze Nation die Daumen drückt. Und weil alle in Deutschland hoffen und mitfiebern, hat der Maulwurf das Problem, nicht die Mannschaft. Und so weiter, und so fort… Apropos Lahm: Auf die Frage, was er mit dem gestrigen freien Abend anfangen würde, antwortete er, dass er gemeinsam mit seiner Frau das Italien-Spiel im Fernsehen anschaut. Ganz „ruhig und gemütlich“. Und als der Reporter fragte, ob die Spieler dann auch mal ein Bier trinken, sagte er: „Ich glaube schon, dass man uns ein Bier erlaubt“. Irgendwie finde ich unsere Jungs putzig. Da ging es zu Zeiten von Netzer & Co. im deutschen Quartier noch ganz anders zu…

Die Franzosen haben ein anderes Problem. Schon bei der WM in Südafrika hat sich die Mannschaft von einer nicht besonders schönen Seite gezeigt. Doch der Ausraster des Spielers Samir Nasri gegenüber einem Journalisten nach dem Ausscheiden gegen Spanien hatte eine neue Qualität. Um eine Stellungnahme zum Spiel gebeten, meinte Nasri: „Die Presse würde doch sowieso nur ‚Scheisse‘ schreiben“. Als der Medienvertreter das Interview daraufhin empört abbrach, bot der Spieler an, die Sache „draussen zu regeln“, beleidigte den Journalisten als „Hurensohn“ und bedeckte ihn mit einer an dieser Stelle nicht zitierfähigen Beschimpfung. Die arme Grande Nation…

Während es bei Nasri Zeugen gab, bleibt ein anderes Ereignis bislang unbestätigt: Gianluigi Buffon, Torwart der Squadra Azzurra, verschwand in der Pause vor dem Elfmeterschiessen gegen England kurz in den Kabinengängen. Es wird gemunkelt, dass er dort noch schnell ein Wettbüro kontaktiert hat, um auf den italienischen Sieg zu setzen (wir wissen ja bereits: England gewinnt nie beim Elfmeterschiessen!)…

Und zum Schluss noch eine unglaubliche Geschichte… Kein Witz: Nachdem Frau Lenz alle deutschen Gruppenspiele mit einem Krimi in der Hand verfolgt hat (beim Dänemark-Spiel war es allerdings zuerst Neue Vahr Süd von Sven Regener, doch nach dem 1:1 schnappte sie sich schnell wieder einen Krimi) und die Begegnungen jedesmal mit einem Sieg unserer Mannschaft endeten, ging es am Freitag bei dem Spiel gegen Griechenland gar nicht anders. Wiederum nach dem 1:1-Ausgleichstreffer der Hellenen griff unsere Frau Lenz nach Kriminalliteratur – prompt fielen die weiteren Tore für Deutschland! Keine Frage, welche Aufgabe sie am kommenden Donnerstag haben wird. Spenden für einen standesgemässen Amazon-Gutschein zur Lenz’schen Beglückung werden ab sofort über diesen Blog angenommen!

Die kommenden Halbfinalspiele:

Mittwoch, 27. Juni (20:45 Uhr): Portugal – Spanien

Donnerstag, 28. Juni (20:45 Uhr): Deutschland – Italien

Und mein Tipp für das Finale: Portugal gegen Deutschland! Wetten, dass…?

Themenverwandte Artikel: EM-Splitter I (Cristiano Ronaldos Frisurenwechsel beim Spiel gegen Deutschland) und EM-Splitter II (persönliches Fazit nach den Gruppenspielen) 

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* Nachtrag: Die Frage wurde im gewohnt verlässlichen Eintracht-Forum freundlicherweise beantwortet. Hier die Anteile der ausländischen Spieler in den Top-Ligen Europas: Premier League (England): 62,7%   + + +   SuperLiga (Portugal): 57,2%   + + +   Bundesliga (Deutschland): 51,4%   + + +   Serie A (Italien): 46,3%   + + +   Ligue 1 (Frankreich): 41,4%   + + +   Primera División Spanien): 35,0  Spricht nicht für meinen oben erläuterten Gedanken (Danke an den User Libero1975™ aka Matze)

Die Gruppenspiele der UEFA EURO 2012 (formerly known as „Fussball-Europameisterschaft“ oder kurz „EM“) liegen hinter uns, acht Teams packen die Koffer oder befinden sich bereits auf der Heimreise. Zeit für ein persönliches Zwischenfazit.

Dass die Fussballturniere der FIFA und UEFA nur noch eine Plattform für die Werbeindustrie sind und eine grandiose Einnahmequelle für die genannten Ausrichter darstellen, wird gerne übersehen, solange uns packende und unterhaltsame Spiele geboten werden. Wie weit die UEFA geht, um den Werbekunden und Sponsoren, dem weltweiten Fernsehpublikum und den Gastgeberländern das Bild einer wunderschönen, friedlichen, stimmungsvollen EM zu vermitteln, zeigt der ‚Kunstgriff‘, die vor dem Spiel Deutschland gegen Holland aufgezeichnete Szene mit Trainer Löw und dem Balljungen während der Übertragung der Partie in das Live-Bild einzuspielen. Der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen und staunt über einen augenscheinlich entspannten, sympathischen Bundes-Jogi beim durchaus packenden Spiel gegen die Niederländer.

Nicht gezeigt wurden uns durch die UEFA dagegen die Bilder von Bengalos in den Fanblöcken, der kroatische ‚Flitzer‘, leere Ränge in den Stadien, die nationalistische Provokation beim Marsch der russischen Fans durch Warschau  oder die Politiker Rebecca Harms und Werner Schulz mit ihrem Banner „Fair Play In Games And Politics“, das sie auf der Tribüne entrollten. Passt halt nicht in’s Bild (mehr zum Thema: FAZ-Artikel Die Herren des Weltbilds vom 03.06.2012)!

Wenn schon ARD und ZDF unkritisch die von der UEFA produzierten Fernsehbilder übernehmen, könnte man sich wenigstens über eine interessante Nebenberichterstattung freuen. Was uns da jedoch mit Waldis Club und dem Duo Katrin Müller-Hohenstein / Oliver Kahn an der Heringsdorfer Landungsbrücke auf Usedom zugemutet wird, ist ein Angriff auf die Würde des Menschen. Waldemar Hartmann sollte sich nur noch der Weissbier-Reklame widmen und das bisher Erhellendste von der Ostseeinsel war Olli Kahns erstes Twittern. Kahns Ankündigung, Tiefsinniges der Welt zu vermelden, folgte die Nachricht: „wir werden #europameister!!!“. Geht es noch infantiler?

Verwundert diese flache, als Show-Veranstaltung konzipierte sog. ‚Vorberichterstattung‘, die bereits zwei Stunden vor Anpfiff beginnt? Die Antwort lautet „nein“. Denn dem ZDF stellt sich keine Qualitäts-frage, sondern lediglich die Überlegung, wie sich möglichst einfach die für hochpreisige Werbeblöcke verkaufbare Zeit bis 20 Uhr mit dem quotenträchtigen Thema ‚Fussball-EM‘ füllen lässt. [Anmerkung: Da das ZDF ab kommende Saison die Übertragungsrechte für die Champions-League erworben hat, steht uns wohl auch in diesem Fall eine gehaltvolle ‚Vorberichterstattung‘ ab 19.30 Uhr bevor. Insofern betrachte ich die EM-Show als Testballon, was dem Fernsehzuschauer so alles zuzumuten ist]

Für Verwirrung sorgte das etwas unglückliche Reglement der UEFA, welche Mannschaften sich bei Punktegleichstand in den Gruppen für das Viertelfinale qualifizieren. So mussten zum Beispiel die Fans der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntag mit Notebooks und Taschen-rechnern ausgestattet Richtung ‚Freiluftgucken‘ ziehen, statt mit Tröten und Fahnen für eine ordentliche „Tschlaaaaand“-Stimmung zu sorgen. Und der Gegner der Deutschen, die dänische Mannschaft, hatte anscheinend völlig den Überblick verloren – statt alles auf eine Karte zu setzen (denn parallel führte Portugal gegen Holland und setzte sich damit vor Dänemark), dachten sie wohl weiterhin, ein Unentschieden würde reichen und beschränkten sich auf ein Abwehrbollwerk vor dem eigenen Tor.

Dass die UEFA mit Strafen gegen die Nationalverbände wegen Fehlverhaltens der jeweiligen Fans um sich schmeisst, wie wir es sonst nur vom DFB gewohnt sind, ist etwas peinlich. Skandalös finde ich jedoch, dass der dänische Spieler Nicklas Bendtner für das Präsentieren seiner Unterhose (nebst Werbeaufschrift) beim Torjubel zur Zahlung von EUR 100.000,- (!) verdonnert wird, während der kroatische Fussballverband für den Einsatz von Pyrotechnik, rassistische Symbole und Sprechchöre seiner Fans um rund EUR 20.000,- günstiger davonkommt. Damit zeigen die Herren Platini & Co. einmal mehr, wo die Prioritäten bei der EM liegen!

Doch diese EM hatte auch schon tolle Highlights zu bieten! Das sensationelle Siegtor des Engländers Danny Welbeck zum 3:2 gegen die Schweden (ein „Volley-Hackentrick“ [sic!] in einem entfesselten, begeisternden und von allen taktischen Zwängen befreiten Spiel nach dem 2:1-Führungstreffer der Skandinavier). Der sagenhafte Wolkenbruch in Donezk. Sehr gastfreundliche Menschen in Polen und der Ukraine. Und der ARD-Kommentator Gerd Gottlob mit seinem „woooaaaah“ bei aufregenden Szenen…

Besonders bewegt haben mich aber die Minuten, als die irischen Fans vor Abpfiff der Partie gegen Spanien und bei einem aussichtslosen 0:4-Rückstand das Lied Fields Of Athenry (ein Folksong über eine Hungersnot im 19. Jahrhundert) anstimmten und selbst nach Beendigung der Begegnung mit dem Singen nicht aufhörten. Kommentator Tom Bartels tat das einzig Richtige und schwieg minutenlang, so dass uns an den heimischen Fernsehgeräten ein einzigartiger Moment geschenkt wurde. Grossartig!

Die Spielorte der EM 2012 (Quelle: wikipedia.de)

Wer die bisherigen Partien der EM 2012 verpasst hat – hier die Zusammenfassungen aller Gruppen-spiele im Schnelldurchlauf:

1ter Abend (Gruppe A): Nicht ganz konsequente Polen im Unglück (Polen vs. Griechenland 1:1) und ein begeisterndes russisches Staatsballett (Tschechien – Russland 1:4). Hat Spass gemacht!

2ter Abend (Gruppe B): Die Dänen lassen Oranje verblassen und unsere Jungs erkämpfen sich mit einer Portion Glück die ersten drei Punkte gegen Portugal. Kommentar von Frau Lenz: „Hätte auch in’s Auge gehen können“. Stimmt genau!

3ter Abend (Gruppe C): Das Duell Spanien gegen Italien war packend und endete mit einem überraschenden Unentschieden (1:1), Irland verliert im verregneten Breslau trotz viel Herzblut gegen abgeklärtere Kroaten mit 1:3. Es bleibt weiterhin unterhaltsam!

4ter Abend (Gruppe D): Franzosen fehlen die Ideen gegen viel zu passive Engländer (1:1) und Shevchenko brilliert mit Doppelschlag auf seiner Abschiedsgala in der Heimat (Ukraine – Schweden 2:1)!

5ter Abend (Gruppe A): Den kurzen, offiziellen EM-Trailer kann ich schon jetzt nicht mehr hören. Und es liegen noch 2 1/2 Wochen vor uns. Zurück zum Sporrrrcht: Böhmischer Blitzstart schockt Hellas (zwei Tore nach 6 Minuten Spielzeit): Griechenland – Tschechien 1:2. Das zweite Spiel – Leidenschaft und Herzblut im Warschauer Hexenkessel: Polen – Russland 1:1 mit einem wirklich geilen Tor von Kuba!

6ter Abend (Gruppe B): Fast hätte sich die schwache Chancenauswertung des Super-Gockels Cristiano Ronaldo gerächt. Doch am Ende heisst es dann doch: Dänemark – Portugal 2:3! Und im zweiten Spiel des Tages straft Mario Gomez alle Kritiker ab: Doppelpack zum 2:1-Sieg gegen Niederlande…

7ter Abend (Gruppe C): Die in der ersten Halbzeit offensivstarken Italiener beschränken sich nach der Pause auf das gewohnte Abwehrspiel und werden von beherzten Kroaten dafür bestraft: ITA – CRO 1:1. Zum zweiten Spiel des Abends: Schade, die irischen Fan-Gesänge werde ich vermissen – sympathische Mannschaft, die der spanischen Dominanz jedoch nichts entgegenzusetzen hatte. Spanien – Irland 4:0!

8ter Abend (Gruppe D): Donner, Blitz und sintflutartiger Regen sorgen für eine einstündige Spiel-unterbrechung und trüben die EM-Chancen der Ukraine – spielerisch bessere Franzosen siegen verdient (UKR – FRA 0:2). Im anderen Gruppenspiel herrscht vor der Pause (Mittelfeld-)Krampf, dann besinnen sich beide Teams auf Tugenden (Kampf & Einsatz) und die Tore sorgen für eine deutliche Belebung der Partie: Schweden und England trennen sich nach neunzig Minuten 2:3 (und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen solchen Siegtreffer gesehen habe – Volley-Hackentrick [sic!] durch Danny Welbeck).

9ter Abend (Gruppe A): Erstaunliche Wendung… Polen kommt mit dem Erfolgsdruck nicht zurecht, verliert durch zu wenig Einsatz gegen Tschechien 0:1 und scheidet damit aus. Hellas gelingt der Coup: Griechenland gewinnt überraschend, aber nicht unverdient gegen Russland 1:0 und schickt den eigentlichen Gruppenfavoriten nachhause!

10ter Abend (Gruppe B): Bei lecker Speis und Trank verfolgen wir das Deutschland-Spiel, der Taschenrechner liegt griffbereit. Benders Siegtor zum 2:1 gegen Dänemark erübrigt dann glücklicherweise das Herumrätseln, ob es für’s Viertelfinale reicht. Im anderen Gruppenspiel schlägt Portugal unsere Nachbarn mit 3:2: Die holländische „Elftal“ muss sieglos die Koffer packen. PS: Da das Ritual jetzt bei allen drei Spielen unserer Nationalmannschaft geholfen hat, muss Frau Lenz auch alle weiteren Deutschland-Spiele mit einem Buch in der Hand verfolgen. Dann klappt’s ganz sicher mit der Europameisterschaft!

11ter Abend (Gruppe C): Beinahe hätte Kroatien die Spanier zu Fall gebracht – am Ende aber siegte dann doch der Favorit (CRO – ESP 0:1). Löw hat hoffentlich seine Schlüsse daraus gezogen… Im Miejski-Stadion gewinnen die Italiener gegen harmlose Iren 2:0, bekleckern sich angesichts einer sehr langweiligen zweiten Spielhälfte jedoch nicht gerade mit Ruhm.

12ter Abend (Gruppe D): War der Ball in vollem Umfang hinter der Linie? Nach Auswertung der ersten Bilder: Ja! Trotzdem egal – die Mannschaft der Ukraine hat in sämtlichen Gruppenspielen nicht genügend Qualität aufweisen können, mit einem 0:1 gegen zurückhaltende Engländer scheidet leider auch der zweite Gastgeber der EM aus… Ebenfalls zurückhaltend, wenn nicht sogar erschreckend schwach präsentierte sich die Équipe Tricolore gegen Schweden und zieht dennoch in das Viertel-finale ein – sehenswert: Das Traumtor von Ibrahimovic (FRA – SWE 0:2)!

Vor einigen Jahrzehnten gab es die absolute Charakterfrage: „The Beatles oder The Rolling Stones?“. Die Antwort war wichtig, handelte es sich doch um das fundamentale Bekenntnis zur jeweils ‚einzig richtigen‘ Lebenseinstellung. Jüngere Generationen bekommen von der Wichtigkeit dieser Fragestellung eine Vorstellung, wenn sie auf „Ärzte oder Hosen?“, „Grunge oder Techno?“ und „Beyoncé oder Der Popolski Show?“ antworten müssten.

Die aktuelle Charakterfrage lautet: „Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?“. Auf der einen Seite der bescheidene Fussballgott, auf der anderen der überbewertete Selbstdarsteller. Subjektive Meinung meinerseits? Ja, klar!

Gestern Abend in der Arena Lwiw in Lemberg (Ukraine): Gruppenspiel der Europameisterschaft zwischen Deutschland und Portugal. Während Jogi Löw in der Kabine unsere Jungs auf das Spiel einstimmt, vermisst der portugiesische Trainer Paulo Bento plötzlich seinen wichtigsten Mann Cristiano Ronaldo! Wen wundert es… der portugiesische Fussballstar in Diensten von Real Madrid ist mit seiner Frisur unzufrieden und besucht in einem Nebenraum seinen eigens eingeflogenen Coiffeur, um sich die Frisur telegen richten zu lassen. Schliesslich blicken Millionen auf die TV-Bildschirme und wollen ihn, den eigentlichen Star dieser Europameisterschaft, glänzen sehen…

Der Coiffeur (…de l‘ académie de Paris) schafft es dann doch rechtzeitig, die nach dem Aufwärmen derrangierte Frisur Ronaldos irgendwie hinzubekommen (mittels dreier Tuben Haargels). Alles atmet auf, Schiedsrichter Stéphane Lannoy kann das Spiel gerade noch pünktlich anpfeiffen.

Ronaldos Look in Halbzeit 1

Portugal steht kompakt, Deutschland tut sich schwer. Cristiano Ronaldo gefällt durch einen aalglatten Wetlook und zwei, drei Übersteigern, die jedoch keine wirkliche Gefahr für das deutsche Tor bringen. Dann aber die grosse Chance für Portugal, kurz vor der Pause in Führung zu gehen – der Ball springt jedoch vom Lattenkreuz nur auf die Torlinie. 0-0 Halbzeitstand – Deutschland atmet tief durch…

Jogi Löw ist erzürnt. „Ihr müsset schneller und direkt spielen und au‘ näher bei euren Männern sinn„, herrscht er die Jungs beim Pausentee an. Er weiss genau – noch so eine schläfrige Vorstellung und das Erreichen der nächsten Runde ist in Gefahr.

In der portugiesischen Kabine herrscht dagegen Optimismus. „Prima bella„, meint Paulo Bento, „ihre machte dasse wirklische gutt! Wir müsse nurr macke eine Tor, dann die Allemanos sinne fertige. Cristiano, du müsse… Cristiano?

Ronaldos Platz ist leer. Der Star der portugiesischen Nationalmannschaft, der Superstar dieser Europameisterschaft hat sich während des Trainers Pausenansprache klammheimlich aus der Kabine geschlichen, weil er beim kurzen, prüfenden Blick auf den Videowürfel festgestellt hat: So gewinne ich dieses Spiel nicht!

Sein Weg führt ihn wiederum in den nebenan gelegenen Raum, wo ihn sein Coiffeur bereits aufgeregt erwartet. „Ronaldooochen, dein Ha-haaar! Wie siehst Du denn aus, mein Lieber? So wird das aber wirklich nichts, Schätzchen…„. Ronaldo brummelt nur: „Mach‘ die Haare schön.

Halbzeit 2 – Er hat die Haare schön!

Und siehe da: Nach dem Anpfiff der zweiten Spielhälfte präsentiert sich der Fussballstar mit neuem Look! Statt glattgestriegelt nun punky wild. Dem portugiesischem Spiel tut das gut – die eine oder andere Torchance ergibt sich plötzlich… Die Frisur hat letztendlich aber doch nichts gerissen. Deutschland gegen Portugal 1:0 durch Gomez. Einfach so mit einem Kopfball. Glücklich, aber ok.

Lieber Cristiano, Du eitler Gockel: Mein Rat als alter (Fussball-)Hase: „Uff’m Platz werd‘ es entschieden, ned uff’m Kopp!“

Story inspired by Frau Lenz

(Quelle: Facebook)