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Aus gegebenen Anlass…

„Ein Epos!“ (FAZ)… „Meisterwerk zeichnerischer Erzählkunst!“ (Die Zeit)… „Göttlifff“ (Marcel Reich-Ranicki)…

Ab sofort erhältlich: Das Comic-Album des Jahres

D E R   U N T E R G A N G   D E R   T I T A N I C

 

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Morgen jährt sich der Tag der Katastrophe zum hunderstenmal – in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 ereignete sich der Untergang der RMS TITANIC in den eisigen Fluten des Nordatlantik. Der Passagierdampfer hatte mit über 2.200 Personen an Bord vier Tage zuvor den Hafen Southampton für die Jungfernfahrt nach New York verlassen. Dann passiert das Unglück: Durch eine seitliche Kollision mit einem Eisberg wird die Aussenhaut am Bug so stark beschädigt, dass die Massen des eindringenden Meerwassers das Vorderschiff nach unten ziehen und durch die gewaltigen Kräfte das Schiff etwa zweieinhalb Stunden nach dem Zusammenstoss auseinanderbricht und versinkt. Über 1.500 Opfer fordert die Katastrophe unter den Passagieren und Besatzungsmitgliedern.

RMS Titanic verlässt Southampton am 10. April 1912 (Foto: F. Stuart)

Der Untergang der TITANIC war – gemessen an den Opferzahlen – nicht die grösste Schiffskatastrophe. Die Unfälle der Fähre DONA PAZ (4.386 Tote im Jahr 1987) oder der LE JOOLA (über 1.800 Tote im Jahr 2002) und die Versenkungen der WILHELM GUSTLOFF (über 9.000 Tote im Jahr 1945) oder der GOYA (bis zu 7.000 Tote im Jahr 1945) forderten deutlich mehr Todesopfer. Und dennoch strahlt das Schiffsunglück südöstlich von Neufundland durch viele Umstände bis heute eine dunkle Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann.

Die TITANIC war seinerzeit das grösste Schiff der Welt mit einer prunkvollen und luxuriösen Ausstattung, wie man sie nie zuvor gesehen hatte. Während der Unglücksfahrt waren neben den Passagieren der Zweiten und Dritten Klasse prominente Vertreter der europäischen und amerikanischen Gesellschaft an Bord: Millionäre, Künstler, Adelige. Um die Ereignisse auf dem Schiff ranken zahlreiche Erzählungen und Mythen – populär sind die Berichte über die bis zum bitteren Ende spielende Bordkapelle oder das heldenhafte Ausharren der Männer in den Maschinenräumen, die dafür sorgten, dass bis zum endgültigen Untergang die Stromversorgung intakt blieb (und die somit u.a. die Rettungsmassnahmen unterstützten). Edle Gentlemen sollen in stoischer Ruhe whiskytrinkend und plaudernd den Untergang abgewartet haben – sämtliche Hilfsangebote ablehnend (mit Stücken des Eisberges im Glas). Und das Verhalten Kapitän Smiths? Die zu geringe Anzahl an Rettungsbooten? Die Geschwindigkeitsjagd nach dem Blauen Band?

Bedingt durch die Untersuchungsergebnisse nach der Katastrophe wurden zahlreiche Änderungen der internationalen Sicherheitsbestimmungen auf See veranlasst, so dass man den Untergang der TITANIC tatsächlich als Zäsur in der neuzeitlichen Schifffahrt bezeichnen kann. Kein Wunder also, dass sich bei soviel Stoff Filmindustrie und Literatur dem Thema angenommen haben und die Katastrophe auch medial immer wieder in Erinnerung gerufen wird.

Natürlich werden auch herrliche Theorien rund um die TITANIC verbreitet. Ein besonders schönes Schmankerl: Das Schiff musste untergehen, weil sich an Bord die wichtigsten Opponenten gegen die geplante Federal Reserve befanden (die ja tatsächlich 1913 gegründet wurde und heftige Kritik hervorrief)! Wer sich in diese Materie tiefer einlesen möchte, den verweise ich beispielsweise auf die englischsprachige Webseite von Jim Strutzin.

Der ‚visionäre‘ Roman von 1898

Eine erstaunliche Sache ist jedoch tatsächlich wahr und belegbar: Im Jahr 1898 – also bereits 14 Jahre vor der Fahrt der TITANIC – erschien ein Roman namens „Futility“ des amerikanischen Schriftstellers Morgan Robertson. In der Liebesgeschichte beschreibt er den Zusammenstoss des riesigen Kreuzfahrtdampfers TITAN (!) mit einem Eisberg und den opferreichen Untergang des Schiffes im Nordatlantik (die beiden Protagonisten des Romans retten sich dabei übrigens auf das Eis und ernähren sich bis zu ihrer Bergung von einem erlegten Eisbär – das wäre Kate Winslet, Leonardo DiCaprio und den Kinogängern sicher auch lieber gewesen).

Man könnte dem Autor Robertson selbstverständlich übernatürliche Fähigkeiten zuschreiben, da er ziemlich viele Parallelen zum tatsächlichen Unglück ‚vorhergesagt‘ hat. Und doch sind die Ähnlichkeiten wohl nur ein Zufall: Einige technische Angaben und auch der Titel des Buches mit dem Zusatz „or the Wreck of the Titan“ (siehe Abb.) wurden bei einer neueren Auflage 1912 aktuallisiert, folgenreiche Zusammenstösse mit Eisbergen waren in der damaligen Schifffahrt keine Seltenheit und sogar der Name des Romandampfers – TITAN – lässt sich erklären… bereits im Juli 1880 sank ein Dampfschiff TITANIA nach einer Eisbergkollision im Nordatlantik (Quelle: The Times of London vom 10.07.1880, Seite 12)!

So. Und jetzt lade ich ganz im Sinne des Tages eine Schöne auf das Mainausflugsschiff Wappen von Frankfurt ein, um ganz vorne auf dem Bug stehend bis zur Offenbacher Schleuse im Duett „My heart will go on…“ zu schmettern.

VERWEISE:

– alles über die Titanic und den Untergang => http://de.wikipedia.org/wiki/Titanic

– „Futility“ online lesen => http://archive.org/details/wrecktitanorfut00robegoog

Mittwochabend, Café des Frankfurter Kunstvereins – Wieder eine Veranstaltung der Reihe DEMONSTRATIONEN. VOM WERDEN NORMATIVER ORDNUNGEN. Die beiden Kuratorinnen der begleitenden Ausstellung, Sabine Witt und Fanti Baum, luden zum Thema „Subversives Potential satirischer Kunst“ und sprachen darüber mit Leo Fischer (verantwortl. Redakteur des Satiremagazins TITANIC), sowie mit Ivana Sajevic und Nils Zapfe (Theatergruppe LOVEFUCKERS).

Karikatur von Kukryniksy (1942)

Der Diskurs behandelte u.a., wie sich Satire im Laufe der Zeit (Französische Revolution bis heute) weiter-entwickelte, welche Stilmittel möglich sind und was die Satire bewirken kann.

Anhand von Szenen aus dem Theaterstück „King of the kings“ der Gruppe LOVEFUCKERS (u.a. aufgeführt vor zwei Wochen in der Pik Dame), erläuterten Sajevic und Zapfe die Konzeption und Entwicklung ihrer Arbeit. Der Hauptprotagonist der Performance – Diktator Muammar al-Gaddafi (überspitzt dargestellt mittels einer grossen Puppe) – offenbart in einer aktionsreichen Show seine absurden Selbstinszenierungen und bizarren Machtdemonstrationen. Diese Figur verdeutlicht dabei stellvertretend für all die ‚Berufskollegen‘ die mehr und mehr zunehmende und ins Lächerliche abgleitende Realitätsferne des Alleinherrschers, aber auch die Anbiederungen und Funktionalismen der Untergebenen und Helfer im Umfeld der Macht.

Ausreichend Beispiele für die Wirkung von Satire lieferte natürlich Leo Fischer, der im grossen Fundus der TITANIC graben konnte. Herrlich, mal wieder an ‚Birne‘ erinnert zu werden.

Für Fischer gilt: Satire darf alles! Etwas vorsichtiger formulierten Sajevic und Zapfe die Grenzen dieser Kunstform: Der Rahmen wird für sie durch Art und Weise, sowie die Kompetenzen des Satirikers gebildet.

Überraschend für mich die Aussage, dass Satire bei den Revolutionen im arabischen Raum eine wichtige Rolle spielt. Hier dienen die anonymen Mittel der Zeichentrick- oder Puppenfilme auf Youtube, Karikaturen auf Häuserwänden und ironischen Liedtexte auch dem Schutz von Leib und Leben der politischen Kritiker.

Die Runde stellte fest: Satire hat in unserer offenen Gesellschaft natürlich nicht Wirkungsgrad und Priorität wie in unterdrückenden Staatssystemen. Doch sie muss auch bei uns weiter gepflegt werden, denn – so Leo Fischer: „Wer weiss, was kommt“.

Mit drei noch ausstehenden Terminen (s.u.) findet das Projekt DEMONSTRATIONEN. VOM WERDEN NORMATIVER ORDNUNGEN sein Ende. Eine für mich äusserst interessante Veranstaltungsreihe mit Denkanstössen, originellen Erlebnissen, Skurillem und einer Begegnung mit dem zukünftigen Bundes-präsidenten (Links: Gang auf’s Amt, Gespräch mit Gauck, Brennende Biester, das Zwei-Mensch-Ding-Orchester). Eine Auseinandersetzung mit Formen des Protestes und den Gründen für Umbrüche.

Grosses Lob an die Veranstalter vom Frankfurter Kulturverein und dem Exzellenzcluster Normative Orders der Goethe-Universität! 

[Die noch ausstehenden Aktionen: Musikperformance LES TRUCS am 21.03., Strassenkunst MARCELLO MALOBERTI am 24.04. und die abschliessende Kuratorenführung am 25.03.] 

Nachtrag: Für die Strassenperformance von Marcello Maloberti „I AM THE HAPPINESS OF THE WORLD“ werden noch Akteure gesucht. Treffpunkt für den vorbereitenden Workshop ist Samstag, 24.03. von 10-16 Uhr im Frankfurter Kunstverein, die Aktion startet ab 16 Uhr in der Innenstadt!