Archiv

Schlagwort-Archive: UEFA

Eigentlich sollte am Dienstagabend (27. August) der Fernseher nur nebenbei über den Verlauf den CL-Spiels PAOK Saloniki gegen FC Schalke 04 informieren – doch dann entpuppte sich das gesamte Abendprogramm des Senders ZDF mal wieder als Anschauungsunterricht für das Versagen der öffentlich-rechtlichen Sender.

20.25 – 23.00 Uhr: FUSSBALL-LIVE-ÜBERTRAGUNG AUS THESSALONIKI (Sportshow): Seit einem Jahr überträgt das ZDF die Spiele der UEFA Champions League und zahlt für die Übertragungsrechte pro Saison ca. 54 Millionen Euro [1], wofür der Sender mit Recht heftig kritisiert wurde. Die CL ist das Highend-Premium-Hochglanzprodukt der UEFA und wird uns verkauft mit Emotionen, Atmosphäre und packenden Flutlichtduellen der europäischen Spitzenmannschaften. Sehenswerter Fussball vom Feinsten also.

Natürlich konnte das ZDF nichts dafür, dass das Spiel der Schalker in Griechenland auf Anordnung des europäischen Fussballverbands vor leeren Rängen ausgetragen werden musste (‚Geisterspiel‘-Strafe für PAOK) und die Übertragung stimmungstechnisch an einen wochentags im Herbst bei Nieselregen ausgerichteten Freundschaftskick in untersten Ligen erinnerte. Doch beim Anblick des aufgrund der fehlenden Stadionbesucher bizarr wirkenden (von der UEFA vorgeschriebenen) Rituals mit Mannschaftsaufstellung und Hymne auf dem Rasen vor dem Anpfiff wurde einem schnell wieder bewusst, was die Champions League tatsächlich ist: eine durchorganisierte Marketingveranstaltung, um tolle TV-Bilder zu produzieren, die sehr viel Umsatz generieren.

Die Teams vor Anpfiff im leeren Stadion

Die Teams vor Anpfiff im leeren Stadion

In der Halbzeitpause: ZDF HEUTE JOURNAL (Nachrichtenshow): Mit der angemessenen Betroffenheit und ernster Stimme verkündet uns Claus Kleber, dass es wohl kein Zurück mehr gibt und Bomben und Marschflugkörper auf Syrien niedergehen werden. Ähnlich wurden uns u. a. schon die Kriege im Irak und Afghanistan angekündigt. Syrien ist übrigens das Land, von dem uns auch das heute journal in etwa so berichtet: „blutige Proteste gegen die Regierung“ (2011), „Assad-Regime zwingt das Land in einen Bürgerkrieg“ (2012), „unterschiedliche Rebellengruppen kämpfen gegen die Regierungseinheiten“ (2013).

Ich erwarte aufgrund der begrenzten Sendezeit der Nachrichtensendung keine detaillierte Berichterstattung, aber kann sich jemand erinnern, wann zur Primetime bei ARD oder ZDF ausführlich, differenziert und genau über Syrien (Ägypten, Libyen, etc.) berichtet wurde? Ich nicht.

23.00 – 24.00 Uhr – NEUES AUS DER ANSTALT (Comedyshow): Ach, meine ‚Anstalt‘ hat auch schon bessere Tage gesehen. Wo bis letztes Jahr der Bildungsbürger eine satirisch-sarkastisch-intelligente Bestätigung der eigenen kritischen Haltung erhielt (worüber man natürlich auch diskutieren kann), sorgen jetzt Blödelbarden wie Ingo Appelt, Monika Gruber oder Christian Springer für pseudopolitische Schenkelklopfer. Am 1. Oktober wird die Sendung in vorliegender Form letztmalig ausgestrahlt, die beiden Anchormen Priol und Barwasser widmen sich anschliessend anderen Projekten. Sollte man auf den Nachfolger gespannt sein?

00.00 – 00.30 Uhr – ILLNER INTENSIV (Unterhaltungsshow): Endlich Mitternacht, endlich die knallharte Auseinandersetzung mit Politikern. Knackige Fragen und konkrete Antworten zur besten Sendezeit! Vor der strengen Maybrit Illner zeigen die Herren Frank-Walter ‚wir-sind-dagegen-stimmen-aber-dafür‘ Steinmeier (SPD), Volker ‚es-wird-keinen-Schuldenschnitt-für-Griechenland-geben‘ Kauder (CDU) und Gregor ‚wir-machen-das-nicht-mit‘ Gysi (Die Linke) klare Kante und Profil zum Thema Eurokrise… (hüstel)

Man muss es mittlerweile als Verhöhnung des TV-Zuschauers betrachten, wenn zu diesem ernsten Thema die o. a. ‚ausgewiesenen Experten‘ ins Studio geladen und befragt werden und die Moderatorin nicht nachhakt, wenn die Parteienvertreter leere Sprechblasen in die Mikrofone aussondern. Einen Herrn Kauder, der die aktuelle deutsche Politik gegenüber den Schuldenstaaten mit den gängigen Klischees und Phrasen verteidigt, darf man in einem solchen Sendeformat durchaus damit konfrontieren, dass das übliche Modell der Austerität noch nie erfolgreich war (wie es uns leider Weltbank und IWF seit Jahrzehnten beweisen). Und man darf gerne einmal anmerken, dass sogar das theoretische Modell der Ökonomen keine absolute Gültigkeit mehr besitzt, weil dem gefeierten Vorreiter Professor Kenneth Rogoff bei seiner mathematischen Studie zu Staatsverschuldung und Wirtschaftswachstum Datenbank- und Formelfehler unterlaufen sind, wie dieser im Frühjahr diesen Jahres kleinlaut zugeben musste [2].

Wenn ARD und ZDF wissen wollen, wie man Politiker zum Schwitzen bringt und in die Mangel nimmt, sollten sie sich einmal das Format HARDtalk der BBC anschauen [3]!

Zusatzinfos:

[1] in den Medienberichten im April 2011 schwanken die Meldungen zwischen 50 bis 56 Millionen Euro

[2] „…Thomas Herndon, ein Doktorand der Universität Massachusetts, hatte sich die Daten von Rogoff und Reinhart noch einmal vorgenommen und kam zu anderen Ergebnissen. Laut seinen Berechnungen brach das Wirtschaftswachstum überhaupt nicht ein, wenn sich Staaten mit mehr als 90 Prozent des BIP verschuldeten. Er konnte zeigen, dass Rogoff und Reinhart einige Daten in ihrer Studie sehr merkwürdig gewichtet und einzelne Länder, die trotz hoher Schulden kräftig gewachsen waren, ausgeklammert hatten. Außerdem deckte Herndon einen peinlichen Fehler auf: Rogoff und Reinhart hatten eine Formel im Tabellenkalkulationsprogramm Excel falsch programmiert und deshalb wichtige Daten in ihren Rechnungen nicht berücksichtigt…“ (aus ‚Die Ökonomen-Seifenoper‘, Zeit Online vom 28. Mai 2013)

[3] Beispiel: HARDtalk-Interview mit Wolfgang Schäuble: „Greece default will not happen“ (Video)

'illner intensiv' mit Steinmeier, Kauder, Gysi (v.l.n.r.)

‚illner intensiv‘ mit Steinmeier, Kauder, Gysi (v.l.n.r.)

Advertisements

Wie erklärt man einer jüngeren Generation das Gefühl, das unsereins befällt, wenn wir die Namen Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein hören. Wie beschreibt man, dass diese beiden Spieler für eine grosse Zeit der Eintracht Frankfurt stehen, an die wir sehnsüchtig zurückdenken…

Als die beiden verdienten Spieler anlässlich des fünften Geburtstags des Eintracht Frankfurt-Museums am Donnerstagabend das Podium betraten, erhoben sich die anwesenden Besucher respektvoll und spendeten langanhaltenden Applaus. Als dieser verklungen war, eröffnete Moderator Axel ‚Beve‘ Hoffmann das Gespräch mit dem sinnbildlichen Ausspruch: „Ich weiss gar nicht, womit wir zuerst anfangen sollen“.

Und damit hat er Recht. Die Karrieren der beiden Fussballer, die Mitte der sechziger Jahre erstmalig das Adler-Trikot überstreiften und dann über fünfzehn Jahre die Geschichte der Eintracht prägten, sind prallgefüllt mit Erlebnissen, für deren Schilderung der Abend im Museum bei weitem nicht gereicht hätte. Alleine die bekanntesten Höhepunkte ihrer sportlichen Laufbahn (zwei DFB-Pokalsiege in den glorreichen siebziger Jahren, Weltmeister 1974 mit der deutschen Nationalmannschaft und der furiose UEFA-Cup-Sieg 1980) können ganze Bücher füllen!

Bernd Hölzenbein, Axel Hoffmann und Jürgen Grabowski (v.l.n.r.)

Und so plauderten der ‚Grabi‘ und der ‚Holz‘ gutgelaunt über ihre Anfänge bei der Eintracht, über ihre Trainer und WM-Teilnahmen, über Mannschaftskollegen und ihren heutigen Alltag, während das Publikum andächtig lauschte und der eine oder andere der Anwesenden einen dicken Klops der Rührung hinunterschlucken musste. Denn Grabowski und Hölzenbein repräsentieren nicht nur eine glanzvolle Ära der Eintracht Frankfurt, als die launische Diva vom Main mit technisch wunderschönem Fussball jeden Gegner der Welt schlagen konnte, um am darauffolgenden Wochenende gegen den Tabellenletzten zu verlieren. Eine Zeit, als Franz Beckenbauer lieber die Punkte per Postkarte nach Frankfurt senden wollte, als mit seinen Kollegen vom FC Bayern München im Waldstadion unterzugehen.

Die beiden Spieler, die auf dem Podium Anekdoten erzählten, waren für viele von uns Vorbilder, als wir selbst begannen, auf den Bolzplätzen und in den Vereinen dem Ball hinterherzujagen. Tolle Fussballer, bescheidene Menschen. Und sie stehen auch für eine Zeit im Fussball, die so nie mehr zurückkehren wird: Trikotwerbung war bei Europapokalspielen nicht zugelassen, Schienbeinschützer waren noch keine Pflicht und die dritten Programme übertrugen live und ohne von Werbeblocks umrahmte Expertenrunden um 17 Uhr die UEFA-Cup-Partien in der osteuropäischen Fremde! Spieler blieben ‚ihr ganzes Leben‘ bei einem Verein (O-Ton Grabowski: „Warum hätten zum Beispiel Overrath oder Flohe Köln verlassen sollen?“), ein Schiedsrichter kassierte eine Sperre wegen Spielerbeleidigung und die Trainingslager wurden im Taunus abgehalten, statt in der arabischen Wüste. Heute ist das anders…

Mit der Veranstaltung „Tradition zum Anfassen – Grabi und Holz“ ist dem Eintracht Frankfurt-Museum erneut ein Höhepunkt gelungen! Und wenn ein wenig von dem Geist hängenbleibt, der diesen Abend durchweht hat, dann gibt es für Ribery & Co. am Samstag wenig zu lachen (10.11., 15.30 Uhr: Bayern München – Eintracht Frankfurt)…

[Wer den Weg zum UEFA-Pokal-Sieg nochmals verfolgen möchte: hier eine 54-minütige Zusammenfassung!]

Schade, das hätte ein über die gesamte Spieldauer aufregendes Endspiel werden können… aber aus dem bis zur 61. Minute sehr packenden Finale ist auf einmal die Luft draussen, als der gerade erst eingewechselte Italiener Thiago Motta verletzt ausscheidet und das Wechselkontingent der Squadra Azzurra bereits erschöpft ist. Italien muss in Unterzahl und mit einem 0:2-Rückstand die letzte halbe Stunde der EM gegen wieder einmal spielstarke Spanier bestreiten. Ein Ding der Unmöglichkeit…

Es kommt, wie es kommen muss. Spanien nutzt die nicht nur numerische Überlegenheit gnadenlos, siegt am Ende 4:0 und wird zum zweiten Mal in Folge Europameister. Und das völlig verdient.

Das 3:0 durch Fernando Torres (84. Spielminute)

Bleibende Eindrücke

Die ganz grossen Emotionen wollten sich dieses Mal nicht einstellen, dafür wurde das Produkt UEFA EURO 2012 von den Verantwortlichen zu sehr präsentiert wie eine Familien-Unterhaltungsshow am Samstagabend. Hübsch aufgepeppt, jugendfrei und hygienisch absolut steril. Die glattgeschliffenen Details des Events reichen von dem Disco-Trallala-Erkennungssong über die manipulative Weltbildregie bis hin zum nervigen Countdown vor Anpfiff der Spiele. Die vor keiner Peinlichkeit zurückschreckende mediale Berichterstattung von der Ferieninsel Usedom (ZDF) und an Waldemar Hartmanns Stammtisch (ARD) wurde bereits ausführlich (auch in diesem Blog) kommentiert. Wer aufmerksam hingeschaut hat, stellt fest, dass die Kommerzialisierung des Fussballs augenscheinlich noch lange nicht an ihre Grenzen gestossen ist. Da wird (auch in der Bundesliga) in den kommenden Jahren noch einiges auf uns zukommen.

Die grosse Aufregung um Julija Tymoschenkos Haftbedingungen und die ‚rechtsstaatlichen‘ Verhältnisse in der Ukraine im Vorfeld der EM war mit dem Anpfiff des Eröffnungsspiel vergessen und verdrängt. Nur kleine Randnotizen hier und dort, obwohl man durchaus die mediale Aufmerksamkeit hätte nutzen können, um auf Missstände im Land der ehemals orangenen Revolution hinzuweisen. Besonders ernüchternd fand ich den anscheinend lustig gemeinten Artikel eines FR-Journalisten, der über seine Erlebnisse beim Einchecken in einem für EM-Übernachtungsgäste bereitgestellten Studentenwohnheim in Kiew berichtete. Unerwähnt blieb leider, dass die Studenten kurzfristig und zwangsweise ihre Zimmer komplett räumen mussten, damit die Stadt diese Übernachtungs-möglichkeiten teuer an die Fussballtouristen vermieten konnte.

Die Schiedsrichterassistenten an der Torauslinie… schon bei den Europapokalspielen 2011/12 sorgten sie für Diskussionen. Bei der EM gab es mindestens zwei gravierende Fehlentscheidungen der Referees, die durch die vermeintlichen Helfer an der Torlinie nicht revidiert wurden. Anstatt den Spielern den Händeschüttel-Marathon vor Anpfiff aufzuzwingen (aus dem guten, alten Schiri-Trio ist mittlerweile eine vielköpfige Mannschaft geworden), muss endlich eine Entscheidung her: Moderne Technik (zumindest zur Strafraumüberwachung) oder back to the roots – aber bitte Schluss mit Massnahmen, die den Schiedsrichtern (die insgesamt übrigens im Vergleich zur WM 2010 sehr gute Leistungen zeigten) mehr schaden als helfen!

Über das Niveau der Spiele lässt sich lange fachsimpeln. In Kurzform: Bis auf wenige Ausnahmen mehrheitlich eher mittelmässiger Fussball – entweder der taktischen Ausrichtung geschuldet, öfters jedoch dem Unvermögen der teilnehmenden Mannschaften. Die Aufstockung von 16 auf 24 Teams bei der nächsten EM 2016 verheisst da keine qualitative Besserung…

Ginge es um die Darbietung der Nationalhymnen, wäre Italien verdientermassen Europameister. Wie ein Gianluigi Buffon, die italienische Torwartlegende, mit geschlossenen Augen Fratelli d’Italia schmettert, hat Klasse! Zugegebenermassen ist die Musik vom Feinsten. Erinnert an Puccinis Overtüren. Sehr fein!

Ach, es gäbe noch vieles zu berichten: Über die seltsame Stimmung in den Stadien. Über die braven Jungs unserer Nationalmannschaft. Über die plötzlich aufkommende Debatte über Löws fachlichen Fähigkeiten. Über koordiniertes Rudelgucken mit schwarz-rot-goldenen Fahnen in den deutschen Städten, der Patriotismusdebatte und dem entsprechenden Zusammenhang mit den Übergriffen auf italienische Fans in Wuppertal.

Aber jetzt wird abgepfiffen: Schluss. Aus. Vorbei.

[Alle EM-Splitter auf einen Blick: Klick!]

DAS EINE HALBFINALE…

Schluss mit Tiki-Taka. Beinahe hätten die Portugiesen den spanischen Ballzirkulationszauber zum Erliegen gebracht. Am Ende gewannen die Mannen von Trainer del Bosque aber dann doch und erreichen das EM-Endspiel – wenn auch nur knapp durch Elfmeterschiessen.

Apropos ‚Tiki-Taka‘ (span. tiqui-taca): Für die einen mittlerweile ein gähnend langweiliges Hin- und Hergeschiebe, ist das Kurzpassspiel der Spanier für andere Ausdruck spielerischer Dominanz und Ballbehauptung. Die Franzosen meinten nach dem Ausscheiden im Viertelfinale, es sei „nervig, ständig nur hinterher laufen zu müssen und wenn Du dann selbst mal am Ball bist, hast Du keine Luft mehr„.

So ermüdend es für den einen oder anderen Zuschauer sein mag: Tiki-Taka ist der Tatsache geschuldet, dass sich die Gegner tief am eigenen Strafraum formieren und massive Defensivarbeit leisten. So bleibt den Spaniern nicht anderes übrig, als in typischer Handballmanier den Ball vor dem gegnerischen Tor zirkulieren zu lassen, bis sich endlich eine Lücke für den gefährlichen Pass auftut oder durch eine Eins-gegen-Eins-Situation eine Torchance erzwungen werden kann. Bisher war Spanien erfolgreich damit.

Ein Mittel gegen das übermächtige spanische Mittelfeld scheinen die Portugiesen gefunden zu haben: Sie machten schon an der Mittellinie den Raum eng, störten früh und versuchten, in Ballnähe Überzahlsituationen herzustellen. Dieser kräftezehrenden Taktik fiel dann allerdings das eigene Offensivspiel zum Opfer: Aufgrund der angeschlagenen Physis wurden Angriffsversuche unsauber gespielt und schlampig abgeschlossen. Aber immerhin – hier scheint ein Mittel gefunden!

Trauern verboten

Über die UEFA und die Kommerzialisierung des Fussballs habe ich mich in den bisherigen Artikeln zur Fussball-Europameisterschaft (pardon, ich meinte die UEFA EURO 2012™) immer wieder kritisch geäussert. Ein weiterer Vorfall ist bezeichnend: Aufgrund des Todes des Spielers Miquel Roque von Betis Sevilla (er verstarb vergangenes Wochenende 23-jährig nach Krebsleiden) beantragten die Spanier laut diversen Medienberichten, im Spiel gegen Portugal Trauerflor tragen zu dürfen sowie eine Schweigeminute beim Anpfiff der Partie (die UEFA bestreitet, dass es eine Anfrage bzgl. der Schweigeminute gab, Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Spanien mit schwarzer Trauerbinde

Die UEFA gab dem Antrag nicht statt. Die Schweigeminute störte wahrscheinlich den engen Zeitplan für das weltweite Broadcasting (Werbeblock, Nationalhymnen, ‚Respect‘-Kampagne) und für das Verbot der schwarzen Armbinde kann es m. E. nur einen trifftigen Grund geben: Eine interne Absprache mit Ausrüster Adidas (der auch die spanischen Trikots stellt und sehr eng mit der UEFA / FIFA zusammenarbeitet), dass kein Zentimeter der drei werbeträchtigen Streifen bedeckt werden würde. Anders kann ich mir das sture Verhalten der UEFA-Funktionäre nicht erklären…

Sei es drum. Die spanische Mannschaft ignorierte den UEFA-Bescheid und lief dennoch – zumindest in der ersten Halbzeit – mit Trauerflor auf. Wir dürfen darauf gespannt sein, ob auch in diesem Fall eine Strafe ausgesprochen wird.

… UND DAS ANDERE HALBFINALE

Eine der beiden Serien musste enden: Entweder Deutschlands Siegesglück bei fünfzehn Pflichtspielen in Folge oder die statistische Wahrheit, dass ‚wir‘ noch nie ein Turnierspiel gegen Italien gewonnen haben.

Bei Anpfiff am Donnerstagabend ein tiefschwarzer Himmel und Regen über Frankfurt, das kann kein gutes Omen sein. Und dementsprechend bestimmen trotz gutem Start der deutschen Elf die Italiener die Höhepunkte der ersten Halbzeit: Doppelschlag von Balotelli, dem erklärten ‚Enfant terrible‘ der TV-Reporter, der sich bei dieser EM bisher so rebellisch zeigte wie weiland Robert Lembke als Was bin ich?-Gastgeber (ok… zugegebenermassen hatte Herr Lembke die Torjubelpose des Italieners beim zweiten Treffer nicht im Programm). Cleverness vor Jugendstil?

Nach der Pause ein Sturmlauf, der eingewechselte Reuss bringt neuen Schwung und Hoffnung. Doch die Zeit verrinnt und mehr und mehr schwindet die Zuversicht, denn der Fussballkenner weiss: In Führung liegende Italiener werden mit jeder ablaufenden Spielminute schwieriger zu bespielen. Und so kommt es auch: Das Runde will nicht in das Eckige, Aktionen funktionieren unter dem Druck und der Hektik nicht mehr richtig. Da hilft auch Özils Elfmetertreffer in der 90. Minute nicht mehr.

Fünf Nachspielminuten, Kopfball Manuel Neuers als Mittelfeldspieler, Abfiff… und dann Kommentator Steffen Simon: „Es ist aus. Deutschland ist raus…“

•   •   •

Schade. Dennoch: Mein Glückwunsch geht an Italien und Spanien – jetzt wünschen wir uns von den beiden Teams ein tolles Endspiel!

Diskussionen über Löws Mannschaftsaufstellung, einer etwaigen Überheblichkeit aufgrund des deutlichen Sieges über Griechenland, individuelle Fehler einzelner Spieler u. ä. führe ich an dieser Stelle nicht und überlasse dies der Fachpresse. Abschliessende persönliche Analysen und Kommentare folgen in meinem Artikel EM-Splitter V nach dem Endspiel!

[Weiterführende Links: alle EM-Splitter auf einer Seite]

Und wieder mal bestätigt sich eine Fussballweisheit: Die Engländer können kein Elfmeterschiessen (so langsam tun sie mir leid)! Doch ehrlich gesagt: Ein Sieg gegen die weitaus besseren Italiener wäre auch ziemlich unverdient gewesen.

Generell gilt festzuhalten, dass in allen vier Partien des Viertelfinales die jeweils spielerisch bessere und engagiertere Mannschaft als Sieger den Platz verlassen hat. Die Teams aus Tschechien, England, Frankreich und Griechenland haben – wie auch die vorher schon ausgeschiedenen Mannschaften der Gruppenrunde – viel zu biedere Kost angeboten. Ungenaues Passspiel, Ideenlosigkeit gepaart mit fehlendem Tempo oder die Taktik des Abwehrbollwerks, ohne effiziente Konter setzen zu können… das hat glücklicherweise nicht gereicht, um weiterzukommen.

Portugal, Spanien, Deutschland und Italien haben einfach den besseren Fussball gespielt. Somit dürfen wir uns auf zwei sehr interessante Halbfinalspiele freuen (und gegen die Squadra Azzurra haben ‚wir‘ noch eine Rechnung offen – s. WM 2006)!

Nebenbei ein Gedanke (ohne allerdings einen Blick in die Statistiken zu werfen): Kann es sein, dass sich mit diesen vier Mannschaften jene Nationalverbände auf spielerisch hohem Niveau für das Halbfinale qualifiziert haben, die in ihren Top-Ligen den höheren Anteil an Spielern aus der eigenen Jugend haben? Habe jedoch gerade keine Lust, das näher zu recherchieren. Falls jemand zufällig die Antwort kennt: Bitte melden!*

Unser Käpt’n beim Interview

Sonstige Ereignisse aus Polen / Ukraine, die uns in den vergangenen Tagen aufgefallen sind:

Fussball-Pressekonferenzen sind – mit wenigen, dafür unvergesslichen Ausnahmen – stinklangweilig und stets mit den ewig gleichen Mitteilungen garniert. Als Journalist würde ich auf diese Termine verzichten und lieber einen Stadtbummel durch Danzig machen. Die vorhersehbaren Aussagen der PK kann man sich dann gemütlich in einem Strassencafé aus den Fingern saugen.

Andrea Pirlo – der italienische Mittelfeldspieler – ist wohl die coolste Sau des Turnieres: Trotz Rückstandes seiner Mannschaft beim Elfmeterschiessen bleibt er eiskalt und lupft den Ball in bester Panenka’scher Manier über Englands Torwart Hart. Sensationell!

Wir haben ein Maulwurf-Problem. Laut Mannschaftskapitän Philipp Lahm („Ich würde nicht mal meiner Frau die Mannschaftsaufstellung mitteilen“) liegt das Problem jedoch nicht in der Mannschaft, sondern beim Maulwurf selbst, weil ja eine ganze Nation die Daumen drückt. Und weil alle in Deutschland hoffen und mitfiebern, hat der Maulwurf das Problem, nicht die Mannschaft. Und so weiter, und so fort… Apropos Lahm: Auf die Frage, was er mit dem gestrigen freien Abend anfangen würde, antwortete er, dass er gemeinsam mit seiner Frau das Italien-Spiel im Fernsehen anschaut. Ganz „ruhig und gemütlich“. Und als der Reporter fragte, ob die Spieler dann auch mal ein Bier trinken, sagte er: „Ich glaube schon, dass man uns ein Bier erlaubt“. Irgendwie finde ich unsere Jungs putzig. Da ging es zu Zeiten von Netzer & Co. im deutschen Quartier noch ganz anders zu…

Die Franzosen haben ein anderes Problem. Schon bei der WM in Südafrika hat sich die Mannschaft von einer nicht besonders schönen Seite gezeigt. Doch der Ausraster des Spielers Samir Nasri gegenüber einem Journalisten nach dem Ausscheiden gegen Spanien hatte eine neue Qualität. Um eine Stellungnahme zum Spiel gebeten, meinte Nasri: „Die Presse würde doch sowieso nur ‚Scheisse‘ schreiben“. Als der Medienvertreter das Interview daraufhin empört abbrach, bot der Spieler an, die Sache „draussen zu regeln“, beleidigte den Journalisten als „Hurensohn“ und bedeckte ihn mit einer an dieser Stelle nicht zitierfähigen Beschimpfung. Die arme Grande Nation…

Während es bei Nasri Zeugen gab, bleibt ein anderes Ereignis bislang unbestätigt: Gianluigi Buffon, Torwart der Squadra Azzurra, verschwand in der Pause vor dem Elfmeterschiessen gegen England kurz in den Kabinengängen. Es wird gemunkelt, dass er dort noch schnell ein Wettbüro kontaktiert hat, um auf den italienischen Sieg zu setzen (wir wissen ja bereits: England gewinnt nie beim Elfmeterschiessen!)…

Und zum Schluss noch eine unglaubliche Geschichte… Kein Witz: Nachdem Frau Lenz alle deutschen Gruppenspiele mit einem Krimi in der Hand verfolgt hat (beim Dänemark-Spiel war es allerdings zuerst Neue Vahr Süd von Sven Regener, doch nach dem 1:1 schnappte sie sich schnell wieder einen Krimi) und die Begegnungen jedesmal mit einem Sieg unserer Mannschaft endeten, ging es am Freitag bei dem Spiel gegen Griechenland gar nicht anders. Wiederum nach dem 1:1-Ausgleichstreffer der Hellenen griff unsere Frau Lenz nach Kriminalliteratur – prompt fielen die weiteren Tore für Deutschland! Keine Frage, welche Aufgabe sie am kommenden Donnerstag haben wird. Spenden für einen standesgemässen Amazon-Gutschein zur Lenz’schen Beglückung werden ab sofort über diesen Blog angenommen!

Die kommenden Halbfinalspiele:

Mittwoch, 27. Juni (20:45 Uhr): Portugal – Spanien

Donnerstag, 28. Juni (20:45 Uhr): Deutschland – Italien

Und mein Tipp für das Finale: Portugal gegen Deutschland! Wetten, dass…?

Themenverwandte Artikel: EM-Splitter I (Cristiano Ronaldos Frisurenwechsel beim Spiel gegen Deutschland) und EM-Splitter II (persönliches Fazit nach den Gruppenspielen) 

◊   ◊   ◊

* Nachtrag: Die Frage wurde im gewohnt verlässlichen Eintracht-Forum freundlicherweise beantwortet. Hier die Anteile der ausländischen Spieler in den Top-Ligen Europas: Premier League (England): 62,7%   + + +   SuperLiga (Portugal): 57,2%   + + +   Bundesliga (Deutschland): 51,4%   + + +   Serie A (Italien): 46,3%   + + +   Ligue 1 (Frankreich): 41,4%   + + +   Primera División Spanien): 35,0  Spricht nicht für meinen oben erläuterten Gedanken (Danke an den User Libero1975™ aka Matze)

Die Gruppenspiele der UEFA EURO 2012 (formerly known as „Fussball-Europameisterschaft“ oder kurz „EM“) liegen hinter uns, acht Teams packen die Koffer oder befinden sich bereits auf der Heimreise. Zeit für ein persönliches Zwischenfazit.

Dass die Fussballturniere der FIFA und UEFA nur noch eine Plattform für die Werbeindustrie sind und eine grandiose Einnahmequelle für die genannten Ausrichter darstellen, wird gerne übersehen, solange uns packende und unterhaltsame Spiele geboten werden. Wie weit die UEFA geht, um den Werbekunden und Sponsoren, dem weltweiten Fernsehpublikum und den Gastgeberländern das Bild einer wunderschönen, friedlichen, stimmungsvollen EM zu vermitteln, zeigt der ‚Kunstgriff‘, die vor dem Spiel Deutschland gegen Holland aufgezeichnete Szene mit Trainer Löw und dem Balljungen während der Übertragung der Partie in das Live-Bild einzuspielen. Der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen und staunt über einen augenscheinlich entspannten, sympathischen Bundes-Jogi beim durchaus packenden Spiel gegen die Niederländer.

Nicht gezeigt wurden uns durch die UEFA dagegen die Bilder von Bengalos in den Fanblöcken, der kroatische ‚Flitzer‘, leere Ränge in den Stadien, die nationalistische Provokation beim Marsch der russischen Fans durch Warschau  oder die Politiker Rebecca Harms und Werner Schulz mit ihrem Banner „Fair Play In Games And Politics“, das sie auf der Tribüne entrollten. Passt halt nicht in’s Bild (mehr zum Thema: FAZ-Artikel Die Herren des Weltbilds vom 03.06.2012)!

Wenn schon ARD und ZDF unkritisch die von der UEFA produzierten Fernsehbilder übernehmen, könnte man sich wenigstens über eine interessante Nebenberichterstattung freuen. Was uns da jedoch mit Waldis Club und dem Duo Katrin Müller-Hohenstein / Oliver Kahn an der Heringsdorfer Landungsbrücke auf Usedom zugemutet wird, ist ein Angriff auf die Würde des Menschen. Waldemar Hartmann sollte sich nur noch der Weissbier-Reklame widmen und das bisher Erhellendste von der Ostseeinsel war Olli Kahns erstes Twittern. Kahns Ankündigung, Tiefsinniges der Welt zu vermelden, folgte die Nachricht: „wir werden #europameister!!!“. Geht es noch infantiler?

Verwundert diese flache, als Show-Veranstaltung konzipierte sog. ‚Vorberichterstattung‘, die bereits zwei Stunden vor Anpfiff beginnt? Die Antwort lautet „nein“. Denn dem ZDF stellt sich keine Qualitäts-frage, sondern lediglich die Überlegung, wie sich möglichst einfach die für hochpreisige Werbeblöcke verkaufbare Zeit bis 20 Uhr mit dem quotenträchtigen Thema ‚Fussball-EM‘ füllen lässt. [Anmerkung: Da das ZDF ab kommende Saison die Übertragungsrechte für die Champions-League erworben hat, steht uns wohl auch in diesem Fall eine gehaltvolle ‚Vorberichterstattung‘ ab 19.30 Uhr bevor. Insofern betrachte ich die EM-Show als Testballon, was dem Fernsehzuschauer so alles zuzumuten ist]

Für Verwirrung sorgte das etwas unglückliche Reglement der UEFA, welche Mannschaften sich bei Punktegleichstand in den Gruppen für das Viertelfinale qualifizieren. So mussten zum Beispiel die Fans der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Sonntag mit Notebooks und Taschen-rechnern ausgestattet Richtung ‚Freiluftgucken‘ ziehen, statt mit Tröten und Fahnen für eine ordentliche „Tschlaaaaand“-Stimmung zu sorgen. Und der Gegner der Deutschen, die dänische Mannschaft, hatte anscheinend völlig den Überblick verloren – statt alles auf eine Karte zu setzen (denn parallel führte Portugal gegen Holland und setzte sich damit vor Dänemark), dachten sie wohl weiterhin, ein Unentschieden würde reichen und beschränkten sich auf ein Abwehrbollwerk vor dem eigenen Tor.

Dass die UEFA mit Strafen gegen die Nationalverbände wegen Fehlverhaltens der jeweiligen Fans um sich schmeisst, wie wir es sonst nur vom DFB gewohnt sind, ist etwas peinlich. Skandalös finde ich jedoch, dass der dänische Spieler Nicklas Bendtner für das Präsentieren seiner Unterhose (nebst Werbeaufschrift) beim Torjubel zur Zahlung von EUR 100.000,- (!) verdonnert wird, während der kroatische Fussballverband für den Einsatz von Pyrotechnik, rassistische Symbole und Sprechchöre seiner Fans um rund EUR 20.000,- günstiger davonkommt. Damit zeigen die Herren Platini & Co. einmal mehr, wo die Prioritäten bei der EM liegen!

Doch diese EM hatte auch schon tolle Highlights zu bieten! Das sensationelle Siegtor des Engländers Danny Welbeck zum 3:2 gegen die Schweden (ein „Volley-Hackentrick“ [sic!] in einem entfesselten, begeisternden und von allen taktischen Zwängen befreiten Spiel nach dem 2:1-Führungstreffer der Skandinavier). Der sagenhafte Wolkenbruch in Donezk. Sehr gastfreundliche Menschen in Polen und der Ukraine. Und der ARD-Kommentator Gerd Gottlob mit seinem „woooaaaah“ bei aufregenden Szenen…

Besonders bewegt haben mich aber die Minuten, als die irischen Fans vor Abpfiff der Partie gegen Spanien und bei einem aussichtslosen 0:4-Rückstand das Lied Fields Of Athenry (ein Folksong über eine Hungersnot im 19. Jahrhundert) anstimmten und selbst nach Beendigung der Begegnung mit dem Singen nicht aufhörten. Kommentator Tom Bartels tat das einzig Richtige und schwieg minutenlang, so dass uns an den heimischen Fernsehgeräten ein einzigartiger Moment geschenkt wurde. Grossartig!

Die Spielorte der EM 2012 (Quelle: wikipedia.de)

Wer die bisherigen Partien der EM 2012 verpasst hat – hier die Zusammenfassungen aller Gruppen-spiele im Schnelldurchlauf:

1ter Abend (Gruppe A): Nicht ganz konsequente Polen im Unglück (Polen vs. Griechenland 1:1) und ein begeisterndes russisches Staatsballett (Tschechien – Russland 1:4). Hat Spass gemacht!

2ter Abend (Gruppe B): Die Dänen lassen Oranje verblassen und unsere Jungs erkämpfen sich mit einer Portion Glück die ersten drei Punkte gegen Portugal. Kommentar von Frau Lenz: „Hätte auch in’s Auge gehen können“. Stimmt genau!

3ter Abend (Gruppe C): Das Duell Spanien gegen Italien war packend und endete mit einem überraschenden Unentschieden (1:1), Irland verliert im verregneten Breslau trotz viel Herzblut gegen abgeklärtere Kroaten mit 1:3. Es bleibt weiterhin unterhaltsam!

4ter Abend (Gruppe D): Franzosen fehlen die Ideen gegen viel zu passive Engländer (1:1) und Shevchenko brilliert mit Doppelschlag auf seiner Abschiedsgala in der Heimat (Ukraine – Schweden 2:1)!

5ter Abend (Gruppe A): Den kurzen, offiziellen EM-Trailer kann ich schon jetzt nicht mehr hören. Und es liegen noch 2 1/2 Wochen vor uns. Zurück zum Sporrrrcht: Böhmischer Blitzstart schockt Hellas (zwei Tore nach 6 Minuten Spielzeit): Griechenland – Tschechien 1:2. Das zweite Spiel – Leidenschaft und Herzblut im Warschauer Hexenkessel: Polen – Russland 1:1 mit einem wirklich geilen Tor von Kuba!

6ter Abend (Gruppe B): Fast hätte sich die schwache Chancenauswertung des Super-Gockels Cristiano Ronaldo gerächt. Doch am Ende heisst es dann doch: Dänemark – Portugal 2:3! Und im zweiten Spiel des Tages straft Mario Gomez alle Kritiker ab: Doppelpack zum 2:1-Sieg gegen Niederlande…

7ter Abend (Gruppe C): Die in der ersten Halbzeit offensivstarken Italiener beschränken sich nach der Pause auf das gewohnte Abwehrspiel und werden von beherzten Kroaten dafür bestraft: ITA – CRO 1:1. Zum zweiten Spiel des Abends: Schade, die irischen Fan-Gesänge werde ich vermissen – sympathische Mannschaft, die der spanischen Dominanz jedoch nichts entgegenzusetzen hatte. Spanien – Irland 4:0!

8ter Abend (Gruppe D): Donner, Blitz und sintflutartiger Regen sorgen für eine einstündige Spiel-unterbrechung und trüben die EM-Chancen der Ukraine – spielerisch bessere Franzosen siegen verdient (UKR – FRA 0:2). Im anderen Gruppenspiel herrscht vor der Pause (Mittelfeld-)Krampf, dann besinnen sich beide Teams auf Tugenden (Kampf & Einsatz) und die Tore sorgen für eine deutliche Belebung der Partie: Schweden und England trennen sich nach neunzig Minuten 2:3 (und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen solchen Siegtreffer gesehen habe – Volley-Hackentrick [sic!] durch Danny Welbeck).

9ter Abend (Gruppe A): Erstaunliche Wendung… Polen kommt mit dem Erfolgsdruck nicht zurecht, verliert durch zu wenig Einsatz gegen Tschechien 0:1 und scheidet damit aus. Hellas gelingt der Coup: Griechenland gewinnt überraschend, aber nicht unverdient gegen Russland 1:0 und schickt den eigentlichen Gruppenfavoriten nachhause!

10ter Abend (Gruppe B): Bei lecker Speis und Trank verfolgen wir das Deutschland-Spiel, der Taschenrechner liegt griffbereit. Benders Siegtor zum 2:1 gegen Dänemark erübrigt dann glücklicherweise das Herumrätseln, ob es für’s Viertelfinale reicht. Im anderen Gruppenspiel schlägt Portugal unsere Nachbarn mit 3:2: Die holländische „Elftal“ muss sieglos die Koffer packen. PS: Da das Ritual jetzt bei allen drei Spielen unserer Nationalmannschaft geholfen hat, muss Frau Lenz auch alle weiteren Deutschland-Spiele mit einem Buch in der Hand verfolgen. Dann klappt’s ganz sicher mit der Europameisterschaft!

11ter Abend (Gruppe C): Beinahe hätte Kroatien die Spanier zu Fall gebracht – am Ende aber siegte dann doch der Favorit (CRO – ESP 0:1). Löw hat hoffentlich seine Schlüsse daraus gezogen… Im Miejski-Stadion gewinnen die Italiener gegen harmlose Iren 2:0, bekleckern sich angesichts einer sehr langweiligen zweiten Spielhälfte jedoch nicht gerade mit Ruhm.

12ter Abend (Gruppe D): War der Ball in vollem Umfang hinter der Linie? Nach Auswertung der ersten Bilder: Ja! Trotzdem egal – die Mannschaft der Ukraine hat in sämtlichen Gruppenspielen nicht genügend Qualität aufweisen können, mit einem 0:1 gegen zurückhaltende Engländer scheidet leider auch der zweite Gastgeber der EM aus… Ebenfalls zurückhaltend, wenn nicht sogar erschreckend schwach präsentierte sich die Équipe Tricolore gegen Schweden und zieht dennoch in das Viertel-finale ein – sehenswert: Das Traumtor von Ibrahimovic (FRA – SWE 0:2)!