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Schlagwort-Archive: Randnotizen

Beim Schlendern vom Römer zur Konstablerwache erblicke ich am Gebäude des Restaurants Margarete eine Gedenktafel, die mir bisher nie aufgefallen ist und an die Deportationen von Sinti und Roma aus dem nationalsozialistischen Frankfurt erinnert.

Beim näheren Betrachten der Mahntafel höre ich hinter mir eine Stimme: „Jaja… und heute kommen sie wieder und schnorren Sozialleistungen“. Als ich mich umdrehe, blicke ich in das grinsende Gesicht eines Endzwanzigers. Kleidung und Frisur entsprechen dem Typ ‚junger Grossstadtschnösel‘.

Es gibt Momente im Leben, da würde man am liebsten seine gute Erziehung vergessen und einem Mitmenschen einfach mal ansatzlos in die Fresse hauen.

(Zum Öffnen der Galerie einfach eines der Bilder anklicken)

Anmerkung: Im Restaurant Margarete (Braubachstrasse 22) sind noch bis 02. Januar 2013 Skizzen und Manuskripte aus dem Nachlass von F. K. Waechter (Karikaturist der Neuen Frankfurter Schule, u. a. für Titanic und Pardon) zu bestaunen!

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Du sagst, durch Deine Bäche wird Wein fliessen… ist das Paradies eine Schänke?

Du sagst, Du wirst jeden Gläubigen mit zwei Jungfrauen belohnen… ist das Paradies ein Bordell?

(Omar Khayyam, persischer Dichter, 1048 – 1131)

Man kann dem türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say nur viel Glück wünschen. Weil er im April u. a. dieses Gedicht twitterte, droht ihm jetzt vor einem Istanbuler Gericht eine 15-monatige Haftstrafe wegen Störung des öffentlichen Friedens und der öffentlichen Erniedrigung religiöser Werte. Das scheint die Weltöffentlichkeit jedoch – im Gegensatz zu den Fällen der russischen Punkrockgören, ukrainischen Politikblondinen und chinesischen Künstlern – nicht sonderlich zu empören.

Wir erleben eine Zeit, in der in allen Ecken der Welt Religionen immer mehr Auftrieb bekommen. Geistiger Fundamentalismus schleicht und kreischt sich zur Meinungsführerschaft, fängt ver(w)irrte Seelen ein und mischt sich ein in Staat und Gesellschaft – ob im christlich-orthodoxen Russland, in der islamischen Welt oder den USA (ein schrecklich-schönes Beispiel: „Schwangerschaft durch Vergewaltigung ist Gottes Wille“ auf uhupardo.wordpress.com).

Je komplexer und komplizierter die Welt wird, je mehr Ungerechtigkeiten fühlbar werden und je mehr Bildungsarmut und Perspektivlosigkeit herrschen, desto leichter ist es für die Verführer, Menschen für ihre ureigenen Interessen einzufangen. Mit vermeintlichen Gottesbotschaften, Welterklärungen, Verschwörungstheorien.

Wir brauchen nicht das Märchen einer zionistischen Weltverschwörung, um zu begreifen, dass das globale Finanzsystem dringend an die Leine gelegt werden muss. Wir brauchen keine Botschaft eines liebenden Gottes, für den hunderte unschuldige Menschen auf einem Marktplatz durch eine Autobombe sterben müssen. Und wir brauchen keinen Mormonen als Präsidenten der mächtigsten Nation der Welt, der sein Vermögen durch skrupellose Zerschlagung von Unternehmen und Arbeitsplätzen gemacht hat (und jetzt im Wahlkampf scheinheilig fordert, dass die USA wieder mehr eigene Industrie benötigt).

Immer schön wachsam bleiben!

Ein Pussy Riot-Fundstück auf Facebook, das ich niemandem vorenthalten möchte…

Im Gerichtsprozess gegen die russischen Aktivistinnen erfolgte am gestrigen Mittwoch das Plädoyer der Staatsanwaltschaft: diese fordert eine dreijährige Haftstrafe für die drei Frauen wegen einem halbminütigen, blasphemischen Auftritts in einer orthodoxen Kirche! Putin empfahl aus dem olympischen London hochherrschaftlich, das Strafmass für die Frauen nicht zu hoch anzusetzen. Diverse Zeugen der Verteidigung wurden nicht zugelassen. Das Urteil wird in der kommenden Woche erwartet*.

(*Nachtrag vom 20. August 2012: Die Frauen von Pussy Riot werden jeweils zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Ein Gnadengesuch an den Präsidenten lehnen sie ab, wollen gegen das Urteil jedoch Einspruch einlegen.]

Ab und an schaue ich mir die Zugriffsstatistiken dieses Blogs an (wieviel?, woher?, usw.). Lustig ist dabei immer der Blick auf die Suchbegriffe, durch die diverse Internetuser auf diese Seiten gelangen. Die Highlights der vergangenen Monate:

• „sollen sportvereine für das fehlverhalten ihrer fans stärker bestraft werden?“ – Ich habe noch nie daran gedacht, ganze ausformulierte Sätze in einer Suchmaschine einzugeben

„franfurter göthe universium“ – Göthe? Universium? Und dennoch bei mir gelandet?

„bahn weggefahren“ – Welche Motivation liegt wohl hinter dieser Suchanfrage?

„die nachrichten futh“ – Keine Ahnung, was ‚Futh‘ bedeutet. Ich hoffe, der gefundene Artikel konnte helfen!

„parent gèry“ – Hm… mir ist nicht bewusst, irgendwann auf französisch geblogt zu haben?

„privatsphäre gefährdet durchsichtige vorhänge“ – Klar gefährden durchsichtige Vorhänge die Privatsphäre… Ich weiss nur leider nicht mehr, auf welchen meiner Artikel der Suchende stiess.

„124,5 milliarden“ – Im iNet auf der Suche nach dem Lottogewinn?

„mit skischuhen stadt“ – Mit Joggingschuhen Südpol? Mit Zimtlatschen Mount Everest? Würde gerne wissen, wie die Geschichte weitergeht!

„nana von hinten“ – Tz tz tz… Der / die verzweifelt Suchende ist dann wohl auf meinen Artikel über die Post-It-Kunst gestossen, in der ich mein Vorhaben beschreibe, ein Motiv aus der ‚Nana‘-Serie von Niki de Saint Phalle auf einer Fensterscheibe zu verewigen. Seine / ihre Enttäuschung wird gross gewesen sein…

…und last, but not least und aktuell von gestern: „wie hacke ich mich in eine bekannte email adresse“ – Mit der Suchanfrage landet mein Blog (die Seite „Über mich“) tatsächlich auf der 2ten Seite der Suchmaschinen! Wer da allerdings welche kriminellen Interessen verfolgt, will ich gar nicht wissen ;-)

RESTAURANT HOLYFIELDS, FRANKFURT/M.

Nur einen Sommer lang: Das ‚Holyfields‘

Im Mai wurde das Restaurant Holyfields mit einer sicher nicht geringen Investitionssumme in der Frankfurter Innenstadt installiert und mit grossem Pomp eröffnet. Im Oktober dann das Ende – schlechte Vermarktung, minderwertige Küche, mieser Service, falsche Preispolitik? Ich weiss es nicht, ich habe es immer nur von aussen betrachtet. Ich frage mich nur, was schiefgegangen ist: Beste City-Lage, hochwertige Ausstattung, freundliches Ambiente. Welche Fehler kann man da machen?

Einen Sommer lang hat es gestrahlt. Und jetzt sind Hoffnungen, Engagement und Träume zerplatzt.

Das Holyfields war nur ein Restaurant. Eines von vielen in Frankfurt, austauschbar.

Doch DICH, Dein Lachen, Deine Gedanken, Deine Nähe, Deine Sinnlichkeit, die Zeit mit Dir… all das werde ich sehr vermissen. Scheisse…