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„Bis heute hat keine unabhängige Stelle, kein unabhängiges Gericht, die zur Verfügung stehenden angeblichen oder tatsächlichen Beweise überprüft und nachprüfbar in einem rechtsstaatlichen Anforderungen genügenden Verfahren festgestellt, wer für die Anschläge von 9/11 verantwortlich war.“ (Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht)

Vor zwölf Jahren: der 11. September 2001 („9/11“) und die dramatischen Ereignisse an diesem Tag waren für unsere Gesellschaften weltweit eine Zäsur, die bis heute in das Leben des einzelnen Menschen eingreift und uns deshalb weiterhin beschäftigen sollte.

Der nach 9/11 ausgerufene War on Terror hat in den USA Sicherheitsstrukturen und -gesetzgebungen geschaffen, die dortigen Bürgerrechtlern und Kongressabgeordneten Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Die Konsequenzen des Kriegs gegen den Terrorismus sind auch für uns deutlich spürbar. Aktuell diskutieren wir in Deutschland beispielsweise entsetzt über das tatsächliche Ausmass der Datensammelwut der NSA. Dass der US-Auslandsgeheimdienst auch bei uns u. a. Wirtschaftsspionage betreibt, war hinlänglich bekannt (Stichwort Echelon). Dass die NSA mittlerweile private und gewerbliche Rechnernetzwerke infiltriert und manipuliert, dass sie IT-Unternehmen zur Kooperation ‚drängt‘ und dass die deutsche Regierung dazu nichts zu sagen hat (ausser “Supergrundrecht auf Sicherheit“ und “Neuland“), während deutsche Geheimdienste der NSA beim Datenaustausch und Auswerten noch behilflich sind, ist eine ganz andere Qualität und erschreckende Erkenntnis. Laut Edward Snowden wird Deutschland von der NSA als Spionageziel geführt wegen den Themen Aussenpolitik, ökonomischer Stabilität, Gefahren für die Finanzwirtschaft, Waffenexporte, neue Technologien, hochentwickelte konventionelle Waffen und internationaler Handel [1]! Das Budget der US-Geheimdienste hat sich seit 9/11 mehr als verdoppelt: in 2013 stehen den Behörden 52,6 Mrd. US-Dollar zur Verfügung [2], der Anteil der NSA beträgt dabei 10,8 Mrd. US-Dollar (53% Steigerung zu 2004!)…

Keiner der deutschen Innenminister seit 2001 (Otto Schily, Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière und Hans-Peter Friedrich) hat darauf verzichtet, geplante Eingriffe des Staates in die Grundrechte der Bürger (z.B. Staatstrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung öffentlicher Räume) mit der Bedrohung durch (islamistischen) Terror zu begründen. Dass das NSU-Trio zehn Jahre lang unbehelligt mordend durch Deutschland ziehen konnte, muss trotz intensiver Überwachung (V-Männer, konkrete Spuren) dann wohl doch nur dem stümperhaften Versagen der Ermittlungsbehörden zugerechnet werden. Kann man als Bürger also vollstes Vertrauen in die gepredigten ’notwendigen Sicherheitsmassnahmen‘ und die ausführenden Organe haben oder sollten wir gerade deswegen weiterhin wachsam sein, wenn unter dem Deckmantel der Sicherheit einschneidende Schritte geplant werden?

Seit Dezember 2001 beteiligt sich die deutsche Bundeswehr im Rahmen der Operationen OEF (Operation Enduring Freedom) und ISAF (International Security Assistance Force) an der Seite der USA und anderer Verbündeter an dem Krieg in Afghanistan. Was viele Menschen vergessen haben oder gar nicht wissen: beide Mandate basieren auf Artikel 5 (Bündnisfall) des Nordatlantikvertrags der NATO, nachdem 9/11 im NATO-Rat als Angriff auf die USA gewertet wurde. Seitdem erleben wir den Einsatz des weltweit grössten Militärbündnis mit offenem Ausgang für die Zeit nach dem Abzug der Truppen (mein Blogartikel Unknown Future zeigt Bilder und schildert die Situation in der umkämpften ostafghanischen Grenzprovinz Kunar vom Mai 2012)!

"Justice will be done" (George W. Bush, Rede an die Nation vom 20. Sep. 2001)

„Justice will be done“ (George W. Bush, Rede an die Nation vom 20. Sep. 2001)

Der unumstritten völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA gegen den Irak wurde zwar bereits vor 9/11 geplant, jedoch erst mit Begründung auf die Terroranschläge („Saddam Hussein unterstützt al-Qaida“, „Achse des Bösen“, „Massenvernichtungswaffen“) im März 2003 begonnen. Mittlerweile sollte der Weltöffentlichkeit bekannt sein, dass die Bush-Administration die aufgeführten ‚Beweise‘ erfunden hat, um aus geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen im Irak einzumarschieren (das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit). Den irakischen Zivilisten nutzt das jedoch wenig: im Land herrschen immer noch Verbrechen, Korruption, Chaos und Tod. Offizielle Opferzahlen variieren – doch die auf WikiLeaks veröffentlichten Dokumente des US-Verteidigungsministeriums listen allein für den Zeitraum 2004 bis 2009 über 100.000 Tote auf [3]!

Vergessen wir im Zusammenhang mit dem War on Terror ebenso nicht: die Bilder aus dem Gefängnis Abu-Ghuraib… die illegale Verschleppung ausländischer Staatsangehöriger von fremden Boden in die Folterzellen freundlich gesinnter Drittländer (beispielsweise ein europäischer Fall: siehe Fussnote [4]!)… das Gefangenenlager Guantanamo, wo seit Jahren Menschen ohne offizielle Anklage und eine faire Gerichtsverhandlung eingesperrt werden… die Stigmatisierung der Muslime… der wiederum völkerrechtswidrige Drohnenkrieg Obamas (u. a. auf pakistanischem Staatsgebiet)… usw., usf…

9/11 UND DIE HISTORIE

Weil die Ereignisse dieses Tages und die Berufung darauf weltweit so weitreichende Konsequenzen haben (die oben beschriebenen Einschnitte in die Rechtsstaatlichkeit in vielen Ländern, Verstösse gegen Menschenrechte und Völkerrecht), sollte es wichtig sein, was darüber in den Geschichtsbüchern stehen wird. Aus diesem Grund hat die US-Regierung Ende 2002 eine Kommission beauftragt, die Vorfälle des 11. September zu analysieren und Empfehlungen für die Zukunft abzugeben.

Die Gründung der Kommission geschah nicht ganz freiwillig und erst auf Drängen von Angehörigen der Opfer von 9/11 und des Kongresses. Lapidar gesagt: die Regierung Bush hatte keine Zeit für Aufklärung, weil man zuerst die mutmasslichen Täter bestrafen wollte…

Vorsitzender der Kommission sollte übrigens Henry Kissinger werden – nach einem Aufschrei der US-amerikanischen Medien und Beobachter verzichtete man dann doch darauf (alle Mitglieder der Kommission wurden übrigens von Präsident George W. Bush eingesetzt). Im Juli 2004 veröffentlichte die Untersuchungskommission dann teilweise das Ergebnis: den sog. 9/11 Commission Report [5]!

In der Zusammenfassung: Osama Bin Laden, Kopf des Terroristennetzwerkes al-Qaida, entsandte aus seiner afghanischen Höhle Tora Bora neunzehn Islamisten, die am 11. September 2001 mit Teppichmessern bewaffnet vier US-amerikanische Passagierflugzeuge entführten. Zwei davon rasten in die Türme des WTC, die durch die entstandenen Schäden zusammenfielen, eines donnerte in das Pentagon und Flug United 93 wurde durch die Gegenwehr der Passagiere über Pennsylvania zum Absturz gebracht. Die Dienstvorschriften bei den entsprechenden Überwachungs- und Kontrollbehörden wurden eingehalten, aufgrund von Kommunikationsproblemen zwischen zivilen Lotsen und Militär konnte jedoch nicht rechtzeitig auf die Entführungen reagiert werden. Kritisiert wird die Zusammenarbeit der Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden, die im Vorfeld der Katastrophe mögliche Hinweise übersehen, nicht weitergeleitet oder falsch interpretiert haben.

Dieser Untersuchungsbericht gilt seitdem als Sprachmuster für die öffentliche Meinung (und – nicht vergessen – ist die einzige offizielle Begründung für all die Folgen des 11. September!). Auch die westeuropäischen Medien folgen seltsam einhellig dieser Darstellung, obwohl sie viele Gründe kennen, den 9/11 Commission Report zu kritisieren und damit die offizielle Erklärung in Frage zu stellen. Interessant dazu die Äusserung des SPIEGEL-TV-Autors Dr. Florian Huber bei einer Podiumsdiskussion, beim SPIEGEL habe man erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung [6]! Warum hält dann der SPIEGEL dennoch an der offiziellen Lesart fest?

Nochmals: es geht um Geschichtsschreibung und auch die Begründung (resp. die Folgen) des NATO-Bündnisfalls!

9/11 UND DIE KRITIK

Allgemein wird Kritik am 9/11 Commission Report belächelt und abfällig in die Ecke der abstruseren Verschwörungstheorien abgeschoben, wo über thermonukleare Sprengstoffe unter den Zwillingstürmen spekuliert wird. Der Begriff „9/11“ dürfte im iNet nicht weniger Suchergebnisse erzielen als beispielsweise „Paris Hilton“. Menschen, die von Baustatik, Flugzeugtechnik und Sprengstoffen so wenig Ahnung haben wie ich, versuchen amtliche Untersuchungen zu widerlegen oder kopieren gegenseitig Theorien, was damals so alles passiert sein könnte. Das soll nicht unsere Sache sein! Widmen wir uns dem Faktischen…

Was wir in Deutschland nicht so sehr wahrnehmen (weil hierzulande darüber kaum berichtet wird): in den USA wird seit Jahren in der Öffentlichkeit ernsthaft über den Untersuchungsbericht debattiert. Ob Kongressabgeordnete, Wissenschaftler, Architektenvereinigungen oder die Gruppen der Angehörigen – sie stellen ernstzunehmende Fragen, die der 9/11 Commission Report nicht oder nur unzureichend beantwortet. Bob Kerrey, selbst ein Mitglied der Kommission, meint: „Es gibt vielerlei Gründe anzunehmen, dass es eine Alternative zu den Darstellungen unserer Version geben könnte. Wir hatten keinen Zugang…“. Und der stellvertretende Leiter der Kommission, Lee Hamilton, äusserte sich, dass er „nicht auch nur eine Minute daran glaubt, dass wir alles richtig verstanden haben“ [7].

Im Oberhaus des japanischen Parlaments wurde eine neue, unabhängige Untersuchung des 11. September gefordert, die die „von unabhängigen Forschern dokumentierten und bislang von Regierungen wie Massenmedien ignorierten Beweise berücksichtigt“, damit „die Politik, die auf der Interpretation durch die Regierung Bush-Cheney basiert, geändert werden kann“ (Yukihisa Fujita, bis 2009 Vorsitzender des Sangiin-Ausschusses für Aussenpolitik und Verteidigung).

Auch in den Parlamenten in England oder Kanada wurden die Untersuchungsergebnisse erhitzt diskutiert. Und im Deutschen Bundestag? Fehlanzeige.

ZWEI, DREI OFFENE FRAGEN ZU 9/11

1 – Insiderhandel

„Some unusual trading did in fact occur… The volume of put options surged in the parent companies of United Airlines on September 6 and American Airlines on September 10… Yet further Investigation revealed that the trading had no connection with 9/11. A single US based institional Investor with no conceivable ties to al Qaeda purchased 95 percent of the UAL puts on September 6…“ (9/11 Commission Report, Auszug aus Kapitel 5)

So und ähnlich („nicht mehr zu rekonstruieren“, „Datenträger sind vernichtet“, „keine Verbindung zu al-Qaida“) lautet die Stellungnahme der Kommission zu den ungewöhnlichen Handelsvolumen von Aktienoptionen der beiden betroffenen Fluglinien und von im WTC ansässigen Finanzunternehmen in den Tagen vor dem 11. September. Allein 2.500 Put-Optionen auf United Airlines (kurz erklärt: eine Wette auf fallende Aktienkurse) wurden am 6. September über die Deutsche Bank-Tochter Alex Brown für einen Einzelinvestoren gekauft. Wer da weshalb ein so glückliches Händchen hatte (vom moralischen Aspekt angesichts der 3.000 Todesopfer ganz abgesehen) wurde als ’nicht relevant‘ betrachtet (der Kontoinhaber hiess ja nicht Osama Bin Laden). Der damalige Chef der Deutschen Bundesbank – Ernst Welteke – äusserte sich Ende September 2001 bei einem Finanzministertreffen in Belgien: „Es gibt immer klarere Hinweise, dass es auf den internationalen Finanzmärkten Aktivitäten gegeben hat, die mit dem notwendigen Insider-Wissen ausgeführt worden sein müssen“.

Die Chicago Board Options Exchange, die Börsenaufsicht SEC und das FBI kündigten zwar im Oktober 2001 eine Untersuchung an („Wir werden alles tun, um diese Leute zu finden und vor Gericht zu bringen“ [8]), doch dem lauten Trommeln folgte in den darauffolgenden Jahren nahezu… nichts.

Eine Frage: Wäre es nicht eine Untersuchung wert, wer möglicherweise wissentlich einen Haufen Geld mit 9/11 verdient hat? Und falls es doch nur ein Zufall für die Glücksritter war, kann man sie zumindest bitten, aus ethischen Gründen einen Teil des Gewinns in einen Fond für die Opfer der Katastrophe zu spenden…

2 – Gebäude WTC 7

Was viele Menschen nicht wissen: am 11. September 2001 stürzte in New York ein drittes Gebäude ein. Am Vormittag wurde gemeldet, dass Trümmerteile der Zwillingstürme im benachbarten WTC 7 zwei Stockwerke in Brand gesetzt hätten und das Gebäude evakuiert werde. Nach vier Stunden – das Feuer hatte mittlerweile auf weitere Etagen übergegriffen – wurden die Löscharbeiten eingestellt. Um 17:20 Uhr stürzte das Gebäude – wie auch die von den Fliegern getroffenen Zwillingstürme – in wenigen Sekunden ungebremst im freien Fall in sich zusammen.

WTC 7 mit einer Höhe von 174 Metern wäre in der Frankfurter Skyline das achthöchste Gebäude (und damit höher als die Doppeltürme ‚Soll‘ und ‚Haben‘ der Deutschen Bank). Nie zuvor und nie danach ist weltweit ein durch Stahlkonstruktion errichtetes Hochhaus durch einen Brand eingestürzt (Hochhausbrände sind im iNet sehr ausführlich dokumentiert). Der 9/11 Commission Report sagt dazu… nichts! Auf keiner Seite des umfangreichen Berichts wird WTC 7 erwähnt. Erst 2008 legt die Regierungsbehörde NIST (National Institute of Standards and Technology) eine Studie vor, die erläutert, dass man anhand komplexer Computersimulationen ein neues Phänomen entdeckt habe: den durch Feuer herbeigeführten progressive collapse (ein ‚fortschreitender Zusammenbruch‘).

Diese für die Bauwirtschaft wichtige Neuentdeckung sorgte natürlich sofort bei Ingenieuren, Architekten, Versicherungen und anderen branchennahen Experten für Aufmerksamkeit und entsprechende Anfragen wurden bei der NIST eingereicht! Direktor Patrick Gallagher verweigerte jedoch per Beschluss die Herausgabe der Daten aufgrund der „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“.

Eine Frage: Warum bleibt im 9/11 Commission Report der unerklärliche Einsturz des WTC 7 unerwähnt und warum werden die anscheinend vorhandenen Erkenntnisse der NIST nicht für die Vermeidung von Risiken bei zukünftigen Grossbauprojekten herausgegeben?

3 – Beweise

Im 9/11 Commission Report wird auf eine Anzahl an Beweisen verwiesen, die bei näherer Betrachtung seltsam erscheinen. Lasst uns einen kurzen Blick darauf werfen:

Beispiel a) Der Reisepass einer der Entführer der WTC-Attentäter wird nahezu unversehrt auf den zusammengestürzten Trümmern der Zwillingstürme gefunden. (Beim Einschlag in das Gebäude muss das Dokument sich irgendwie aus den Taschen des Attentäters durch den Feuerball in den Himmel begeben und auf den Zusammensturz des Gebäudes gewartet haben, um anschliessend auf die Ruinen hinabzusegeln und entdeckt zu werden – oder?)

Beispiel b) Die ‚Skeptiker‘ bezweifeln, dass im Pentagon ein Passagierflugzeug eingeschlagen sei. Der 9/11 Commission Report verweist u. a. auf die Aufnahmen einer Parkplatzkamera, die jedoch nur grobkörnige Aufnahmen zeigt und durch die Aufteilung in Frames (Einzelbilder pro Sekunde) kein Grossflugzeug deutlich erkennen lässt. Das FBI erklärt, dass 84 (!) weitere Videotapes von diversen Kameras vorliegen würden, diese jedoch nicht freigegeben werden könnten, da sie ‚Gegenstand der Ermittlungen‘ seien [9]. (Na, dann…)

Beispiel c) Osama Bin Ladens Bekennervideos und der wichtigste Zeuge… Bis 7. Oktober 2001 erklärte Bin Laden in drei Interviews mit der pakistanischen Zeitung Ummat, mit dem Journalisten Hamid Mir und gegenüber der AFP: „Ich habe mit den Anschlägen nichts zu tun“ (für alle, die jetzt sagen: „Jaaaa, islamische Journalisten…“ – im Irak starben seit Kriegsbeginn bis 2011 etwa 160 einheimische Journalisten für die Information für uns. Die Zahlen für Syrien sind noch nicht eindeutig belegt, dürften aber erschreckend hoch sein). Dann lieferte die US-Armee auf einmal ein Video (datiert auf November 2001), in dem Bin Laden mit einem Besucher über den Anschlag spricht und Mohammed Atta als Anführer der Attentäter benennt. Alles klar – Osama Bin Laden war es! (Ein Problem: Linkshänder Bin Laden schreibt im Video mit rechts, zitiert ungenau Koran-Zitate, sieht den vorherigen Auftritten nicht besonders ähnlich und hat ziemlich zugenommen. Die Sendung Monitor der ARD vom 22.12.2001 hat diese und andere Punkte aufgegriffen. Ebenso störend: Osama Bin Laden ist zum Verbrechen des Jahrhunderts leider nicht mehr nicht vernehmungsfähig – der Möglichkeit der Festnahme hat man die Exekution an Ort und Stelle vorgezogen. Wirft natürlich auch wieder Fragen auf. Ihr Amis macht es einem aber auch wirklich leicht…)

Beispiel d) Khalid Scheich Mohammed, der mutmassliche Planer und Finanzier der Anschläge, legte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis ein. Die Umstände seiner Verhaftung sind nicht so ganz geklärt, aber irgendwann war er dann in Guantanamo und beichtete alles. Dazu sollte man bedenken: nach Ansicht von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld galt der Scheich nur als ‚feindlicher Kämpfer‘ und unterlag daher nicht den Genfer Konventionen (sprich: es dürfte das eine oder andere Waterboarding gegeben haben).

Der 9/11 Commission Report beruht in vielen Passagen zum Ablauf und der Organisation auf Aussagen des Scheichs. Nur: niemand der Kommission durfte jemals Khalid Scheich Mohammed oder seine Befrager persönlich interviewen (und schon gar nicht Medienvertreter oder sonstige Aussenstehenden). Die beiden Kommissionsvorsitzenden Kean und Hamilton räumten ein, dass die Bitte, den Inhaftierten wenigstens sehen zu dürfen, durch Rumsfeld und CIA-Chef Tenet kategorisch zurückgewiesen wurde!

Eine Frage: Wieso soll die Weltöffentlichkeit einem Untersuchungsbericht Glauben schenken, der auf einer Fülle solch wackeliger ‚Beweise‘ beruht?

EPILOG

Liebe Leser, mir ist es wichtig, dass 9/11 nicht so in den Geschichtsbüchern verschwindet, wie es uns heute erzählt wird. Beispielsweise muss das deutsche Engagement in Afghanistan juristisch und moralisch geklärt werden – ich sehe das auch als Hilfestellung für zukünftige Fragen des Engagements (aktuell Syrien). Es sollte sich jeder darüber Gedanken machen, welche Aufgaben die NATO hat. Man sollte darüber nachdenken, ob es grosse Staaten gibt, die statt Freiheit und Demokratie lieber Absatzmärkte und Rohstoffquellen sichern – und ob man bereit ist, das mit den entsprechenden Konsequenzen mitzutragen…

Vielleicht habe ich mit den wenigen Beispielen, auf die ich mich als Alltagsblogger beschränken muss, auch Euch Denkanstösse geliefert. Verzeiht mir bitte meine Knappheit in vielen Punkten und auch den Sarkasmus, der das eine oder andere Mal durchkommt. Ersteres ist der Fülle an Material geschuldet, mit der ich mich in den vergangenen Jahren auseinandergesetzt habe und die einem einerseits den Atem raubt, andererseits zeitaufwendige Recherchen aufdrängt, weil das eine oder andere doch recht hanebüchen klingt. Also gilt es zu hinterfragen und abzuklopfen. Zudem betreibe ich nur ein ganz normales Blog und kein Buchprojekt. Wer mehr Hinweise / Verweise / Quellen wünscht, mag mich gerne per Kommentarfunktion danach fragen – ich liefere gerne nach!

Zweites (der Sarkasmus) ist der Tatsache geschuldet, dass sich bei der Recherche Dinge offenbaren, die auf dem ersten Blick einem vermeintlich aufgeklärten, gebildeten Bürger des 21. Jahrhunderts unfassbar erscheinen, auf dem zweiten Blick jedoch den Menschen in seiner Normalität zeigen. Es gab und gibt auf diesem Planeten jederzeit Leute, die – im Auftrag oder selbständig – für uns absurdeste Ideen haben…

Zum Abschluss: Wer noch nicht genug hat, sollte sich peu à peu die nachfolgend aufgelisteten Videos – die hervorragend zum Thema passen – anschauen:

• Abschiedsrede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower (‚Military-Industrial Complex‘, 1961) – auf Youtube mit und ohne Untertitel zu finden

• Die Rede des Abgeordneten Ron Paul: „What, if…?“ im US-Kongress (3’45“ / mit Untertiteln /  absolut hörenswert!)

• ARTE-Doku „Why we are fighting?“ (deutsch)

9/11 – Was steckt wirklich dahinter? (italienische Produktion, ausgestrahlt auf ORF2)

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In Gedenken an die weltweiten Opfer und Hinterbliebenen des 11. September und in der Hoffnung, dass sich das wundervolle Land USA wieder auf seine wahren Werte besinnt.

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Quellenhinweise:

[1] Spiegel Online vom 10. August 2013: NSA führt Deutschland als Spionageziel

[2] Washington Post vom 29. August 2013: The Black Budget

[3] Iraq War Logs: Interaktive Karte auf Spiegel Online

[4] 2003 wurde der Mailänder Imam Abu Omar auf offener Strasse durch Leute des CIA in ein ägyptisches Gefängnis verschleppt und gefoltert (die Freilassung erfolgte erst 2007). Im Herbst 2012 verurteilte ein italienisches Gericht insgesamt 26 CIA-Mitarbeiter für diese Tat – Auslieferungsanträge an die USA wurden jedoch nie gestellt. Im Februar 2013 wurde dann u. a. der Leiter des italienischen Geheimdienst SISMI, Nicolo Pollari, zu zehn Jahren Haft wegen Amtshilfe im genannten Fall verurteilt. „Die Regierung Berlusconi wusste genau, was vorgefallen ist“, erklärte der Geheimdienstchef vor dem Richter (siehe u. a. NEUE ZÜRCHER ZEITUNG vom 12. Februar 2013: Haft für Ex-Geheimdienstchef).

[5] Der 9/11 Commission Report zum Download: http://www.9-11commission.gov/report/911Report.pdf

[6] Beim hochrangig besetzten Juristen-Kongress ‚Quo Vadis NATO?‘ im April 2013 in Bremen äusserte sich der SPIEGEL-TV-Autor Dr. Florian Huber zum Commission Report wie folgt: „2009, als ich meine Recherchen aufgenommen habe, galt der Report zumindest in der Spiegel-Gruppe als diskreditiert. Man hielt ihn für ein eher peinliches Dokument der Bush-Regierung. (…) Es sind im Report Fehler und Auslassungen unterlaufen, weswegen er meines Erachtens nicht das Prädikat ‚Abschlussbericht‘, sondern eher ein ‚mangelhaft‘ verdient“.

[7] aus Shenon: The Commission

[8] Zitat Harvey Pitt, damaliger Chef der SEC

[9] Über die Probleme der abgelehnten Bescheide für die Veröffentlichung der ‚Pentagon-Videos‘: http://911research.wtc7.net/pentagon/evidence/footage.html

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Am vergangenen Samstag fanden im Rahmen der Enthüllungen durch Edward Snowden bundesweit in über 30 Städten Demonstrationen gegen totale Überwachung und für informelle Selbstbestimmung statt. Bei der Protestkundgebung in der Frankfurter Innenstadt, zu der ein parteienübergreifendes Bündnis aufgerufen hatte, versammelten sich etwa 1.000 Teilnehmer und forderten von der Bundesregierung mehr Aufklärung, Unterstützung für Snowden und den Schutz der Bürger vor der Sammelwut der Geheimdienste und grossen Internetkonzerne.

Seitens Berlin sollten wir allerdings nicht allzuviel erwarten: seit 1968 gibt es eine Verwaltungsvereinbarung, die die Bundesregierung verpflichtet, “für die westlichen Siegermächte Post- und Fernmeldeüberwachungen durchzuführen oder von diesen selbst durchführen zu lassen“, wie der Freiburger Historiker Joseph Foschepoth berichtet [1]. Laut Foschepoth gilt die Vereinbarung bis heute unverändert fort. Angesichts Ex-Bundeskanzler Schröders Zugeständnis an George W. Bush (aus der Regierungserklärung 12. Sptember 2001: “Ich habe ihm auch die uneingeschränkte – ich betone: die uneingeschränkte – Solidarität Deutschlands zugesichert“ [2]) und Bundesinnenminister Friedrichs Haltung zu Datenschutzfragen sollte uns das nicht wundern.

Auch die deutsche Wirtschaft wird an einer umfassenden Aufklärung nicht besonders interessiert sein. Zwar geht es nicht nur um geheimdienstliche Aufklärung zwecks Terrorbekämpfung, sondern auch um handfeste Wirtschaftsspionage – doch das Geschäft hat Vorrang. So hat die Deutsche Telekom eingeräumt, im Rahmen der Übernahme des Unternehmens Voicestream (heute: T-Mobile USA) im April 2001 einen Vertrag mit dem US-Justizministerium und dem FBI unterzeichnet zu haben, der den US-Behörden volle Zugriffsrechte auf Verkehrsdaten und Kommunikationsinhalte einräumt. Der Vertrag ist selbstverständlich auch heute noch gültig [3]. Andere Konzerne (u. a. Yahoo) beklagen sich, nicht umfassend die Wahrheit über die Zusammenarbeit mit den Behörden offenlegen zu dürfen.

Snowdens Enthüllungen, die Meldungen und Reaktionen der vergangenen Wochen verdeutlichen, dass unser Verständnis einer freien, modernen Gesellschaft von verschiedenen Interessensgruppen unterschiedlich interpretiert wird. In meinen Augen bedeutet das eine Zäsur, die dringend öffentlich diskutiert werden muss.

Wir müssen reden… über die Arbeit und die Kontrolle der Geheimdienste. Nicht erst seit der NSU-Affäre wird die deutsche Öffentlichkeit von BND und Verfassungsschutz an der Nase herumgeführt, wenn es um Aufarbeitung geht. Die Geschichte der Bundesrepublik ist durchzogen von Ereignissen, bei denen die Rolle der Geheimdienste unaufgeklärt blieb. Inwieweit also entziehen sich die Geheimdienste den parlamentarischen Kontrollgremien? Hinzu kommt: seit 9/11 wurden zum Beispiel die US-amerikanischen Dienste mit unvorstellbaren Finanzmitteln ausgestattet. Das ist ein Machtfaktor, der nicht verschwiegen werden sollte. Und die Aufregung darf sich nicht nur auf die USA fokussieren – das EU-Mitgliedsland Grossbritannien scheint mit seinem Geheimdienstprogramm Tempora noch weitaus intensiver die europäischen Partner abzufischen.

Wir müssen reden… über die Zukunft von Datenverkehr und Internet. Monopolistische Strukturen können nicht förderlich sein. Wenn uns Google und Facebook nur noch zeigen, was wir vermeintlich sehen möchten, ist das Manipulation. Wenn Pläne wie die der Telekom greifen, den Datenverkehr zugunsten eigener kommerzieller Angebote zu begrenzen, verkommt das WorldWideWeb zu einem weiteren Mainstreammedium als Werbeplattform. Ein arabischer Frühling ist dann darüber nicht mehr zu organisieren.

Wir müssen reden… über den Glaube an Big Data und Analyseprogramme, denn nichts anderes steckt hinter der Datensammelwut. Auch in der Technokratie deutscher Amtsstuben, der Politik und Konzerne erliegt man den Verlockungen, die Gesellschaft via Algorithmen auslesen und führen zu können. Das führt unweigerlich in einen Totalitarismus, denn die Lösungen und Entscheidungen basieren nur noch auf den Fragen, die ein Algorithmus beantworten kann. Querdenken, Hinterfragen, Ausnahmen sind dann nicht mehr zulässige Muster.

Es gibt heute schon genug Beispiele, was passiert, wenn Realitäten als mathematisches Modell behandelt werden – siehe der computergestützte Börsenhandel mit seinen plötzlichen, irrationalen Ausschlägen (das geht so weit, dass teilweise der Handel manuell ausgesetzt werden muss). Wie zuverlässig sind die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute (weder die Dotcom-Blase noch der Crash in 2008 wurden vorausgesagt)?

Und wir müssen dringlichst reden… über unser Verhältnis zu Demokratie und Bürgerechte – bestenfalls mit den Nachbarn, Freunden und Bekannten und unseren Abgeordneten in den Parlamenten. Wir müssen darüber reden, was wir als freie Gesellschaft auszuhalten bereit sind (Apropos: Waren das jetzt 5, 7 oder 40 Terroranschläge, Herr Bundesinnenminister?). Wir müssen darüber reden, ob uns ein Freihandelsabkommen mit den USA wichtiger ist als der Schutz vor genmanipulierten Lebensmitteln und der Privatisierung und Ökonomisierung aller Bereiche.

Wollen wir darüber reden?

Quellen: [1] Forschungsstudie “Überwachtes Deutschland“ von Joseph Foschepoth, Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, 2012… [2] Manuskript der Rede Schröders… [3] Artikel von Patrick Beuth, DIE ZEIT, 23. Juli 2013

(Bilder der Kundgebung StopWatchingUs vom 27. Juli 2013 in Frankfurt am Main. Zum Öffnen der Galerie einfach anklicken)

Lag es an Hurricane Sandy, den verbalen Tiefschlägen einiger republikanischer Kandidaten im zeitgleichen Wahlkampf für den Kongress („…eine Schwangerschaft nach Vergewaltigungen ist gottgewollt…“) oder trauten die Wähler dem schwerreichen Mitt Romney doch nicht zu, für alle US-Amerikaner einzustehen? Am Ende fällt der Wahlsieg für Barack Obama deutlicher aus, als es die Prognosen annehmen liessen.

Da die Mehrheitsverhältnisse im Senat und Repräsentantenhaus jedoch ebenfalls bestätigt wurden und den Republikanern dadurch weiterhin eine Blockadepolitik ermöglicht wird, kann auch die zweite Amtszeit des Präsidenten keinen grundsätzlichen Wandel herbeiführen. Entscheidend wird für die nächsten Jahre sein, ob sich das konservative Amerika vom Druck durch die Tea Party-Bewegung befreien kann und in den eigenen Reihen die Vernunft einzieht. Sonst steht zu befürchten, dass der Riss durch die US-amerikanische Gesellschaft immer tiefer wird, während das Land die anstehenden Aufgaben nicht bewältigen kann.

Am Bewältigen einer anderen Aufgabe scheiterte das ZDF in der vergangenen Nacht kläglich. Die Wahlsendung Unterhaltungsshow lieferte sinnfreie Informationen über eine Twittersäule, präsentierte eine an die Figur Alfons (der mit dem Puschelmikrofon) erinnernde Live-Schalte in ein nordamerikanisches Wahllokal als Beweis für die ordnungsgemässe Durchführung der Präsidentschaftswahl und zeigte mit der Aussenreporterin Dunja Hayali am New Yorker Times Square, dass mit limitierten Englischkenntnissen zwar Sendeminuten gefüllt, aber keine Interviews geführt werden können.

Die angekündigten „hochkarätigen Gesprächsrunden“ endeten jeweils bereits während der Vorstellung der Teilnehmer: ein Tusch unterbrach abrupt Moderatorin Bettina Schausten, die dann die neuesten Hochrechnungen* ankündigen durfte. Anschliessend wurde die Sendung dann fortgesetzt mit Live-Musik und den Berichten von Klaus Kleber aus der Washingtoner Kneipenszene. Dann durfte die nächste „hochkarätige Gesprächsrunde“ auf dem Sofa Platz nehmen…

Infotainment at it’s best.

* Hochrechnungen = Umfrageergebnisse an den Ausgängen der Wahllokale

vorläufiges Wahlergebnis (Quelle: EdisonResearch)

Afghanistan im Mai 2012 – US-Aussenposten ‚Nangalam‘ in der Provinz Kunar. Die Fotografin Katja Lenz begleitet mit ihrer Kamera zwei Wochen lang eine amerikanische Kampfkompanie nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze. Sie erlebt den Alltag im Camp, besucht die umliegenden Dörfer und nimmt an Tag- und Nachtpatrouillen teil. Dieser Artikel mit einigen ihrer Fotos erzählt von der derzeitigen Situation vor Ort – der Abzug der ISAF in 2014 wirft seine Schatten bereits voraus.

Nangalam am Fluss Pesch

Das Dorf Nangalam liegt im Osten des Landes am Fluss Pesch und ist von hohen Bergen umgeben. Die Menschen leben hauptsächlich von der Landwirtschaft (Getreideanbau) und strotzen dem kargen Boden mühsam die Ernte ab.

Der US-Aussenposten nahe beim Dorf kann nur per Helikopter und ausnahmslos nachts angeflogen werden, da in den Tälern nach Nangalam Versorgungskonvois aus anderen Stützpunkten sofort unter Beschuss geraten würden. Bei Einbruch der Dunkelheit bleibt auch das Camp aus Sicherheitsgründen unbeleuchtet. Die dort stationierten, mehrheitlich sehr jungen Soldaten verbringen ihre Zeit – neben den obligatorischen Patrouillen und Ausbildungsstunden – meistens im provisorisch eingerichteten Fitnessraum und mit Computerspielen.

Aufständische Gruppen rund um Nangalam

Der Krieg in Afghanistan bereitet der ISAF trotz militärischer Überlegenheit u. a. deshalb so grosse Probleme, weil es nicht nur einen Feind gibt. Die Gruppierungen der Aufständischen bilden sich aus Taliban, versprengten Al-Qaida-Kämpfern und den autarken Stämmen aus den Seitentälern. Sie folgen Salafisten-Führern oder werden kurzerhand für ein paar Dollar aus den Dörfern rekrutiert, um Schüsse auf die ‚Besatzer‘ abzufeuern und danach wieder auf die Felder zu gehen. Die Abbildung (s. o.) zeigt, von welchen feindlichen Gruppen der Aussenposten Nangalam umgeben ist. Solche Gegner sind nicht greifbar – sie bewegen sich in den unzugänglichen Bergen oder verschwinden in der Zivilbevölkerung.

Bis 2014 wird die ISAF die Truppen vollständig aus Afghanistan abziehen, lediglich Berater und Ausbildungseinheiten verbleiben im Land. Spätestens dann ist die afghanische Armee (ANA) allein auf sich gestellt. Die Alliierten arbeiten heute sehr eng mit den ANA-Streitkräften zusammen, um bei der Ausbildung zu helfen und Unterstützung zu leisten. So lautet auch eine der Auflagen der entsprechenden UN-Resolutionen.

In Nangalam lädt Bataillonskommandeur Adil Turab – der als Mudschaheddin bereits gegen die Sowjetarmee kämpfte – seine amerikanischen Kollegen zum wöchentlichen Tee ein. Man bespricht die Lage und weitere Planungen. Turab weiss, was in den nächsten Jahren auf ihn und seine Männer zukommen wird und warnt eindringlich vor den Konsequenzen, sollte die Weltgemeinschaft seinem Land den Rücken zukehren.

Warnende Worte: Bataillonskommandeur Adil Turab

Turabs Einheiten übernehmen schon jetzt einen immer grösseren Teil der Aufgaben in der Region. Die Kampfeinsätze gegen die Aufständischen werden zunehmend von afghanischen Soldaten durch-geführt, während sich die US-Kompanie mehr und mehr auf Beobachtung verlegt, aus der Distanz sichert und Luft- oder Artillerieunterstützung leistet. Die Zeit der grossen NATO-Offensiven im Rahmen der OEF (Operation Enduring Freedom) scheint endgültig vorbei.

US-Soldat beobachtet die Berghänge

Gefechtsstand in Nangalam

Mörsereinsatz

Der Ausbildung der ANA-Soldaten wird mittlerweile eine hohe Priorität eingeräumt. Diese Männer werden demnächst ohne fremde Unterstützung die Aufständischen bekämpfen und den afghanischen Staat sichern müssen. Ein Grossteil der Soldaten kommt aus ärmlichen Verhältnissen – viele lernen erst in der Armee lesen und schreiben. Die Amerikaner unterweisen sie im Umgang mit Kartenmaterial und lehren die Handhabung der verschiedenen Waffengattungen.

ANA-Soldaten erhalten eine Einweisung

Afghanisch-amerikanische Freizeit im Camp

ANA und US-Army auf einem Beobachtungsposten

Zuvor sehr aggressiv aufgetreten, verfolgen die USA seit 2009 einen Strategiewechsel, zu dem auch ein intensiverer Kontakt zur afghanischen Bevölkerung und den Funktionsträgern zählt. Um mit den Frauen und Mädchen auf den Dörfern näher kommunizieren zu können, hat die US-Armee die FET-Einheiten (Female Engagement Teams) installiert. Die Soldatinnen – die teilweise auch Paschtunisch sprechen – knüpfen Kontakte zum weiblichen Teil der Einheimischen und erkundigen sich nach medizinischem Bedarf, alltäglichen Problemen oder Fortschritten in der Schule.

Gespräch mit Distriktgouverneur

FET-Angehörige mit Dorfkindern

Neugierige Jungs

Welche Zukunft erwartet die beiden Kleinen?

HOFFNUNG ODER SKEPSIS?

Auf den Hügeln rings um Nangalam und dem Aussenposten der US-Kompanie sichert die afghanische Armee in vorgeschobenen Beobachtungsständen die Gegend. Der Dienst in diesen einsamen Vorposten ist hart und entbehrungsreich – teilweise schlafen die Männer mit der Waffe in der Hand direkt hinter den Sandsäcken, um bei plötzlichen Überfällen sofort gefechtsbereit zu sein.

Afghanischer Vorposten in den Bergen

Die Bilder zeigen den Mangel an moderner Ausrüstung und Logistik. In so manchen Gesichtern der ANA-Soldaten sind Skepsis und Hoffnungslosigkeit abzulesen – es wundert nicht bei den Aussichten auf die vor ihnen liegende Zeit. Die Afghanen sind stolze und mutige Kämpfer, sie haben kluge Anführer, und doch kann man es ihnen nicht verdenken, wenn sie schon heute an die Zeit nach dem ISAF-Rückzug denken. Auf die Soldaten warten in entfernten Heimatorten Frauen, Kinder, Familie. Die einfachen Dienstgrade haben sich für den Militärdienst gemeldet, um wenigstens etwas Geld verdienen zu können. Niemand weiss, wie sehr sie sich jetzt noch mit den vielleicht zukünftigen Machthabern anlegen wollen.

Unteroffizier der ANA

Feldbetten im Vorposten

ANA-Soldaten auf ihrer ‚Stube‘

Afghanische ‚Feldküche‘

Man wird den Eindruck nicht los, dass wenig Hoffnung für Afghanistan besteht. Nach dem Abzug der NATO und der ISAF-Truppen steht eine bisher schlecht ausgebildete, mangelhaft ausgerüstete und nur teilweise motivierte afghanische Armee verschiedensten Interessengruppen gegenüber, die ihre baldige Chance wittern. Wir wissen nicht, ob diese aufständischen Gruppierungen durch den anhaltenden Krieg und die militärischen OEF-Offensiven (von Obamas Drohnenangriffen ganz zu schweigen) der vergangenen Jahre entschieden geschwächt wurden. Oder warten sie bereits ungeduldig auf den Rückzug der westlichen Soldaten, um mit geballter Kraft Afghanistan in das Chaos zu stürzen?

Die nächsten Monate, die kommenden zwei Jahre werden sehr wahrscheinlich die Zukunft Afghanistans entscheiden…

Der Abzug naht: „Good luck, Afghanistan!“

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In eigener Sache:

Katja Lenz in Afghanistan (Mai 2012)

Die Fotografin Katja Lenz, bei der ich mich nochmals auch an dieser Stelle sehr für das zur Verfügung gestellte Bildmaterial bedanke (und über deren unbeschadete Rückkehr ich sehr froh bin), hat die Reise in das Kriegsgebiet unternommen, um diese bisher fremde und für uns so ganz andere Welt kennenzulernen. Einerseits das ferne Afghanistan mit seiner eigenen Geschichte und Kultur, andererseits die in sich geschlossene Welt der US-Militärmaschinerie. Sie wollte Eindrücke gewinnen vom Alltag in dem kriegsleidenden Land und vom Leben im Schatten der ständigen Bedrohungen – ihr Ansinnen war es nicht, medienwirksame Kriegsbilder abzuliefern.

Mein Artikel ist nur ein kleiner Ausschnitt der Eindrücke, die Katja auf ihrer Reise gesammelt hat. Wirklich beeindruckende Bilder präsentiert sie in den Fotoserien auf ihrem Webblog:

Ein Blick in die Gesichter der Menschen, die in der Kriegssituation leben, arbeiten oder ihren Dienst leisten müssen, zeigt uns die eindrückliche Portraitserie FACES. Eine Auswahl eindrucksvoller Bilder aus dem afghanischen Alltag lässt uns erstaunen. In der sehr ausdrucksstarken Serie I HAVE A DREAM schildern fünf Soldaten eines US-Platoons in Nangalam Träume und Hoffnungen. Und STRANGERS ist der Blick durch das Panzerglas eines Patrouillenfahrzeuges auf die Menschen in dieser Krisenregion – die Distanz zwischen Supermacht und den Einheimischen wird allzu deutlich.

[Fotos: Katja Lenz | Text: der Autor dieses Blogs]

Angesichts der vielen Beiträge zu den Vorkommnissen des 11. September 2001 widme auch ich mich diesem Thema. Zu einschneidend waren die damaligen Ereignisse, zu folgenreich die Beschlüsse und Konsequenzen aus diesem Tag. Fassungslos verfolgte ich vor zehn Jahren die Geschehnisse mit Kollegen und Mitarbeitern am TV-Bildschirm – die eigentliche Tragweite des 11.09. wurde mir allerdings erst später bewusst. Und dann kam doch alles anders, als gedacht…

Ziemlich rasch formte sich für mich in den damaligen Tagen ein Gedanke, den ich auch in die vielen Diskussionen im Freundeskreis über 9/11 einbrachte, weil ich ihn als logisch empfand: Die Anschläge waren nicht nur als terroristischer Akt zu betrachten (so grausam sie auch waren), sondern auch als deutliches Zeichen, dass sich das Verhalten der westlichen Industrie-nationen gegenüber dem Rest der Welt (insbesondere zu den Drittweltstaaten und islamisch geprägten Ländern) gehörig würde ändern müssen. Weniger Arroganz, weniger Ignoranz. Ein Zusammenrücken der Weltgemeinschaft. Aber Pustekuchen… Den Kampf gegen den Terrorismus betrachtete ich wie viele andere von Anfang an als schlechtestes Mittel, auf 9/11 zu reagieren, vor allem auch das deutsche Engagement am Hindukusch („uneingeschränkte Solidarität“ [1]) und Bushs Irakkrieg.

In den vergangenen zehn Jahren wurden viele Chancen verspielt. Und es hat sich einiges geändert. Die Vormachtsrolle des Westens wird in Frage gestellt von einem weltpolitisch immer selbst-bewussteren China mit den Schwellenländern im Schlepptau. Die USA haben durch Irak, Afghanistan, Abu-Ghuraib, Finanz- und Wirtschaftskrise Ansehen und Autorität verloren. In islamischen Staaten gehen die Menschen selbst auf die Straße und demonstrieren – natürlich begleitet von unserem Applaus – gegen die bestehenden Herrschaftsverhältnisse (die durch westliche Staaten mindestens geduldet, wenn nicht gar gestützt wurden). Europa streitet um’s Geld, statt um Werte. Israel und die Palästinenser ziehen den Graben immer tiefer und bauen die Mauer immer höher. Und in den allabendlichen Talkshows werden weder Fragen gestellt, noch Antworten gegeben.

Meine damalige Hoffnung, dass sich durch 9/11 weltweit etwas im Denken und Handeln ändern würde, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Entwicklung der Geschichte insbesondere in den USA ist erschreckend. Die Bush-Administration zeigte mit ihrer Aufführung des Stücks Kampf gegen den Terror ihr wahres Gesicht. Wir dürfen gespannt sein, ob (u.a.) ein Donald Rumsfeld noch in diesem Leben von einem ordentlichen Gericht angeklagt wird [2]. Zu gönnen wäre es ihm, denn als gläubiger Christ sollte er wissen, dass ihn nach seinem Ableben aufgrund seiner Taten eine nicht ganz so milde Behandlung erwartet…

Apropos Schmierenkomödie: Es ist schwierig, Kritik über die Untersuchungsberichte und Vorfälle rund um die Anschläge vom 11. September zu äussern, ohne nicht in die Ecke der suspekten ‚Verschwörungstheoretiker‘ abgeschoben zu werden. Natürlich wurden in den vergangenen zehn Jahren allerlei obskure Meinungen zu dem Thema insbesondere im iNet verbreitet. Andererseits gab und gibt es kompetente Menschen, die naheliegende Fragen stellen, deren Antworten ausgeblieben sind oder andere Rückschlüsse zulassen. Es darf als erwiesen gelten, dass der offizielle Commission Report, den die US-Regierung zu 9/11 in Auftrag gab, erhebliche Ungereimtheiten, Vertuschungen und Widersprüche [3] aufweist. Dennoch hielten und halten die großen Medien, auch bei uns in Deutschland, an dem gehirnwäscheartigen Credo fest: „Osama war es!“ [4]. So auch dieser Tage wieder in den unzähligen Dokumentationen auf allen Kanälen zu sehen.

Eine Frage, die sich mir zwangsläufig stellt: Wer ist dafür verantwortlich, dass Sender mit Aufklärungsauftrag nicht (investigativ) die Wahrheit berichten? Wer hat dafür gesorgt, dass unbequeme Journalisten ihren Arbeitsplatz oder Honoraraufträge verlieren? Wer hat es auf welche Weise geschafft, dass wir nicht protestierend die Frage stellen: „Warum eigentlich müssen deutsche Soldaten (und afghanische Zivilisten) am Hindukusch sterben?“

Denn – und das ist keine Verschwörungstheorie – ohne 9/11 und die (bis heute nicht erwiesene!) Schuldzuweisung an Osama Bin Laden in seiner afghanischen Höhle hätte es kein unsägliches Betroffenheitsfernsehen à la J.B. Kerner & K.T. zu Guttenberg in Masar-i-Scharif gegeben! Und alleine dafür wäre ich über eine schonungslose und ehrliche Aufklärung des 11. September und seiner Folgen sehr dankbar…

Quellen:

[1] Zitat Bundeskanzler Gerhard Schröder nach den Anschlägen vom 11. September 2001

[2] „Am 14. November 2006 reichte Wolfgang Kaleck, in Vertretung von 44 Organisationen und Einzelpersonen, (…) gegen Rumsfeld eine Strafanzeige wegen Kriegsverbrechen ein, welche am 27. April 2007 abermals von der Bundesanwaltschaft abgelehnt wurde.“ (Quelle: Wikipedia)

[3] siehe u.a. M. Bröckers + Christian Walther: „11.9.“, Westend Verlag

[4] Bis zu seinem Tod wurde Osama Bin Laden auf der FBI-Liste der weltweit meistgesuchten Verbrecher wegen verschiedener Straftaten, aber nie wegen 9/11 gesucht, da die „Ermittlungen des FBI keine konkreten Indizien für Bin Ladens Beteiligung an 9/11 ergeben hätten“ (Rex Tomb, Leiter der FBI-Presseabteilung, am 06.06.2006).